Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten

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Bismillahir rahmanir rahim

Entschuldigung….ich war lange nicht hier. Aber jetzt, fast vier Wochen nach meinem Umzug kehren so langsam ruhigere Zeiten ein. Wie es mir inzwischen ergangen ist, hab ich in meinem neuen Blog „Mariams Aussichten“ beschrieben. Der soll ja ein bisschen mehr für das Persönliche zuständig sein.

Ich weiß nicht, wie es anderen geht – ich komm jedenfalls oft gar nicht mehr mit, bei allem was so in der Welt geschieht. Manchmal möchte ich mir nur die Decke über den Kopf ziehen. Oder hier oben in meinem Krähennest sitzen und alle diese Ereignisse unten sind ganz klein. Aber das geht natürlich nicht und ich würde es auch nicht durchhalten. Ich will schließlich verstehen, mitgestalten, mithelfen.

Also alleine diese Woche: dieser schreckliche Flugzeugabsturz. Traurig. Und zeigt wie schnell es mit dem irdischen Leben vorbei sein kann. Immer dieser Satz „sie hatten das ganze Leben noch vor sich“, angesichts der vielen jungen Opfer. Hatten sie aber nicht. Allah hat ihnen einen Termin gegeben, vor dem es kein Entrinnen gab.

Ihm gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde. Er macht lebendig und läßt sterben. Und Er hat zu allem die Macht. (Sure 57,Vers2)

Und wer sagt, dass es den Todesopfern schlecht ergeht?  Wer weiß, was ihnen erspart blieb? Traurig ist das doch am meisten für die Hinterbliebenen und denen gilt mein ganzes Mitgefühl. Seine Angehörigen so zu verlieren, während man darauf wartet sie am Flughafen wieder in die Arme zu schließen und von ihren Erlebnissen zu hören, das ist doch wirklich, wirklich traurig.

Aber was sich journalistisch abgespielt hat in diesen Tagen, das ist nicht unerwartet, aber so was von oberpeinlich für unsere Medien – schämen die sich eigentlich gar nicht mehr?

Am Unglückstag hab ich den Fernseher laufen gehabt – und bis auf die Tatsache, dass das Flugzeug abgestürzt ist, nichts als Vermutungen gehört. Was in den Printmedien abgelaufen ist, muss teilweise ekelhaft gewesen sein, ins Netz hab ich vorsichtshalber kaum reingeschaut. Logisch, dass man den Angehörigen auflauert und jede Menge nicht-Nachrichten bringt. Jetzt erweist sich der Co-Pilot als Unglücksursache und das Karussel dreht sich weiter.

Ich musste auch nicht vergeblich darauf warten, dass es „der Moslem“ war. Und das war schon fast wieder witzig. Putin war diesmal wohl nicht schuld, obwohl der doch gerade erst ein anderes Flugzeug persönlich abgeschossen hatte, oder wie war das noch?

O.k., das mit dem „Moslem“ war keines unserer „seriösen“ Medien, sondern ein Blog eines bekannten Islamhassers. Aber man darf sich doch fragen, wie bekloppt man sein darf im Internet. Die Antwort: unbegrenzt.

Diese traurige Geschichte kommt einigen ganz gelegen, lenkt sie doch davon ab, dass unsere Freunde und Verbündeten, der Stabilitätsanker im Nahen Osten, Saudi-Arabien, gerade gegen jedes Völkerrecht den Jemen angreifen. Der Jemen steht zwar nicht auf der Liste der Länder, die die USA sich vorgenommen haben anzugreifen, wird hier aber stellvertretend für Iran angegriffen, an den sie sich weder herantrauen, noch bei dem sie eine Chance haben. Ich hab das nie verstanden mit den sogenannten „Houthi-Rebellen“ und bin sehr dankbar für die ausführliche Erläuterung von Dr. Yavuz Özoğuz:

Die neue Front im Weltkrieg Jemen und was Deutsche wissen sollten

Die USA greifen den Jemen mittels ihrer saudischen Marionetten an, während die Deutschen glauben, dass die Jemeniten eine primitive Wüstengesellschaft sind und nichts verstehen.

Einmal mehr wird das Völkerrecht gravierend gebrochen. Einmal mehr findet ein brutaler Überfall auf einen souveränen Staat statt und einmal mehr schweigt die Westliche Welt. Sie schweigt, weil die Verbrecher ihre engsten Verbündeten sind und die Opfer sich nicht freiwillig dem Westlichen Imperium unterwerfen. Dabei wissen die Deutschen fast gar nicht über den Jemen!

Adolph Gustav Freiherr von Wrede (1807-1863) war ein bekannter deutscher Arabienforscher, der 1835 den Islam und damit den Namen Abdul Hud angenommen hat. Er gilt als erster Europäer, der Hadramaut in Jemen erforscht hat. Als er von seiner Reise zurückkam und seinen Reisebericht vorlegte, stand darin etwas von siebenstöckigen Gebäuden in der Wüste. Kein Verleger wollte ihm das damals glauben. Alexander von Humboldt, der Wrede am preußischen Königshof Friedrich Wilhelms IV. eingeführt hatte, sprach sogar von Aufschneiderei. Erst mehrere Jahrzehnte später wurden seine Eindrücke bestätigt und es gab wirklich jene Hochhäuser aus Lehm. Es scheint fast so, dass in der Wahrnehmung der Deutschen über Jemen sich seit 150 Jahren nichts geändert hat.

Da findet ein unvorstellbare Revolution im Jemen statt, eine scheinbar kleine Minderheit von unklaren Halb-Schiiten (wer weiß schon im Westen was Zaiditen sind) übernimmt das Steuer, die gesamte angeblich sunnitische Armee unterstützt jene Leute, das gespaltene Land wird vereinigt und im Westen weiß man so ziemlich gar nichts über das Land und noch weniger über die Führungspersönlichkeit. Nicht einmal der Name der führenden Gruppierung ist bekannt, denn die so genannten „Huthi-Rebellen“ heißen in Wirklichkeit Ansarullah (Helfer auf dem Weg Gottes). Doch dieser Name darf in den westlichen Medien kaum erwähnt werden, denn dann könnte man auf die Idee kommen zu fragen, was denn das für eine Konstellation ist mit den „Hizbullah“ (Partei Gottes) im Norden und den „Ansarullah“ im Süden und den treusten westlichen Verbrechern namens Saudis dazwischen.

Doch selbst bei dem Namen „Huthi-Rebellen“ dürfen die Bürger in der Westlichen Welt so ziemlich nichts erfahren, was die üblichen Vorurteile sprengen könnte, denn wenn eine Gruppe schon „Huthi-Rebellen“ heißt, dann müsste sie ja auch einen Anführer haben und der müsste ein Leben und eine Ausbildung und eine Geschichte haben. Alles das aber darf der Bürger hier nicht erfahren. Selbst die Einträge in Wikipedia geben nur das Notwendigste wieder, damit die in die Angriffskriege der Westlichen Welt eingebetteten Journalisten irgendetwas Blödsinniges schreiben können und nicht weiter fragen. Um aber halbwegs vernünftig zu verstehen, warum die USA jetzt mittels saudischer Flugzeuge einen Luftangriff auf den Jemen gestartet haben und gleichzeitig 150.000 Söldner an der Grenze zum Jemen zusammen gezogen haben, muss man die Geschichte des Jemen etwas genauer analysieren. Die folgende Analyse fällt daher etwas länger als üblich aus, wofür ich mich bereits jetzt entschuldige, aber ohne ein gewisses Hintergrundwissen ist der Konflikt nicht zu verstehen.weiter

Wer sich die Mühe macht, den Artikel ganz zu lesen, der wird vielleicht die Hoffnung auf gute Nachrichten die der blutigen Tragödie folgen könnten verstehen.

Mir fällt es gerade schwer, an bessere Zeiten zu glauben, aber ich kämpfe dagegen an. Denn leider sind diese schlimmen Geschehnisse durchaus einzuordnen in einige der Prophezeiungen um die Wiederkehr unseres Imam Mahdi, möge Allah seine Rückkehr beschleunigen. Was es nicht besser macht, dass die Menschheit ignoriert, dass täglich 57000 Menschen verhungern.

Ayatollah Bahjat, eine so starke Persönlichkeit, dass man über ihn sagt, es sei ihm gelungen zu leben ohne Sünden zu begehen, hat uns Hoffnung gemacht:

http://www.youtube.com/watch?v=noPawR9iWzE

 

Eine weitere Nachricht der letzten Wochen, die mehrheitlich bejubelt wurde in muslimischen Kreisen, hat mich zunächst mal skeptisch gemacht: die Aufhebung des generellen Kopftuchverbotes für muslimische Lehrerinnen durch das Bundesverfassungsgericht. Denn hier wird ja die Verantwortung auf die jeweiligen Schulleiter abgewälzt. Was bedeutet denn:

Künftig soll demnach keine abstrakte Gefahr für Neutralität und Schulfrieden durch das Tragen des Kopftuchs als Begründung für ein Verbot mehr genügen, vielmehr müsse es eine „hinreichend konkrete Gefahr“ geben.

Wenn sich irgendwelche Pegidisten durch die Kopfbedeckung einer Lehrerin gestört fühlen und darum Aufruhr an der Schule veranstalten – ist dann durch das Kopftuch der Schulfrieden gestört und die Lehrerin muss es abnehmen oder verschwinden?

Ich fürchte, solche Zuspitzungen wird es geben. Aber zumindestens hier in Bremen scheint diesbezüglich Vernunft zu regieren.

Eine junge angehende Lehrerin hat gesagt, dass sie nicht mehr schweigen will und man doch bitte mit den betreffenden Personen über dieses Thema diskutieren solle:

Ich frage mich auch, warum sich nicht schon vor zehn Jahren Frauen mit Kopftuch mehr dazu geäußert haben. Für mich ist klar: Ich will nicht mehr schweigen. Wenn hier eine Diskussion über Kopftuch tragende Musliminnen geführt wird, dann bitte mit den Betroffenen.

In der Print-Ausgabe habe ich die Leserbriefe dazu verfolgt – nach Diskussionen sah das nicht aus, eher nach Belehrungen. Genau das, was Havva Temirlenk bemängelt:

„Alle reden über Risiken, niemand über Ressourcen“

Da wird sich empört, wenn sie bemängelt, dass sie mit Kopftuch nicht verbeamtet wird und darum schlechter bezahlt wird, als verbeamtetet Kolleginnen. Das darf man nicht Diskriminierung nennen?

Die Kommentare online sind teils sachlich und nett, teils haarsträubend („meine Kinder werden niemals von einer Lehrerin mit Kopftuch unterrichtet werden!“) und an den Haaren herbeigezogen…vielleicht wäre es dann doch besser, ein Kopftuch zu tragen, damit das nicht passiert?

Aber diskutieren ist ja gut und richtig, nur leider geht online oft jeglicher Respekt verloren. Sehr erfreulich ist aber, dass die bremische Regierung sehr angemessen reagiert hat.

Wegen der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, wonach das Kopftuchverbot unzulässig ist, muss das bremische Schulgesetz nicht geändert werden. Das hat Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt am Dienstag den Schulen in Bremen und Bremerhaven schriftlich mitgeteilt. Die Politikerin: „Grundsätzlich darf jede Lehrerin im Unterricht Kopftuch tragen. Der Schulfriede darf dadurch aber nicht konkret gefährdet werden.“

Das äußere Erscheinungsbild der Lehrkräfte und des betreuenden Personals dürfe die religiösen und weltanschaulichen Empfindungen der Schüler und der Erziehungsberechtigten nicht stören, so Quante-Brandt. Ebenso dürften Spannungen, die den Schulfrieden durch Verletzung der religiösen und weltanschaulichen Neutralität gefährden, nicht in die Schule getragen werden. Die Frage, wann dies konkret der Fall sei, müsse im Einzelfall von der senatorischen Behörde entschieden werden.

Quante-Brandt verweist auf die Auffassung des Gerichts, wonach Schulen auch die Aufgabe zufällt, Kindern und Jugendlichen Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen zu vermitteln. Mit dem Tragen eines Kopftuches durch einzelne Pädagoginnen sei keine Identifizierung des Staates mit einem bestimmten Glauben verbunden, die staatliche Neutralitätspflicht werde also nicht verletzt. Senatorin Quante-Brandt: „Wir haben Schulen der Vielfalt. Daher trägt das Urteil der Realität Rechnung. Die plurale Gesellschaft wird sich damit verstärkt in unseren Schule abbilden.“

 

Gut so! Man wird sehen, wieviel Energie die Pegidisten aufwenden, um den Schulfrieden zu stören und wer dann tatsächlich deshalb gehen muss!

Die Schura Bremen ist es jedenfalls zufrieden.

Ich bin gespannt, nehm das aber erstmal als gute Nachricht. Vielleicht ein Schritt Richtung Normalität.

Obwohl schon wieder ein aaaaber! Normalität in dieser durchgeknallten Welt?

Für heute lasse ich es gut sein. InschaAllah hab ich jetzt viel mehr Zeit zum Nachrichten lesen und kommentieren, zum Bücher lesen und besprechen, mit meinen Mitmenschen zu reden und Euch inschaAllah von allem etwas mitzuteilen.

Salam aleikum, moin moin aus Bremen und bis bald!

 

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