Schlagwort-Archive: Taz

Was Deine Freiheit ist, bestimme ich!

Standard

Bismillahir rahmanir rahim

Am Dienstag dieser Woche nahm ich an einer Podiumsdiskussion teil, die die Bremer TAZ anlässlich des sogenannten Kopftuchurteils veranstaltet hat. 11074179_10204005069475771_682727475_o

Hier das Podium noch ohne den Überraschungsgast. Von links nach rechts: Claudia Bernhardt, die Linke – Luisa Katharina Häsler, CDU -, Gönül Bredehorst, SPD, Benno Schirrmeister TAZ-Moderator, Henrike Müller, Grüne – Kübra Gümüsay, Publizistin.

und hier der Überraschungsgast:11153499_10204005065515672_1212467699_oHabibe Rode, Referendarin

Ich hatte hitzige Debatten erwartet, wurde aber angenehm davon überrascht, dass die politischen Vertreterinnen im Großen und Ganzen sehr gelassen bis erfreut auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts reagierten. Nur die Vertreterin der CDU wünschte sich, dass die Lehrerinnen mit Kopftuch doch lieber an muslimischen Privatschulen unterrichten sollten (Kübra dazu: „Habe ich richtig verstanden, das die CDU sich mehr islamische Schulen wünscht?“).  Es ist zum Glück keine Debatte über Privatschulen und Chancengleichheit entstanden. Was von allen bemängelt wurde, war dieser schwammige Begriff  „Schulfrieden“ im Urteil und dass es bislang gar keine Handlungsanweisungen dazu gibt – einig waren sich alle, dass nicht ein paar raffinierte -gida-AnhängerInnen unter den Eltern die Gunst der Stunde nutzen können sollten und unter Berufung auf den „Schulfrieden“ Hetzkampagnen gegen betuchte Lehrerinnen starten. Ob man in Bremen dazu nun doch das Schulgesetz ändern müsse, oder man mit anderen Ausführungsbestimmungen zurecht kommt, da war sich das Podium nicht so einig.

Sehr angenehm fand ich, dass man die Diskussion über die Kopfbedeckung von Lehrerinnen getrennt hat von der angstbestimmten „Islam“-Debatte. Kübra, deren freundliche und humorvolle, aber zielgenaue Art ich sehr schätze, brachte sehr früh ein, dass in Deutschland die Kopftuchdiskussion sich inhaltlich seit vielen Jahren nicht bewegt hat und wir heute genauso dastehen wie vor dem ersten Urteil 2003. In England, wo sie nun lange gelebt hat, interessierten sich die Leute für ganz andere Dinge. Und dass, obwohl es diverse Studien zu dem Thema gibt, die belegen, dass das Kopftuch im Unterricht gar kein Problem ist. Auch Habibe Rode hat für ihre Masterarbeit, dazu Untersuchungen angestellt, von denen sie berichtet hat. Nach kurzer Neugier und Nachfragen der Schüler, vergessen diese das Thema einfach und es zählen ganz andere Kriterien bei ihrer Lehrkraft.

Da wird es jetzt spannend, ob inschaAllah nicht das eintritt, wass Habibe Rode als Erfahrung aus Hamburg anbrachte: da gab es nie ein Kopftuchverbot, und trotzdem wurden Lehrerinnen mit Kopftuch nicht eingestellt. Natürlich ohne die Begründung, dass es daran gelegen hätte.

Recht witzig war es, als auf einmal aufkam, dass sich beim Thema Kopftuch in der Politik Leute für die  „Befreiung“ der Frau einsetzten, die sonst weit davon entfernt seien, Frauenrechtler zu sein. Genauso wie sich „Besserwisser-Feministinnen“ (Fr. Bernhardt outete sich als eine, die aus dieser Tradition stammt) anmaßen, den Frauen ihre Entscheidungsfreiheit abzusprechen. Die sind damit in einer Tradition die aus dem Kolonialismus stammt und die Frauen benutzt, um die unterdrückten Völker zu spalten und ihre Kultur zu zerstören. Dazu gleich mehr.

Also im Großen und Ganzen war die Diskussion nicht sehr kontrovers, so dass der Moderator, der dort mit einer fetten Erkältung saß und nicht in Höchstform war, schon aus Verzweiflung die unfreiwillig verschleierten Schülerinnen einbrachte, aber recht elegant von diesem Seitenweg wieder abgebracht wurde, eben weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.

Solche Stimmen kamen aber durchaus aus dem Publikum, das wohl teilweise gerne eine Islamdebatte gehabt hätte, die aber dort nicht hingehörte. Neben mir zwei grantelnde ältere Herren aus der Gruppierung der „Laizisten in der SPD“, deren einer auf den großen Anteil der „Ungläubigen“ in unserer Gesellschaft hinwies, die ein Recht darauf hätten, von allem Religiösen im öffentlichen Raum ferngehalten zu werden – wenigstens dort, wo man gezwungen ist hinzugehen, wie in der Schule. Der ließ auch einen Stuhl zwischen sich und mir frei – *lol* – danke. Eigentlich würde ich ganz gerne mit solchen Leuten diskutieren, aber hier war schon wieder so ein genervter bis verzweifelter Tonfall, weil sich nun gerade keiner mehr für ihre Argumente interessiert. Alle Aufklärung vergebens? So jemand kann kaum verstehen, dass ich gerade weil ich meinen Verstand benutzt habe, zum Islam gekommen bin.

Auch eine Frau aus Syrien meldete sich lautstark zu Wort. Aus ihren Äußerungen kann man schon erahnen, dass sie in ihrem Leben sehr traumatische Erfahrungen gemacht hat. Was sie jetzt dem Islam anlastet und von sich behauptet, „den Koran besser zu kennen als jeder andere“. Darüber hab ich ein bisschen gelacht, was mir jetzt leid tut, denn sie hat sicherlich Schlimmes durchgemacht, wenn sie vom Kopftuch der Lehrerin auf das angeblich im Koran erlaubte Schlagen von Frauen kommt. Aber auch hier ließ sich das Podium nicht in Falle der „Islamdebatte“ locken. Dazu gibt es vielleicht nächste Woche Dienstag noch Gelegenheit bei dieser Veranstaltung:

11130276_1578650035718272_3438283951187360539_nAlso, diese Podiumsdiskussion war jetzt nicht sehr aufregend. Was mir durchaus gefallen hat. Ich bin jetzt eben doch im hanseatisch-kühlen Norden angekommen und nicht mehr im polternden Bayern. Da sind die Politiker doch tendenziell lautstärker und nicht so sachlich.

Zu der ganzen Debatte hab ich noch einige interessante Artikel gefunden. Einiges hab ich bei Mariams Aussichten verarbeitet. Das hätte vielleicht besser hierhin gepasst, da der andere Blog ja mehr für das sehr Persönliche sein soll. Aber egal, wozu kann man verlinken.

Aber jetzt gibt es gerade aktuell ein paar gute Hintergrundartikel – z.B. wie oben erwähnt, über die Parallelen der derzeitigen Diskussion „Entschleiert Euch“ von angeblichen Frauenbefreiern und Dinosaurier-Feministinnen zum Verhalten der Kolonialherren in muslimischen Ländern.

Hier ein Artikel aus Qantara:

Bereits vor über hundert Jahren wurde argumentiert, das Kopftuch stehe für männliche Unterdrückung, was unvereinbar mit der westlichen Zivilisation und Werteordnung sei. In Frankreichs Kolonien ließ man daher auf Worte Taten folgen und zwang Musliminnen dazu, die Verschleierung abzulegen. Historische Einblicke von Susanne Kaiser

Es muss ein sonderbares Spektakel gewesen sein: Auf einer Bühne versammelt sich eine Gruppe traditionell gekleideter Musliminnen. Vor den Augen gespannter Zuschauer und der eigens geladenen internationalen Presse beginnen sie auf ein Zeichen hin gleichzeitig, sich zu entschleiern. Vielleicht ist auch jede von ihnen einzeln aufs Podest gestiegen, hat sich das Kopftuch heruntergezogen und öffentlich erklärt, sich von der patriarchalen Tradition zu befreien und zur Emanzipation zu bekennen.

Soldaten erhalten den Befehl, sich unters Publikum zu mischen und unverschleierte Einheimische mit Beifall und Sympathiebekundungen zum Mitmachen zu bewegen, um die Selbstentblößungen auf der Bühne zu unterstützen. Alles ist sorgfältig inszeniert, kein dramaturgisches Detail dem Zufall überlassen. Ob sich die Musliminnen nach dieser öffentlichen Zurschaustellung wohl vom männlichen Joch befreit gefühlt haben?

……………………………

An Frauen wie ihnen wollten französische Generäle ein Exempel statuieren und der ganzen Welt zeigen, wie das moderne Frankreich über die archaischen Länder im islamischen Afrika triumphierte.

Die Briten waren da nicht besser:

In Ägypten hatten die Briten schon Ende des 19. Jahrhunderts erkannt, dass der Schlüssel zur Beherrschung der Kolonien die Frauen waren und eine öffentliche Debatte über den Hidschab angezettelt. Die feministische Intellektuelle Leila Ahmed zeigt, wie Lord Cromer die Kopfbedeckung für seine Zwecke instrumentalisierte, um „den Islam“ als vollkommenen sozialen Fehlschlag zu entlarven. Die Frau werde durch die geschlechtersegregierende Verhüllung als minderwertig und dem Manne Untertan gebrandmarkt. So versuchte Cromer, die Ägypterinnen gegen ihre Männer, Väter und Brüder auszuspielen.

Um den „mittelalterlichen und barbarischen Sitten des Islam“ ein Ende zu setzen, wurden ganze Heerscharen von wohlmeinenden Aufklärern auf die koloniale Zivilbevölkerung losgelassen: Missionare, Feministinnen, sogar Ärzte sollten den unterdrückten und benachteiligten Frauen solidarisch gegen die orientalische Männerherrschaft zur Seite stehen und sie retten. Nicht selten verteilten sie Handbücher zur Anleitung für eine schrittweise Entschleierung.

………..

In England machte sich Cromer, dem die Freiheit der Frauen so am Herzen lag, als Aktivist gegen das Frauenwahlrecht einen Namen. In Ägypten setzte er durch, dass keine Ärztinnen mehr ausgebildet wurden – als Krankenschwestern konnten Frauen ihre naturgegebenen Eigenschaften besser verwirklichen. Es gibt Gerüchte, dass es Cromer gar nicht um die Freiheit der Ägypterinnen ging, sondern er nur nicht ertrug, von Frauen gesehen zu werden, die er unter dem Hidschab selbst nicht sehen konnte.

Es lohnt sich, den ganzen Artikel zu lesen, u.a. darüber, wie dann die zwangsentschleierten Frauen auf Stöckelschuhen in ihren Handtaschen Waffen für den antikolonialen Widerstand schmuggelten. Der Abschluss der Ausführungen:

Heute wehren sich Musliminnen in Europa nicht militant, sie ziehen vors Bundesverfassungsgericht oder schreiben Bücher. Während Feministinnen wie Alice Schwarzer noch immer in dieselbe Kerbe hauen, wie schon vor über hundert Jahren: Der Schlüssel zur Emanzipation muslimischer Gesellschaften ist die Stellung der Frauen. Das Kopftuch ist die Flagge des Islamismus. Das Kopftuch ist das Zeichen, das die Frauen zu den anderen, zu Menschen zweiter Klasse macht. Und real sind Kopftuch und Ganzkörperschleier eine schwere Behinderung und Einschränkung für die Bewegung und die Kommunikation.

Dabei scheint ihnen nicht bewusst zu sein, vor welches Dilemma sie muslimische Kopftuchträgerinnen damit stellen. Frauen haben dann nur noch die Wahl, sich von Männern beherrschen zu lassen oder von Pseudofeministinnen. Da nimmt man doch lieber den Schleier.

Haha…nein, das ist nicht der Grund für das Tragen des Hidschabs. Meiner jedenfalls nicht. Aber witzig.

Bei Qantara wird die Debatte ausgiebig dokumentiert. U.a. in diesem Artikel der auch einen Link zur Studie „Postmigrantisch II“ enthält: Im Zwist um ein Stück Stoff.

Wer sich mal antun will, wie angebliche Frauenrechtlerinnen aus dem Kopftuch ein „blutbesudeltes Stück Stoff“machen, der kann  sich ja mal bei der EMMA umtun. Wenn ich das lese, dann frag ich mich, in welchem Land ich lebe. Das gleiche wie Alice Schwarzers Deutschland kann es nicht sein.

…..Das Kopftuch ist politisch, Kippa und Schleier aber sind heutzutage religiös motiviert. Und: Die Juden missionieren nicht, auch die Christen sind im 21. Jahrhundert nicht so in der Offensive wie die Islamisten.

……

Die Mehrheit der Lehrerverbände und LehrerInnen ist schockiert. Sie befürchten, dass der Krieg um das seit 2003 in der Schule für Lehrerinnen verbotene Kopftuch nun wieder stärker in die Schulen getragen wird und – dank der erneut unsicheren Rechtslage – eine Flut von Prozessen auf die Schulen zurollt. Die kritischen Lehrerinnen, die gerne beschimpft werden als Schlampen? Die werden wohl noch häufiger in die Frühpensionierung flüchten. Und die unverschleierten Mädchen? Die werden sich noch selbstgerechter als „Huren“ beschimpfen lassen müssen. Und die zwangsverschleierten Mädchen? Die haben nun gar keine Chance mehr, sich wenigstens in der Schule als frei und gleich zu erleben….

Jetzt sind wir schuld, wenn die Lehrerinnen ein Burn out haben und nicht deren Überlastung? An den Verbrechen der IS und Konsorten sowieso…Oh, Alice…

Solche Einstellungen – auch wenn Alice „selbstverständlich“ nicht den Frauen im öffentlichen Raum die Kopftücher entreißen will, führen dazu dass junge, gebildete, engagierte, deutsche Frauen in Deutschland solche Erfahrungen machen, wie Kübra Gümüsay bei ihrer Wohnungssuche.

Eine Gefahr für die offene Gesellschaft, wittert die FAZ und findet das Kopftuchurteil lebensfremd. Die Auseinandersetzung darüber ob der „Islam zu Deutschland“ gehört, würde an die Schulen verlegt…bitte? Diese Auseinandersetzung müssen wir nicht führen. Wir sind hier! Und wir gehen auch nicht weg.

Und abgesehen davon: Regina Mönch (*lol*), Autorin dieses Beitrages hat offensichtlich nicht recherchiert, keine Studien gelesen sondern eben nur eine Meinung geäußert. Sonst wüßte sie – wie oben erwähnt – dass das Kopftuch eben gar nicht zu Diskussionen und Auseinandersetzung um den Islam führt.

Wie eine Schülerin in der (anonymen und nicht von ihr persönlich eingebrachten Befragung) für Habibe Rodes Masterarbeit schrieb:

Das Kopftuch zeigt doch nur, dass sie Muslimin ist, was soll daran verwerflich sein?

Genau. In der Podiumsdiskussion oben ist die „Entdämonisierung“ (Claudia Bernhardt) des Kopftuches gelungen.

Wenn auch die sonstige Diskussion über Islam, „Islamismus“ (was das ist, wäre zu klären), islamisches Essen, islamische Kleidung usw. nicht von irrationalen Ängsten getrieben wäre, dann könnten das Land bei diesem Thema weiterkommen.

Leider gibts daran nur begrenzt Interesse, lässt sich doch mit einer Angstdebatte wunderbar unter den Teppich kehren, dass Islam für Befreiung steht. Dafür, sich niemandem zu unterwerfen, außer Gott. Keinem Diktat von Kapitalisten, Bankern, machtbesessenen Politikern („alle Macht geht vom Volke aus“), Patriarchen, Kolonialherren, Besatzern, Waffenlobbyisten, Zionisten, BesserwisserInnen, Ausbeutern (unvollständige Liste).

Wenn diejenigen die meinen, sie könnten in die Köpfe der Musliminnen sehen und deren Motive erkennen doch mal ohne Scheuklappen in ihre eigenen Köpfe schauen würden, ob sich dort nicht vielleicht ein paar Überzeugungen festgesetzt haben, die sie vom Benutzen ihres freien Geistes abbringen, dann würden sie womöglich feststellen, dass sie sich instrumentalisieren ließen für Zwecke, die sie mal abgelehnt haben, bevor sie so satt und träge geworden sind. Wäre möglich, oder? Ich wage natürlich nicht, das zu unterstellen. Ich bin natürlich frei von jeglicher Besserwisserei.

Noch ein kleiner Beitrag zur aufgeregten Debatte von Jan Freitag: Weltreligion unter Verdacht

So das war mein Wort zum Freitag, einen gesegneten solchen wünsche ich allen Geschwistern!

 

 

Einblick in israelische Gedankenwelten

Standard

Bismillah

In der taz erzählt im Interview ein israelischer „Verteidigungsexperte“, Saki Schalom, wie man in Israel über einen Angriff auf Iran denkt.

Die Drohung damit, so meint Schalom, bewirkt schon einmal, dass die ganze Welt, nach der israelischen Pfeife tanzt. Nicht dass man das übersehen könnte, aber es ist schon interessant, dass dieses Mittel der Manipulation anscheinend als ganz normal und legitim angesehen wird.

taz: Herr Schalom, sind Israels Präventivschlagüberlegungen reine Taktik?

Saki Schalom: Die Warnung wird ernst genommen – auch vom Iran. Israel wird alles daransetzen, dort eine Atommacht zu verhindern. Das meiste, was momentan international in Bezug auf den Iran unternommen wird, geht auf die reale Möglichkeit eines Angriffs aus Israel zurück.

………….

Dass man das Eigentum eines anderen Landes zerstören darf – die Menschenleben werden hier gar nicht erst erwähnt – ist gar keine Frage. Man muss ja nicht gleich alles kaputtmachen, vielleicht geben die Iraner ja aus Gründen der Sparsamkeit ihr Atomprogramm dann gleich auf. Und sonst bombt man halt noch mal, bis sie es verstanden haben.

Ist die israelische Luftwaffe überhaupt in der Lage, das iranische Atomprogramm entscheidend zurückzuwerfen?

Um erfolgreich zu sein, müsste eine Operation deutlichen Schaden anrichten. Aber auch bei einem Teilschaden würden in Iran kritische Stimmen laut werden, die fragen, ob sich das überhaupt lohnt. Wenn Milliarden investiert und anschließend große Teile der Anlagen zerstört werden, dann werden die Entscheidungsträger zweimal nachdenken, bevor sie das Programm fortsetzen, noch dazu wenn sie damit rechnen müssen, dass Israel in zwei bis drei Jahren erneut angreifen wird. Ein Totalschaden muss bei einem Präventivschlag nicht unbedingt das Ziel sein.

Die iranischen Menschenleben die ein Angriffskrieg kostet, werden wie gesagt gar nicht mitgerechnet. Die israelischen sind dann auch nicht besonders viel wert. Interessant die Formulierung, dass das angegriffene Land „provoziert“, wenn es sich wehrt. Bzw. „erneut provoziert“, denn das tut Iran ja jetzt schon dadurch, dass es sein Recht auf ein ziviles Atomprogramm durchsetzt. Dass Israel womöglich provoziert, z.B. durch seine unkontrollierten Atomwaffenbestände, das kann natürlich niemals sein.

Welchen Preis würde ein Präventivschlag Israel kosten?

Ich gehe davon aus, dass der Preis, den Israel gegebenenfalls bezahlen muss, nicht unerträglich sein wird. Auch die Iraner wissen, dass Israel schmerzhaft zuschlagen kann. Auch für sie lohnt es sich nicht, mit ganzer Gewalt zurückzuschlagen und damit erneut eine schwere israelische Reaktion zu provozieren.

Und – hier erneut der völlige Zynismus der israelischen Gedankenwelt: „mir doch egal was die Welt über mich sagt, sie macht ja doch was ich will“:

Wie sieht es mit diplomatischen Konsequenzen aus?

Das wird sehr davon abhängen, wie ein Angriff verlaufen würde. Wenn die Operation funktioniert, und es wird dem Atomprojekt deutlicher Schaden zugefügt, wenn der Rückschlag nicht so schlimm ausfällt, dann wird die internationale Gemeinschaft zufrieden sein, auch wenn offiziell die Operation verurteilt werden wird. Es ist klar, dass hier ein gemeinsames Interesse besteht. Europa, Saudi-Arabien, Marokko, Tunesien und Ägypten wollen keinen Atomstaat Iran. Davon abgesehen sind internationale Verurteilungen für Israel nichts Neues.

Einen „Atomstaat Iran“ gibt es längst, allerdings keinen „Atomwaffenstaat Iran“. Allerdings wäre es Israel wohl lieber, die Iraner lebten in der Steinzeit. Auch für die Iraner sind übrigens internationale Verurteilungen nichts Neues. Allerdings wird Iran für Dinge verurteilt, die es womöglich mal wollen oder tun könnte. Israel wird für Taten verurteilt, die es begangen hat, für Kriegsverbrechen und Landraub. Da sehen wir mal, wir wirksam „internationales Verurteilungen“ sind. Sanktionen wurden allerdings an Israel noch nicht ausprobiert. Sie würden vermutlich wirksamer sein, als die gegen Iran. Wär doch mal einen Versuch wert. Aber da ja die halbe Welt an Israels Marionettenfäden zu hängen scheint, wird daraus wohl nichts.

Und dann kalkuliert man noch mal durch, wieviele israelische Menschenleben man opfern kann.

Ab wie viel Toten wäre ein Rückschlag Irans schlimm?

Ich will dazu keine Stellung beziehen, das ist ein sehr sensibler Punkt und es ist schwer zu sagen, wie viel Tote und Verletzte es geben wird. Verteidigungsminister Ehud Barak selbst hat gestern von ein paar Hundert gesprochen. Die Frage, die sich für uns stellt, ist auch, wie groß der Schaden sein wird, wenn Israel nichts unternimmt. Was passiert, wenn Iran Atomstaat wird, welchen Preis wird Israel dann bezahlen müssen. Es ist ja nicht so, dass wir uns zurücklehnen können und alles wird gut.

Nein, es wird wohl nie mehr alles gut und Israel kann sich nicht zurücklehnen, seine Verbrechen werden dazu führen, dass seine Opfer keine Ruhe geben, bis eine gerechte Lösung gefunden wird. Dass allerdings etwas besser wird, wenn man ein weiteres Land attackiert, ist schon ein schräger Gedankengang. Egal, dieses Jahr muss es knallen:

Wie viel Zeit bleibt ihrer Meinung nach noch bis zum Präventivschlag Israels?

Sehen Sie, US-Verteidigungsminister Leon Edward Panetta spricht von einem Zeitfenster zwischen April und Juni/Juli. Möglich ist, dass es nach hinten etwas offener ist, aber ich glaube nicht, dass es viel später wird. Was wir jetzt sehen, ist, dass die Sanktionen den Iranern zwar wehtun, sie stören, aber sie führen nicht dazu, dass sie das Atomprogramm einstellen oder auch nur das Tempo der nuklearen Entwicklung verringern. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Jahr tatsächlich kritisch ist. (komplettes Interview: http://www.taz.de/Israelischer-Verteidigungsexperte-ueber-Iran/!88588/)

Es schert die Israelis also nicht, ob sie Recht oder Unrecht tun, sie brauchen auch vom Rest der Welt nicht viel zu befürchten, dafür spricht natürlich ihre Erfahrung. Die Welt muss aber nicht so bleiben, wie Israel sie sich in den letzten Jahrzehnten gestaltet hat. Glücklicherweise gibt es auch in Israel Menschen mit einem Unrechtsbewußtsein, aber wenn die Mehrheit der Israelis sich in diesem Weltbild eingerichtet hat – gruselig.

Dass eine Journalistin der taz einfach so die Wortwahl „Präventivschlag“ übernimmt, statt es „Angriff“ zu nennen und nicht einmal die kleinste kritische Frage dazu stellt, ob man auch mal alternative Überlegungen anstellt – nun, wahrscheinlich hängt sie auch nur an einem Marionettenfaden und tut das, was sie tun soll.

Nun, da meine „Lieblingsfeinde“ nun sowieso wieder die Antisemitismuskeule schwenken (manche kennen solche schweren Wörter allerdings gar nicht), hier mal ein Artikel über die echten Antisemiten. Über den geifernden Herrn Broder an dieser Stelle. Ich ignoriere den ja normalerweise, er braucht wirklich nicht noch mehr Aufmerksamkeit, obwohl es natürlich Spaß machen würde, ihm mal so richtig psychologisch zu sezieren. Natürlich nur nach meiner Halblaienpsychologie. Aber zuviel Interesse verschlimmert nur sein Krankheitsbild. Also hier ein Artikel zum zionistischen Antisemitismus und der untere link ist zur Replik von Rabbi Cavelmann, der gelassen auf Brodersche Karnevalsattacken reagiert und sich darüber freut, dass seine website so viele Besucher hat, wenn Broder brodert.

Da verstehe ich ihn, ich freu mich auch immer, wenn meine Gegner für  Interesse an meinem blog sorgen- In den letzten Tagen hab ich nämlich viele Klicks von einer Seite, die mich ganz besonders liebt. Vielleicht sind ja doch Besucher mit Verstand dabei, die mal quer denken können.

http://rotefahne.eu/2012/02/henryk-broder-ein-antisemit-laesst-seine-maske-fallen/

http://www.derisraelit.org/2012/02/von-einer-verspateten-buttenrede.html#more