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Was Deine Freiheit ist, bestimme ich!

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Bismillahir rahmanir rahim

Am Dienstag dieser Woche nahm ich an einer Podiumsdiskussion teil, die die Bremer TAZ anlässlich des sogenannten Kopftuchurteils veranstaltet hat. 11074179_10204005069475771_682727475_o

Hier das Podium noch ohne den Überraschungsgast. Von links nach rechts: Claudia Bernhardt, die Linke – Luisa Katharina Häsler, CDU -, Gönül Bredehorst, SPD, Benno Schirrmeister TAZ-Moderator, Henrike Müller, Grüne – Kübra Gümüsay, Publizistin.

und hier der Überraschungsgast:11153499_10204005065515672_1212467699_oHabibe Rode, Referendarin

Ich hatte hitzige Debatten erwartet, wurde aber angenehm davon überrascht, dass die politischen Vertreterinnen im Großen und Ganzen sehr gelassen bis erfreut auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts reagierten. Nur die Vertreterin der CDU wünschte sich, dass die Lehrerinnen mit Kopftuch doch lieber an muslimischen Privatschulen unterrichten sollten (Kübra dazu: „Habe ich richtig verstanden, das die CDU sich mehr islamische Schulen wünscht?“).  Es ist zum Glück keine Debatte über Privatschulen und Chancengleichheit entstanden. Was von allen bemängelt wurde, war dieser schwammige Begriff  „Schulfrieden“ im Urteil und dass es bislang gar keine Handlungsanweisungen dazu gibt – einig waren sich alle, dass nicht ein paar raffinierte -gida-AnhängerInnen unter den Eltern die Gunst der Stunde nutzen können sollten und unter Berufung auf den „Schulfrieden“ Hetzkampagnen gegen betuchte Lehrerinnen starten. Ob man in Bremen dazu nun doch das Schulgesetz ändern müsse, oder man mit anderen Ausführungsbestimmungen zurecht kommt, da war sich das Podium nicht so einig.

Sehr angenehm fand ich, dass man die Diskussion über die Kopfbedeckung von Lehrerinnen getrennt hat von der angstbestimmten „Islam“-Debatte. Kübra, deren freundliche und humorvolle, aber zielgenaue Art ich sehr schätze, brachte sehr früh ein, dass in Deutschland die Kopftuchdiskussion sich inhaltlich seit vielen Jahren nicht bewegt hat und wir heute genauso dastehen wie vor dem ersten Urteil 2003. In England, wo sie nun lange gelebt hat, interessierten sich die Leute für ganz andere Dinge. Und dass, obwohl es diverse Studien zu dem Thema gibt, die belegen, dass das Kopftuch im Unterricht gar kein Problem ist. Auch Habibe Rode hat für ihre Masterarbeit, dazu Untersuchungen angestellt, von denen sie berichtet hat. Nach kurzer Neugier und Nachfragen der Schüler, vergessen diese das Thema einfach und es zählen ganz andere Kriterien bei ihrer Lehrkraft.

Da wird es jetzt spannend, ob inschaAllah nicht das eintritt, wass Habibe Rode als Erfahrung aus Hamburg anbrachte: da gab es nie ein Kopftuchverbot, und trotzdem wurden Lehrerinnen mit Kopftuch nicht eingestellt. Natürlich ohne die Begründung, dass es daran gelegen hätte.

Recht witzig war es, als auf einmal aufkam, dass sich beim Thema Kopftuch in der Politik Leute für die  „Befreiung“ der Frau einsetzten, die sonst weit davon entfernt seien, Frauenrechtler zu sein. Genauso wie sich „Besserwisser-Feministinnen“ (Fr. Bernhardt outete sich als eine, die aus dieser Tradition stammt) anmaßen, den Frauen ihre Entscheidungsfreiheit abzusprechen. Die sind damit in einer Tradition die aus dem Kolonialismus stammt und die Frauen benutzt, um die unterdrückten Völker zu spalten und ihre Kultur zu zerstören. Dazu gleich mehr.

Also im Großen und Ganzen war die Diskussion nicht sehr kontrovers, so dass der Moderator, der dort mit einer fetten Erkältung saß und nicht in Höchstform war, schon aus Verzweiflung die unfreiwillig verschleierten Schülerinnen einbrachte, aber recht elegant von diesem Seitenweg wieder abgebracht wurde, eben weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.

Solche Stimmen kamen aber durchaus aus dem Publikum, das wohl teilweise gerne eine Islamdebatte gehabt hätte, die aber dort nicht hingehörte. Neben mir zwei grantelnde ältere Herren aus der Gruppierung der „Laizisten in der SPD“, deren einer auf den großen Anteil der „Ungläubigen“ in unserer Gesellschaft hinwies, die ein Recht darauf hätten, von allem Religiösen im öffentlichen Raum ferngehalten zu werden – wenigstens dort, wo man gezwungen ist hinzugehen, wie in der Schule. Der ließ auch einen Stuhl zwischen sich und mir frei – *lol* – danke. Eigentlich würde ich ganz gerne mit solchen Leuten diskutieren, aber hier war schon wieder so ein genervter bis verzweifelter Tonfall, weil sich nun gerade keiner mehr für ihre Argumente interessiert. Alle Aufklärung vergebens? So jemand kann kaum verstehen, dass ich gerade weil ich meinen Verstand benutzt habe, zum Islam gekommen bin.

Auch eine Frau aus Syrien meldete sich lautstark zu Wort. Aus ihren Äußerungen kann man schon erahnen, dass sie in ihrem Leben sehr traumatische Erfahrungen gemacht hat. Was sie jetzt dem Islam anlastet und von sich behauptet, „den Koran besser zu kennen als jeder andere“. Darüber hab ich ein bisschen gelacht, was mir jetzt leid tut, denn sie hat sicherlich Schlimmes durchgemacht, wenn sie vom Kopftuch der Lehrerin auf das angeblich im Koran erlaubte Schlagen von Frauen kommt. Aber auch hier ließ sich das Podium nicht in Falle der „Islamdebatte“ locken. Dazu gibt es vielleicht nächste Woche Dienstag noch Gelegenheit bei dieser Veranstaltung:

11130276_1578650035718272_3438283951187360539_nAlso, diese Podiumsdiskussion war jetzt nicht sehr aufregend. Was mir durchaus gefallen hat. Ich bin jetzt eben doch im hanseatisch-kühlen Norden angekommen und nicht mehr im polternden Bayern. Da sind die Politiker doch tendenziell lautstärker und nicht so sachlich.

Zu der ganzen Debatte hab ich noch einige interessante Artikel gefunden. Einiges hab ich bei Mariams Aussichten verarbeitet. Das hätte vielleicht besser hierhin gepasst, da der andere Blog ja mehr für das sehr Persönliche sein soll. Aber egal, wozu kann man verlinken.

Aber jetzt gibt es gerade aktuell ein paar gute Hintergrundartikel – z.B. wie oben erwähnt, über die Parallelen der derzeitigen Diskussion „Entschleiert Euch“ von angeblichen Frauenbefreiern und Dinosaurier-Feministinnen zum Verhalten der Kolonialherren in muslimischen Ländern.

Hier ein Artikel aus Qantara:

Bereits vor über hundert Jahren wurde argumentiert, das Kopftuch stehe für männliche Unterdrückung, was unvereinbar mit der westlichen Zivilisation und Werteordnung sei. In Frankreichs Kolonien ließ man daher auf Worte Taten folgen und zwang Musliminnen dazu, die Verschleierung abzulegen. Historische Einblicke von Susanne Kaiser

Es muss ein sonderbares Spektakel gewesen sein: Auf einer Bühne versammelt sich eine Gruppe traditionell gekleideter Musliminnen. Vor den Augen gespannter Zuschauer und der eigens geladenen internationalen Presse beginnen sie auf ein Zeichen hin gleichzeitig, sich zu entschleiern. Vielleicht ist auch jede von ihnen einzeln aufs Podest gestiegen, hat sich das Kopftuch heruntergezogen und öffentlich erklärt, sich von der patriarchalen Tradition zu befreien und zur Emanzipation zu bekennen.

Soldaten erhalten den Befehl, sich unters Publikum zu mischen und unverschleierte Einheimische mit Beifall und Sympathiebekundungen zum Mitmachen zu bewegen, um die Selbstentblößungen auf der Bühne zu unterstützen. Alles ist sorgfältig inszeniert, kein dramaturgisches Detail dem Zufall überlassen. Ob sich die Musliminnen nach dieser öffentlichen Zurschaustellung wohl vom männlichen Joch befreit gefühlt haben?

……………………………

An Frauen wie ihnen wollten französische Generäle ein Exempel statuieren und der ganzen Welt zeigen, wie das moderne Frankreich über die archaischen Länder im islamischen Afrika triumphierte.

Die Briten waren da nicht besser:

In Ägypten hatten die Briten schon Ende des 19. Jahrhunderts erkannt, dass der Schlüssel zur Beherrschung der Kolonien die Frauen waren und eine öffentliche Debatte über den Hidschab angezettelt. Die feministische Intellektuelle Leila Ahmed zeigt, wie Lord Cromer die Kopfbedeckung für seine Zwecke instrumentalisierte, um „den Islam“ als vollkommenen sozialen Fehlschlag zu entlarven. Die Frau werde durch die geschlechtersegregierende Verhüllung als minderwertig und dem Manne Untertan gebrandmarkt. So versuchte Cromer, die Ägypterinnen gegen ihre Männer, Väter und Brüder auszuspielen.

Um den „mittelalterlichen und barbarischen Sitten des Islam“ ein Ende zu setzen, wurden ganze Heerscharen von wohlmeinenden Aufklärern auf die koloniale Zivilbevölkerung losgelassen: Missionare, Feministinnen, sogar Ärzte sollten den unterdrückten und benachteiligten Frauen solidarisch gegen die orientalische Männerherrschaft zur Seite stehen und sie retten. Nicht selten verteilten sie Handbücher zur Anleitung für eine schrittweise Entschleierung.

………..

In England machte sich Cromer, dem die Freiheit der Frauen so am Herzen lag, als Aktivist gegen das Frauenwahlrecht einen Namen. In Ägypten setzte er durch, dass keine Ärztinnen mehr ausgebildet wurden – als Krankenschwestern konnten Frauen ihre naturgegebenen Eigenschaften besser verwirklichen. Es gibt Gerüchte, dass es Cromer gar nicht um die Freiheit der Ägypterinnen ging, sondern er nur nicht ertrug, von Frauen gesehen zu werden, die er unter dem Hidschab selbst nicht sehen konnte.

Es lohnt sich, den ganzen Artikel zu lesen, u.a. darüber, wie dann die zwangsentschleierten Frauen auf Stöckelschuhen in ihren Handtaschen Waffen für den antikolonialen Widerstand schmuggelten. Der Abschluss der Ausführungen:

Heute wehren sich Musliminnen in Europa nicht militant, sie ziehen vors Bundesverfassungsgericht oder schreiben Bücher. Während Feministinnen wie Alice Schwarzer noch immer in dieselbe Kerbe hauen, wie schon vor über hundert Jahren: Der Schlüssel zur Emanzipation muslimischer Gesellschaften ist die Stellung der Frauen. Das Kopftuch ist die Flagge des Islamismus. Das Kopftuch ist das Zeichen, das die Frauen zu den anderen, zu Menschen zweiter Klasse macht. Und real sind Kopftuch und Ganzkörperschleier eine schwere Behinderung und Einschränkung für die Bewegung und die Kommunikation.

Dabei scheint ihnen nicht bewusst zu sein, vor welches Dilemma sie muslimische Kopftuchträgerinnen damit stellen. Frauen haben dann nur noch die Wahl, sich von Männern beherrschen zu lassen oder von Pseudofeministinnen. Da nimmt man doch lieber den Schleier.

Haha…nein, das ist nicht der Grund für das Tragen des Hidschabs. Meiner jedenfalls nicht. Aber witzig.

Bei Qantara wird die Debatte ausgiebig dokumentiert. U.a. in diesem Artikel der auch einen Link zur Studie „Postmigrantisch II“ enthält: Im Zwist um ein Stück Stoff.

Wer sich mal antun will, wie angebliche Frauenrechtlerinnen aus dem Kopftuch ein „blutbesudeltes Stück Stoff“machen, der kann  sich ja mal bei der EMMA umtun. Wenn ich das lese, dann frag ich mich, in welchem Land ich lebe. Das gleiche wie Alice Schwarzers Deutschland kann es nicht sein.

…..Das Kopftuch ist politisch, Kippa und Schleier aber sind heutzutage religiös motiviert. Und: Die Juden missionieren nicht, auch die Christen sind im 21. Jahrhundert nicht so in der Offensive wie die Islamisten.

……

Die Mehrheit der Lehrerverbände und LehrerInnen ist schockiert. Sie befürchten, dass der Krieg um das seit 2003 in der Schule für Lehrerinnen verbotene Kopftuch nun wieder stärker in die Schulen getragen wird und – dank der erneut unsicheren Rechtslage – eine Flut von Prozessen auf die Schulen zurollt. Die kritischen Lehrerinnen, die gerne beschimpft werden als Schlampen? Die werden wohl noch häufiger in die Frühpensionierung flüchten. Und die unverschleierten Mädchen? Die werden sich noch selbstgerechter als „Huren“ beschimpfen lassen müssen. Und die zwangsverschleierten Mädchen? Die haben nun gar keine Chance mehr, sich wenigstens in der Schule als frei und gleich zu erleben….

Jetzt sind wir schuld, wenn die Lehrerinnen ein Burn out haben und nicht deren Überlastung? An den Verbrechen der IS und Konsorten sowieso…Oh, Alice…

Solche Einstellungen – auch wenn Alice „selbstverständlich“ nicht den Frauen im öffentlichen Raum die Kopftücher entreißen will, führen dazu dass junge, gebildete, engagierte, deutsche Frauen in Deutschland solche Erfahrungen machen, wie Kübra Gümüsay bei ihrer Wohnungssuche.

Eine Gefahr für die offene Gesellschaft, wittert die FAZ und findet das Kopftuchurteil lebensfremd. Die Auseinandersetzung darüber ob der „Islam zu Deutschland“ gehört, würde an die Schulen verlegt…bitte? Diese Auseinandersetzung müssen wir nicht führen. Wir sind hier! Und wir gehen auch nicht weg.

Und abgesehen davon: Regina Mönch (*lol*), Autorin dieses Beitrages hat offensichtlich nicht recherchiert, keine Studien gelesen sondern eben nur eine Meinung geäußert. Sonst wüßte sie – wie oben erwähnt – dass das Kopftuch eben gar nicht zu Diskussionen und Auseinandersetzung um den Islam führt.

Wie eine Schülerin in der (anonymen und nicht von ihr persönlich eingebrachten Befragung) für Habibe Rodes Masterarbeit schrieb:

Das Kopftuch zeigt doch nur, dass sie Muslimin ist, was soll daran verwerflich sein?

Genau. In der Podiumsdiskussion oben ist die „Entdämonisierung“ (Claudia Bernhardt) des Kopftuches gelungen.

Wenn auch die sonstige Diskussion über Islam, „Islamismus“ (was das ist, wäre zu klären), islamisches Essen, islamische Kleidung usw. nicht von irrationalen Ängsten getrieben wäre, dann könnten das Land bei diesem Thema weiterkommen.

Leider gibts daran nur begrenzt Interesse, lässt sich doch mit einer Angstdebatte wunderbar unter den Teppich kehren, dass Islam für Befreiung steht. Dafür, sich niemandem zu unterwerfen, außer Gott. Keinem Diktat von Kapitalisten, Bankern, machtbesessenen Politikern („alle Macht geht vom Volke aus“), Patriarchen, Kolonialherren, Besatzern, Waffenlobbyisten, Zionisten, BesserwisserInnen, Ausbeutern (unvollständige Liste).

Wenn diejenigen die meinen, sie könnten in die Köpfe der Musliminnen sehen und deren Motive erkennen doch mal ohne Scheuklappen in ihre eigenen Köpfe schauen würden, ob sich dort nicht vielleicht ein paar Überzeugungen festgesetzt haben, die sie vom Benutzen ihres freien Geistes abbringen, dann würden sie womöglich feststellen, dass sie sich instrumentalisieren ließen für Zwecke, die sie mal abgelehnt haben, bevor sie so satt und träge geworden sind. Wäre möglich, oder? Ich wage natürlich nicht, das zu unterstellen. Ich bin natürlich frei von jeglicher Besserwisserei.

Noch ein kleiner Beitrag zur aufgeregten Debatte von Jan Freitag: Weltreligion unter Verdacht

So das war mein Wort zum Freitag, einen gesegneten solchen wünsche ich allen Geschwistern!

 

 

Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten

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Bismillahir rahmanir rahim

Entschuldigung….ich war lange nicht hier. Aber jetzt, fast vier Wochen nach meinem Umzug kehren so langsam ruhigere Zeiten ein. Wie es mir inzwischen ergangen ist, hab ich in meinem neuen Blog „Mariams Aussichten“ beschrieben. Der soll ja ein bisschen mehr für das Persönliche zuständig sein.

Ich weiß nicht, wie es anderen geht – ich komm jedenfalls oft gar nicht mehr mit, bei allem was so in der Welt geschieht. Manchmal möchte ich mir nur die Decke über den Kopf ziehen. Oder hier oben in meinem Krähennest sitzen und alle diese Ereignisse unten sind ganz klein. Aber das geht natürlich nicht und ich würde es auch nicht durchhalten. Ich will schließlich verstehen, mitgestalten, mithelfen.

Also alleine diese Woche: dieser schreckliche Flugzeugabsturz. Traurig. Und zeigt wie schnell es mit dem irdischen Leben vorbei sein kann. Immer dieser Satz „sie hatten das ganze Leben noch vor sich“, angesichts der vielen jungen Opfer. Hatten sie aber nicht. Allah hat ihnen einen Termin gegeben, vor dem es kein Entrinnen gab.

Ihm gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde. Er macht lebendig und läßt sterben. Und Er hat zu allem die Macht. (Sure 57,Vers2)

Und wer sagt, dass es den Todesopfern schlecht ergeht?  Wer weiß, was ihnen erspart blieb? Traurig ist das doch am meisten für die Hinterbliebenen und denen gilt mein ganzes Mitgefühl. Seine Angehörigen so zu verlieren, während man darauf wartet sie am Flughafen wieder in die Arme zu schließen und von ihren Erlebnissen zu hören, das ist doch wirklich, wirklich traurig.

Aber was sich journalistisch abgespielt hat in diesen Tagen, das ist nicht unerwartet, aber so was von oberpeinlich für unsere Medien – schämen die sich eigentlich gar nicht mehr?

Am Unglückstag hab ich den Fernseher laufen gehabt – und bis auf die Tatsache, dass das Flugzeug abgestürzt ist, nichts als Vermutungen gehört. Was in den Printmedien abgelaufen ist, muss teilweise ekelhaft gewesen sein, ins Netz hab ich vorsichtshalber kaum reingeschaut. Logisch, dass man den Angehörigen auflauert und jede Menge nicht-Nachrichten bringt. Jetzt erweist sich der Co-Pilot als Unglücksursache und das Karussel dreht sich weiter.

Ich musste auch nicht vergeblich darauf warten, dass es „der Moslem“ war. Und das war schon fast wieder witzig. Putin war diesmal wohl nicht schuld, obwohl der doch gerade erst ein anderes Flugzeug persönlich abgeschossen hatte, oder wie war das noch?

O.k., das mit dem „Moslem“ war keines unserer „seriösen“ Medien, sondern ein Blog eines bekannten Islamhassers. Aber man darf sich doch fragen, wie bekloppt man sein darf im Internet. Die Antwort: unbegrenzt.

Diese traurige Geschichte kommt einigen ganz gelegen, lenkt sie doch davon ab, dass unsere Freunde und Verbündeten, der Stabilitätsanker im Nahen Osten, Saudi-Arabien, gerade gegen jedes Völkerrecht den Jemen angreifen. Der Jemen steht zwar nicht auf der Liste der Länder, die die USA sich vorgenommen haben anzugreifen, wird hier aber stellvertretend für Iran angegriffen, an den sie sich weder herantrauen, noch bei dem sie eine Chance haben. Ich hab das nie verstanden mit den sogenannten „Houthi-Rebellen“ und bin sehr dankbar für die ausführliche Erläuterung von Dr. Yavuz Özoğuz:

Die neue Front im Weltkrieg Jemen und was Deutsche wissen sollten

Die USA greifen den Jemen mittels ihrer saudischen Marionetten an, während die Deutschen glauben, dass die Jemeniten eine primitive Wüstengesellschaft sind und nichts verstehen.

Einmal mehr wird das Völkerrecht gravierend gebrochen. Einmal mehr findet ein brutaler Überfall auf einen souveränen Staat statt und einmal mehr schweigt die Westliche Welt. Sie schweigt, weil die Verbrecher ihre engsten Verbündeten sind und die Opfer sich nicht freiwillig dem Westlichen Imperium unterwerfen. Dabei wissen die Deutschen fast gar nicht über den Jemen!

Adolph Gustav Freiherr von Wrede (1807-1863) war ein bekannter deutscher Arabienforscher, der 1835 den Islam und damit den Namen Abdul Hud angenommen hat. Er gilt als erster Europäer, der Hadramaut in Jemen erforscht hat. Als er von seiner Reise zurückkam und seinen Reisebericht vorlegte, stand darin etwas von siebenstöckigen Gebäuden in der Wüste. Kein Verleger wollte ihm das damals glauben. Alexander von Humboldt, der Wrede am preußischen Königshof Friedrich Wilhelms IV. eingeführt hatte, sprach sogar von Aufschneiderei. Erst mehrere Jahrzehnte später wurden seine Eindrücke bestätigt und es gab wirklich jene Hochhäuser aus Lehm. Es scheint fast so, dass in der Wahrnehmung der Deutschen über Jemen sich seit 150 Jahren nichts geändert hat.

Da findet ein unvorstellbare Revolution im Jemen statt, eine scheinbar kleine Minderheit von unklaren Halb-Schiiten (wer weiß schon im Westen was Zaiditen sind) übernimmt das Steuer, die gesamte angeblich sunnitische Armee unterstützt jene Leute, das gespaltene Land wird vereinigt und im Westen weiß man so ziemlich gar nichts über das Land und noch weniger über die Führungspersönlichkeit. Nicht einmal der Name der führenden Gruppierung ist bekannt, denn die so genannten „Huthi-Rebellen“ heißen in Wirklichkeit Ansarullah (Helfer auf dem Weg Gottes). Doch dieser Name darf in den westlichen Medien kaum erwähnt werden, denn dann könnte man auf die Idee kommen zu fragen, was denn das für eine Konstellation ist mit den „Hizbullah“ (Partei Gottes) im Norden und den „Ansarullah“ im Süden und den treusten westlichen Verbrechern namens Saudis dazwischen.

Doch selbst bei dem Namen „Huthi-Rebellen“ dürfen die Bürger in der Westlichen Welt so ziemlich nichts erfahren, was die üblichen Vorurteile sprengen könnte, denn wenn eine Gruppe schon „Huthi-Rebellen“ heißt, dann müsste sie ja auch einen Anführer haben und der müsste ein Leben und eine Ausbildung und eine Geschichte haben. Alles das aber darf der Bürger hier nicht erfahren. Selbst die Einträge in Wikipedia geben nur das Notwendigste wieder, damit die in die Angriffskriege der Westlichen Welt eingebetteten Journalisten irgendetwas Blödsinniges schreiben können und nicht weiter fragen. Um aber halbwegs vernünftig zu verstehen, warum die USA jetzt mittels saudischer Flugzeuge einen Luftangriff auf den Jemen gestartet haben und gleichzeitig 150.000 Söldner an der Grenze zum Jemen zusammen gezogen haben, muss man die Geschichte des Jemen etwas genauer analysieren. Die folgende Analyse fällt daher etwas länger als üblich aus, wofür ich mich bereits jetzt entschuldige, aber ohne ein gewisses Hintergrundwissen ist der Konflikt nicht zu verstehen.weiter

Wer sich die Mühe macht, den Artikel ganz zu lesen, der wird vielleicht die Hoffnung auf gute Nachrichten die der blutigen Tragödie folgen könnten verstehen.

Mir fällt es gerade schwer, an bessere Zeiten zu glauben, aber ich kämpfe dagegen an. Denn leider sind diese schlimmen Geschehnisse durchaus einzuordnen in einige der Prophezeiungen um die Wiederkehr unseres Imam Mahdi, möge Allah seine Rückkehr beschleunigen. Was es nicht besser macht, dass die Menschheit ignoriert, dass täglich 57000 Menschen verhungern.

Ayatollah Bahjat, eine so starke Persönlichkeit, dass man über ihn sagt, es sei ihm gelungen zu leben ohne Sünden zu begehen, hat uns Hoffnung gemacht:

http://www.youtube.com/watch?v=noPawR9iWzE

 

Eine weitere Nachricht der letzten Wochen, die mehrheitlich bejubelt wurde in muslimischen Kreisen, hat mich zunächst mal skeptisch gemacht: die Aufhebung des generellen Kopftuchverbotes für muslimische Lehrerinnen durch das Bundesverfassungsgericht. Denn hier wird ja die Verantwortung auf die jeweiligen Schulleiter abgewälzt. Was bedeutet denn:

Künftig soll demnach keine abstrakte Gefahr für Neutralität und Schulfrieden durch das Tragen des Kopftuchs als Begründung für ein Verbot mehr genügen, vielmehr müsse es eine „hinreichend konkrete Gefahr“ geben.

Wenn sich irgendwelche Pegidisten durch die Kopfbedeckung einer Lehrerin gestört fühlen und darum Aufruhr an der Schule veranstalten – ist dann durch das Kopftuch der Schulfrieden gestört und die Lehrerin muss es abnehmen oder verschwinden?

Ich fürchte, solche Zuspitzungen wird es geben. Aber zumindestens hier in Bremen scheint diesbezüglich Vernunft zu regieren.

Eine junge angehende Lehrerin hat gesagt, dass sie nicht mehr schweigen will und man doch bitte mit den betreffenden Personen über dieses Thema diskutieren solle:

Ich frage mich auch, warum sich nicht schon vor zehn Jahren Frauen mit Kopftuch mehr dazu geäußert haben. Für mich ist klar: Ich will nicht mehr schweigen. Wenn hier eine Diskussion über Kopftuch tragende Musliminnen geführt wird, dann bitte mit den Betroffenen.

In der Print-Ausgabe habe ich die Leserbriefe dazu verfolgt – nach Diskussionen sah das nicht aus, eher nach Belehrungen. Genau das, was Havva Temirlenk bemängelt:

„Alle reden über Risiken, niemand über Ressourcen“

Da wird sich empört, wenn sie bemängelt, dass sie mit Kopftuch nicht verbeamtet wird und darum schlechter bezahlt wird, als verbeamtetet Kolleginnen. Das darf man nicht Diskriminierung nennen?

Die Kommentare online sind teils sachlich und nett, teils haarsträubend („meine Kinder werden niemals von einer Lehrerin mit Kopftuch unterrichtet werden!“) und an den Haaren herbeigezogen…vielleicht wäre es dann doch besser, ein Kopftuch zu tragen, damit das nicht passiert?

Aber diskutieren ist ja gut und richtig, nur leider geht online oft jeglicher Respekt verloren. Sehr erfreulich ist aber, dass die bremische Regierung sehr angemessen reagiert hat.

Wegen der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, wonach das Kopftuchverbot unzulässig ist, muss das bremische Schulgesetz nicht geändert werden. Das hat Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt am Dienstag den Schulen in Bremen und Bremerhaven schriftlich mitgeteilt. Die Politikerin: „Grundsätzlich darf jede Lehrerin im Unterricht Kopftuch tragen. Der Schulfriede darf dadurch aber nicht konkret gefährdet werden.“

Das äußere Erscheinungsbild der Lehrkräfte und des betreuenden Personals dürfe die religiösen und weltanschaulichen Empfindungen der Schüler und der Erziehungsberechtigten nicht stören, so Quante-Brandt. Ebenso dürften Spannungen, die den Schulfrieden durch Verletzung der religiösen und weltanschaulichen Neutralität gefährden, nicht in die Schule getragen werden. Die Frage, wann dies konkret der Fall sei, müsse im Einzelfall von der senatorischen Behörde entschieden werden.

Quante-Brandt verweist auf die Auffassung des Gerichts, wonach Schulen auch die Aufgabe zufällt, Kindern und Jugendlichen Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen zu vermitteln. Mit dem Tragen eines Kopftuches durch einzelne Pädagoginnen sei keine Identifizierung des Staates mit einem bestimmten Glauben verbunden, die staatliche Neutralitätspflicht werde also nicht verletzt. Senatorin Quante-Brandt: „Wir haben Schulen der Vielfalt. Daher trägt das Urteil der Realität Rechnung. Die plurale Gesellschaft wird sich damit verstärkt in unseren Schule abbilden.“

 

Gut so! Man wird sehen, wieviel Energie die Pegidisten aufwenden, um den Schulfrieden zu stören und wer dann tatsächlich deshalb gehen muss!

Die Schura Bremen ist es jedenfalls zufrieden.

Ich bin gespannt, nehm das aber erstmal als gute Nachricht. Vielleicht ein Schritt Richtung Normalität.

Obwohl schon wieder ein aaaaber! Normalität in dieser durchgeknallten Welt?

Für heute lasse ich es gut sein. InschaAllah hab ich jetzt viel mehr Zeit zum Nachrichten lesen und kommentieren, zum Bücher lesen und besprechen, mit meinen Mitmenschen zu reden und Euch inschaAllah von allem etwas mitzuteilen.

Salam aleikum, moin moin aus Bremen und bis bald!

 

Deutschland, Land der Ahnungslosen

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Bismillahir rahmanir rahim

„Europa krümmt sich wie der Wurm, ehe ihn der Stiefel zertritt.“ – Karl Kraus
„Fuck the EU“ – Victoria Nuland

Es gibt ein paar interessante Dinge, die uns die mainstream-Medien, die nicht Lügenpresse genannt werden wollen, vorenthalten (müssen). Ich sag auch dieses böse Wort nicht, weil ich mich nicht mit Nazis gemein machen will. Allerdings muss man doch froh sein, dass es in Zeiten des Internets auch andere Möglichkeiten gibt, sich zu informieren.

Denn interessant ist es doch, dass sich der amerikanische General Wesley Clark wieder einmal verplappert hat. Wie damals, als er verriet welche Pläne die USA für die Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens hätten und das dazu u.a. die Zerstörung Syriens gehörte. Aber verplappert sich so ein hohes militärisches Tier wirklich? Oder wird hier gezielt etwas zugegeben, was sowieso längst bekannt ist und ausgetestet, ob irgendeiner der Gefolgsstaaten daraufhin aufmuckt? Um Deutschland müssen sich die USA da ja nicht sorgen.

Also die Botschaft die uns jetzt erreicht hat, nicht unerwartet, lautet: Unsere Verbündeten haben die ISIS finanziert:

Weit davon entfernt, eine spontan gewachsene Wurzel-allen-Übels-Organisation zu sein, wurde zumindest laut General Wesley Clark ISIS von unseren „engsten Alliierten“ geschaffen und finanziert. Der General sagte: ISIS entstand von Anfang an mit Geld von unseren Freunden und Alliierten … um auf Leben und Tod gegen Hezbollah zu kämpfen.

Wer die Freunde und Alliierten waren, sagte er nicht. Er wies allerdings darauf hin, dass ISIS zu einem „Frankensteinmonster“ geworden ist.

Der Insider General Wesley Clark informiert uns also, dass unsere engsten Alliierten im Mittleren Osten geholfen haben, ISIS zu schaffen – die Organisation, für deren Bekämpfung wir Milliarden Dollars ausgeben.

Das sagte der General auf CNN, also nicht auf einem amerikanischen Lokalsender.

http://www.youtube.com/watch?v=QHLqaSZPe98

(youtube direkt einfügen will heute nicht….)

Ich hab mal gegoogelt, was in den deutschen Medien dazu zu finden ist und fand: nichts. Also nichts in der mainstream-Presse, nichts in den Nachrichten – nur eine „linkezeitung“ und alternative Medien berichten davon, sowie iranische Sender. Und die BBC.

Ist das keine Nachricht, die uns Deutsche interessieren sollte? Dass hinter dem Spuk USraelisches Interesse steckt, die Hezbollah und den Libanon und Syrien zu zerstören? Auf der amerikanischen Agenda seit mehr als 10 Jahren?

Zigtausende haben ihr Leben oder ihre Lieben und ihr Hab und Gut verloren, Folter, Vergewaltigungen, grausame Hinrichtungen weil den Amerikanern und Israel die Regierungen und der Widerstand in Syrien, Irak und Libanon nicht passen? Von den Iranern, diesem eigensinnigen Volk ganz zu schweigen.

Wundern wir uns noch, wenn amerikanische Flugzeuge „versehentlich“ syrische Infrastruktur zerstören, oder Hilfsgüter über ISIS-Lagern abwerfen?

Was ist los in diesem Land, dass die angeblich freien Medien uns diese Aussage verschweigen?

Und was ist mit uns Bürgern los, dass wir nicht aufschreien und zu zigtausenden auf die Straße gehen? Nein, da geht man lieber gegen die Flüchtlinge, die aus diesen zerstörten Ländern kommen protestieren.

Übrigens ist die Terrorfinanzierung ja nicht neu, kennen wir von Al Qaida:

http://www.youtube.com/watch?v=Dqn0bm4E9yw

Hier ein weiterer Artikel zu diesem Thema, auch mit Anregungen zu „Was können wir tun“

Interessant auch, beim Thema Medien, was über den Brief des iranischen Staatsoberhauptes an die Jugend im Westen berichtet wird. Größtenteils: nichts. Obwohl in vielen Städten Deutschlands junge Muslime diesen Brief verteilen, oft liebevoll in handbeschriftete Umschläge verpackt, mit Blumen oder Süßigkeiten hübsch als Geschenk gestaltet. Zur Erinnerung: Ayatollah Sayyid Ali Chamene´i schreibt der westlichen Jugend um sie aufzufordern, sich selbst ein Bild über den Islam zu machen, indem sie seine Quellen studieren. Und er spricht sich gegen den Terror der IS und Co. aus, er distanziert sich also deutlich – das ist es doch, was immer von den muslimischen Gelehrten verlangt wird? Da tut es also ein großer shiitischer Gelehrter, religiöser Führer eines islamischen Staates und was lesen und hören wir davon? – so gut wie nichts. Und wenn, dann muss daraus eine dubiose Aktion gemacht werden, über die man – huhuuuu – „den Staatsschutz informiert“ hat.

Wenn der Staatsschutz noch nichts davon gehört hat, nach wochenlangen öffentlichen Aktionen, dann ist das schon ein bisschen witzig. Ich weiß auch nicht, was man am Inhalt des Briefes und der deutlichen Kritik Ayatollah Chamenei´s an der westlichen Terrorfinanzierung aussetzen kann, wo doch Wesley Clark das gerade bestätigt hat. Aber vielleicht wissen die Journalisten der Aachener Zeitung davon nichts, es hat ja in unseren Zeitungen wie gesagt nicht gestanden.

Die islamischen Vertreter die das Blatt interviewt hat, sind von einer Sorte, die ich peinlich finde. Und sie lesen vielleicht auch nur die Zeitung und nichts darüber hinaus.

Die einzige andere deutsche Zeitung die ich mit einem Beitrag dazu gefunden habe, ist die „Berliner Zeitung“. Die bringt gleich erstmal dein Brief mit „dem“ Islamischen Staat in Verbindung – ich gehe davon aus, dass das absichtlich geschieht. Sonst hätte man wohl „Islamische Republik Iran“ geschrieben. Inhaltlich wird darauf nicht groß eingegangen, auch hier wurde der Verfassungsschutz befragt und über einen „islamistischen“ Hintergrund der Beteiligten gemunkelt.

Was auch immer das sein mag……

Tja, das kriegen wir geboten zu einem Schreiben eines Staatsoberhauptes an unsere Jugend. Ein Schreiben über das man diskutieren kann und soll, das ist ja das Anliegen des Absenders. Aber das tun unsere Medien nicht. Nein, hier dunkle Kräfte am Werke, verschleierte Frauen, ein islamistisches Schneeballsystem….

Ich wäre ziemlich mutlos angesichts der Übermacht der gängigen Medien die uns für dumm verkaufen wollen und uns neben gesiebten Nachrichten mit Verblödungsfernsehen und Dudelradio versorgen. Aber ich stelle auch fest, dass es immer mehr alternative Quellen gibt, die gut recherchierte Nachrichten anbieten. Und dass die Friedensbewegung nicht tot ist. Das lässt hoffen.

Buchbesprechung: „Was mir zusteht“ von Parinoush Saniee

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Buchbesprechung: „Was mir zusteht“ von Parinoush Saniee

Bismillahir rahmanir rahim

Dieses Buch ist mir in der Bibliothek begegnet und natürlich gleich in meinen Korb gewandert. Schließlich findet man nicht so viel moderne Literatur aus Iran bei uns – und wenn, dann ist es explizit „regime“kritisch. Aber das schien mir hier nicht der Fall zu sein: die Geschichte einer Frau, aufgewachsen in der Schah-Zeit, erwachsen geworden in der Revolution, Ehefrau und Mutter in der Islamischen Republik.

Masumeh ist die zunächst einzige überlebende Tochter ihrer Familie (später bekommt sie noch eine kleine Schwester)  und hat drei Brüder, zwei ältere, einen jüngeren. Ihre Familie ist patriarchalisch geprägt und Mädchen zählen nicht viel, nicht bei den Brüdern, nicht bei der Mutter und auch wenn der Vater sie liebt, kann er das kaum zeigen. Ihn plagt das schlechte Gewissen, weil man Masumehs Schwester sterben ließ und keinen Arzt holte, als sie krank war – Mädchen passiert schon nichts.

Zunächst wächst Masumeh in der heiligen Stadt Qom auf. Dann zieht die Familie nach Teheran, trotz der Bedenken der frommen Verwandtschaft, die die Großstadt geradezu für einen Sündenpfuhl hält. Masumeh erstreitet sich von Jahr zu Jahr den Schulbesuch neu, obwohl sie doch längst heiraten könnte. Aber ihre Zeugnisse sind soviel besser als die der Brüder, dass der Vater es erlaubt. Dafür muss sich sich viele Quälereien ihrer Brüder gefallen lassen. Sie findet eine „beste Freundin“, die bei ihr zu Hause aber nicht sehr erwünscht ist, da ihre Familie so ganz anders lebt und schließlich, mit 15 Jahren verliebt sich Masumeh in den Apothekergehilfen und Studenten Saeid.

Masumeh ist ein gläubiges Mädchen, aber wie der Roman es schildert, ist ihre Familie mehr von Traditionen geprägt als von der Religion und es zählt die Familienehre und was die Leute denken, nicht was der Islam verlangt. Sie hat nichts Schlimmeres angestellt, als Briefchen mit Saeid zu tauschen und kurze Worte zu wechseln, als ihre Brüder hinter diese Verliebtheit kommen und für Masumeh die Hölle losbricht. Ihr Bruder Ahmad, der selber eine ehebrecherische Beziehung unterhält, verletzt Saeid mit dem Messer, Masumeh wird bewußtlos geprügelt. Saeid, der durchaus ehrbare Absichten hatte, sich nur noch nicht in die „Höhle des Löwen“ getraut hatte, verlässt die Stadt. Und Masumeh, deren Brüder den Vater unter Druck setzen, soll schleunigst verheiratet werden. Mahmud, der älteste Bruder, schlägt einen sehr viel älteren und unsympathischen Metzger vor – aber die Nachbarin und Geliebte Ahmads, Parvaneh, vermittelt Hamid, einen jüngeren Mann, Jurastudenten,  der in der Druckerei des Vaters arbeitet. Schließlich wird der für akzeptabel befunden und in aller Eile die Hochzeit gefeiert.

In der neuen ehelichen Wohnung angekommen, stellt Masumeh fest, dass Hamid auch mehr oder weniger gezwungen wurde zu heiraten. Er will im Grunde nur seine Ruhe haben, um seinen politischen, kommunistischen,  Aktivitäten im Untergrund nachzugehen. Nun ist seine Familie beruhigt und drängt ihn nicht mehr, eine Familie zu gründen. Masumeh hat es auf der einen Seite gut getroffen, ist sie doch jetzt eine verheiratete Frau und ihre Familie hat keine Macht mehr über sie. Andererseits stellt sich heraus, dass sie sehr einsam sein wird, ist doch Hamid fast nie anwesend. Er zwingt sie zu nichts, aber sie nähern sich doch an und mögen sich. Aber obwohl sie seine ganze Bibliothek durchliest, einschließlich seiner juristischen Fachliteratur, nimmt er sie nicht wirklich ernst. Er will nicht, dass sie über seine politische Arbeit Bescheid weiß, um sie nicht zu gefährden, also erfährt sie davon nur wenig. Sie hat viele Freiheiten, aber wenn sie ihren Glauben praktiziert, ist ihm das sehr peinlich. Die führende Aktivistin seiner Gruppe weiß Masumeh mehr zu schätzen als ihr Mann. Immer wieder verschwindet Hamid für Wochen und lässt sie im Ungewissen und mit finanziellen Nöten zurück. Ihre Schulfreundin ist ins Ausland gegangen und zu ihrer Familie hat sie wenig Kontakt. Hamids Familie macht ihr Vorwürfe, dass sie ihn nicht halten könne. Als der erste Sohn geboren wird stirbt Masumeh beinahe, weil niemand da ist, ihr zu helfen. Als der zweite Sohn kommt, ist Hamid zornig, denn er will die Verantwortung nicht. Die Revolution geht vor. Selten gibt es Gemeinsamkeiten und schließlich geschieht auch das Schlimmste und Hamid wird verhaftet, gefoltert und bleibt Jahre im Gefängnis. Dabei hat er noch Glück gehabt, denn er Rest seiner Gruppe wird bei einem missglückten Anschlag getötet.

Masumeh muss sich durchschlagen und schafft das auch. Obwohl es schwierig ist als Frau eines politischen Gefangenen, findet sie Arbeit, versucht nebenher zu studieren und erzieht ihre Kinder alleine. Schließlich kommt Hamid frei und bald danach wird der Schah gestürzt. Aufbruchstimmung im Land, aber auch neue Konflikte und Enttäuschungen – und auch Terroranschläge. Schließlich wird Hamid erneut verhaftet und hingerichtet. Dann beginnt auch noch der Krieg gegen den Irak.

Neben ihren Existenz- und Alltagssorgen: sie verliert ihren Arbeitsplatz, der Krieg wirkt sich auf die wirtschaftliche Lage aus, muss Masumeh jetzt noch mehr um ihre Kinder kämpfen. Der Ältere, Siamak, ist zutiefst erschüttert und wütend über das was seinem Vater zugestoßen ist und schließt sich den Volksmudschaheddin an(eine Terrorgruppe mit einer pseudoreligiösen/kommunistischen Ideologie). Gerade noch kann sie ihn vor einer Gefängnisstrafe bewahren. Sie schafft es, dass er ins Ausland gehen kann, wo er zur Vernunft kommt. Der Jüngere, Masuud, verliert jedes Interesse an seinen künstlerischen Aktivitäten. Er geht sobald wie möglich an die Front, gerät in Gefangenschaft, kommt aber fast unversehrt zurück. Und Shirin, ihre Tochter soll studieren wie die Brüder.

Alles macht Masumeh möglich. Am Ende des Romans ist sie Anfang 50, allen geht es nach einigen Schwernissen gut. Mit der Familie herrscht Frieden, der Bruder Ahmad ist drogensüchtig gestorben, Mahmud als heuchlerischer Pseudofrommer hat sich etabliert, ebenso Ali. Masumeh lebt in geordneten Verhältnissen, die Kinder sind verheiratet, sie ist Großmutter. Da taucht ihr alte Schulfreundin Parvaneh zu einem ihrer seltenen Besuche auf und erzählt, dass sie Saeid getroffen hat….

Ich erzähle jetzt nicht den Ausgang der Geschichte, das wäre gemein. Denn bei allem Zeigeschehen ist es ja doch auch eine Liebesgeschichte.

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Ja, was soll ich dazu sagen: ich hab das Buch verschlungen, mich interessiert nun mal alles rund um Iran und eine Geschichte in Romanform, die aber die ganzen Geschehnisse der Revolution und danach umfasst, die kann ich nicht liegenlassen. Und das darf auch sehr gerne persönliche Geschichte umfassen, Liebe, Familie und was das Herz berührt.

Und ich war auch berührt und bin trotzdem enttäuscht. Der Erzählstil gefiel mir nicht so recht. Es muss nicht furchtbar blumig und verschnörkelt sein, wie man es vielleicht von den poetischen Iranern erwartet. Aber die handelnden Personen blieben zum größten Teil und die meiste Zeit irgendwie blutleer. Es ist mehr eine Schilderung des Ablaufs, als eine fesselnde Beschreibung der Persönlichkeiten und ihrer Entwicklung. Interessant war es trotzdem und natürlich fließen auch mal Tränen, bei diesen dramatischen Ereignissen. Aber selbst Masumeh habe ich nicht richtig kennen gelernt.

Klar, sie ist eine Kämpferin um ihre Rechte und um ihre Familie. Und sie verliert ihren Glauben nie. Und trotzdem: auch wenn sie in der Not, oder aus Dankbarkeit die heiligen Stätten aufsucht, von Fatima Masume a.s. in Qom, oder Imam Ridha a.s.in Mashad – was das für sie bedeutet, kam bei mir nicht an. Sicher ist sie gläubiger als ihr heuchlerischer Bruder, oder ihre tradtionsbesessene Mutter – aber ich spürte das nicht.

Ebensowenig vermittelte die Autorin mir die revolutionäre Aufbruchstimmung – das spielt sich irgendwie „draußen“ ab, außerhalb von Masumehs Wohnung in der sie festsitzt. Aber auch an ihrem Arbeitsplatz wird nicht recht klar, worum die Gesellschaft streitet.

Also es ist alles irgendwie blass. Vielleicht stört mich das, weil ich ja doch eher mit Leidenschaft für den Islam und auch für Iran streite.

In Iran war das Buch ein großer Erfolg, wenn es wohl auch Mühe gekostet hat, die Veröffentlichung umzusetzen. Natürlich kommt der Klappentext nicht ohne Hinweis darauf aus, dass „Nachdrucke immer wieder verhindert“ wurden. Ich hab mal ein bisschen gegoogelt: inzwischen ist dort die 21. Auflage erschienen. Da kann man nicht von Zensur sprechen. Ich glaube nicht, dass der Stil des Buches davon geprägt ist, dass die Autorin die Veröffentlichung möglich machen wollte. Vermutlich ist sie einfach keine tolle Schriftstellerin. Dass den Behörden vielleicht die Schilderungen von Drogensucht und außerehelichen Beziehungen nicht so gefallen haben kann ich mir vorstellen, aber es gibt sicherlich viel kritischere Romane in Iran. Hier wird die Islamische Republik weder gelobt, noch verdammt. Die Menschen leben eben dort und man erfährt, dass sie ganz normal leben, normal für ihre Kultur natürlich, die eine andere ist als unsere.

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Parinoush Saniee

Was mir zusteht
Roman

Originaltitel: Quello che mi spetta
Aus dem Italienischen von Bettina Friedrich

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 480 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-8135-0524-5
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50* (* empf. VK-Preis)

Rezension in der TAZ: http://www.taz.de/!119952/

Verlag: Knaus

Was bleibt? Iran Reisebericht 2013 – Teil 10 –

Standard
Was bleibt? Iran Reisebericht 2013 – Teil 10 –

Bismillahir rahmanir rahim

10 Tage bin ich zurück in Deutschland, bald vier Wochen ist es her, seit wir von Iran Abschied genommen haben. Schon die Zeit in der Türkei war so ganz was anderes, auch wenn es auch dort muslimisch geprägt ist. Aber Landleben in Südostanatolien ist nun wieder ganz was anderes, als das was die Iraner uns geboten haben. Wobei mir gerade einfällt, dass ich mich sehr am Gebetsruf in der Türkei erfreut habe, während der in Mashhad kaum zu hören war, in Qom gar nicht. Natürlich war der in der Türkei nun wiederum ein bisschen anders und auch zu anderer Zeit…Hier zu Hause stehe ich irgendwie noch immer ein bisschen neben mir. Ich hab mich auf meinen Alltag gefreut, denn einen solchen hatte ich jetzt seit April nicht – erst 10 Wochen in Krankenhäusern, kurz zu Hause und dann noch mal 7 Wochen verreist. Aber es fühlt sich jetzt alles ein wenig unwirklich an.

Ich bin ja wieder „on the road“ – fahre ja im Minijob Kurierfahrten und da sehe ich so einiges. Es hat sich gerade abgekühlt, darum sind die Frauen in Strandkleidung, die letzte Woche noch unterwegs waren verschwunden. Ich war ja auch nicht immer Muslima und sehe mit Entsetzen, welche (Mode)sünden ich früher auch so begangen habe. Einige Anblicke sind peinlich. Na also, sowas blieb mir in Iran erspart. Obwohl auch dort manche Anblicke eher erschreckten. Es gibt Frauen, die machen mit dem Tuschkasten wett, was sie ihrer Meinung nach ansonsten zu wenig präsentieren dürfen und das ergibt gruselige Make-ups. Auch furchtbar sind manche Augenbrauenstylings – viele zupfen die Hälfte weg, so dass nur so schräge Striche bleiben, womöglich auch noch tätowiert. Das gibt einen schrecklich bösartigen Gesichtsausdruck. Na zum Glück ist das die Minderheit und die meisten iranischen Frauen und Mädchen sehen sehr hübsch und lieb aus.

Was mir hier auch reichlich geboten wird sind Wahlplakate. Ganz entzückend finde ich das eines Guttenberg-Doubles, der mit einem Maßkrug voll Bier posiert. Ja das soll mich jetzt motivieren, SPD zu wählen? Wie wär´s denn noch mit einem Joint, oder eine Line Koks?  Ansonsten fällt mir natürlich noch der Stürzenberger auf, der seine persönliche Psychose („Freiheit statt Islamismus“) zum Wahlkampfthema macht. Also Leute, ich seh dann doch lieber Plakate von Ayatollah Chamenei und Bilder von Märtyrern an der Straße.

Was noch bleibt, ist das erst zu einem kleinen Teil aufgearbeitete Schulheft. Ich hab noch so vieles nachzuschlagen und vielleicht auch noch zu Artikeln zu verarbeiten. Ebenso wie die vielen Bücher die wir geschenkt bekommen haben und in die ich noch kaum reingeschaut habe.

Und an Gefühlen – Wehmut, Sehnsucht und tiefe Dankbarkeit sind in mir. Liebe. Ich stelle fest, dass ich so zwischendurch mit Imam Reza, a.s. spreche. InschaAllah bleibt diese Verbindung bestehen.

Naja – es ist glaube ich jedenfalls Zeit, diesen Reisebericht abzuschließen. Wobei ich sicherlich noch oft in Artikeln das eine oder andere erwähnen werde, was mir jetzt vielleicht nicht eingefallen ist. Und so vieles ist für mich schwer in Worte zu fassen. Wie soll ich auch die Atmosphäre dort beschreiben? Ich hab mich, nachdem das erste „Fremdeln“ überwunden war, so wohl gefühlt und frei.

Ich hab noch einige Bilder, die ich Euch nicht vorenthalten möchte (teils von mir, teils von einem Mitreisenden). Hier einmal von der Imamzade von Yassir und Nassir, zwei Söhnen von Imam Reza, a.s, die nur wegen ihrer Verwandtschaft zu ihm schon als Kinder ermordet wurde. An anderer Stelle hab ich schon mal erwähnt, dass die Kinder an diesen Stätten ganz unbefangen spielen, den kleinen Klettermax hab ich schon mal gezeigt. Dort waren viele Kinder – ich glaube man bringt gerade sie dorthin, damit die kleinen Märtyrer sie segnen.

Dann noch ein wenig Spaßprogramm. Ein abendliches Fastenbrechen in einem an einem Hang mit künstlichen Wasserfällen gelegenen Restauran. Dort saßen wir in überdachten kleinen Pavillons auf Polstern und ließen uns Hähnchenspieße schmecken.

Eine besondere Ehre war es, dass wir den Vertreter und Schwiegersohn von Großayatollah Sistani, Ayatollah Seyyedan besuchen durften. Er war allerdings sehr erschöpft der alte Herr, weil er gerade noch einen mehrstündigen Vortrag gehalten hatte – wir bekamen per Übertragung noch einen Rest davon mit und er hat sich dabei hörbar verausgabt. So blieb es bei einer kurzen freundlichen Begrüßung und Segenswünschen.

Zum Abschluss noch ein Klassenfoto mit Lehrern:

Klassenfoto mit Lehrern

Ich bin so gerührt über all diese Menschen, die sich solche Mühe mit uns gegeben haben, und das alles war ein Geschenk! Ich danke unserem Imam Reza a.s., der durch seine Stiftung diese Reise möglich gemacht hat. InschaAllah habe ich in meinem Leben noch mehr Gelegenheiten in solcher Atmosphäre zu lernen. Aber bis es so weit ist, muss ich erst einmal die Ergebnisse dieser Reise  nutzen – und mich inschaAllah auch ein bisschen nützlich machen für die Gemeinschaft.

Ich grüße alle meine Mitreisenden und hoffe dass wir uns wiedersehen, ebenso wie die vielen Helfer und Lehrer in Iran, die sich um uns bemüht haben. Vielen, vielen Dank für die Geduld und die viele Arbeit, für die Versorgung mit Essen und die Ausflüge, die uns geboten wurden!

Alhamdulillah!

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Alhamdulillah!

Bismillahir rahmanir rahim

Nein, meine Iran-Berichte sind noch nicht zu Ende, aber ich hatte noch keine Zeit, weiterzuschreiben. Schließlich war ich lange weg und muss mich erstmal wieder zu Hause einfinden. Außerdem lege ich heute wieder mit meinem Mini-Job los und bin „on the road again“. Aber es gibt etwas, das mich sehr bewegt und wozu ich eben ein paar Sätze schreiben möchte, auch wenn ich nicht zu sehr ins Detail gehen kann.

Es gibt ein Problem in unserer Ehe und Familie, das mir  seit vielen Jahren immer wieder großen Kummer gemacht hat, ohne dass sich eine dauerhafte Lösung finden ließ. Auch deshalb, weil es völlig unerklärlich immer wieder auftrat. Jetzt hab ich ja wie berichtet, so lange Zeit gehabt bei Imam Reza, a.s., meine Bittgebete zu sprechen und so intensiv und ausführlich habe ich sicher noch nie darum gebetet, dass sich diese Dinge klären.

Als ich im Anschluss an die Iran-Reise  jetzt in der Türkei war, gab es auf einmal eine krisenhafte Entwicklung, bei der endlich klar wurde, was, bzw. wer da im Hintergrund Einfluss nahm und worum es wirklich ging. Wie so oft, waren die vordergründigen Probleme gar nicht die, die wirklich wesentlich waren.

Das war jetzt erst mal nicht angenehm, weil es meine Sicht auf einige Personen verändert hat und das tat weh – ich bin ja immer eher gutgläubig und schließe auch die ins Herz, die es vielleicht nicht so bedingungslos verdient haben. Und auch zu Hause mussten wir erst mal „aufräumen“. So eine türkische Großfamilie kann ihren Einfluss ganz schön bis in die Ferne spielen lassen und das Leben erschweren. Das ist nicht unbedingt böse gemeint, aber jeder sieht ja nur erstmal seine Interessen und aus der Entfernung nicht, das es sich um verschiedene Welten handelt und nicht immer alles was man sich in der Türkei so vorstellt auch in Westeuropa machbar ist. Mal abgesehen davon, dass die Wünsche vielleicht ganz verschiedene sind.

Wie auch immer: die versteckten Dinge sind ans Licht gekommen und haben dadurch ihre Macht verloren. Säckeweise Steine sind von den Schultern gefallen. Auch wenn die praktischen Probleme bestehen bleiben, können wir sie jetzt doch endlich an der Wurzel packen.

Mitten in der ganzen Aufregung ging mir auf einmal auf, dass das die Antwort auf meine vielen Bittgebete in dieser Angelegenheit ist! Ich bin sicher, dass mein Imam Reza, a.s., für mich Fürsprache eingelegt hat und dass Allah in seiner Güte erlaubt hat, dass ich endlich einen Wege finden kann, das mit meinem Mann und seiner Familie zu klären.

Ich weiß, das klingt jetzt alles etwas nebulös, aber es betrifft auch andere Personen und darum sage ich nicht mehr dazu. Aber es ist ein Problem gewesen, dass mich bis an die Grenzen meiner Belastbarkeit und darüber hinaus gebracht hat und mir meine eigene Machtlosigkeit bewußt werden ließ. Und nun ist es schlicht weg und übrig geblieben sind nun wiederum Dinge, zu deren Lösung ich Kompetenz habe.

Danke, mein geliebter Imam Reza, Friede und Segen sei mit Dir! Ich habe von Dir gelernt. Eine Überlieferung:

„Eignet euch die Waffe der Propheten an!“ Man fragte dann: „Was ist die Waffe der Propheten?“ Er sprach: „Das Bittgebet“

Alles Lob und Preis gebührt Allah, dem Herrn der Welten!

Mashhad 1 blog

hier ein ganz kleiner Eindruck vom  „Dschauschan ul Kabir“ (http://www.eslam.de/begriffe/d/dschauschan-ul-kabir.htm)  im Monat Ramadan in Mashhad:


s. auch hier:

https://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2013/08/20/ein-ort-an-dem-die-herzen-ruhe-finden-iran-reisebericht-2013-2/