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Qudstag-Nachlese: wer sind eigentlich die Verteidiger der Unterdrückung?

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Qudstag-Nachlese: wer sind eigentlich die Verteidiger der Unterdrückung?

Bismillahir rahmanir rahim

Eine Woche ist die alljährliche Qudstag-Demonstration schon wieder her und über die bösen antisemitischen Demonstranten ist doch schon alles gesagt, oder?

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Die Berliner Zeitung vom 11.7.2015

Immer wieder antwortete die Menge mit antisemitischen Parolen wie „Zionisten sind Rassisten, töten Kinder und Zivilisten“ und „Muslime, Juden und Christen – Hand in Hand gegen Zionisten“. Zudem war die Parole „Gaza, Gaza bis zum Sieg!“ zu hören.

Das war wieder eine unfreiwillig komische Einlage der Springer-Presse.

Der Artikel ist ganz lesenwert, nicht wegen des wörtlichen Inhalts („Dahinter steckt nach Angaben von Sicherheitsorganisationen die schiitische Terrororganisation Hisbollah. Auf den Märschen wird die Eroberung Jerusalems und die Vernichtung Israels propagiert, auch wenn die Veranstalter offiziell gegen Antisemitismus sind.“) sondern wegen vieler Bilder und Videos, aber suchen müsst Ihr ihn Euch selber („Israel Gegner hetzen auf Protestmarsch durch Berlin“).

Mal nachgeschaut, was denn die linke Presse so zu uns zu sagen hatte:

Das „Neue Deutschland“ stößt in das „Antisemitenhorn“:

„Die Reden bei der zeitgleich stattfindenden Auftaktkundgebung des Al-Quds Tages auf dem Adenauerplatz waren durchzogen von antisemitischen Ressentiments. Anmelder Jürgen Grassmann etwa wetterte, »Tagesspiegel, Spiegel, das ist Zionistenpresse, das ist Lügenpresse«. Der zweite Redner Christoph Hörstel stieß ins selbe Horn. Die Medien würden die »dumme, blinde« Vokabel des Antisemitismus »wider besseren Wissens« nutzen, um die deutsche Bevölkerung zu »verdummen«, wie es Adolf Hitler hätte mit den Polen machen wollen. Während des gesamten Zuges huldigten Teilnehmer mit Fahnen, T-Shirts und Parolen der Terrororganisation Hisbollah.“

Linke wie Springerpresse: nicht ein Wörtchen zu den berechtigten Anliegen der von Israel unterdrückten Völker von Palästina und Libanon….und denen, an deren Unterdrückung Israel mitwirkt. Das ist nicht antisemitisch, sondern wahr. Palästinenser sind übrigens auch Semiten, während Israel als Einwanderungsland wohl überwiegend aus anderen Völkern besteht – nicht dass sie ihren afrikanischen Glaubensbrüdern freundlich gegenüber stünden.

Israel ist rassistisch, ein Apartheidstaat, basiert auf einer beispiellosen Vertreibung und fordert sein „Existenzrecht“, wegen der Verbrechen unserer deutschen Vorväter. Niemand kann mir erklären, warum die Palästinenser für die Untaten unserer Vergangenheit büßen sollen.

Ein solches Land wird natürlich keinen Bestand haben, fragt sich nur, wieviel Opfer es noch fordern muss, bis endlich die Vernunft siegt und ein gemeinsamer Staat aller Volksgruppen und Religionen geschaffen wird. Denn die Zweistaatenlösung ist nun einmal tot, angesichts des immer weiter fortschreitenden Landraubs.

Warum eigentlich glauben diejenigen, die sich doch angeblich für den Frieden einsetzen, nicht daran, dass Juden, Muslime und Christen gleichberechtigt zusammenleben können?

Genau – ich wollte doch hinschauen, wer da so aufruft und nicht zum wiederholten Male ausgiebig die Positionen der Teilnehmer der Quds-Demo darlegen.

Also aufgerufen gegen den Quds-Tag haben u.a. eine

„Association Belle Vie“ – eine Organisation, die sich „freiheitlich-kommunistisch nennt. In ihrem Pamphlet gegen den Qudstag erklärt sie Widerstand gegen Zionismus als quasi „wahnhaft“ und vermengt ausgiebig Islam- und Irankritik.

In Anbetracht der Staatsgründung Israels, das damit zum Repräsentanten westlichen Lebens in unmittelbarer Nähe wurde, der unvorhergesehenen und als entwürdigend empfundenen Niederlage im 6-Tage-Krieg und der zunehmend internen Konflikthaftigkeit der islamistischen Strömungen spitzte sich diese antiwestliche Haltung zunehmend antisemitisch zu.

Ausgiebiges Geschwurbel, „Islamkritik“ genannt mündet schließlich in diesem Fazit:

Antizionismus nennt sich der Umweg, der versucht den Jüdinnen und Juden das Recht auf Selbstverteidigung zu entziehen, ohne sie dabei wenigstens noch beim Namen zu nennen. Richtet er sich doch „nur“ gegen die jüdische Bestrebung eines eigenen Nationalstaates, die einzige Form in der kapitalistischen Verfasstheit der Welt, die fähig ist, Schutz zu bieten.

Sich dieser Erkenntnis und seiner Ohnmacht bewusst zu sein, heißt sich bedingungslos solidarisch mit Israel zu erklären. Bedingungen zu nennen, verkennt die Alternativlosigkeit in Anbetracht der Vernichtungswünsche der AntisemitInnen. Es bedeutet nichts anderes, als Juden und Jüdinnen erneut der Verfolgung und Schutzlosigkeit ohne eigenen Staat auszusetzen. Die derzeitige massenhafte Flucht europäischer Juden und Jüdinnen vor allem aus Frankreich nach Israel belegt eine einfache Wahrheit heute aufs Neue: Der Zionismus ist berechtigt.

Eine „kommunistische“ Organisation, die sich bedingungslos auf Seiten Israels stellt und gar nichts an der Vertreibung der Palästinenser aus ihrer Heimat auszusetzen hat. Motivation: Islamhass und Kritik an der Islamischen Republik Iran, die hier als Organisator des Quds-Tages benannt wird. Und weil Iran islamisch ist und man den Islam hasst, überlässt man die Palästinenser ihrem Schicksal und unterstützt bedingungslos das faschistische zionistische israelische Regime.

Die Juden wurden verfolgt, das ist richtig. Was können die Palästinenser für den Holocaust?

Weitere Lektüre auf der Seite ist ganz unterhaltsam – unter dem Stichwort des „Antideutschen“ mischt sich dort allerlei berechtigte Kritik mit Unterstützung von TTIP und Co. Man will ja schließlich nichts gegen die Amerikaner sagen und feiert die Besetzung Deutschlands. Was haben sie denn nur, die Antideutschen, wir sind doch noch immer besetzt und machen was die Amerikaner wollen – auch wieder nicht recht?

Ja, das war ein Beispiel aus der Teilnehmerliste der Anti-Quds-Demo. Ein weiteres: der „Lesben- und Schwulen-Verband“. Hä?

Sind alle Israelis schwul, oder was tut der Verband dort? Es geht gegen die Unterdrückung der Palästinenser, was hat das mit irgendjemandes sexueller Orientierung zu tun? Aufklärung fand ich nicht auf der Seite des Verbandes selber, aber bei der TAZ:

Diesmal ruft auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) zum Protest gegen die Al-Quds-Demonstration auf. „Wir tun das angesichts der furchtbaren Situation Homosexueller im Iran und aufgrund der homophoben Inhalte der Ideologie, in deren Tradition dieser Tag steht“, sagt Sprecher Jörg Steinert.

In dem Artikel wird erwähnt, dass die Entscheidung sich dort zu beteiligen, im Verband nicht unumstritten ist. Und wieder wird hier was verwechselt: wenn einem iranische Politik nicht passt, warum wird dann gegen das Recht der Palästinenser auf Heimat, Sicherheit und Frieden demonstriert?

Anscheinend – und das ist der Kritikpunkt bei der internen Auseinandersetzung innerhalb des Verbandes – wirbt die israelische Regierung geradezu um Schwule und Lesben, um das Ansehen ihres Landes zu verbessern. Dabei verbietet das Judentum diese sexuellen Praktiken ebenso wie der Islam, mit drastischen Strafandrohungen.

Die Normen finden wir in der Heiligen Schrift und, mehr beiläufig, im Talmud, den für das Judentum grundlegenden beiden Büchern. In der Bibel steht das strikte Verbot: „Du sollst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; ein Greuel ist das.“ (Wajjikra/Lev 18, 22). Und, zwei Kapitel weiter, noch schärfer: „Wenn ein Mann mit einem Mann schläft wie mit einer Frau- ein Greuel haben beide verübt, sterben, ja sterben sollen sie, ihr Blut über sie!“ (ebd 20, 13). Beide Verbote stehen nicht für sich; sie sind jeweils eingebettet in eine ganze Reihe von Verboten der verschiedensten sexuellen Praktiken.

Die Mischna (mSanhedrin 7, 4) bekräftigt die biblische Androhung der Todesstrafe für den sexuellen Verkehr zwischen zwei Männern). Auch wenn dies unter veränderten Verhältnissen nur noch symbolische Bedeutung hat, zeigt es doch deutlich die anhaltende Schärfe der Verurteilung.

Der Talmud (bSanhedrin 54a) bekräftigt diese Einstellung. Wenn es sich um zwei erwachsene Partner handelt und sie beide einvernehmlich handeln, müssen beide sterben, andernfalls nur der erwachsene Partner oder der Vergewaltiger. An einer anderen Stelle allerdings erklärt der Talmud kurzerhand, dieses Problem existiere für das Judentum nicht, da es keine jüdischen Homosexuellen gebe.

Nun, das ist nicht der einzige Widerspruch zwischen Judentum und „jüdischem“ Staat wie wir wissen und wie die Rabbiner von „Neturei Karta“ auf der Demo zum Al-Quds-Tag immer wieder betonen (die Rede hab ich auf Youtube nicht gefunden und leider auch nicht den Text auf der Seite des Quds-Tages, vielleicht kommt das ja noch).

Aber weiter zu den übrigen Gegendemonstranten.Bei der grünen Jugend Berlins fand ich gar nichts auf der Homepage, auch wenn sie sich dem Bündnis angeschlossen hatte. Da hat man es sich wohl bequem gemacht und nicht Stellung bezogen, was man denn mit der Teilnahme bezwecken wollte – und erst recht nicht, was man zum Schicksal der Palästinenser, Libanesen und anderer unterdrückter Völker so denkt. Z.B., dass Israel dem „Stabilitätsfaktor in der Region“ Saudi-Arabien mit Waffen und Flugzeugen hilft, das jemenitische Volk zu bombardieren, weil dieses gewagt hat, einen Regierungschef der zugesagte Wahlen nicht abgehalten hat, wegzujagen.

Also weitere „Highlights“ auf der Unterstützerliste der Gegendemo sind „Stop the Bomb“, ein ebenfalls „antideutsch“ orientiertes Bündnis, das zunehmend verzweifelt die Gefahr der iranischen Atombombe beschwört. Hat also auch keinerlei Bezug zu den Palästinensern, oder gar Mitgefühl mit ihnen, bedingungslose Israeltreue. Man will also auch keine realen israelischen Bomben stoppen, sondern nur fiktive iranische.

Bisher legen sich also gegen die Freiheit des palästinensischen Volkes (und aller Völker) Leute ins Zeug, die vor lauter Islam-/Iranhass nicht differenzieren können, oder vor lauter antideutschem Selbsthass es unbedingt den Siegermächten recht machen wollen – vor allem einer Siegermacht natürlich, oder die weiter nicht überlegt haben, sondern einfach „Hier“ geschrien, weil es ja gegen Antisemitismus geht, das muss ja ne gute Aktion sein.

Mal sehen, wen ich noch auf der Liste finde:

Die Jusos sind dabei, allerdings nur die aus den Bezirken Berlin und Hannover. Die sind gegen Antisemitismus, schreiben sie auf ihrer Homepage und

..wir wollen uns mit der Welt, wie sie ist, nicht abfinden. Wir Jusos stehen für eine Welt ein, in der Ausbeutung, Ausgrenzung und Kriege der Vergangenheit angehören. Wir kämpfen für eine globale Friedensordnung, die mehr als nur die Abwesenheit von Kriegen kennt.

Tja, auch so ein Grüppchen, dass es sich einfach macht. Vermutlich angeschrieben worden, dass böse Antisemiten in Berlin demonstrieren wollen und einfach mal unterschrieben für den guten Zweck. Und dabei ganz vergessen zu überprüfen, ob dieser Aufruf denn zu ihren löblichen Zielen passt. Aber was kann man von einer Organisation der SPD auch erwarten, einer Partei die Israel einen Wald auf geraubtem Land schenken wollte? Die Israel „die wahr gewordene Hoffnung auf die Freiheit eines Volkes“ nennt?  Ein erfüllter Traum, auf Mord und Zerstörung eines anderen Volkes aufgebaut. Da hilft auch keine leise Kritik, man möge es doch nicht übertreiben mit Siedlungen und Isolation. Die Botschaft ist auch hier, bedingungslose Solidarität. Also kommt man als SPD-Verein gelaufen, wenn gegen den Islam gerufen wird. Oder gegen Iran. Worum ging es noch mal, beim Quds-Tag?

Gut, die Aufrufe auf den Homepages der aufrufenden Organisationen sind weitgehend abgeschrieben. Für diesen „linken“ Teil kann ich wirklich nur feststellen, dass hier blindlings der Mär von den antisemitischen Muslimen gefolgt wird und völlig kritiklos gegenüber israelischer Politik zur Unterstützung von Landraub, Unterdrückung, Apartheid, Rassismus aufgerufen wird, für die Isolation von 2 Millionen Menschen im Ghetto von Gaza. Keine Rede vom berechtigten Widerstand eines geknechteten Volkes, nichts über eine Perspektive für die Menschen in den (auch nach UNO-Resolutionen) besetzten Gebieten, nicht über Rückkehr von Flüchtlingen.

Damit sind diese Leute auf dem stumpfsinnigen Niveau einer Kanzlerin, die zu einem palästinensischen (!) Flüchtlingskind sagt, man können leider nichts für seine Familie tun. Doch: wir müssen für alle etwas tun, an deren Schicksal mit mit schuld sind und das ist in diesem Fall offensichtlich.

Es gibt aber noch ein „bürgerliches“ Lager, das gegen den Qudstag aufruft. Dazu gehören natürlich die Deutsch-Israelische Gesellschaft, aber auch die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Initiativen für Zivilgesellschaft und demokratische Kultur fördern will. Nun: wenn man sich in Deutschland gegen die „Staatsräson“ stellt, ist das ja wohl zivilgesellschaftlich und demokratisch, aber natürlich hört bei Israel die Demokratie auf.

Parolen wie „Tod den Juden“ sind auch auf dem am 11. Juli stattfindenden Al-Quds-Marsch eher Regel als Ausnahme.

behaupten die Organisatoren von „Amadeu-Antonio“ und das ist eine unverschämte Lüge. Es hat sich der jemenitische Redner so geäußert, das ist richtig – aber das haben die meisten nicht verstanden, sonst hätten sie ihn ausgebuht. Klare Ansage ist am Qudstag jederzeit, dass Judentum und Zionismus nichts miteinander zu tun haben.

Muslime, Juden und Christen – gemeinsam gegen Zionisten

wie oben erwähnt. Amadeu Antonio war das Opfer von rassistischer Gewalt. Wie kann die nach ihm benannte Stiftung einen rassistischen Staat unterstützen? Schämt Ihr Euch nicht?

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 Zu guter Letzt muss ich leider noch den DGB erwähnen, der einen Rundumschlag machte und sich von Israel bis zur Homosexualität für die allseitige Integration ausspricht. Gar nicht gehemmt sein will er beim „antimuslimischen Antisemitismus“. Sehr allgemein bleibt er bei diesem Thema und kann nicht konkret nicht benennen, wo er denn Antisemitismus gesehen hat – aber den Quds-Tag muss man verbieten.

„Antisemitismus ist die Wurzel des Hasses auf Israel“. Sicher? Vielleicht macht sich Israel verhasst durch seine menschenverachtende Politik?

Wie soll die vom Redner gewünschte Verständigung entstehen? Durch Bomben?

 

Ein kleiner Gag zum Schluss noch, dass angeblich die „Aleviten“ die Gegendemonstration unterstützt haben. In Wirklichkeit war das der „Alevitisch-christliche Freundeskreis“ in der CDU. Da ist das dann wohl Parteiräson.

Das soll reichen für einen kleinen Überblick über die Unterstützer des rassistischen, faschistischen Apartheidstaates Israel. Mein  Eindruck ist, dass die meisten sich keine großen Gedanken gemacht haben. Natürlich will man gegen Antisemitismus sein (ich auch). Dass man dabei beide Augen zukneifen muss, um israelische Verbrechen nicht zu sehen, was soll´s. Es ist so einfach auf der „richtigen“ Seite zu sein. Manche von meinen Mit-Demonstranten meinen, die Gegendemonstranten seien bezahlt. Ich weiß nicht, ich glaube eher, sie wollen ohne groß nachzudenken, zu den „Guten“ gehören. Und da zum Al-Quds-Tag schließlich u.a. das personifizierte Böse aufruft, schwenkt man doch lieber einen regenbogenfarbenen Davidstern und fühlt sich gut.

Bei wem das nicht so ist, wer tatsächlich gut findet, dass ein Volk das mit dem Holocaust nichts zu tun hatte seit 70 Jahren darunter leidet, dass dieser Völkermord als Vorwand benutzt wird, es zu unterdrücken und zu versuchen es zu vernichten – dem gnade Gott hätte ich beinahe gesagt, aber eigentlich denke ich was anderes.

Frau Merkel ungeschicktes Auftreten gegenüber einem palästinensischen Flüchtlingskind sorgt für Spott in den sozialen Medien. Tja Frau Merkel, ohne „unsere“ bedingungslose Solidarität gegenüber Israel gäbe es wohl keine palästinensischen Flüchtlinge. Sollten wir die nicht also alle mit offenen Armen aufnehmen, wenn wir schon angeblich nicht in der Lage waren, Juden hierzulande in Sicherheit leben zu lassen? Wie es übrigens in vielen muslimischen Ländern funktioniert, unterstellen sie Muslimen keinen Antisemitismus!

Warum ich auf der anderen, der angeblich antisemitischen Seite bin? Nun, z.B. deswegen:

Amnesty Report 2015: Israel und besetzte palästinensische Gebiete

(Amnesty ist bekanntermaßen nicht in iranischem Auftrag unterwegs, im Gegenteil sehr kritisch gegenüber Iran)

 „Nach Meinung der internationalen Gemeinschaft sind diese Siedlungen ungesetzlich“

Häuserzerstörung von Nicht-Juden (das trifft auch Christen)

UN-Resolutionen zu Israel und Palästina

besonders interessant, die nicht eingehaltenen. Und die vielen Verurteilungen Israels ohne jede Konsequenz. Man vergleiche die jahrzehntelangen Sanktionen gegen Iran wegen nicht vorhandener Atomwaffen.

Hier eine ganz ausführliche Linksammlung: Palästina-Spezial

Und hier eine ähnliche Fragestellung wie meine:

Wer demonstriert eigentlich gegen wen beim Quds-Tag

 

Ich wünsche allen meinen muslimischen Geschwistern ein gesegnetes Id-ul-Fitr!

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Was Deine Freiheit ist, bestimme ich!

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Bismillahir rahmanir rahim

Am Dienstag dieser Woche nahm ich an einer Podiumsdiskussion teil, die die Bremer TAZ anlässlich des sogenannten Kopftuchurteils veranstaltet hat. 11074179_10204005069475771_682727475_o

Hier das Podium noch ohne den Überraschungsgast. Von links nach rechts: Claudia Bernhardt, die Linke – Luisa Katharina Häsler, CDU -, Gönül Bredehorst, SPD, Benno Schirrmeister TAZ-Moderator, Henrike Müller, Grüne – Kübra Gümüsay, Publizistin.

und hier der Überraschungsgast:11153499_10204005065515672_1212467699_oHabibe Rode, Referendarin

Ich hatte hitzige Debatten erwartet, wurde aber angenehm davon überrascht, dass die politischen Vertreterinnen im Großen und Ganzen sehr gelassen bis erfreut auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts reagierten. Nur die Vertreterin der CDU wünschte sich, dass die Lehrerinnen mit Kopftuch doch lieber an muslimischen Privatschulen unterrichten sollten (Kübra dazu: „Habe ich richtig verstanden, das die CDU sich mehr islamische Schulen wünscht?“).  Es ist zum Glück keine Debatte über Privatschulen und Chancengleichheit entstanden. Was von allen bemängelt wurde, war dieser schwammige Begriff  „Schulfrieden“ im Urteil und dass es bislang gar keine Handlungsanweisungen dazu gibt – einig waren sich alle, dass nicht ein paar raffinierte -gida-AnhängerInnen unter den Eltern die Gunst der Stunde nutzen können sollten und unter Berufung auf den „Schulfrieden“ Hetzkampagnen gegen betuchte Lehrerinnen starten. Ob man in Bremen dazu nun doch das Schulgesetz ändern müsse, oder man mit anderen Ausführungsbestimmungen zurecht kommt, da war sich das Podium nicht so einig.

Sehr angenehm fand ich, dass man die Diskussion über die Kopfbedeckung von Lehrerinnen getrennt hat von der angstbestimmten „Islam“-Debatte. Kübra, deren freundliche und humorvolle, aber zielgenaue Art ich sehr schätze, brachte sehr früh ein, dass in Deutschland die Kopftuchdiskussion sich inhaltlich seit vielen Jahren nicht bewegt hat und wir heute genauso dastehen wie vor dem ersten Urteil 2003. In England, wo sie nun lange gelebt hat, interessierten sich die Leute für ganz andere Dinge. Und dass, obwohl es diverse Studien zu dem Thema gibt, die belegen, dass das Kopftuch im Unterricht gar kein Problem ist. Auch Habibe Rode hat für ihre Masterarbeit, dazu Untersuchungen angestellt, von denen sie berichtet hat. Nach kurzer Neugier und Nachfragen der Schüler, vergessen diese das Thema einfach und es zählen ganz andere Kriterien bei ihrer Lehrkraft.

Da wird es jetzt spannend, ob inschaAllah nicht das eintritt, wass Habibe Rode als Erfahrung aus Hamburg anbrachte: da gab es nie ein Kopftuchverbot, und trotzdem wurden Lehrerinnen mit Kopftuch nicht eingestellt. Natürlich ohne die Begründung, dass es daran gelegen hätte.

Recht witzig war es, als auf einmal aufkam, dass sich beim Thema Kopftuch in der Politik Leute für die  „Befreiung“ der Frau einsetzten, die sonst weit davon entfernt seien, Frauenrechtler zu sein. Genauso wie sich „Besserwisser-Feministinnen“ (Fr. Bernhardt outete sich als eine, die aus dieser Tradition stammt) anmaßen, den Frauen ihre Entscheidungsfreiheit abzusprechen. Die sind damit in einer Tradition die aus dem Kolonialismus stammt und die Frauen benutzt, um die unterdrückten Völker zu spalten und ihre Kultur zu zerstören. Dazu gleich mehr.

Also im Großen und Ganzen war die Diskussion nicht sehr kontrovers, so dass der Moderator, der dort mit einer fetten Erkältung saß und nicht in Höchstform war, schon aus Verzweiflung die unfreiwillig verschleierten Schülerinnen einbrachte, aber recht elegant von diesem Seitenweg wieder abgebracht wurde, eben weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.

Solche Stimmen kamen aber durchaus aus dem Publikum, das wohl teilweise gerne eine Islamdebatte gehabt hätte, die aber dort nicht hingehörte. Neben mir zwei grantelnde ältere Herren aus der Gruppierung der „Laizisten in der SPD“, deren einer auf den großen Anteil der „Ungläubigen“ in unserer Gesellschaft hinwies, die ein Recht darauf hätten, von allem Religiösen im öffentlichen Raum ferngehalten zu werden – wenigstens dort, wo man gezwungen ist hinzugehen, wie in der Schule. Der ließ auch einen Stuhl zwischen sich und mir frei – *lol* – danke. Eigentlich würde ich ganz gerne mit solchen Leuten diskutieren, aber hier war schon wieder so ein genervter bis verzweifelter Tonfall, weil sich nun gerade keiner mehr für ihre Argumente interessiert. Alle Aufklärung vergebens? So jemand kann kaum verstehen, dass ich gerade weil ich meinen Verstand benutzt habe, zum Islam gekommen bin.

Auch eine Frau aus Syrien meldete sich lautstark zu Wort. Aus ihren Äußerungen kann man schon erahnen, dass sie in ihrem Leben sehr traumatische Erfahrungen gemacht hat. Was sie jetzt dem Islam anlastet und von sich behauptet, „den Koran besser zu kennen als jeder andere“. Darüber hab ich ein bisschen gelacht, was mir jetzt leid tut, denn sie hat sicherlich Schlimmes durchgemacht, wenn sie vom Kopftuch der Lehrerin auf das angeblich im Koran erlaubte Schlagen von Frauen kommt. Aber auch hier ließ sich das Podium nicht in Falle der „Islamdebatte“ locken. Dazu gibt es vielleicht nächste Woche Dienstag noch Gelegenheit bei dieser Veranstaltung:

11130276_1578650035718272_3438283951187360539_nAlso, diese Podiumsdiskussion war jetzt nicht sehr aufregend. Was mir durchaus gefallen hat. Ich bin jetzt eben doch im hanseatisch-kühlen Norden angekommen und nicht mehr im polternden Bayern. Da sind die Politiker doch tendenziell lautstärker und nicht so sachlich.

Zu der ganzen Debatte hab ich noch einige interessante Artikel gefunden. Einiges hab ich bei Mariams Aussichten verarbeitet. Das hätte vielleicht besser hierhin gepasst, da der andere Blog ja mehr für das sehr Persönliche sein soll. Aber egal, wozu kann man verlinken.

Aber jetzt gibt es gerade aktuell ein paar gute Hintergrundartikel – z.B. wie oben erwähnt, über die Parallelen der derzeitigen Diskussion „Entschleiert Euch“ von angeblichen Frauenbefreiern und Dinosaurier-Feministinnen zum Verhalten der Kolonialherren in muslimischen Ländern.

Hier ein Artikel aus Qantara:

Bereits vor über hundert Jahren wurde argumentiert, das Kopftuch stehe für männliche Unterdrückung, was unvereinbar mit der westlichen Zivilisation und Werteordnung sei. In Frankreichs Kolonien ließ man daher auf Worte Taten folgen und zwang Musliminnen dazu, die Verschleierung abzulegen. Historische Einblicke von Susanne Kaiser

Es muss ein sonderbares Spektakel gewesen sein: Auf einer Bühne versammelt sich eine Gruppe traditionell gekleideter Musliminnen. Vor den Augen gespannter Zuschauer und der eigens geladenen internationalen Presse beginnen sie auf ein Zeichen hin gleichzeitig, sich zu entschleiern. Vielleicht ist auch jede von ihnen einzeln aufs Podest gestiegen, hat sich das Kopftuch heruntergezogen und öffentlich erklärt, sich von der patriarchalen Tradition zu befreien und zur Emanzipation zu bekennen.

Soldaten erhalten den Befehl, sich unters Publikum zu mischen und unverschleierte Einheimische mit Beifall und Sympathiebekundungen zum Mitmachen zu bewegen, um die Selbstentblößungen auf der Bühne zu unterstützen. Alles ist sorgfältig inszeniert, kein dramaturgisches Detail dem Zufall überlassen. Ob sich die Musliminnen nach dieser öffentlichen Zurschaustellung wohl vom männlichen Joch befreit gefühlt haben?

……………………………

An Frauen wie ihnen wollten französische Generäle ein Exempel statuieren und der ganzen Welt zeigen, wie das moderne Frankreich über die archaischen Länder im islamischen Afrika triumphierte.

Die Briten waren da nicht besser:

In Ägypten hatten die Briten schon Ende des 19. Jahrhunderts erkannt, dass der Schlüssel zur Beherrschung der Kolonien die Frauen waren und eine öffentliche Debatte über den Hidschab angezettelt. Die feministische Intellektuelle Leila Ahmed zeigt, wie Lord Cromer die Kopfbedeckung für seine Zwecke instrumentalisierte, um „den Islam“ als vollkommenen sozialen Fehlschlag zu entlarven. Die Frau werde durch die geschlechtersegregierende Verhüllung als minderwertig und dem Manne Untertan gebrandmarkt. So versuchte Cromer, die Ägypterinnen gegen ihre Männer, Väter und Brüder auszuspielen.

Um den „mittelalterlichen und barbarischen Sitten des Islam“ ein Ende zu setzen, wurden ganze Heerscharen von wohlmeinenden Aufklärern auf die koloniale Zivilbevölkerung losgelassen: Missionare, Feministinnen, sogar Ärzte sollten den unterdrückten und benachteiligten Frauen solidarisch gegen die orientalische Männerherrschaft zur Seite stehen und sie retten. Nicht selten verteilten sie Handbücher zur Anleitung für eine schrittweise Entschleierung.

………..

In England machte sich Cromer, dem die Freiheit der Frauen so am Herzen lag, als Aktivist gegen das Frauenwahlrecht einen Namen. In Ägypten setzte er durch, dass keine Ärztinnen mehr ausgebildet wurden – als Krankenschwestern konnten Frauen ihre naturgegebenen Eigenschaften besser verwirklichen. Es gibt Gerüchte, dass es Cromer gar nicht um die Freiheit der Ägypterinnen ging, sondern er nur nicht ertrug, von Frauen gesehen zu werden, die er unter dem Hidschab selbst nicht sehen konnte.

Es lohnt sich, den ganzen Artikel zu lesen, u.a. darüber, wie dann die zwangsentschleierten Frauen auf Stöckelschuhen in ihren Handtaschen Waffen für den antikolonialen Widerstand schmuggelten. Der Abschluss der Ausführungen:

Heute wehren sich Musliminnen in Europa nicht militant, sie ziehen vors Bundesverfassungsgericht oder schreiben Bücher. Während Feministinnen wie Alice Schwarzer noch immer in dieselbe Kerbe hauen, wie schon vor über hundert Jahren: Der Schlüssel zur Emanzipation muslimischer Gesellschaften ist die Stellung der Frauen. Das Kopftuch ist die Flagge des Islamismus. Das Kopftuch ist das Zeichen, das die Frauen zu den anderen, zu Menschen zweiter Klasse macht. Und real sind Kopftuch und Ganzkörperschleier eine schwere Behinderung und Einschränkung für die Bewegung und die Kommunikation.

Dabei scheint ihnen nicht bewusst zu sein, vor welches Dilemma sie muslimische Kopftuchträgerinnen damit stellen. Frauen haben dann nur noch die Wahl, sich von Männern beherrschen zu lassen oder von Pseudofeministinnen. Da nimmt man doch lieber den Schleier.

Haha…nein, das ist nicht der Grund für das Tragen des Hidschabs. Meiner jedenfalls nicht. Aber witzig.

Bei Qantara wird die Debatte ausgiebig dokumentiert. U.a. in diesem Artikel der auch einen Link zur Studie „Postmigrantisch II“ enthält: Im Zwist um ein Stück Stoff.

Wer sich mal antun will, wie angebliche Frauenrechtlerinnen aus dem Kopftuch ein „blutbesudeltes Stück Stoff“machen, der kann  sich ja mal bei der EMMA umtun. Wenn ich das lese, dann frag ich mich, in welchem Land ich lebe. Das gleiche wie Alice Schwarzers Deutschland kann es nicht sein.

…..Das Kopftuch ist politisch, Kippa und Schleier aber sind heutzutage religiös motiviert. Und: Die Juden missionieren nicht, auch die Christen sind im 21. Jahrhundert nicht so in der Offensive wie die Islamisten.

……

Die Mehrheit der Lehrerverbände und LehrerInnen ist schockiert. Sie befürchten, dass der Krieg um das seit 2003 in der Schule für Lehrerinnen verbotene Kopftuch nun wieder stärker in die Schulen getragen wird und – dank der erneut unsicheren Rechtslage – eine Flut von Prozessen auf die Schulen zurollt. Die kritischen Lehrerinnen, die gerne beschimpft werden als Schlampen? Die werden wohl noch häufiger in die Frühpensionierung flüchten. Und die unverschleierten Mädchen? Die werden sich noch selbstgerechter als „Huren“ beschimpfen lassen müssen. Und die zwangsverschleierten Mädchen? Die haben nun gar keine Chance mehr, sich wenigstens in der Schule als frei und gleich zu erleben….

Jetzt sind wir schuld, wenn die Lehrerinnen ein Burn out haben und nicht deren Überlastung? An den Verbrechen der IS und Konsorten sowieso…Oh, Alice…

Solche Einstellungen – auch wenn Alice „selbstverständlich“ nicht den Frauen im öffentlichen Raum die Kopftücher entreißen will, führen dazu dass junge, gebildete, engagierte, deutsche Frauen in Deutschland solche Erfahrungen machen, wie Kübra Gümüsay bei ihrer Wohnungssuche.

Eine Gefahr für die offene Gesellschaft, wittert die FAZ und findet das Kopftuchurteil lebensfremd. Die Auseinandersetzung darüber ob der „Islam zu Deutschland“ gehört, würde an die Schulen verlegt…bitte? Diese Auseinandersetzung müssen wir nicht führen. Wir sind hier! Und wir gehen auch nicht weg.

Und abgesehen davon: Regina Mönch (*lol*), Autorin dieses Beitrages hat offensichtlich nicht recherchiert, keine Studien gelesen sondern eben nur eine Meinung geäußert. Sonst wüßte sie – wie oben erwähnt – dass das Kopftuch eben gar nicht zu Diskussionen und Auseinandersetzung um den Islam führt.

Wie eine Schülerin in der (anonymen und nicht von ihr persönlich eingebrachten Befragung) für Habibe Rodes Masterarbeit schrieb:

Das Kopftuch zeigt doch nur, dass sie Muslimin ist, was soll daran verwerflich sein?

Genau. In der Podiumsdiskussion oben ist die „Entdämonisierung“ (Claudia Bernhardt) des Kopftuches gelungen.

Wenn auch die sonstige Diskussion über Islam, „Islamismus“ (was das ist, wäre zu klären), islamisches Essen, islamische Kleidung usw. nicht von irrationalen Ängsten getrieben wäre, dann könnten das Land bei diesem Thema weiterkommen.

Leider gibts daran nur begrenzt Interesse, lässt sich doch mit einer Angstdebatte wunderbar unter den Teppich kehren, dass Islam für Befreiung steht. Dafür, sich niemandem zu unterwerfen, außer Gott. Keinem Diktat von Kapitalisten, Bankern, machtbesessenen Politikern („alle Macht geht vom Volke aus“), Patriarchen, Kolonialherren, Besatzern, Waffenlobbyisten, Zionisten, BesserwisserInnen, Ausbeutern (unvollständige Liste).

Wenn diejenigen die meinen, sie könnten in die Köpfe der Musliminnen sehen und deren Motive erkennen doch mal ohne Scheuklappen in ihre eigenen Köpfe schauen würden, ob sich dort nicht vielleicht ein paar Überzeugungen festgesetzt haben, die sie vom Benutzen ihres freien Geistes abbringen, dann würden sie womöglich feststellen, dass sie sich instrumentalisieren ließen für Zwecke, die sie mal abgelehnt haben, bevor sie so satt und träge geworden sind. Wäre möglich, oder? Ich wage natürlich nicht, das zu unterstellen. Ich bin natürlich frei von jeglicher Besserwisserei.

Noch ein kleiner Beitrag zur aufgeregten Debatte von Jan Freitag: Weltreligion unter Verdacht

So das war mein Wort zum Freitag, einen gesegneten solchen wünsche ich allen Geschwistern!

 

 

Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten

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Bismillahir rahmanir rahim

Entschuldigung….ich war lange nicht hier. Aber jetzt, fast vier Wochen nach meinem Umzug kehren so langsam ruhigere Zeiten ein. Wie es mir inzwischen ergangen ist, hab ich in meinem neuen Blog „Mariams Aussichten“ beschrieben. Der soll ja ein bisschen mehr für das Persönliche zuständig sein.

Ich weiß nicht, wie es anderen geht – ich komm jedenfalls oft gar nicht mehr mit, bei allem was so in der Welt geschieht. Manchmal möchte ich mir nur die Decke über den Kopf ziehen. Oder hier oben in meinem Krähennest sitzen und alle diese Ereignisse unten sind ganz klein. Aber das geht natürlich nicht und ich würde es auch nicht durchhalten. Ich will schließlich verstehen, mitgestalten, mithelfen.

Also alleine diese Woche: dieser schreckliche Flugzeugabsturz. Traurig. Und zeigt wie schnell es mit dem irdischen Leben vorbei sein kann. Immer dieser Satz „sie hatten das ganze Leben noch vor sich“, angesichts der vielen jungen Opfer. Hatten sie aber nicht. Allah hat ihnen einen Termin gegeben, vor dem es kein Entrinnen gab.

Ihm gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde. Er macht lebendig und läßt sterben. Und Er hat zu allem die Macht. (Sure 57,Vers2)

Und wer sagt, dass es den Todesopfern schlecht ergeht?  Wer weiß, was ihnen erspart blieb? Traurig ist das doch am meisten für die Hinterbliebenen und denen gilt mein ganzes Mitgefühl. Seine Angehörigen so zu verlieren, während man darauf wartet sie am Flughafen wieder in die Arme zu schließen und von ihren Erlebnissen zu hören, das ist doch wirklich, wirklich traurig.

Aber was sich journalistisch abgespielt hat in diesen Tagen, das ist nicht unerwartet, aber so was von oberpeinlich für unsere Medien – schämen die sich eigentlich gar nicht mehr?

Am Unglückstag hab ich den Fernseher laufen gehabt – und bis auf die Tatsache, dass das Flugzeug abgestürzt ist, nichts als Vermutungen gehört. Was in den Printmedien abgelaufen ist, muss teilweise ekelhaft gewesen sein, ins Netz hab ich vorsichtshalber kaum reingeschaut. Logisch, dass man den Angehörigen auflauert und jede Menge nicht-Nachrichten bringt. Jetzt erweist sich der Co-Pilot als Unglücksursache und das Karussel dreht sich weiter.

Ich musste auch nicht vergeblich darauf warten, dass es „der Moslem“ war. Und das war schon fast wieder witzig. Putin war diesmal wohl nicht schuld, obwohl der doch gerade erst ein anderes Flugzeug persönlich abgeschossen hatte, oder wie war das noch?

O.k., das mit dem „Moslem“ war keines unserer „seriösen“ Medien, sondern ein Blog eines bekannten Islamhassers. Aber man darf sich doch fragen, wie bekloppt man sein darf im Internet. Die Antwort: unbegrenzt.

Diese traurige Geschichte kommt einigen ganz gelegen, lenkt sie doch davon ab, dass unsere Freunde und Verbündeten, der Stabilitätsanker im Nahen Osten, Saudi-Arabien, gerade gegen jedes Völkerrecht den Jemen angreifen. Der Jemen steht zwar nicht auf der Liste der Länder, die die USA sich vorgenommen haben anzugreifen, wird hier aber stellvertretend für Iran angegriffen, an den sie sich weder herantrauen, noch bei dem sie eine Chance haben. Ich hab das nie verstanden mit den sogenannten „Houthi-Rebellen“ und bin sehr dankbar für die ausführliche Erläuterung von Dr. Yavuz Özoğuz:

Die neue Front im Weltkrieg Jemen und was Deutsche wissen sollten

Die USA greifen den Jemen mittels ihrer saudischen Marionetten an, während die Deutschen glauben, dass die Jemeniten eine primitive Wüstengesellschaft sind und nichts verstehen.

Einmal mehr wird das Völkerrecht gravierend gebrochen. Einmal mehr findet ein brutaler Überfall auf einen souveränen Staat statt und einmal mehr schweigt die Westliche Welt. Sie schweigt, weil die Verbrecher ihre engsten Verbündeten sind und die Opfer sich nicht freiwillig dem Westlichen Imperium unterwerfen. Dabei wissen die Deutschen fast gar nicht über den Jemen!

Adolph Gustav Freiherr von Wrede (1807-1863) war ein bekannter deutscher Arabienforscher, der 1835 den Islam und damit den Namen Abdul Hud angenommen hat. Er gilt als erster Europäer, der Hadramaut in Jemen erforscht hat. Als er von seiner Reise zurückkam und seinen Reisebericht vorlegte, stand darin etwas von siebenstöckigen Gebäuden in der Wüste. Kein Verleger wollte ihm das damals glauben. Alexander von Humboldt, der Wrede am preußischen Königshof Friedrich Wilhelms IV. eingeführt hatte, sprach sogar von Aufschneiderei. Erst mehrere Jahrzehnte später wurden seine Eindrücke bestätigt und es gab wirklich jene Hochhäuser aus Lehm. Es scheint fast so, dass in der Wahrnehmung der Deutschen über Jemen sich seit 150 Jahren nichts geändert hat.

Da findet ein unvorstellbare Revolution im Jemen statt, eine scheinbar kleine Minderheit von unklaren Halb-Schiiten (wer weiß schon im Westen was Zaiditen sind) übernimmt das Steuer, die gesamte angeblich sunnitische Armee unterstützt jene Leute, das gespaltene Land wird vereinigt und im Westen weiß man so ziemlich gar nichts über das Land und noch weniger über die Führungspersönlichkeit. Nicht einmal der Name der führenden Gruppierung ist bekannt, denn die so genannten „Huthi-Rebellen“ heißen in Wirklichkeit Ansarullah (Helfer auf dem Weg Gottes). Doch dieser Name darf in den westlichen Medien kaum erwähnt werden, denn dann könnte man auf die Idee kommen zu fragen, was denn das für eine Konstellation ist mit den „Hizbullah“ (Partei Gottes) im Norden und den „Ansarullah“ im Süden und den treusten westlichen Verbrechern namens Saudis dazwischen.

Doch selbst bei dem Namen „Huthi-Rebellen“ dürfen die Bürger in der Westlichen Welt so ziemlich nichts erfahren, was die üblichen Vorurteile sprengen könnte, denn wenn eine Gruppe schon „Huthi-Rebellen“ heißt, dann müsste sie ja auch einen Anführer haben und der müsste ein Leben und eine Ausbildung und eine Geschichte haben. Alles das aber darf der Bürger hier nicht erfahren. Selbst die Einträge in Wikipedia geben nur das Notwendigste wieder, damit die in die Angriffskriege der Westlichen Welt eingebetteten Journalisten irgendetwas Blödsinniges schreiben können und nicht weiter fragen. Um aber halbwegs vernünftig zu verstehen, warum die USA jetzt mittels saudischer Flugzeuge einen Luftangriff auf den Jemen gestartet haben und gleichzeitig 150.000 Söldner an der Grenze zum Jemen zusammen gezogen haben, muss man die Geschichte des Jemen etwas genauer analysieren. Die folgende Analyse fällt daher etwas länger als üblich aus, wofür ich mich bereits jetzt entschuldige, aber ohne ein gewisses Hintergrundwissen ist der Konflikt nicht zu verstehen.weiter

Wer sich die Mühe macht, den Artikel ganz zu lesen, der wird vielleicht die Hoffnung auf gute Nachrichten die der blutigen Tragödie folgen könnten verstehen.

Mir fällt es gerade schwer, an bessere Zeiten zu glauben, aber ich kämpfe dagegen an. Denn leider sind diese schlimmen Geschehnisse durchaus einzuordnen in einige der Prophezeiungen um die Wiederkehr unseres Imam Mahdi, möge Allah seine Rückkehr beschleunigen. Was es nicht besser macht, dass die Menschheit ignoriert, dass täglich 57000 Menschen verhungern.

Ayatollah Bahjat, eine so starke Persönlichkeit, dass man über ihn sagt, es sei ihm gelungen zu leben ohne Sünden zu begehen, hat uns Hoffnung gemacht:

http://www.youtube.com/watch?v=noPawR9iWzE

 

Eine weitere Nachricht der letzten Wochen, die mehrheitlich bejubelt wurde in muslimischen Kreisen, hat mich zunächst mal skeptisch gemacht: die Aufhebung des generellen Kopftuchverbotes für muslimische Lehrerinnen durch das Bundesverfassungsgericht. Denn hier wird ja die Verantwortung auf die jeweiligen Schulleiter abgewälzt. Was bedeutet denn:

Künftig soll demnach keine abstrakte Gefahr für Neutralität und Schulfrieden durch das Tragen des Kopftuchs als Begründung für ein Verbot mehr genügen, vielmehr müsse es eine „hinreichend konkrete Gefahr“ geben.

Wenn sich irgendwelche Pegidisten durch die Kopfbedeckung einer Lehrerin gestört fühlen und darum Aufruhr an der Schule veranstalten – ist dann durch das Kopftuch der Schulfrieden gestört und die Lehrerin muss es abnehmen oder verschwinden?

Ich fürchte, solche Zuspitzungen wird es geben. Aber zumindestens hier in Bremen scheint diesbezüglich Vernunft zu regieren.

Eine junge angehende Lehrerin hat gesagt, dass sie nicht mehr schweigen will und man doch bitte mit den betreffenden Personen über dieses Thema diskutieren solle:

Ich frage mich auch, warum sich nicht schon vor zehn Jahren Frauen mit Kopftuch mehr dazu geäußert haben. Für mich ist klar: Ich will nicht mehr schweigen. Wenn hier eine Diskussion über Kopftuch tragende Musliminnen geführt wird, dann bitte mit den Betroffenen.

In der Print-Ausgabe habe ich die Leserbriefe dazu verfolgt – nach Diskussionen sah das nicht aus, eher nach Belehrungen. Genau das, was Havva Temirlenk bemängelt:

„Alle reden über Risiken, niemand über Ressourcen“

Da wird sich empört, wenn sie bemängelt, dass sie mit Kopftuch nicht verbeamtet wird und darum schlechter bezahlt wird, als verbeamtetet Kolleginnen. Das darf man nicht Diskriminierung nennen?

Die Kommentare online sind teils sachlich und nett, teils haarsträubend („meine Kinder werden niemals von einer Lehrerin mit Kopftuch unterrichtet werden!“) und an den Haaren herbeigezogen…vielleicht wäre es dann doch besser, ein Kopftuch zu tragen, damit das nicht passiert?

Aber diskutieren ist ja gut und richtig, nur leider geht online oft jeglicher Respekt verloren. Sehr erfreulich ist aber, dass die bremische Regierung sehr angemessen reagiert hat.

Wegen der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, wonach das Kopftuchverbot unzulässig ist, muss das bremische Schulgesetz nicht geändert werden. Das hat Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt am Dienstag den Schulen in Bremen und Bremerhaven schriftlich mitgeteilt. Die Politikerin: „Grundsätzlich darf jede Lehrerin im Unterricht Kopftuch tragen. Der Schulfriede darf dadurch aber nicht konkret gefährdet werden.“

Das äußere Erscheinungsbild der Lehrkräfte und des betreuenden Personals dürfe die religiösen und weltanschaulichen Empfindungen der Schüler und der Erziehungsberechtigten nicht stören, so Quante-Brandt. Ebenso dürften Spannungen, die den Schulfrieden durch Verletzung der religiösen und weltanschaulichen Neutralität gefährden, nicht in die Schule getragen werden. Die Frage, wann dies konkret der Fall sei, müsse im Einzelfall von der senatorischen Behörde entschieden werden.

Quante-Brandt verweist auf die Auffassung des Gerichts, wonach Schulen auch die Aufgabe zufällt, Kindern und Jugendlichen Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen zu vermitteln. Mit dem Tragen eines Kopftuches durch einzelne Pädagoginnen sei keine Identifizierung des Staates mit einem bestimmten Glauben verbunden, die staatliche Neutralitätspflicht werde also nicht verletzt. Senatorin Quante-Brandt: „Wir haben Schulen der Vielfalt. Daher trägt das Urteil der Realität Rechnung. Die plurale Gesellschaft wird sich damit verstärkt in unseren Schule abbilden.“

 

Gut so! Man wird sehen, wieviel Energie die Pegidisten aufwenden, um den Schulfrieden zu stören und wer dann tatsächlich deshalb gehen muss!

Die Schura Bremen ist es jedenfalls zufrieden.

Ich bin gespannt, nehm das aber erstmal als gute Nachricht. Vielleicht ein Schritt Richtung Normalität.

Obwohl schon wieder ein aaaaber! Normalität in dieser durchgeknallten Welt?

Für heute lasse ich es gut sein. InschaAllah hab ich jetzt viel mehr Zeit zum Nachrichten lesen und kommentieren, zum Bücher lesen und besprechen, mit meinen Mitmenschen zu reden und Euch inschaAllah von allem etwas mitzuteilen.

Salam aleikum, moin moin aus Bremen und bis bald!

 

Deutschland, Land der Ahnungslosen

Standard

Bismillahir rahmanir rahim

„Europa krümmt sich wie der Wurm, ehe ihn der Stiefel zertritt.“ – Karl Kraus
„Fuck the EU“ – Victoria Nuland

Es gibt ein paar interessante Dinge, die uns die mainstream-Medien, die nicht Lügenpresse genannt werden wollen, vorenthalten (müssen). Ich sag auch dieses böse Wort nicht, weil ich mich nicht mit Nazis gemein machen will. Allerdings muss man doch froh sein, dass es in Zeiten des Internets auch andere Möglichkeiten gibt, sich zu informieren.

Denn interessant ist es doch, dass sich der amerikanische General Wesley Clark wieder einmal verplappert hat. Wie damals, als er verriet welche Pläne die USA für die Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens hätten und das dazu u.a. die Zerstörung Syriens gehörte. Aber verplappert sich so ein hohes militärisches Tier wirklich? Oder wird hier gezielt etwas zugegeben, was sowieso längst bekannt ist und ausgetestet, ob irgendeiner der Gefolgsstaaten daraufhin aufmuckt? Um Deutschland müssen sich die USA da ja nicht sorgen.

Also die Botschaft die uns jetzt erreicht hat, nicht unerwartet, lautet: Unsere Verbündeten haben die ISIS finanziert:

Weit davon entfernt, eine spontan gewachsene Wurzel-allen-Übels-Organisation zu sein, wurde zumindest laut General Wesley Clark ISIS von unseren „engsten Alliierten“ geschaffen und finanziert. Der General sagte: ISIS entstand von Anfang an mit Geld von unseren Freunden und Alliierten … um auf Leben und Tod gegen Hezbollah zu kämpfen.

Wer die Freunde und Alliierten waren, sagte er nicht. Er wies allerdings darauf hin, dass ISIS zu einem „Frankensteinmonster“ geworden ist.

Der Insider General Wesley Clark informiert uns also, dass unsere engsten Alliierten im Mittleren Osten geholfen haben, ISIS zu schaffen – die Organisation, für deren Bekämpfung wir Milliarden Dollars ausgeben.

Das sagte der General auf CNN, also nicht auf einem amerikanischen Lokalsender.

http://www.youtube.com/watch?v=QHLqaSZPe98

(youtube direkt einfügen will heute nicht….)

Ich hab mal gegoogelt, was in den deutschen Medien dazu zu finden ist und fand: nichts. Also nichts in der mainstream-Presse, nichts in den Nachrichten – nur eine „linkezeitung“ und alternative Medien berichten davon, sowie iranische Sender. Und die BBC.

Ist das keine Nachricht, die uns Deutsche interessieren sollte? Dass hinter dem Spuk USraelisches Interesse steckt, die Hezbollah und den Libanon und Syrien zu zerstören? Auf der amerikanischen Agenda seit mehr als 10 Jahren?

Zigtausende haben ihr Leben oder ihre Lieben und ihr Hab und Gut verloren, Folter, Vergewaltigungen, grausame Hinrichtungen weil den Amerikanern und Israel die Regierungen und der Widerstand in Syrien, Irak und Libanon nicht passen? Von den Iranern, diesem eigensinnigen Volk ganz zu schweigen.

Wundern wir uns noch, wenn amerikanische Flugzeuge „versehentlich“ syrische Infrastruktur zerstören, oder Hilfsgüter über ISIS-Lagern abwerfen?

Was ist los in diesem Land, dass die angeblich freien Medien uns diese Aussage verschweigen?

Und was ist mit uns Bürgern los, dass wir nicht aufschreien und zu zigtausenden auf die Straße gehen? Nein, da geht man lieber gegen die Flüchtlinge, die aus diesen zerstörten Ländern kommen protestieren.

Übrigens ist die Terrorfinanzierung ja nicht neu, kennen wir von Al Qaida:

http://www.youtube.com/watch?v=Dqn0bm4E9yw

Hier ein weiterer Artikel zu diesem Thema, auch mit Anregungen zu „Was können wir tun“

Interessant auch, beim Thema Medien, was über den Brief des iranischen Staatsoberhauptes an die Jugend im Westen berichtet wird. Größtenteils: nichts. Obwohl in vielen Städten Deutschlands junge Muslime diesen Brief verteilen, oft liebevoll in handbeschriftete Umschläge verpackt, mit Blumen oder Süßigkeiten hübsch als Geschenk gestaltet. Zur Erinnerung: Ayatollah Sayyid Ali Chamene´i schreibt der westlichen Jugend um sie aufzufordern, sich selbst ein Bild über den Islam zu machen, indem sie seine Quellen studieren. Und er spricht sich gegen den Terror der IS und Co. aus, er distanziert sich also deutlich – das ist es doch, was immer von den muslimischen Gelehrten verlangt wird? Da tut es also ein großer shiitischer Gelehrter, religiöser Führer eines islamischen Staates und was lesen und hören wir davon? – so gut wie nichts. Und wenn, dann muss daraus eine dubiose Aktion gemacht werden, über die man – huhuuuu – „den Staatsschutz informiert“ hat.

Wenn der Staatsschutz noch nichts davon gehört hat, nach wochenlangen öffentlichen Aktionen, dann ist das schon ein bisschen witzig. Ich weiß auch nicht, was man am Inhalt des Briefes und der deutlichen Kritik Ayatollah Chamenei´s an der westlichen Terrorfinanzierung aussetzen kann, wo doch Wesley Clark das gerade bestätigt hat. Aber vielleicht wissen die Journalisten der Aachener Zeitung davon nichts, es hat ja in unseren Zeitungen wie gesagt nicht gestanden.

Die islamischen Vertreter die das Blatt interviewt hat, sind von einer Sorte, die ich peinlich finde. Und sie lesen vielleicht auch nur die Zeitung und nichts darüber hinaus.

Die einzige andere deutsche Zeitung die ich mit einem Beitrag dazu gefunden habe, ist die „Berliner Zeitung“. Die bringt gleich erstmal dein Brief mit „dem“ Islamischen Staat in Verbindung – ich gehe davon aus, dass das absichtlich geschieht. Sonst hätte man wohl „Islamische Republik Iran“ geschrieben. Inhaltlich wird darauf nicht groß eingegangen, auch hier wurde der Verfassungsschutz befragt und über einen „islamistischen“ Hintergrund der Beteiligten gemunkelt.

Was auch immer das sein mag……

Tja, das kriegen wir geboten zu einem Schreiben eines Staatsoberhauptes an unsere Jugend. Ein Schreiben über das man diskutieren kann und soll, das ist ja das Anliegen des Absenders. Aber das tun unsere Medien nicht. Nein, hier dunkle Kräfte am Werke, verschleierte Frauen, ein islamistisches Schneeballsystem….

Ich wäre ziemlich mutlos angesichts der Übermacht der gängigen Medien die uns für dumm verkaufen wollen und uns neben gesiebten Nachrichten mit Verblödungsfernsehen und Dudelradio versorgen. Aber ich stelle auch fest, dass es immer mehr alternative Quellen gibt, die gut recherchierte Nachrichten anbieten. Und dass die Friedensbewegung nicht tot ist. Das lässt hoffen.

Ein Brief aus dem Iran

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Ein Brief aus dem Iran

Bismillahir rahmanri rahim

Das Staatsoberhaupt Irans, Imam Sayyid Ali Chamene´i hat sich an die Jugend im Westen gewandt – hat man in den Medien etwas davon gelesen oder gehört? Eine Aufforderung an junge Leute – aber ich finde, dass da nicht die Lebensjahre zählen, jung kann man auch im Kopf bleiben – sich ein unvoreingenommenes Bild über den Islam zu machen und sich nicht von Hetzpropaganda beeinflussen zu lassen. Versehen mit dem klaren Hinweis, dass die derzeitigen unter der Flagge des Islams verübten Terrortaten, Auftragsarbeiten derjenigen Mächte sind, deren Interesse es ist, die wirklichen Inhalte islamischer Lehre zu verbergen – Ayatollah Chamene´i fordert auf, herauszufinden was denn wohl die Großmächte am Islam stört.

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– Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Begnadenden –

Die jüngsten Ereignisse in Frankreich [gemeint sind die tödlichen Angriffe auf Mitarbeiter des Magazins „Charlie Hebdo“ am 7. Januar 2015 und weitere Anschläge] und ähnliche Vorfälle in einigen anderen westlichen Ländern haben mich davon überzeugt, dass ich Euch direkt diesbezüglich ansprechen sollte.Ich wende mich an Euch junge Menschen, nicht um Eure Eltern außer Acht zu lassen, sondern deshalb, weil ich die Zukunft Eures Volkes und Eurer Heimat in Euren Händen liegen und in Euren Herzen ein vitaleres und sensibleres Verlangen nach der Wahrheit sehe. Mit diesen Zeilen wende ich mich auch nicht an Eure Politiker und Regierungsverantwortlichen, denn ich bin mir sicher, dass sie bewusst den Weg der Politik von dem Weg der Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit getrennt haben.

Ich spreche zu Euch über den Islam und insbesondere über das Bild, dass sie Euch vom Islam vorlegen. Seit zwei Jahrzehnten, d.h. ungefähr nach dem Zerfall der Sowjetunion, hat es zahlreiche Bestrebungen gegeben, diese große Religion als einen beängstigenden Feind darzustellen. Die Heraufbeschwörung von Angst und Ablehnung und deren Missbrauch blicken bedauerlicherweise auf eine lange Vergangenheit in der politischen Geschichte des Westens zurück. Ich möchte hier nicht auf die verschiedenen Ängste, die bislang den westlichen Völkern eingeflößt worden sind, eingehen. Ihr selbst könnt mit einem kurzen Blick auf die jüngsten kritischen Geschichtsstudien erkennen, dass in der neuen Geschichtsbeschreibung das unaufrichtige und betrügerische Verhalten westlicher Staaten gegenüber anderen Völkern und Kulturen auf der Welt gerügt worden ist. Die Geschichte Europas und Amerikas schämt sich wegen des Sklaventums. Sie schaut verlegen zu Boden wegen der Kolonialzeit und wegen des Unrechts an Farbigen und Nicht-Christen. Eure Forscher und Historiker erklären aufrichtig, dass sie sich wegen des Blutvergießens schämen, welches im Namen der Religion zwischen Katholiken und Protestanten oder im Namen der Nationalität und der Volkszugehörigkeit im Ersten und Zweiten Weltkrieg erfolgt ist.

Dieses Geständnis verdient selbstverständlich Anerkennung. Ich will auch gar nicht die Geschichte tadeln, wenn ich einen Ausschnitt aus dieser langen Liste nenne, sondern ich möchte, dass Ihr Eure Intellektuellen fragt, warum das kollektive Gewissen im Westen immer erst mit einer Verzögerung von mehreren Jahrzehnten und manchmal mehreren Jahrhunderten aufwacht. Warum ist die Korrektur des kollektiven Gewissens immer auf die weit zurückliegende Vergangenheit gerichtet und nicht auf die aktuellen Probleme? Warum wird in wichtigen Dingen, wie der Begegnung mit der islamischen Kultur und Denkweise, eine allgemeine Informiertheit verhindert?

Ihr wisst ja, dass Herabsetzung und Hervorrufung von Hass und fiktiver Angst gegenüber „Anderem“ die Grundlage für alle ungerechten Bestrebungen nach Profit und Vorteilen ist. Nun möchte ich, dass Ihr Euch selbst fragt, warum diesmal die alte Politik der Angstmache und Verbreitung von Hass in einem derartig beispiellosen Ausmaß den Islam und die Muslime ins Visier genommen hat?

Warum ist das heutige internationale Machtsystem bestrebt, das islamische Denken an den Rand und in die Passivität zu drängen? Welche Sinngebungen und Werte gibt es denn im Islam, die dem Konzept der Großmächte in die Quere kommen, und welche Interessen werden durch die falsche Darstellung des Islams denn gedeckt? Meine erste Bitte lautet daher, dass Ihr nach den Motiven dieser groß angelegten Schwarzmalerei über den Islam forscht.

Meine zweite Bitte ist die, dass Ihr gegenüber der Flut von Vorurteilen und Hetzpropaganda, versucht, Euch direkt und unmittelbar mit dieser Religion vertraut zu machen. Der gesunde Verstand befiehlt, dass Ihr zumindest wisst, wovor Ihr flieht und Euch fürchtet und von welcher Beschaffenheit es ist. Ich bestehe nicht darauf, dass Ihr meine oder irgendeine andere Deutung des Islams akzeptiert. Ich sage nur: Lasst nicht zu, dass Euch, ausgehend von böswilligen und schmutzigen Motiven, diese lebendige und die heutige Welt beeinflussende Wahrheit (falsch) präsentiert wird. Gestattet nicht, dass sie Euch heuchlerisch die Terroristen, die sie selber angeheuert haben, als Repräsentanten des Islams vorstellen. Lernt den Islam über die echten Quellen und die Quellen aus erster Hand kennen. Werdet mit dem Islam durch den Koran und die Biografie ihres großen Propheten vertraut.

Ich möchte Euch an dieser Stelle gerne fragen, ob Ihr Euch bislang schon direkt an den Koran der Muslime gewandt habt? Habt Ihr die Verhaltensweise des Propheten des Islams und seine menschlichen und moralischen Lehren studiert? Habt Ihr bislang außer über die Medien auch aus anderen Quellen über die Botschaft des Islams erfahren? Habt Ihr Euch jemals gefragt, wie und aufgrund welcher Werte dieser Islam mehrere Jahrhunderte hintereinander die größte wissenschaftliche und geistige Zivilisation der Welt hervorbrachte und die besten Gelehrten und Denker großzog?

Ich bitte Euch, nicht zuzulassen, dass sie durch abwertende und einfältige Maskenbilder zwischen Euch und der Wahrheit eine gefühlsgeladene Trennmauer errichten und Euch die Möglichkeit rauben, sich unvoreingenommen ein Urteil zu bilden. In unserer Zeit, in welcher die Kommunikationsmittel die geografischen Grenzen überwunden haben, solltet Ihr nicht zulassen, dass man Euch in künstliche geistige Grenzen einsperrt. Auch wenn kein Einzelner die entstandenen Klüfte ausfüllen kann, so kann doch jeder von Euch für die eigene Erkenntnis und die Aufklärung seiner Umgebung eine Brücke des Denkens und der Gerechtigkeit über diesen Klüften errichten.

Dieser bewusst vorausgeplante Konflikt zwischen dem Islam und Euch jungen Menschen ist nicht angenehm, aber er kann Eurem wissbegierigen und suchenden Geist neue Denkaufgaben geben. Durch Bemühung um eine Antwort auf diese Fragen tut sich vor Euch eine wertvolle Gelegenheit zur Entdeckung neuer Wahrheiten auf. Deshalb lasst diese Gelegenheit für das richtige und vorurteilsfreie Islamverständnis nicht aus der Hand gleiten. Vielleicht werden dann dank Eures Verantwortungsbewusstseins gegenüber der Wahrheit die kommenden Generationen weniger beschämt und mit einem ruhigeren Gewissen über diesen Abschnitt der Geschichte der Beziehungen des Westens zum Islam schreiben können.

Sayyid Ali Chamene’i
21. Januar 2015

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