Bismillah
Nach der gewonnenen „Grabenschlacht“ um Medina, schlossen die arabischen Stämme zwischen Medina und dem Roten Meer und zwischen Medina und dem Jemen Frieden mit den Muslimen.
Es gab noch kleinere Kämpfe wie mit den „Bani Mustaliq“, von deren Angriffsplänen Prophet Muhammed, s., gehört hatte. Er suchte sie mit einer kleinere Gruppe Soldaten auf und traf sie an einem Brunnen, wo es zu einem Kampf kam, den die Muslime aber schnell gewannen.
Ansonsten ist bemerkenswert, was sich ereignete, als die Muslime zur Pilgerfahrt nach Mekka aufbrachen. Geplant war eine „Umrah“, das ist die kleine Pilgerfahrt, im Jahr 6 n.H.
1400-1600 Muslime waren bei der Pilgerfahrt dabei. Außerhalb von Mekka ließ man dem Propheten die Nachricht zukommen, dass man ihnen auf keinen Fall Zutritt nach Mekka gewähren würde. Ein ausgesandter Bote, Uthman bin Affan, wurde zunächst in Mekka festgehalten, so dass man befürchten musste, er wäre umgebracht worden. Er sollte verhandeln, dass die Muslime wie bei der kleinen Pilgerfahrt üblich, die Kaaba siebenmal umrunden und ihre mitgebrachten Tiere opfern dürften und dann die Stadt sofort wieder verlassen würden.Sie wollten die Stadt unbewaffnet betreten, wie sie überhaupt die ganze Reise unbewaffnet angetreten hatten.
Als er nicht zurückkehrte und zu befürchten war, dass sich die Situation zuspitzen würde, ließ Prophet Muhammed, s., seine Anhänger ihren Treueschwur erneuern. Das geschah unter einem Baum in Ridhwaan und man nennt diejenigen auch die Kameraden des Baumes.
Der dazu offenbarte Koranvers:
„Allah ist wohl zufrieden mit den Gläubigen, weil sie dir unter dem Baum Treue gelobten; und Er wußte, was in ihren Herzen war, dann sandte Er Ruhe auf sie hinab und belohnte sie mit einem nahen Sieg“.
48, Al-Fath, Der Erfolg, Vers 18
Auch wenn hier von einem nahen Sieg die Rede ist, sah dieser doch ganz anders aus, als die Muslime glaubten und die darauffolgenden Ereignisse zeigen, wie diplomatisch Prophet Muhammed, s., vorgegangen ist und welch ein Unsinn es ist, ihm Blutrünstigkeit zu unterstellen. Für mich ist diese Begebenheit eines der größten Zeichen der Friedfertigkeit.:
Die Mekkaner, als sie von dem erneuerten Treueschwur erfuhren, fühlten die Entschlossenheit der Muslime. Sie ließen Uthman frei und beauftragten ihrerseits Suhayl bin Amr, mit den Muslimen ein Abkommen auszuhandeln.
Diese erforderte naturgemäß zähe Verhandlungen, die am Ende in folgendem Ergebnis mündeten:
„Dies sind die Bedingungen des Friedensvertrages zwischen Muhammad, dem Sohn Abdullahs und Suhail Sohn von Amr als Vertreter Mekkas. Es soll keinen Krieg geben für zehn Jahre. Jeder, der sich Muhammad anschließen oder ein Abkommen mit ihm treffen möge, ist frei dazu. Jeder der sich den Quraisch anschließen oder ein Abkommen mit ihnen treffen möge, ist frei dazu. Wenn ein junger Mann oder jemand, dessen Vater am Leben ist, zu Muhammad geht ohne die Erlaubnis seines Vaters bzw. Vormundes, wird er zurückgeschickt zu seinem Vater oder Vormund. Aber falls jemand zu den Quraisch geht, wird er nicht zurückgeschickt. Dieses Jahr wird Muhammad zurückkehren, ohne Mekka zu betreten, aber im Folgejahr kann er in Mekka eintreten, dort drei Tage verbleiben und die Riten praktizieren. Während dieser drei Tage werden die Quraisch sich auf die benachbarten Berge zurückziehen. Wenn Muhammad und seine Anhänger Mekka betreten, werden sie unbewaffnet sein außer den Schwertern in der Scheide“
Bemerkenswert ist noch, dass in diesem Abkommen auf die Einleitungsformel „Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen“ verzichtet wurde – und dass Muhammed, s., nicht als der Gesandte Gottes bezeichnet wird. Stück für Stück hatte der mekkanische Verhandlungsführer dieses durchgesetzt, damit ja nicht der Eindruck entstehen konnte, man hätte Muhammeds, s., Gesandtschaft akzeptiert. Der Prophet akzeptierte das alles, um den Frieden mit Mekka zu sichern.
Die Mekkaner feierten das Abkommen wie eine Kapitulation der Muslime, während es unter diesen Murren gab, fühlten sie sich doch übervorteilt. Der Prophet,s, beriet sich mit einigen wirklich Getreuen und befahl dann, dass die Pilger sich die Haare scheren und die Opfertiere schlachten sollten, als Zeichen der Beendigung ihrer Pilgerreise. Viele zögerten, dem Befehl nachzukommen und besannen sich erst, als der Prophet, s., beispielhaft voranging. Dieses war ein offenkundiger Widerspruch zum gerade erneuerten Treueeid. Die Muslime hatten nicht verstanden, dass das Abkommen von Hudaibiya tatsächlich einen Sieg bedeutete, wie es der obige Koranvers sagt und wie es im Folgenden bestätigt wurde:
Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen Wir haben dir einen offenkundigen Sieg gewährt…
Sure 48, Al Fath, Vers1
Ein Sieg war es in vielerlei Hinsicht, auch wenn einige Anhänger des Propheten,s, es zunächst nicht glauben mochten. Denn mit dem Abkommen hatten die Mekkaner faktisch den Islamischen Staat von Medina anerkannt, während die Muslime bis dahin für sie nur Rebellen auf der Flucht gewesen waren. Dadurch dass Ruhe eingekehrt war zwischen Mekka und Medina, konnten sich die Handelsbeziehungen auf der arabischen Halbinsel wieder frei entfalten, gleichzeitig gab es den Muslimen die Möglichkeit, durch Botschafter andere Ländern über den Islam zu informieren, was in der Folge auch geschah. Und es zeigte, dass es Muhammed, s., eben nicht darum ging, seine Religion mit Blutvergießen zu verbreiten.
Innerislamisch zeigte es die Stärke von Prophet Muhammed, s., der sich nicht durch Druck aus den eigenen Reihen von seinem gottgewollten Weg abbringen ließ und es machte auch klar, wer unbeirrbar auf seiner Seite stand und auf wessen Loyalität man sich nicht hunderprozentig verlassen konnte.
„Und so richte du zwischen ihnen nach dem, was Allah hinabgesandt hat, und folge nicht ihren bösen Neigungen, sondern sei vor ihnen auf der Hut, damit sie dich nicht bedrängen und wegtreiben von einem Teil dessen, was Allah zu dir hinabgesandt hat. Wenden sie sich jedoch ab, so wisse, daß Allah sie zu treffen gedenkt für etliche von ihren Sünden. Siehe, gar viele der Menschen sind Wortbrüchige.“
Sure 5, Al Maida, Vers 51