Iran-Reise 2015 Teil 3

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Bismillahir rahmanir rahim

20150818_152455Bild von Imam Chomeini im Sitzungssaal

Heute will ich versuchen, einen kleinen Überblick über die Tagung und das Begleitprogramm zu vermitteln.  Es wird mir nicht gelingen, alles unterzubringen, weil es erstens so umfangreich war, ich zweitens kaum hinterhergekommen bin mit meinen Notizen und ich drittens heute fertigwerden muss, denn ab morgen bin ich wieder anderweitig so beschäftigt, dass ich nicht dazu komme. Aber inschaAllah gelingt es mir, Euch ein bisschen von der Atmosphäre und den Themen rüberzubringen.

Also erst einmal muss ich sagen, dass das, was mich unter Muslimen oft so stört, der Nationalismus, bei diesem Treffen überhaupt nicht zu bemerken war. Und das war großartig. Es waren ja hunderte von Gelehrten da und ich hatte den Eindruck, dass sich ganz viele kannten und sich freuten, sich wiederzusehen. Vielleicht haben sie zusammen studiert. Ich versuche mal zu sammeln, welche Nationalitäten ich getroffen habe: natürlich Iran, Irak, Indien, Frankreich, Saudi-Arabien, Bahrain,Kanada, Ägypten, Finnland, Chile, Deutschland, Ukraine, Polen, USA, Liberia, Kenia, Mauretanien, Jemen, Ruanda, Brasilien, Argentinien, Pakistan, Niederlande, Tunesien, Kosovo, Albanien, Liberia, Afghanistan, Australien, Indonesien, Südafrika, Japan….und das ist nicht vollständig, ich bitte alle die ich vergessen habe um Entschuldigung. Im Abschlussstatement wird die Zahl von 130 Ländern genannt – man sieht also, dass ich viele vergessen oder nicht mitbekommen habe.

Wie man sich vorstellen kann, ist die Situation der Shiiten in diesen Ländern sehr unterschiedlich. Ich habe viele Kurzberichte gehört. Z.B. aus Ruanda: nach den entsetzlichen Massakern dort, gab es sehr viele Konvertierungen. Das ist ja wohl ein Zeichen, dass der Islam als vernunftbetonte Religion erkannt wurde. Leider sind aber dort auch gerade die Wahabiten sehr aktiv und versuchen mit Geldzuwendungen, die Muslime zu ihrer Sekte zu bekehren (das hat u.a.  auch in Bosnien stattgefunden. Wo es Krisen gibt, sind die da). Schön zu hören, dass es auch Shiiten gibt, die dort helfen, u.a. die Hezbollah. Die unterstützen auch in Liberia, wo es wenige, aber sehr aktive Shiiten gibt.

Auch aus Mauretanien wurde von der vermehrten Einflussnahme der Wahabiten berichtet.

Interessant: in England sind 4000 der insgesamt 5000 Moscheen von den Wahabiten finanziert! Das scheint nicht zu stören, ist doch Saudi-Arabien ein guter Verbündeter – aber neue Gesetze in England verlangen von Erzieherinnen und Lehrerinnen, dass sie „radikale“ Muslime den Behörden melden – Kinder wohlgemerkt. Und die Kriterien: dezente Kleidung, Höflichkeit, gute Leistungen…..

Anders anscheinend in Finnland, wo es den Shiiten gut geht, oder auch in Chile, wo sie anscheinend eine gute Zusammenarbeit mit der Regierung pflegen.

Viel mehr kann ich auch schon nicht über die regionalen, bzw. die Politik-Kommission sagen. Es gab viele Beiträge, die die oben genannten Themen angesprochen haben und viel zu wenig Zeit, um aus diesen Problemfeldern eine wirkliche „roadmap“ zu entwickeln.

So blieb es leider für mich dabei, dass es gut war, erfahren zu haben wie groß die shiitische Community ist, wie stark sie ist und wie sehr sie daran arbeitet, die Lehren der Ahl ul bayt a.s. zu verbreiten, aber auch welchen harten Attacken sie ausgesetzt ist: mit brutalster Gewalt im Jemen, Syrien, Irak, Bahrain u.a., mit einem „soft war“ im Iran („Kulturkrieg“ u.a. über Satellitensender), und in Westeuropa,  mit Geld und Gewalt in afrikanischen Ländern und in Osteuropa…vielleicht haben die südamerikanischen Länder im Moment noch am meisten Ruhe.

Ganz, ganz groß wurde die islamische Einheit betont. Ob bei Imam Chamenei, der sagte, dass diese seit Gründung der Islamischen Republik „Staatsräson“ ist (nein dieses Wort hat er nicht benutzt, aber es kommt mir dabei in den Sinn, wenn es darum geht, dass etwas unverrückbar ist, dank Frau Merkel), ob in vielen der gehaltenen Reden, immer wird der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit mit den Sunniten hervorgehoben.  Mir fehlt nur leider, wie gesagt, der Plan, wie man das in alle Köpfe bekommt und vor allem in der Öffentlichkeit in dieser Deutlichkeit vermittelt.

Damit Ihr aber nicht mit meinen spärlichen Eindrücken abgefertigt werdet, habe ich einige Links zusammengesucht, mit Fotos und auch mit Reportagen, bzw. Redetexten:

Hier ein Foto aus der Politik-Kommission, man ahnt, dass ich nicht recht zufrieden bin.

kommissionHier beim Programmteil über Imam Sajjad, a.s. – das fand ich gut, aber ich glaub ich war sehr müde, :-). Neben mir meine liebe Mitschwester aus Perth, mit der ich das Zimmer geteilt habe.

Kommission2

Foto-Links zu den verschiedenen Kommissionen und auch zum ganzen Drumherum der Tagung findet Ihr hier

Man kann sich die mehrsprachige Tagungszeitung herunterladen, sie fasste immer am Folgetag das Wichtigste zusammen: 1, 2, 3, 4

Der Stellvertreter des Hezbollah-Führers zur Zusammenarbeit von Irak und Hezbollah und zur Einheit Iraks:Interview mit Naim Qassem

Das Abschlußstatement des Kongresses:

Final Statement. 

Ich finde all die dort genannten Punkte wirklich wichtig. Es ist aber auch sehr umfangreich. InschaAllah steht uns der barmherzige Gott bei, mit allen diesen Themen voranzukommen.

Am ersten Tag, vor der offiziellen Eröffnung konnten die früh Angereisten am Freitagsgebet in Teheran teilnehmen und abends waren wir dann am Grab von Imam Khomeini, um gemeinsam einen Kranz niederzulegen und zu beten 9e852397600622eb254f8a9909b9b07c Wir hatten dann zwei intensive Tage in Arbeitsgruppen, jeweils so 12 Stunden im Kongresszentrum verbracht, dann  der Besuch bei Imam Chamenei, dann der letzte, 15 stündige Kongresstag und dann waren wir einen Tag in Mashhad, das Grab unseres 8. Imams, Imam Reza a.s. besuchen. Es wurden extra Flugzeuge gechartert um uns alle hinzubringen und wir wurden zuerst in den botanischen Garten gebracht, den ich noch nicht kannte und dort mit einem roten Teppich und einem Picknick empfangen. Dann zum Schrein, leider viel zu kurz und dann ein Mittagessen im Restaurant des Schreins. Ich war soo glücklich, wieder dort zu sein, wenn auch nur kurz. Vor zwei Jahren habe ich ja fast vier Wochen in Mashad verbracht und ich hatte dem Imam a.s. noch ganz viel Dank abzustatten.

11934957_885733438181326_2067306614977835533_nPicknick in Mashad, Bild von Sara Pastoor

20150819_110734Mit Schwestern in Mashad im Park

Hier auch noch mal von Abna24, vielleicht entdeckt Ihr bekannte Gesichter.

Ganz wenig Freizeit blieb uns, aber an einem Nachmittag war ich mit zwei Schwestern unterwegs, eine „Imamzadeh“ besuchen – das bezeichnet den Schrein eines Nachkommen der Imame, a.s., in diesem Fall einen Sohn von Imam Musa Kadhim a.s. Eine sehr beliebte Pilgerstätte in Teheran und praktischerweise gibt es gleich nebenan ein Einkaufszentrum.

Ja, das war es dann von einer wieder aufregenden und leider sehr kurzen Iran-Reise. Wieder überraschend, wieder ganz anders. Ich hab das noch gar nicht ganz verdaut.

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