Schlagwort-Archive: Moses

Mein Monat Ramadan: Tag 16

Standard
Mein Monat Ramadan: Tag 16

Bismillahir rahmanir rahim

Meine gestrige Lektüre im heiligen Qur´an hatte es in sich. Erstens habe ich eine neue „Lieblings“sure – wenn es denn erlaubt ist, sich eine solche jedenfalls für den Moment zu wählen. „Die Biene“ (16) spricht mich gerade so von Herzen an. Wegen der Aussagen über die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung, mit vielen Beispielen aus der Natur.

 

10525102_10202327255611473_1370488904_n

Und was Er auf der Erde für euch erschaffen hat, ist mannigfach an Farben. Fürwahr, darin ist ein Zeichen für Leute, die es beherzigen. (16:13)

 

Und wiederum eine Sure mit der ich „kämpfe“, ist die Sure Kahf, die 18. Sure „Die Höhle“. Nicht wegen der Geschichte von den Siebenschläfern, sondern wegen der Begegnung von Moses, a.s. mit Chidr. a.s., dem Lehrer Moses´a.s., der Dinge tut, die jeden in Aufruhr geraten lassen – auch Moses a.s. – bis man die Auflösung erfährt.

Aber wie kann es sein, dass ein Prophet wie Moses, a.s., seine Versprechen nicht einhält? Und warum weiß Chidr. a.s. mehr als er? Ja und wie kann es denn richtig sein, dass Chidr. a.s., einen Mord begeht?

Fragen über Fragen….zum Glück gibt es bei IRIB einen Tafsir von Ayatollah Mohsen Qaraati, mühselig zu lesen, weil in so vielen Kapiteln, aber immerhin auf Deutsch. Ein leichter Tafsir für uns Westler, sagte uns Herr Qaraati, als wir ihn im letzten Jahr besuchen durften.

Alle Fragen habe sich für mich noch nicht zufriedenstellend geklärt. Was ist z.B. wenn jemand sich anmaßt so weise zu sein wie Chidr, a.s., und deshalb einen ebensolchen Mord begeht, weil es ja im heiligen Qur´an so beispielhaft steht? Naja, wer sich das anmaßt ist wohl sowieso hoffnunglos verloren und wenn man will kann man mit vielen Stellen im Qur´an Mißbrauch treiben. Wie wir vielfach erleben können.

Na jedenfalls der Tafsir der Sure Kahf findet sich hier:

 In Richtung Licht, Tafsir Sure Kahf Verse 1-6

Dann kann man dort weiterblättern bis zu dieser Stelle, die mich so beschäftigt:

In Richtung Licht, Tafsir Sure Kahf Verse 79-82

und weiter natürlich. Lest selber. Ich mach mich jetzt an meinen heutigen Abschnitt. Einen gesegneten Abend wünsche ich!

 

 

 

Mein Monat Ramadan: Tag 8

Standard

Bismillahir rahmanir rahim

20121002_142316

Ein ruhiger Tag, mein 8. Ramadan. Nach einer anstrengenden Woche hinter mir und vielleicht mit einer ebensolchen vor mir, genau richtig. Mit dem Lesen im heiligen Qur´an bin ich wieder da wo ich sein will, wenn ich das ganze heilige Buch durchlesen will in diesem Monat.

Heute überwiegend die Sure „Al-A´raf“, die 7. Sure. Sie erwähnt Adam und den Sündenfall – zuvor natürlich noch die „Ursünde“ Iblis´ – das „ich bin besser“, das man glaub ich heute noch als die Wurzel fast aller Sünden bezeichnen kann, jedenfalls der die wir gegen andere begehen. Oder was ist es anderes was dahintersteckt, wenn man meint man könne andere übervorteilen,  betrügen, bestehlen, beleidigen,  misshandeln, sogar töten usw.? Wenn wir nicht denken würden, wir hätten mehr Recht als der andere, dann würden wir doch so nicht handeln? Und hören wir in solchen Momenten nicht auf den Satan, der uns das einredet?

Außer Adam erwähnt diese Sure noch  sieben Propheten: Noah, Hud, Salih, Lot, Schuaib und ausführlich Moses und seinen Bruder Aaron, Friede sei mit ihnen allen. Es schmerzt fast, deren Geschichten zu lesen, denn alle haben sich so bemüht, ihre Familien, Städte, Völker zu warnen und trotzdem haben sich so viele von Gott abgewendet, nur nach ihren Gelüsten gehandelt und sind vernichtet worden, bis auf jeweils wenige, die ihrem Propheten gefolgt sind.

Das Volk von Moses, a.s., hat so viele Beweise für die Macht Allahs erhalten, während der Gefangenschaft in Ägypten und nach seiner Befreiung und ist trotzdem immer wieder abtrünnig geworden und hat immer neue Chancen erhalten.

Da möchte sich mein Innerstes empören – aber da geht´s ja schon wieder los: „wir“ sind nicht besser. Unsere ganze Gesellschaft macht viel schlimmere Dinge als im heiligen Qur´an beschrieben sind und ich bin ein Teil davon. Mache ich auch nicht (mehr) alles mit, so mache ich jedenfalls nicht genug dagegen.

Ja, das ist eine aufrüttelnde Lesestunde gewesen heute.

Hier auf Deutsch vorgelesen:

und im Original rezitiert:

Menschenrechte die erste: Gültigkeit

Standard

Bismillah

Wie angekündigt mach ich mich mal ans Werk, mit einem nicht so umfangreichen, aber sicherlich umstrittenem Punkt: die Allgemeingültigkeit der Erklärungen der Menschenrechte.

Bei Kyros ist das noch ziemlich einfach. Er erklärt diese Rechte so lange für verbindlich, wie Gott ihm die Regierungsgewalt überlässt – also bis zu seinem Tod. Klar ist, dass er die Macht dieses durchzusetzen von Gott erhält und er fordert regelrecht von diesem Unterstützung ein, dieses auch verwirklichen zu können:

„Nun da ich mit dem Segen von Ahura Mazda die Königskrone von Persien, Babylon und den Ländern aus allen vier Himmelsrichtungen aufgesetzt habe, verkünde ich, dass solange ich am Leben bin, und Mazda mir die Macht gewährt….

mit diesen oder ähnlichen Worten schwört Kyros, dass er die genannten Rechte gewähren wird.

Da er der absolute Herrscher der regierten Länder ist, beschränkt er diese Zusage auf seine Lebenszeit. Ich verstehe ihn so, dass er nichts für die Zeit nach seinem Tod garantieren kann – was nicht heißt, dass er die Rechte nicht für unbegrenzt gültig halten würde. Aber für seine Zeit kann er wohl keine Voraussagen machen.

Schauen wir nun mal, was die UN dazu sagt:

Artikel 1

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Artikel 2

Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Ganz klar: diese Erklärung soll für alle Menschen und alle Zeiten verbindlich sein ( universell, unveräußerlich und unteilbar), da die UN ein Verbund ist, der nicht von einer Person, einem Land oder einer Zeit abhängig sein soll. Einen religiösen Bezug hat diese Erklärung nicht. Es wird auch nicht genannt, wie diese Erklärung zustande kam. Die Realität der Umsetzung ist allerdings eine andere Sache: diejenigen Staaten die maßgeblich an dieser Erklärung mitgearbeitet haben, sind diejenigen die genau diese Universalität nicht zugestehen, wie uns die täglichen Nachrichten zeigen: was ist mit dem Recht der mutmaßlichen Terroristen, die von US-Drohnen in Pakistan erschossen werden auf Unschuldsvermutung?:

Jeder, der wegen einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, hat das Recht, als unschuldig zu gelten, solange seine Schuld nicht in einem öffentlichen Verfahren, in dem er alle für seine Verteidigung notwendigen Garantien gehabt hat, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist. (Auszug aus Artikel 11)

Was ist mit Artikel 13:

Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren

Darüber können Heimatvertriebene wie die palästinensischen Flüchtlinge wohl nur müde lächeln. Oder Menschen wie Firas Maraghy, der den Fehler gemacht hat, sein besetztes Land zu verlassen und nach Auffassung der Besatzer damit sein Heimatrecht verwirkt hat. Israel bestreitet, sich derartig geäußert zu haben und erklärt Firas Maraghy zu einem Bürger Israels. Warum bekommt er dann keinen israelischen Pass und auch seine Tochter nicht?

Das sind nur kleine Beispiele aus der Fülle der Verstöße gegen die universellen Menschenrechte, die ungeahndet bleiben. Ist also die allgemeine Erklärung der Menschenrechte überhaupt dazu geschaffen worden, sie durchzusetzen? Man kann daran zweifeln, wenn man sieht, dass die UN ein Papiertiger bei der Durchsetzung der Menschenrechte ist – es gibt kein Mittel die Mitgliedsstaaten zur Befolgung dieser Konvention zu bewegen.

Andererseits nehmen Staaten für sich in Anspruch, diese Menschenrechte durchzusetzen und dafür die Souveränität anderer Länder zu verletzen, etwas das sie bei sich nicht zulassen. Man schaue auf den „Demokratie-Export der USA und ihre Gründe Krieg zu führen mit der Begründung der Verletzungen der Menschenrechte. Ein Hohn, bei allem was wir erlebt haben im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg – und natürlich vielen, vielen Kriegen vorher. So ziemlich alle Menschenrechte werden in diesem Zusammenhang gebrochen von einem Land, dass außerdem ein Veto-Recht im UN Sicherheitsrat in Anspruch nimmt – woraus sich das begründet? Keine Ahnung, es ist eben so beschlossen worden. Und verstößt schon deshalb gegen die Universalität der Menschenrechte. Im Gegensatz zu König Kyros, der in seiner Zeit nichts über seinen Tod hinaus versprechen konnte, sind die Möglichkeiten heute ganz anders.

Man kann also durchaus behaupten, dass die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte in der „Allgemeinen Erklärung“ von Anfang an nicht ernst zu nehmen war.

Was nicht heißt, dass die Formulierungen dieser Rechte grundsätzlich falsch sind.

Bevor ich die „Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam“ auf ihre Allgemeingültigkeit überprüfe, mache ich schon mal einen Abstecher zur islamischen Kritik an der UNO-Menschenrechtserklärung.

Ayatollah Chamenei sagte schon 1989:

„Wir lehnen die UNO natürlich nicht ab. Wir glauben, dass diese Organisation bestehen muss, aber reformiert werden muss. Wir selbst sind ein Mitglied der UNO…

Wir können sagen, dass die unternommenen Anstrengungen zur Gewährleistung der Menschenrechte und die Forderungen, die im Namen der Menschenrechte in den letzten Jahrhunderten und vor allem in den letzten Jahrzehnten erhoben wurden, keinerlei Früchte getragen haben. Sie haben bei der Sicherung der Menschenrechte versagt.“ aus: Menschenrechte und Freiheit von Ayatollah Chamenei

Und hier eine harsche Kritik an der Umsetzung, oder besser Nicht-Umsetzung und am Mißbrauch der Menschenrechtserklärungen im Muslim-Markt von 2003.

Aber nun zur Kairoer Erklärung. Der Protest, den diese in den westlichen, von der Aufklärung geprägten Ländern hervorruft, begründet sich überwiegend auf die Einschränkung, dass alle Gesetze, also auch die Verpflichtung zur Einhaltung der Menschenrechte, in Übereinstimmung mit der islamischen Scharia sein müssen. Dazu gibt es m.E. zwei Punkte besonders zu erläutern: 1. Was beinhaltet Scharia, gibt es tatsächlich nur eine Auslegung dieser? 2. Woher rühren die Schwierigkeiten des „Westens“ mit diesen göttlichen Gesetzen – ich behaupte, es liegt daran, dass man die Historie der Menschenrechte übersieht und sich alleine auf die Zeit der Aufklärung stützt. Alte Gesetze, wie Moses oder Kyros übermittelt haben, sind dabei außen vor gelassen.

Aber erstmal zur Frage, was „Scharia“ eigentlich ist. Gemeinhin wird sie in nichtmuslimischen Kreisen auf ihre strafrechtlichen Inhalte beschränkt – für Muslime ist das Unsinn. Die Scharia, das bedeutet übersetzt: „Weg zur Quelle“ ist die gesamte Lebensführung, die ein Muslim praktizieren soll. Der „Zeit“ ist aufgefallen, dass es darüber durchaus unterschiedliche Meinungen gibt.

Im Islam-Lexikon \“eslam.de\“ finden wir folgende Beschreibung:

Die Schari’a, das islamische Recht oder eingedeutscht „Scharia“, bedeutet ein Weg zur Tränke oder deutlicher, gebahnter Weg. Es steht für religiöses Gesetz bzw. Ritus. Der Begriff ist abgeleitet aus dem Verb „den Weg weisen“ bzw. „vorschreiben“ [schara’a, شرع].

Der Begriff umfasst die gesamte religiöse Pflichtenlehre des Islams, in der die Regelung aller Bereiche des menschlichen Daseins integriert sind und ist genau so flexibel wie unterschiedlich innerhalb verschiedener Auslegungen. Sie umfasst sowohl moralische, als auch juristische Komponenten, wie auch beispielsweise die religiösen Verpflichtungen [wadschib], religionsrechtliche Abgaben, Definitionen von Begriffen wie auch das Strafrecht; kurz die Gesamtheit aller Normen. Die Kopplung aller dieser in der Westlichen Welt eher getrennt behandelten Lebensbereiche geht im Islam auf das Konzept der Einheit [tauhid] zurück.
Als Ursprung des Begriffs im Heiligen Qur’an wird oft Vers 45:18 angegeben, wo ein Pfad beschrieben ist oder 42:13 als das Festhalten an der Religion mit Bezug auf frühere Propheten.
Basis der Scharia sind die Quellen der Erkenntnis. Darauf aufbauend wurde eine zunehmend umfangreichere und komplexe islamische Rechtswissenschaft gebildet, die durch die Herrschaft der den Islam missbrauchender Dynastien vor allem zunächst die Herrschaft der Herrschenden sichern sollte. Das ist eines der Gründe, warum es so heute so unterschiedliche Auffassungen zu dem Begriff Scharia gibt. Hinzu kommen die Unterschiede der Rechtsschulen.
Die Einordnung der Handlungen nach den fünf islamischen Einstufungen bzw. Wertung zwischen den erlaubten und verbotenen Handlungen ist ebenfalls Bestandteil der Scharia.
In der Verfassung der Islamischen Republik Iran wurde versucht die Scharia im Rahmen der aktuellen Zeiterfordernisse umzusetzen.

Wir können also schon einmal feststellen, dass es „die Scharia“ nicht gibt. Was sie im tagtäglichen Alltag hier lebender Muslime bedeutet, hab ich hier mal versucht zu beschreiben und dass es für Muslime selbstverständlich ist, die Gesetze des Landes in dem sie leben zu befolgen – vorausgesetzt es ist ein Rechtsstaat, erläutert hier ein echter Ayatollah, ehemals Leiter des Islamischen Zentrums in Hamburg.

Aber das sind nur kleine Einwürfe, ich will ja die Kairoer Erklärung näher betrachten – erstmal im Hinblick auf die Allgemeingültigkeit und diese ist dort ganz ausdrücklich und mehrfach niedergelegt. Die Einleitung über die islamische Umma, ist ein wenig optimistisch, es gab und gibt in muslimisch geprägten Ländern absolut nicht nur vorbildhaftes Verhalten, auch nicht unter Regierenden.

Dass die genannten Rechte alle unter der Herrschaft Gottes stehen, also auf der Scharia beruhen, ist nicht ohne Grund für viele Menschen aus nichtmuslimischen Ländern erschreckend. Einmal wegen der genannten Gleichsetzung der Scharia mit dem Strafrecht, zweitens weil es uns beigebracht wurde, dass es Aufklärung und Freiheit nur außerhalb der Religion geben kann – so dass es selbst für Gläubige anderer Religionen befremdlich erscheint, dass hier Gottes Wort über jedem menschlichen steht.

Nun, dass Scharia etwas anderes meint als nur Bestrafungen, habe ich schon erläutert – so Gott will finde ich noch Möglichkeiten, das besser auszudrücken. Aber um die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte wie der Islam sie sieht zu belegen, braucht man doch nur in die religiöse Geschichte zu schauen.

Einmal bei König Kyros – der hat seine Erklärung der Menschenrechte ganz klar unter den Willen Gottes untergeordnet. Dann schauen wir uns doch mal an, welche Gesetze uns Moses, Friede sei mit ihm, gebracht hat. Sind die 10 Gebote nicht auch Menschenrechte, wenn man sie nicht als Handelnder, sondern als vom Handeln anderer Betroffener ansieht.

Die 10 Gebote gibt es in unterschiedlichen Variationen, bedingt durch unterschiedliche Zählung. Ich bring sie mal so ein, wie ich sie als Kind gelernt habe, hier von der EKD veröffentlicht und mit Kommentaren von mir:

Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

(für Gläubige des Juden- und Christentums und des Islams ganz selbstverständlich wie für andere monotheistische Religionen. Gott macht damit seine Worte verbindlich für alle Menschen)

Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.

( dazu gibt es bestimmt viele Auslegungen, im Zusammenhang mit den Menschenrechten verstehe ich es so, dass man nicht im angeblichen Namen Gottes handeln soll, wenn man in Wirklichkeit seine Gesetze verletzt)

Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.

(Die Menschen haben das Recht, Feiertage zu begehen, sei es zum Gottesdienst oder wegen der (Sabbat)ruhe, die auch der Erholung dient.

Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

(Vater und Mutter haben ein Recht auf  Respekt und Fürsorge, da jedes Elternteil auch mal ein Kind war, kann das nur so verstanden werden, dass das auch für die Kinder gilt.)

Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.

(Die Kairoer Erklärung schränkt das ein, wo es nach der Scharia geboten ist – das berührt also die Frage der Todesstrafe, die ja auch in christlich geprägten  Ländern praktiziert wird. Das ist wohl ein spezielles Thema. Davon abgesehen: was heißt das anderes, als dass der Mensch das Recht auf Leben hat?)

Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.

(Die Menschen haben das Recht auf Treue und Verlässlichkeit ihres Ehepartners – solange die Ehe besteht.Eine Trennung ist damit nicht ausgeschlossen)

Das siebte Gebot
Du sollst nicht stehlen.

(auch ganz einfach: Menschen haben das Recht auf Eigentum und darauf, dass ihnen das nicht weggenommen werden darf)

Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

(verbietet üble Nachrede, falsche Anschuldigungen – man hat das Recht, in seiner Würde nicht verletzt zu werden)

Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

(noch einmal das Recht auf Eigentum? Gegen Hinterlistigkeit, fremdes Eigentum an sich zu bringen?)

Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

(Ebenso – dieses sind nach meinem Verständnis auch Forderungen Gottes an die Selbsterziehung des Menschen)

Die Universalität ist hier wohl auch selbstverständlich.

Soweit für´s Erste. Ich hoffe, auf Kommentatoren die bereit sind, sich auf andere Sichtweisen einzulassen.

Bin ich hier noch zu Hause? – 3 – Der Bundespräsident sagt ja!

Standard

Bismillah

Also, ich gebe zu, ich habe den Auslöser der ganzen Medienhetze schlicht verschlafen. Sonntag lag ich nämlich mit schlimmem Kopfweh den ganzen Tag im Bett und hab mir keinerlei Gedanken zum Tag der deutschen Einheit gemacht. Am Montag und Dienstag hab ich mir ein bisschen an die Stirn getippt, aber heute wurde es mir dann doch zu viel, als mich die Zeitung, die so viel Bilder und große Buchstaben hat, dass sie auch der Blödeste versteht, anschrie: „Warum hofieren sie den Islam so, Herr Bundespräsident?

Da dachte ich, ich müsste die Rede jetzt doch mal zur Gänze lesen. Und wunderte mich, was daran nun so aufregend sein soll. Mich regt viel mehr auf, dass diese Aussage:

Wenn mir deutsche Musliminnen und Muslime schreiben: „Sie sind unser Präsident“ – dann antworte ich aus vollem Herzen: Ja, natürlich bin ich Ihr Präsident! Und zwar mit der Leidenschaft und Überzeugung, mit der ich der Präsident aller Menschen bin, die hier in Deutschland leben.

in Frage gestellt wird, ebenso wie die, dass der Islam zu Deutschland gehört.

Inzwischen ist das Land der Dichter und Denker so heruntergekommen (bei den Medien kein Wunder) – dass erstens das Grundrecht der freien Religionsausübung in Frage gestellt wird, zweitens man jedem Sündenbock hinterherläuft, der durch´s Dorf getrieben wird, drittens vergessen hat, dass die Verfolgung der Juden genauso angefangen hat, viertens – deshalb kam ich auf die Dichter und Denker – es große Deutsche jener Professionen gab, die sich mit dem Islam respektvoll auseinander gesetzt haben.

Persönlichkeiten – nicht nur Personen – wie man sie heute in unserem Land anscheinend nicht mehr finden kann.

Nur ein Zitat, dass zeigt, wie der Islam die Botschaft vom einzigen Gott überbringt – ganz in der Nachfolge der „jüdisch-christlichen Werteordnung“:

Jesus fühlte rein und dachte

nur den Einen Gott im Stillen

Wer ihn selbst zum Gotte machte

Kränkte seinen heiligen Willen

Und so muss das Rechte scheinen

Was auch Mahomet gelungen

Nur durch den Begriff des Einen

Hat er alle Welt bezwungen

Wir haben hier kein Problem mit dem Judentum – haben doch Abraham, a.s., und Moses, a.s. und all die anderen Propheten die Einheit Gottes verkündet. Und wer jetzt einwendet, dass die Muslime die Göttlichkeit Jesu´s, a.s. nicht anerkennen: Ja, da widersprechen sich Islam und Christentum. Aber darum ehren wir Jesus, a.s. als Propheten und sein Mutter Maria, a.s., doch so sehr, dass wir uns da mit den Christen gar nicht streiten müssen – weniger als die Juden, die Jesus, a.s., nicht anerkennen. Die Botschaft von Gottes Liebe und Seinem Erbarmen mit seinen Geschöpfen, die teilen wir doch alle. Und die 10 Gebote – die kann doch jeder Muslim als Grundlage rechtschaffenen Handelns annehmen. Wo ist also das Problem? Die Wahrheit ist: es gibt keines. Es wird eines gemacht und das aus ganz und gar unredlichen Gründen.

Ich spekuliere mal: Springer und andere Verbrecher testen, wie weit man gehen kann mit dem deutschen Volk? Werden sie schaffen, eine Pogromstimmung herzustellen, als habe es das Dritte Reich nie gegeben? Muslime legen *autsch* die Finger in die offenen Wunde Palästina – weil wir nicht nur sehen, wie die  jüdische und andere Minderheiten unter Hitler verfolgt und ermordet wurden – sondern auch wahrnehmen, dass sich das seit 60 Jahren in Palästina wiederholt, an einem Volk das mit dem Holocaust absolut nichts zu tun hatte. Ich darf solche Vergleiche machen, ich habe kein irgendwie öffentliches Amt inne, sonst hätte man mich jetzt gesteinigt. Was ist das für ein sonderbarer Schuldkomplex, der blind macht für die Fehler eines ehemaligen Opfers und jetzigen Freundes? Hätte nicht ein wirklicher Freund schon lange Einhalt geboten und klar gemacht, dass ein Volk nicht mit der Unterdrückung eines anderen ein Trauma überwinden kann? Wie kann es angehen, dass unsere „Eliten“ wegsehen und nicht wenigstens mal anhören, was antizionistische Juden dazu sagen?

Ja, das könnte ein Grund sein. Ein anderer: ich hol mal wieder das alte „Teile und Herrsche“ aus meiner Kiste. Immer wenn man das Volk spalten kann, in Muslime und Nichtmuslime, in Arbeitslose (auch gern Arbeitsscheue genannt) und diejenigen, die so hart arbeiten für ihr Land – immer wenn eine solche Spaltung gelingt können sich diejenigen die wirklich für Ungerechtigkeit im Land verantwortlich sind, die Hände reiben. Wer denkt denn jetzt noch an die vielen vielen Milliarden „Rettungsschirme“ für die wir aufkommen müssen? Ja und leider sind große Teile unseres Volkes zu geBILDet um das mitzubekommen.

Was noch? Vielleicht schlicht eine Zeit, die Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, Neugier, Wissensdurst nicht gebrauchen kann? Lieber grenzdebile Arbeitsbienen, die sich ungefragt ausbeuten lassen und ihren eigenen menschlichen Wert nicht mehr kennen?

Wie auch immer – mir würde vermutlich noch viel mehr einfallen, aber davon wird man ja depressiv. Der Herr Wulff hat mich angenehm überrascht mit seiner Aussage, ich hätte ihm das gar nicht zugetraut, zumal er sicherlich wusste, was er damit auslöst. Damit hat er sein Amt mal so richtig zu dem eingesetzt, zu dem es da ist.

Aber wie schon so oft: ob ich hier noch zu Hause bin zweifele ich immer noch. Dass der Islam immer noch als Einwandererreligion gilt stört mich auch. Ich bin wie viele deutsche Muslime hiergeboren, hab mich engagiert und nicht zu vergessen auch jahrzehntelang gearbeitet,  meine Steuern bezahlt und in die Sozialversicherung, mein Kind groß gezogen – was maßen sich Leute an, mir mein Heimatrecht in Frage zu stellen? Und obwohl ich das empörend finde, fühle ich mich doch zunehmend unwohl. Vielleicht ging es den Juden im dritten Reich anfangs auch so. Einige sind rechtzeitig geflüchtet, viele haben es nicht geschafft. Ich werde bestimmt wachsam sein.

Noch ein Dichter und Denker, der hier einen Koranvers so wunderschön übersetzt hat:

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!
Sprich: Gott ist Einer,
Ein ewig reiner,
hat nicht gezeugt und ihn gezeugt hat keiner,
und nicht ihm gleich ist einer.“

Man soll ja nie die Hoffnung aufgeben – so Gott will, siegt die Vernunft.

Ein letzter deutscher Dichter und Denker über den Islam:

„Und einmal habe ich den Koran zu lesen versucht, ich bin nicht weit gekommen, aber so viel verstand ich, da ist wieder so ein mächtiger Zeigefinger, und Gott steht am Ende seiner Richtung, in seinem ewigen Aufgang begriffen, in einem Osten, der nie alle wird. Christus hat sicher dasselbe gewollt. Zeigen.“

Von wem die Zitate sind, werdet Ihr schon selber rausfinden müssen, die Deutschen, weil sie ja diese Kultur loben und kennen müssten (ehrlich gesagt, habe ich das nie gelernt, bis ich konvertiert bin), die Nicht-Deutschen, weil sie gerne etwas dazulernen aus der Kultur ihres neuen Heimatlandes.

Islam Lektüre: Über die Lebensweise des Propheten von Ayatollah Märtyrer Morteza Motahhari

Standard

Bismillah

Mein 50. Geburtstag hat mir einen 50€ Büchergutschein von meinen lieben Schwestern beschert und da habe ich mir einige Bücher gegönnt, die ich mir schon so lange gewünscht hatte.

Dieses von Ayatollah Motahhari war auch schon lange auf dem Wunschzettel. Es ist sein letztes Werk und leider nicht ganz vollendet, weil er davor ermordet wurde. Ich habe schon mehrere Bücher von ihm gelesen und fand die meistens recht schwierig, das war bei diesem Werk ganz anders.

Es ist keine weitere Lebensgeschichte des Propheten Muhammed, s.a.s., sondern es zeigt, in übersichtliche Bereiche gegliedert, was den (einen) Propheten ausmacht, wie sein Benehmen und Verhalten ist, wie der Titel schon sagt, aber zeigt auch den Kern des Islam auf, wie er leider oft nicht gelebt wird und belehrt über die Art und Weise, wie zum Islam eingeladen werden soll. Außerdem enthält es viele Hinweise darauf, wie das Verständnis des Islams und der Worte des Propheten, s.a.s, sich im Laufe der Jahrhunderte vertieft und verändert hat – Beispiele dafür, dass der Islam kein starres System ist, sondern für alle Entwicklungsstufen der Menschen passend.

So richtet sich das Buch nicht nur an Muslime  und Islaminteressierte allgemein, sondern gerade auch an Lehrer und Prediger.

Ayatollah Motahhari bringt viele Beispiele nicht nur aus dem Koran und dem Leben des Propheten Muhammed, s.a.s., sondern auch aus den Überlieferungen des Christen- und Judentums.

Der heilige Koran sagt in Sure 33:21:

Wahrlich, in dem Gesandten Allahs habt Ihr ein schönes Vorbild für jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs häufig gedenkt“

Nach Ayatollah Motahhari kommt das wirkliche Verständnis des prophetischen Verhaltens, das einer klaren Logik folgt, bei den Muslimen zu kurz, obwohl wir so viele Überlieferungen besitzen – wir Shiiten können uns glücklich schätzen, dass wir noch viel mehr als die sunnitischen Glaubensgeschwister haben, denn wir haben noch das Vorbild der Ahl-u-bait, Fatimas, a.s. und der 12 Imame, a.s. – die die Lehre des Propheten, den „gelebten Koran“ jeder in seiner Zeit weitertrugen.

Der Autor macht einen kleinen Exkurs in die Dichtkunst und zum Marxismus, wie er es gerne tut, bevor er darauf zu sprechen kommt, was ein grundlegendes Prinzip des Verhaltens der Propheten und der Imame ist: Sie ändern ihre Grundeinstellung nicht, wenn sich die Umstände ändern. Sie sind nicht Opfer ihrer Gefühle und Leidenschaften, wie es weniger standhafte Menschen sind – wie die meisten von uns, die von Gefühlen wie Angst, Gier, Neid, Liebe, Hass, Leidenschaft usw. herumgeschleudert werden. Im Islam wird aber gelehrt, dass jeder Mensch, anhand unserer Vorbilder lernen kann, seiner inneren Logik zu folgen – die  aussagt, dass dieses überwunden werden kann.  Weder soll er sich von Aberglauben leiten lassen, noch sollen seine Moralvorstellungen sich mit seinen Lebensbedingungen ändern.

So lehrt uns das Vorbild der Propheten und Imame, was erstrebenswert ist: ein einfacher und natürlicher, bescheidener Lebensstil, was nicht bedeutet asketisch leben zu müssen, aber wenn in der Gemeinschaft Menschen Not leiden, dann muss erst denen geholfen werden, bevor man sich Luxus gönnt. Ein freundliches und geduldiges Wesen dass den Mitmenschen keine Angst macht. Der Prophet,s.a.s. begegnete selbst ausgesprochener Feindseligkeit geduldig. Kein Stolz und Aufgeblasenheit und keine Privilegien verlangen. Prophet Muhammed, s.a.s., war in seiner Jugend arm, aber schon damals wegen seiner Zuverlässigkeit und seines freundlichen Wesens anerkannt. Diese Verhaltensweisen hat er nicht geändert, selbst nicht, als er Herrscher des Islamischen Staates wurde. Nicht Verrat zu üben, zu lügen oder zu betrügen um Macht zu erringen. Sich mit anderen zu beraten und ihre Meinung zu respektieren.

Alle Propheten haben klare Prinzipien gehabt, und waren freundlich und sanft zu ihren Mitmenschen. Ayatollah Motahhari beschreibt sie als „Ärzte“, die seelische und geistige Krankheit heilen und zwar, indem sie die Kranken aufsuchen. Er zitiert dazu eine Überlieferung über Jesus, a.s.:

Es wird erzählt, dass einstens Jesus Christus, a.s., gesehen wurde, wie er das Haus einer Hure verließ. Seine Jünger waren ganz überrascht und fragten: „Oh Geist Gottes! Was hast Du an solch einem Ort gemacht?“ Er antwortete: „Ein Arzt besucht seinen Patienten“

Auch Moses, a.s., wird beschrieben, wie er in einfachster Kleidung an den Hof des Pharaos ging, um diesen herauszufordern. Fatima, a.s., die geliebte Tochter des Propheten die seine Armut teilte, verschenkte noch in ihrer Hochzeitsnacht ihr neues Kleid an eine Bettlerin und hatte so wieder nur ein einziges, abgetragenes.

Ayatollah Motahhari geht ausführlich darauf ein, wie man anstreben sollte, seine Ziele im Leben zu erreichen und spricht sich dabei gegen die Maxime: „Der Zweck heiligt die Mittel“ aus – unsere Vorbilder haben niemals so gehandelt. Man darf ein richtiges Ziel nicht mit den falschen Mitteln zu erreichen versuchen. Weder mit unangemessener Gewalt – Gewalt darf nur im Notfall zur Verteidigung eingesetzt werden – noch mit Täuschungen oder Lügen. So wird z.B. bemängelt, dass es viele gefälschte Überlieferungen des Propheten, s.a.s., gibt, die z.T. durchaus in guter Absicht erfunden wurden – da zitiert er eine etwas amüsante Geschichte über Zwiebeln aus Akka – die aber nicht dazu führen, dass der Islam richtig verstanden wird und die der Logik widersprechen.

Überhaupt werden wir immer wieder aufgefordert, die Vernunft und den Verstand zu benutzen, um zu lernen und Widersprüche aufzudecken. Gerade bei Hadithen, die die Vorzüge bestimmter Städte oder Orte loben ist große Vorsicht geboten – hier hat vielleicht jemand einen „Werbespruch“ erfunden, um Reisende anzulocken.

Die Unbeirrbarkeit in der Beachtung der moralischen Prinzipien zeigt sich beim Propheten, s.a.s., und bei den heiligen Imamen, a.s. in jeglicher Situation, selbst im Krieg: wenn auch ihm selber von den Feinden Wasser für sich und seine Leute verweigert wurde, verhielt sich Imam Husain, a.s., nicht so gegenüber seinen Feinden, als er in der besseren Lage war. Ebensowenig nutzten sie günstige Gelegenheiten einen Angriff zu beginnen, wenn in den heiligen Monaten dieses verboten war, sondern warteten bis eine Verteidigungssituation entstand.

Unsere Vorbilder bekommen ihre Weisheit, Standhaftigkeit und Geradlinigkeit nicht geschenkt, sondern diese resultiert aus ihrer tiefen Gottesehrfurcht. So widerlegt z.B. Imam Ridha, a.s. in einer zitierten Geschichte eine falsche Überlieferung über den Propheten David, a.s., der in dieser Geschichte beschrieben wird als jemand der sich im Gebet von einem Vogel ablenken lässt und dafür sorgt, dass ein Mann zu Tode kommt, dessen Frau er begehrt. Jemand der sich so verhalten würde, könnte kein Prophet Gottes sein. Wohl gibt es auch Gefahren für diese starken Persönlichkeiten und auch David, a.s., bekam seine Lehre als er Gefahr lief hochmütig zu werden, ebenso wie der Prophet Jona, a.s., der nur einen Augenblick von Gott sich selbst überlassen wurde. Auch diese Beispiele werden ausführlich erläutert.

So betete auch der heilige Prophet, s.a.s., zu Allah:

„O Gott, bitte lass das Böse nicht an mich herantreten, nachdem Du mir Erlösung gegeben hast. O Gott, bedränge mich nicht mit solch einer Plage, das mein Feind frohlockt. O Gott, bitte überlasse mich nicht meiner selbst, nicht für einen Moment“

Ayatollah Motahhari erzählt diese Geschichten auch, um uns zur Wachsamkeit zu ermahnen: Falsche Überlieferungen können auch fabriziert werden, um den Islam in Verruf zu bringen und die Gemeinschaft zu spalten.

Dass die Propheten und Imame sich gleichbleibend vernünftig und menschenfreundlich verhielten, sagt nicht, dass es keine Abwandlungen ihres Verhaltens je nach Situation und Zeit gibt. Sie haben sich angemessen verhalten, wie es die Situation erforderte und so können auch heute Gelehrte „Idschtihad“ betreiben und Koran und zuverlässige Überlieferungen nutzen, um Antworten auf die Probleme der heutigen Zeit zu finden.

Natürlich kann ich in einer solchen kurzen Zusammenfassung nicht alle Beispiele wiedergeben, die das Buch nennt. Z.B. ist sehr interessant, weil dieses Geschehen oft zur Verleumdung des Islam benutzt wird, warum der Prophet, s.a.s. erlaubte, die mekkanische Karawane zu überfallen.

Im letzten Abschnitt des Buches geht Aatollah Motahhari intensiv auf die Art und Weise ein, wie der Islam verkündet werden soll, welchen Charakter die Religion Gottes hat und wie man auf menschliche Schwächen Rücksicht nehmen soll. Diese Ausführungen finde ich deshalb so bemerkenswert, weil der Islam wie er heute von einigen gelehrt wird – besonders ausgeprägt unter den sogenannten „Salafiten“ (Wahabiten) – als eine Religion des Zwangs, der Angst und der Unterdrückung erscheint. Ganz anders hat der Prophet, s.a.s., gelehrt und ganz anders sagt es auch der heilige Koran:

Rufe auf den Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung und streite mit ihnen auf die beste Art“(Sure 16:125)

Die Weisheit des Islam ist auf eine Art und Weise formuliert, dass sie für jeden Menschen verständlich ist und sie braucht keine aufgeblasenen Windungen wie man sie bei manchen Philosophen findet um Eindruck zu machen.So sprechen die Propheten Gottes auch alle in einer Weise, dass sie den Verstand und die Herzen aller Menschen, auch die der einfachen und ungebildeten erreichen. Wie wir gelesen haben, braucht es zur Verkündigung der frohen Botschaft Persönlichkeiten von besonderer Art:

Worte die aus dem Herzen quellen, werden die Herzen beeinflussen.

Und Worte die von der Zunge kommen, gehen nicht weiter als bis zum Ohr.

Passend zu den beschriebenen Charaktereigenschaften der Propheten und Imame, sagt auch Prophet Muhammed, s.a.s., immer wieder Worte in dieser Art:

„ich bin euch ein aufrichtiger Ratgeber“

und

„ich bin nicht gekommen, um Verdruß zu bereiten“

Die Mittel dazu, abgesehen vom beschriebenen vorbildhaften Verhalten und dem umfassenden Wissen des Propheten, s.a.s. und der Imame, a.s., sind Ermunterung und frohe Botschaft – als erstes – Warnung vor üblen Folgen (eines Fehlverhaltens, des Unglaubens) als zweites. Und eben nicht Zwang und Unterdrückung: Ayatollah Motahhari sagt, die menschliche Seele sei empfindlich und bei zuviel Druck, wird sie flüchten. So leitete Prophet Muhammed, s.a.s., seine Botschafter dazu an, den Menschen den Islam so nahezubringen, dass sie ihn nicht hassen. Wir wissen ja auch von den vielen Briefen, die er an andere Herrscher geschrieben hat, um sie zum Islam einzuladen und wir sehen die erstaunlich schnelle Ausbreitung des Islam, die ganz anders als man uns oft einreden will, keineswegs mit dem Schwert erkämpft wurde.

Ayatollah Motahhari ermahnt aber auch uns selbst, mit uns freundlich zu sein. Der Islam soll seelisches Gleichgewicht bringen, das gelingt nicht, wenn man seinen Weg nicht im eigenen Tempo geht und sich unter Druck setzt. Auch hierzu bringt er anschauliche Beispiele, die aber hier nicht wiedergegeben werden können.

Nur ein Zitat des Propheten,s.a.s., noch:

„Gott sandte mich mit einer Religion die nachsichtig und großzügig ist“

Welch ein Unterschied zum Islam des Drucks und der Angst, den manche lehren.

Im letzten, leider nicht abgeschlossenen Abschnitt des Buches, „Gottesehrfurcht und Angst“ geht Ayatollah Motahhari genau auf den Unterschied zwischen diesen beiden ein und differenziert folgendermaßen: Wer Angst hat, hegt Befürchtungen für seine eigene Zukunft und sein Ende. Wer gottesehrfürchtig ist, hat einen Gemütszustand, in dem er es nicht wagt, Falsches zu verüben. Das hat mit Gotteserkenntnis zu tun.

Viele von uns sind wie Schlafende – und der Prophet, s.a.s., wurde gesandt, um uns aufzuwecken. Das geschieht, indem er uns zum Denken anregt und zum Wissenserwerb. Je mehr wir verstehen, je aufmerksamer werden wir sein und je mehr werden wir von Gott erkennen. Da wir jedoch zur Nachlässigkeit neigen, nutzt der Prophet,s.a.s.,  auch die Ermahnung um uns aufzurütteln.

Ayatollah Motahhari sagt: „Der Glaube erhebt sich durch die Wachsamkeit der Gefühle des einzelnen, und daher gibt es im Islam keinen Zwang im Glauben“

Nach noch einigen beispielhaften Schilderungen, bricht leider die Schrift hier ab.

Inschallah habe ich ein kleines bisschen zusammenfassen können, worum es in diesem bemerkenswerten und schönen Buch geht! Ich wollte damit neugierig machen und nicht versuchen, die ganze Botschaft zusammenzufassen, das wäre vermessen. Ayatollah Motahhari gelingt es aber, diese grundlegenden Prinzipien des Islam so darzulegen, dass es wirklich gut verständlich ist und dazu auch noch leicht zu lesen.

Das Buch gibt es bei m-haditec






Muslime und ihr Verhältnis zu Juden und Christen, Teil 2

Standard

Einige Texte zum Zusammenleben und der Wertschätzung von Juden und Christen:

Aus einer Rede von Imam Chamenei über Jesus, a.s.:

„Jesus (ع) war mit prophetischer Wundertätigkeit und der göttlichen Botschaft ausgestattet, um die Menschen aus der Finsternis des Götzendienstes, der Gotteslästerung und der Unterdrückung zu befreien, und er war gesandt, die Menschen zum Licht der Erkenntnis, der Gerechtigkeit und des Gottesdienstes zu führen. Sein ganzes Leben lang zögerte er nicht, Böses zu verwehren und Gutes zu verbreiten, eine Lektion, die Christen und Muslime gleichermaßen lernen sollten sowie alle, die an seine prophetische Sendung glauben. Dieser erwählte Gesandte Gottes hat die Menschen zu Gottes Weg gerufen, das heißt zum Weg des Glücks, und er hat sie davor gewarnt, niederen Gelüsten zu folgen und die Seelen der Menschen mit bösen Handlungen und Unterdrückung zu zersetzen. Bereits zu Jesu Zeit benutzten die materialistischen und hedonistischen Mächte, korrupt und selbstherrlich wie sie waren, verschiedene Mittel, um seine Anhänger zu täuschen und ihm falsche Anschuldigungen vorzuwerfen. Aber kaum waren diese Anschuldigungen vorgebracht, da rettete Gott Jesus, um ihn in Seinem Schutz zu bewahren. Aus Rachsucht begannen die Unterdrücker, seine Jünger zu foltern, um seine Lehre gegen Korruption, Unterdrückung, Götzendienst, Verschwendungssucht, Hedonismus, Demagogie und die Liebe zum Krieg unter den Völkern aus der Welt zu räumen. Götzendiener, die korrupt und großspurig sind und Unfrieden unter den Völkern verbreiten wollen, wenden sich natürlich gegen Gottes Religion, Gottes Propheten und alle diejenigen, die Gottes Weg folgen. Jesus (ع) nachzufolgen erfordert, die göttliche Wahrheit zu stützen und die Wahrheitsleugner abzulehnen. Ich hoffe, dass alle Muslime und Christen in der Welt in ihrem Alltagsleben die vollkommenen Lehren Jesu lebendig erhalten.“

Quelle

Im folgenden Artikel wird der Haltung (die es auch unter islamischen Gelehrten gibt) widersprochen, dass es gleichwertig sei, ob man den Gottesdienst auf jüdische oder christliche Art praktiziert. Trotzdem wird zu einem freundlichen Umgang aufgefordert:

in Auszügen:

……..

Diese Verse sprechen eine eindeutige Sprache. Hier wird zweifellos gesagt, dass mit „Al-Islam“ die Form von Unterwerfung gemeint ist, die der Prophet Muhammad (ص) überbracht hat und keine andere Form. Die Leute der Schrift (Juden und Christen) stehen in Opposition zu dieser Form der Unterwerfung. Der Prophet Muhammad (ص) und seine Gefährten sind die Anhänger des Islams. Die Leute der Schrift (Juden und Christen) werden dazu aufgerufen sich Allah (swt) zu unterwerfen durch seinen Propheten Muhammad, obwohl sie bereits Moses (ع) und Jesus (ع) akzeptieren. Dieselbe Nachricht wird den Götzenanbetern in Mekka überbracht. Wenn die Leute der Schrift und die Götzenanbeter dem Propheten und seinen Gefährten nicht folgen, werden sie zu nicht auf dem rechten Weg gehen.

…….

Der Glaube an den Islam als einzige authentische und wahre Religion bedeutet jedoch keinesfalls, dass alle Nichtmuslime in die Hölle kommen. Im Quran wird mehrmals darauf hingewiesen, dass Muslime sich um Toleranz bemühen müssen, besonders mit den Anhängern der Schriftreligionen. In diesem Vers geht es zum Beispiel um polytheistische Eltern und dem richtigen Umgang mit ihnen: „Doch wenn sie mit dir eifern, damit du Mir das zur Seite setzest, wovon du keine Kenntnis hast, dann gehorche ihnen nicht. In weltlichen Dingen aber verkehre mit ihnen auf geziemende Weise.“ (31:15) Muslime sollten aufpassen keine Übertretungen zu begehen, aber mit Nichtmuslimen trotzdem freundlichen Kontakt pflegen. Obwohl sich unsere Wege im Jenseits trennen werden, sind wir verpflichtet uns im Diesseits um eine friedliche Koexistenz zu bemühen.

vollständiger Text

Hier wird eine Diskussion zwischen Imam Ridha, a.s., einem der shiitischen Imame, und Gelehrten der Juden, Christen und Sternenanbeter geschildert (Anlass war, dass der damalige Kalif Mamun vorhatte, den Imam zu blamieren). Wie ich finde, ein schönes Beispiel dafür, dass man als Muslim mit den Quellen der anderen Religionen vertraut sein soll und sie nicht einfach zu verdammen hat, auch sei bemerkt, dass einer der Gelehrten Muslim wurde, die anderen aber nicht und auch nicht dahingehend insistiert wurde:

Der Kalif sprach „Jasaleeq“ den großen christlichen Gelehrten an und sagte: „Frag ihn, was auch immer du möchtest“. Jasaleeq fragte den Imam: „Was ist deine Meinung über Jesus Christus ?“ Imam Reza (ع) antwortete: „Wir glauben, dass er der Prophet Gottes war.“ Jasaleeq fragte ihn erneut: „Welchen Beweis hast du bezüglich euren eigenen Propheten?“ Der Imam (ع) sagte: „Habt ihr denn nicht die Bibel gelesen, wo Johannes folgenden Ausspruch von Jesus überlieferte: „Es wird ein Prophet nach mir kommen, und er wird das Siegel der Propheten sein.“ Jasaleeq antwortete: „Ja, aber Jesus hat ihn nicht beim Namen genannt.“ Imam Reza entgegnete: „Erlaubst du, dass ich aus eurer Bibel vorlese?“ Er sagte: „Lies daraus.“ Der Imam zitierte das drittel Kapitel bis er zu dem Vers kam, wo Jesus sagte: „Ich werde zu meine Herrn kehren und der „Paraklit“ (Muhammad) wird zu euch kommen und er wird den Unglauben beseitigen.“ Jasaleeq wurde leise und sprach kein Wort. Der Imam (ع) sah „Raasul Jalout“, den Obergelehrten der Juden, an und sagte: „Was ist dein Beweis über den Propheten Moses?“ Er antwortete: „Moses hatte Wunder wie z.B. das Spalten des Nils und das anschließende Durchqueren. Der Imam (ع) sagte: „Warum glaubt ihr nicht an den Propheten Jesus?“ Er antwortete: „Sie sagen, dass Jesus tote Menschen auferstehen lassen kann, aber wir haben das nicht gesehen, um daran zu glauben.“ Der Imam (ع) sagte: „Aber warum glaubt ihr dann an die Propheten vor ihm? Was ist mit Moses? Ihr habt ihn und seine Wunder doch auch nicht selber gesehen!“ Der Gelehrte antwortete: „Die Art wie es uns überliefert wurde!“ Der Imam (ع) sagte: „Aus welcher Quelle hast du diese Erkenntnis?“ Er sagte: „Durch die Geschichte und jene, die diese Worte von ihm gehört haben.“ Der Imam (ع) sagte: „Andere suchen auch Zuflucht in der Geschichte und wie wollt ihr sie zu eurem Glauben einladen?“ Der Gelehrte wurde ruhig und sprach kein Wort. Imam Reza (ع) drehte sich zu Imran, dem Oberhaupt der Sternesanbeter und sagte: „Frage mich auch, was immer du möchtest.“ Imran fragte ihn einiges über Gott, über die Philosophie der Entstehung, erhielt seine Antworten und trat zum Islam über. Mamun hatte somit sein Ziel nicht erreicht und bereute dieses Treffen.

Quelle

Vielleicht ist es für Konvertiten wie mich leichter, die Gemeinsamkeiten zu den anderen Buchreligionen zu sehen, als für jemanden, der damit nie in Berührung kam. Natürlich gibt es gute Gründe dafür, dass ich konvertiert bin, denn abgesehen von den vielen Beweisen für die Gesandschaft des Propheten Muhammed, s.a.s., ist die christliche Lehre von „Vater, Sohn und heiliger Geist“ für mich nie verständlich gewesen und kommt m.E. dem Polythismus mindestens sehr nahe, wenn man es wörtlich nimmt. Allerdings verstehen auch viele Christen die ich kenne, das nicht derartig.

Das Judentum ist uns in Bezug auf den reinen Monotheismus näher, aber sie leugnen wiederum, dass Jesus,a.s., der Prophet Gottes war und somit auch seine wertvolle Botschaft.

Es gibt aber doch so viel, dass uns verbindet, dass wir auf jeden Fall einen respektvollen Umgang pflegen sollten.

Im nächsten Teil werde ich in scha Allah auf den Status von Juden und Christen in islamischen Staaten eingehen.