Archiv der Kategorie: Staat und Gesellschaft

Was Deine Freiheit ist, bestimme ich!

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Bismillahir rahmanir rahim

Am Dienstag dieser Woche nahm ich an einer Podiumsdiskussion teil, die die Bremer TAZ anlässlich des sogenannten Kopftuchurteils veranstaltet hat. 11074179_10204005069475771_682727475_o

Hier das Podium noch ohne den Überraschungsgast. Von links nach rechts: Claudia Bernhardt, die Linke – Luisa Katharina Häsler, CDU -, Gönül Bredehorst, SPD, Benno Schirrmeister TAZ-Moderator, Henrike Müller, Grüne – Kübra Gümüsay, Publizistin.

und hier der Überraschungsgast:11153499_10204005065515672_1212467699_oHabibe Rode, Referendarin

Ich hatte hitzige Debatten erwartet, wurde aber angenehm davon überrascht, dass die politischen Vertreterinnen im Großen und Ganzen sehr gelassen bis erfreut auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts reagierten. Nur die Vertreterin der CDU wünschte sich, dass die Lehrerinnen mit Kopftuch doch lieber an muslimischen Privatschulen unterrichten sollten (Kübra dazu: „Habe ich richtig verstanden, das die CDU sich mehr islamische Schulen wünscht?“).  Es ist zum Glück keine Debatte über Privatschulen und Chancengleichheit entstanden. Was von allen bemängelt wurde, war dieser schwammige Begriff  „Schulfrieden“ im Urteil und dass es bislang gar keine Handlungsanweisungen dazu gibt – einig waren sich alle, dass nicht ein paar raffinierte -gida-AnhängerInnen unter den Eltern die Gunst der Stunde nutzen können sollten und unter Berufung auf den „Schulfrieden“ Hetzkampagnen gegen betuchte Lehrerinnen starten. Ob man in Bremen dazu nun doch das Schulgesetz ändern müsse, oder man mit anderen Ausführungsbestimmungen zurecht kommt, da war sich das Podium nicht so einig.

Sehr angenehm fand ich, dass man die Diskussion über die Kopfbedeckung von Lehrerinnen getrennt hat von der angstbestimmten „Islam“-Debatte. Kübra, deren freundliche und humorvolle, aber zielgenaue Art ich sehr schätze, brachte sehr früh ein, dass in Deutschland die Kopftuchdiskussion sich inhaltlich seit vielen Jahren nicht bewegt hat und wir heute genauso dastehen wie vor dem ersten Urteil 2003. In England, wo sie nun lange gelebt hat, interessierten sich die Leute für ganz andere Dinge. Und dass, obwohl es diverse Studien zu dem Thema gibt, die belegen, dass das Kopftuch im Unterricht gar kein Problem ist. Auch Habibe Rode hat für ihre Masterarbeit, dazu Untersuchungen angestellt, von denen sie berichtet hat. Nach kurzer Neugier und Nachfragen der Schüler, vergessen diese das Thema einfach und es zählen ganz andere Kriterien bei ihrer Lehrkraft.

Da wird es jetzt spannend, ob inschaAllah nicht das eintritt, wass Habibe Rode als Erfahrung aus Hamburg anbrachte: da gab es nie ein Kopftuchverbot, und trotzdem wurden Lehrerinnen mit Kopftuch nicht eingestellt. Natürlich ohne die Begründung, dass es daran gelegen hätte.

Recht witzig war es, als auf einmal aufkam, dass sich beim Thema Kopftuch in der Politik Leute für die  „Befreiung“ der Frau einsetzten, die sonst weit davon entfernt seien, Frauenrechtler zu sein. Genauso wie sich „Besserwisser-Feministinnen“ (Fr. Bernhardt outete sich als eine, die aus dieser Tradition stammt) anmaßen, den Frauen ihre Entscheidungsfreiheit abzusprechen. Die sind damit in einer Tradition die aus dem Kolonialismus stammt und die Frauen benutzt, um die unterdrückten Völker zu spalten und ihre Kultur zu zerstören. Dazu gleich mehr.

Also im Großen und Ganzen war die Diskussion nicht sehr kontrovers, so dass der Moderator, der dort mit einer fetten Erkältung saß und nicht in Höchstform war, schon aus Verzweiflung die unfreiwillig verschleierten Schülerinnen einbrachte, aber recht elegant von diesem Seitenweg wieder abgebracht wurde, eben weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.

Solche Stimmen kamen aber durchaus aus dem Publikum, das wohl teilweise gerne eine Islamdebatte gehabt hätte, die aber dort nicht hingehörte. Neben mir zwei grantelnde ältere Herren aus der Gruppierung der „Laizisten in der SPD“, deren einer auf den großen Anteil der „Ungläubigen“ in unserer Gesellschaft hinwies, die ein Recht darauf hätten, von allem Religiösen im öffentlichen Raum ferngehalten zu werden – wenigstens dort, wo man gezwungen ist hinzugehen, wie in der Schule. Der ließ auch einen Stuhl zwischen sich und mir frei – *lol* – danke. Eigentlich würde ich ganz gerne mit solchen Leuten diskutieren, aber hier war schon wieder so ein genervter bis verzweifelter Tonfall, weil sich nun gerade keiner mehr für ihre Argumente interessiert. Alle Aufklärung vergebens? So jemand kann kaum verstehen, dass ich gerade weil ich meinen Verstand benutzt habe, zum Islam gekommen bin.

Auch eine Frau aus Syrien meldete sich lautstark zu Wort. Aus ihren Äußerungen kann man schon erahnen, dass sie in ihrem Leben sehr traumatische Erfahrungen gemacht hat. Was sie jetzt dem Islam anlastet und von sich behauptet, „den Koran besser zu kennen als jeder andere“. Darüber hab ich ein bisschen gelacht, was mir jetzt leid tut, denn sie hat sicherlich Schlimmes durchgemacht, wenn sie vom Kopftuch der Lehrerin auf das angeblich im Koran erlaubte Schlagen von Frauen kommt. Aber auch hier ließ sich das Podium nicht in Falle der „Islamdebatte“ locken. Dazu gibt es vielleicht nächste Woche Dienstag noch Gelegenheit bei dieser Veranstaltung:

11130276_1578650035718272_3438283951187360539_nAlso, diese Podiumsdiskussion war jetzt nicht sehr aufregend. Was mir durchaus gefallen hat. Ich bin jetzt eben doch im hanseatisch-kühlen Norden angekommen und nicht mehr im polternden Bayern. Da sind die Politiker doch tendenziell lautstärker und nicht so sachlich.

Zu der ganzen Debatte hab ich noch einige interessante Artikel gefunden. Einiges hab ich bei Mariams Aussichten verarbeitet. Das hätte vielleicht besser hierhin gepasst, da der andere Blog ja mehr für das sehr Persönliche sein soll. Aber egal, wozu kann man verlinken.

Aber jetzt gibt es gerade aktuell ein paar gute Hintergrundartikel – z.B. wie oben erwähnt, über die Parallelen der derzeitigen Diskussion „Entschleiert Euch“ von angeblichen Frauenbefreiern und Dinosaurier-Feministinnen zum Verhalten der Kolonialherren in muslimischen Ländern.

Hier ein Artikel aus Qantara:

Bereits vor über hundert Jahren wurde argumentiert, das Kopftuch stehe für männliche Unterdrückung, was unvereinbar mit der westlichen Zivilisation und Werteordnung sei. In Frankreichs Kolonien ließ man daher auf Worte Taten folgen und zwang Musliminnen dazu, die Verschleierung abzulegen. Historische Einblicke von Susanne Kaiser

Es muss ein sonderbares Spektakel gewesen sein: Auf einer Bühne versammelt sich eine Gruppe traditionell gekleideter Musliminnen. Vor den Augen gespannter Zuschauer und der eigens geladenen internationalen Presse beginnen sie auf ein Zeichen hin gleichzeitig, sich zu entschleiern. Vielleicht ist auch jede von ihnen einzeln aufs Podest gestiegen, hat sich das Kopftuch heruntergezogen und öffentlich erklärt, sich von der patriarchalen Tradition zu befreien und zur Emanzipation zu bekennen.

Soldaten erhalten den Befehl, sich unters Publikum zu mischen und unverschleierte Einheimische mit Beifall und Sympathiebekundungen zum Mitmachen zu bewegen, um die Selbstentblößungen auf der Bühne zu unterstützen. Alles ist sorgfältig inszeniert, kein dramaturgisches Detail dem Zufall überlassen. Ob sich die Musliminnen nach dieser öffentlichen Zurschaustellung wohl vom männlichen Joch befreit gefühlt haben?

……………………………

An Frauen wie ihnen wollten französische Generäle ein Exempel statuieren und der ganzen Welt zeigen, wie das moderne Frankreich über die archaischen Länder im islamischen Afrika triumphierte.

Die Briten waren da nicht besser:

In Ägypten hatten die Briten schon Ende des 19. Jahrhunderts erkannt, dass der Schlüssel zur Beherrschung der Kolonien die Frauen waren und eine öffentliche Debatte über den Hidschab angezettelt. Die feministische Intellektuelle Leila Ahmed zeigt, wie Lord Cromer die Kopfbedeckung für seine Zwecke instrumentalisierte, um „den Islam“ als vollkommenen sozialen Fehlschlag zu entlarven. Die Frau werde durch die geschlechtersegregierende Verhüllung als minderwertig und dem Manne Untertan gebrandmarkt. So versuchte Cromer, die Ägypterinnen gegen ihre Männer, Väter und Brüder auszuspielen.

Um den „mittelalterlichen und barbarischen Sitten des Islam“ ein Ende zu setzen, wurden ganze Heerscharen von wohlmeinenden Aufklärern auf die koloniale Zivilbevölkerung losgelassen: Missionare, Feministinnen, sogar Ärzte sollten den unterdrückten und benachteiligten Frauen solidarisch gegen die orientalische Männerherrschaft zur Seite stehen und sie retten. Nicht selten verteilten sie Handbücher zur Anleitung für eine schrittweise Entschleierung.

………..

In England machte sich Cromer, dem die Freiheit der Frauen so am Herzen lag, als Aktivist gegen das Frauenwahlrecht einen Namen. In Ägypten setzte er durch, dass keine Ärztinnen mehr ausgebildet wurden – als Krankenschwestern konnten Frauen ihre naturgegebenen Eigenschaften besser verwirklichen. Es gibt Gerüchte, dass es Cromer gar nicht um die Freiheit der Ägypterinnen ging, sondern er nur nicht ertrug, von Frauen gesehen zu werden, die er unter dem Hidschab selbst nicht sehen konnte.

Es lohnt sich, den ganzen Artikel zu lesen, u.a. darüber, wie dann die zwangsentschleierten Frauen auf Stöckelschuhen in ihren Handtaschen Waffen für den antikolonialen Widerstand schmuggelten. Der Abschluss der Ausführungen:

Heute wehren sich Musliminnen in Europa nicht militant, sie ziehen vors Bundesverfassungsgericht oder schreiben Bücher. Während Feministinnen wie Alice Schwarzer noch immer in dieselbe Kerbe hauen, wie schon vor über hundert Jahren: Der Schlüssel zur Emanzipation muslimischer Gesellschaften ist die Stellung der Frauen. Das Kopftuch ist die Flagge des Islamismus. Das Kopftuch ist das Zeichen, das die Frauen zu den anderen, zu Menschen zweiter Klasse macht. Und real sind Kopftuch und Ganzkörperschleier eine schwere Behinderung und Einschränkung für die Bewegung und die Kommunikation.

Dabei scheint ihnen nicht bewusst zu sein, vor welches Dilemma sie muslimische Kopftuchträgerinnen damit stellen. Frauen haben dann nur noch die Wahl, sich von Männern beherrschen zu lassen oder von Pseudofeministinnen. Da nimmt man doch lieber den Schleier.

Haha…nein, das ist nicht der Grund für das Tragen des Hidschabs. Meiner jedenfalls nicht. Aber witzig.

Bei Qantara wird die Debatte ausgiebig dokumentiert. U.a. in diesem Artikel der auch einen Link zur Studie „Postmigrantisch II“ enthält: Im Zwist um ein Stück Stoff.

Wer sich mal antun will, wie angebliche Frauenrechtlerinnen aus dem Kopftuch ein „blutbesudeltes Stück Stoff“machen, der kann  sich ja mal bei der EMMA umtun. Wenn ich das lese, dann frag ich mich, in welchem Land ich lebe. Das gleiche wie Alice Schwarzers Deutschland kann es nicht sein.

…..Das Kopftuch ist politisch, Kippa und Schleier aber sind heutzutage religiös motiviert. Und: Die Juden missionieren nicht, auch die Christen sind im 21. Jahrhundert nicht so in der Offensive wie die Islamisten.

……

Die Mehrheit der Lehrerverbände und LehrerInnen ist schockiert. Sie befürchten, dass der Krieg um das seit 2003 in der Schule für Lehrerinnen verbotene Kopftuch nun wieder stärker in die Schulen getragen wird und – dank der erneut unsicheren Rechtslage – eine Flut von Prozessen auf die Schulen zurollt. Die kritischen Lehrerinnen, die gerne beschimpft werden als Schlampen? Die werden wohl noch häufiger in die Frühpensionierung flüchten. Und die unverschleierten Mädchen? Die werden sich noch selbstgerechter als „Huren“ beschimpfen lassen müssen. Und die zwangsverschleierten Mädchen? Die haben nun gar keine Chance mehr, sich wenigstens in der Schule als frei und gleich zu erleben….

Jetzt sind wir schuld, wenn die Lehrerinnen ein Burn out haben und nicht deren Überlastung? An den Verbrechen der IS und Konsorten sowieso…Oh, Alice…

Solche Einstellungen – auch wenn Alice „selbstverständlich“ nicht den Frauen im öffentlichen Raum die Kopftücher entreißen will, führen dazu dass junge, gebildete, engagierte, deutsche Frauen in Deutschland solche Erfahrungen machen, wie Kübra Gümüsay bei ihrer Wohnungssuche.

Eine Gefahr für die offene Gesellschaft, wittert die FAZ und findet das Kopftuchurteil lebensfremd. Die Auseinandersetzung darüber ob der „Islam zu Deutschland“ gehört, würde an die Schulen verlegt…bitte? Diese Auseinandersetzung müssen wir nicht führen. Wir sind hier! Und wir gehen auch nicht weg.

Und abgesehen davon: Regina Mönch (*lol*), Autorin dieses Beitrages hat offensichtlich nicht recherchiert, keine Studien gelesen sondern eben nur eine Meinung geäußert. Sonst wüßte sie – wie oben erwähnt – dass das Kopftuch eben gar nicht zu Diskussionen und Auseinandersetzung um den Islam führt.

Wie eine Schülerin in der (anonymen und nicht von ihr persönlich eingebrachten Befragung) für Habibe Rodes Masterarbeit schrieb:

Das Kopftuch zeigt doch nur, dass sie Muslimin ist, was soll daran verwerflich sein?

Genau. In der Podiumsdiskussion oben ist die „Entdämonisierung“ (Claudia Bernhardt) des Kopftuches gelungen.

Wenn auch die sonstige Diskussion über Islam, „Islamismus“ (was das ist, wäre zu klären), islamisches Essen, islamische Kleidung usw. nicht von irrationalen Ängsten getrieben wäre, dann könnten das Land bei diesem Thema weiterkommen.

Leider gibts daran nur begrenzt Interesse, lässt sich doch mit einer Angstdebatte wunderbar unter den Teppich kehren, dass Islam für Befreiung steht. Dafür, sich niemandem zu unterwerfen, außer Gott. Keinem Diktat von Kapitalisten, Bankern, machtbesessenen Politikern („alle Macht geht vom Volke aus“), Patriarchen, Kolonialherren, Besatzern, Waffenlobbyisten, Zionisten, BesserwisserInnen, Ausbeutern (unvollständige Liste).

Wenn diejenigen die meinen, sie könnten in die Köpfe der Musliminnen sehen und deren Motive erkennen doch mal ohne Scheuklappen in ihre eigenen Köpfe schauen würden, ob sich dort nicht vielleicht ein paar Überzeugungen festgesetzt haben, die sie vom Benutzen ihres freien Geistes abbringen, dann würden sie womöglich feststellen, dass sie sich instrumentalisieren ließen für Zwecke, die sie mal abgelehnt haben, bevor sie so satt und träge geworden sind. Wäre möglich, oder? Ich wage natürlich nicht, das zu unterstellen. Ich bin natürlich frei von jeglicher Besserwisserei.

Noch ein kleiner Beitrag zur aufgeregten Debatte von Jan Freitag: Weltreligion unter Verdacht

So das war mein Wort zum Freitag, einen gesegneten solchen wünsche ich allen Geschwistern!

 

 

Deutschland, Land der Ahnungslosen

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Bismillahir rahmanir rahim

„Europa krümmt sich wie der Wurm, ehe ihn der Stiefel zertritt.“ – Karl Kraus
„Fuck the EU“ – Victoria Nuland

Es gibt ein paar interessante Dinge, die uns die mainstream-Medien, die nicht Lügenpresse genannt werden wollen, vorenthalten (müssen). Ich sag auch dieses böse Wort nicht, weil ich mich nicht mit Nazis gemein machen will. Allerdings muss man doch froh sein, dass es in Zeiten des Internets auch andere Möglichkeiten gibt, sich zu informieren.

Denn interessant ist es doch, dass sich der amerikanische General Wesley Clark wieder einmal verplappert hat. Wie damals, als er verriet welche Pläne die USA für die Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens hätten und das dazu u.a. die Zerstörung Syriens gehörte. Aber verplappert sich so ein hohes militärisches Tier wirklich? Oder wird hier gezielt etwas zugegeben, was sowieso längst bekannt ist und ausgetestet, ob irgendeiner der Gefolgsstaaten daraufhin aufmuckt? Um Deutschland müssen sich die USA da ja nicht sorgen.

Also die Botschaft die uns jetzt erreicht hat, nicht unerwartet, lautet: Unsere Verbündeten haben die ISIS finanziert:

Weit davon entfernt, eine spontan gewachsene Wurzel-allen-Übels-Organisation zu sein, wurde zumindest laut General Wesley Clark ISIS von unseren „engsten Alliierten“ geschaffen und finanziert. Der General sagte: ISIS entstand von Anfang an mit Geld von unseren Freunden und Alliierten … um auf Leben und Tod gegen Hezbollah zu kämpfen.

Wer die Freunde und Alliierten waren, sagte er nicht. Er wies allerdings darauf hin, dass ISIS zu einem „Frankensteinmonster“ geworden ist.

Der Insider General Wesley Clark informiert uns also, dass unsere engsten Alliierten im Mittleren Osten geholfen haben, ISIS zu schaffen – die Organisation, für deren Bekämpfung wir Milliarden Dollars ausgeben.

Das sagte der General auf CNN, also nicht auf einem amerikanischen Lokalsender.

http://www.youtube.com/watch?v=QHLqaSZPe98

(youtube direkt einfügen will heute nicht….)

Ich hab mal gegoogelt, was in den deutschen Medien dazu zu finden ist und fand: nichts. Also nichts in der mainstream-Presse, nichts in den Nachrichten – nur eine „linkezeitung“ und alternative Medien berichten davon, sowie iranische Sender. Und die BBC.

Ist das keine Nachricht, die uns Deutsche interessieren sollte? Dass hinter dem Spuk USraelisches Interesse steckt, die Hezbollah und den Libanon und Syrien zu zerstören? Auf der amerikanischen Agenda seit mehr als 10 Jahren?

Zigtausende haben ihr Leben oder ihre Lieben und ihr Hab und Gut verloren, Folter, Vergewaltigungen, grausame Hinrichtungen weil den Amerikanern und Israel die Regierungen und der Widerstand in Syrien, Irak und Libanon nicht passen? Von den Iranern, diesem eigensinnigen Volk ganz zu schweigen.

Wundern wir uns noch, wenn amerikanische Flugzeuge „versehentlich“ syrische Infrastruktur zerstören, oder Hilfsgüter über ISIS-Lagern abwerfen?

Was ist los in diesem Land, dass die angeblich freien Medien uns diese Aussage verschweigen?

Und was ist mit uns Bürgern los, dass wir nicht aufschreien und zu zigtausenden auf die Straße gehen? Nein, da geht man lieber gegen die Flüchtlinge, die aus diesen zerstörten Ländern kommen protestieren.

Übrigens ist die Terrorfinanzierung ja nicht neu, kennen wir von Al Qaida:

http://www.youtube.com/watch?v=Dqn0bm4E9yw

Hier ein weiterer Artikel zu diesem Thema, auch mit Anregungen zu „Was können wir tun“

Interessant auch, beim Thema Medien, was über den Brief des iranischen Staatsoberhauptes an die Jugend im Westen berichtet wird. Größtenteils: nichts. Obwohl in vielen Städten Deutschlands junge Muslime diesen Brief verteilen, oft liebevoll in handbeschriftete Umschläge verpackt, mit Blumen oder Süßigkeiten hübsch als Geschenk gestaltet. Zur Erinnerung: Ayatollah Sayyid Ali Chamene´i schreibt der westlichen Jugend um sie aufzufordern, sich selbst ein Bild über den Islam zu machen, indem sie seine Quellen studieren. Und er spricht sich gegen den Terror der IS und Co. aus, er distanziert sich also deutlich – das ist es doch, was immer von den muslimischen Gelehrten verlangt wird? Da tut es also ein großer shiitischer Gelehrter, religiöser Führer eines islamischen Staates und was lesen und hören wir davon? – so gut wie nichts. Und wenn, dann muss daraus eine dubiose Aktion gemacht werden, über die man – huhuuuu – „den Staatsschutz informiert“ hat.

Wenn der Staatsschutz noch nichts davon gehört hat, nach wochenlangen öffentlichen Aktionen, dann ist das schon ein bisschen witzig. Ich weiß auch nicht, was man am Inhalt des Briefes und der deutlichen Kritik Ayatollah Chamenei´s an der westlichen Terrorfinanzierung aussetzen kann, wo doch Wesley Clark das gerade bestätigt hat. Aber vielleicht wissen die Journalisten der Aachener Zeitung davon nichts, es hat ja in unseren Zeitungen wie gesagt nicht gestanden.

Die islamischen Vertreter die das Blatt interviewt hat, sind von einer Sorte, die ich peinlich finde. Und sie lesen vielleicht auch nur die Zeitung und nichts darüber hinaus.

Die einzige andere deutsche Zeitung die ich mit einem Beitrag dazu gefunden habe, ist die „Berliner Zeitung“. Die bringt gleich erstmal dein Brief mit „dem“ Islamischen Staat in Verbindung – ich gehe davon aus, dass das absichtlich geschieht. Sonst hätte man wohl „Islamische Republik Iran“ geschrieben. Inhaltlich wird darauf nicht groß eingegangen, auch hier wurde der Verfassungsschutz befragt und über einen „islamistischen“ Hintergrund der Beteiligten gemunkelt.

Was auch immer das sein mag……

Tja, das kriegen wir geboten zu einem Schreiben eines Staatsoberhauptes an unsere Jugend. Ein Schreiben über das man diskutieren kann und soll, das ist ja das Anliegen des Absenders. Aber das tun unsere Medien nicht. Nein, hier dunkle Kräfte am Werke, verschleierte Frauen, ein islamistisches Schneeballsystem….

Ich wäre ziemlich mutlos angesichts der Übermacht der gängigen Medien die uns für dumm verkaufen wollen und uns neben gesiebten Nachrichten mit Verblödungsfernsehen und Dudelradio versorgen. Aber ich stelle auch fest, dass es immer mehr alternative Quellen gibt, die gut recherchierte Nachrichten anbieten. Und dass die Friedensbewegung nicht tot ist. Das lässt hoffen.

Ihr „aufgeklärten“ Abendländer: Habt den Mut Euch Eures eigenen Verstandes zu bedienen!

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Bismillahir rahmanir rahim

 „Was ist Aufklärung?“ wurde Immanuel Kant gefragt und formulierte 1784: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.

Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Nun bin ich ja eine Abendländerin, die angeblich in einer von solcher aufgeklärten Kultur geprägten Weltgegend aufgewachsen ist. Eine islamisierte Abendländerin allerdings, der vorgeworfen wird, sie würde einer eigenartigen, rückständigen Ideologie anhängen, die dringend der Aufklärung bedürfe.

Aber mal im Ernst: wie weit ist es mit Eurer, also unserer abendländischen aufgeklärten Ideologie her?

Wie die Kinder dem Rattenfänger laufen doch die Bundesbürger mehrheitlich sonderbaren Meinungsmachern nach.

Annähernd drei Millionen „BILD“- „Zeitungen“ werden täglich verkauft. Vermutlich nicht, um Fische darin einzuwickeln. Wieviel Leser mögen das dann sein? Doppelt so viele?

Jeden Müll kann man in diesem Blatt drucken und es wird zum Gesprächsstoff an den Arbeitsplätzen. Und das ist nicht das einzige Produkt. Wieviel Zuschauer haben Verblödungssendungen im Fernsehen?

Und dann die „seriösen“ Medien. Die allermeisten Menschen schauen Nachrichten, Talk-Shows, Politsendungen und nehmen für bare Münze, was dort „berichtet“ wird. Sie überprüfen nicht, ob die Bilder vielleicht gar nicht zum Thema gehören – und das kommt nicht selten vor. Sie nehmen den süffisanten Ton der Moderatoren und Kommentatoren über die dummen und unzivilisierten Bewohner der nicht nicht aufgeklärten Welt zufrieden hin und fühlen sich als Teil der besseren, klügeren Weltbevölkerung.

Und sie erschaudern angesichts der Verbrechen der Bösewichte, womöglich auch noch religiös fanatische Bösewichte und fordern, dass diese aufgehalten werden, egal mit welchen Mitteln. Da zählt dann kein Recht, sei es Völker- oder Bürgerrecht.

Die „aufgeklärten“ Anhänger von Religionen fordern von uns rückständigen Muslimen, dass wir uns auch „aufklären“. Damit ist in der Regel gemeint, dass wir erkennen sollen, dass doch die Religion an sich etwas für Dummies ist und man sie auf ein erträgliches Maß zurechtstutzen soll, so dass sie der abendländischen, kapitalistischen Kultur kompatibel ist. Feste und Feiertage dürfen bleiben, solange man dafür keinen gesetzlichen Feiertag will, Beten bitte nach Feierabend und zuviel Kleidung könnte bei der Arbeit stören. Dem Nachbarn Süßigkeiten schenken geht in Ordnung, aber sonst bitte, seht doch ein, dass Gott zwar angerufen werden darf, aber mit unserem Leben hier nichts weiter zu tun hat. Die Regeln hier machen aufgeklärte Wirtschaftsführer und Politiker, die ihren Verstand benutzen um das Leben für uns alle ganz wunderbar einzurichten.

Hat Kant das gemeint? Und ist es wirklich so, dass der Islam eine „Aufklärung“ braucht? Oder braucht nicht viel mehr diese „jüdisch-christliche“ Kultur eine solche?

Was das genau ist, weiß ja nämlich anscheinend niemand. „Jüdisch-christlich“ hieß ja wohl jahrhundertelang eher, dass die Christen die Juden verfolgten und ermordeten. Und auch heute noch, meinen es die vom christlichen Fundamentalismus geprägten christlichen Zionisten nicht wirklich gut mit den Juden, sondern unterstützen die nur in Erwartung von deren Vernichtung.

Also, ihr Abendländer: Ihr habt Eure Aufklärung gehabt. Nutzt sie gefälligst.

Und die Muslime? Es gibt auch unter uns genug, die ihren Verstand nicht benutzen. Das liegt aber nun wirklich nicht an unserer Religion, sondern tritt dann auf, wenn man diese Religion nicht kennt und nicht praktiziert. Denn Gott fordert uns auf, unseren Verstand zu benutzen. Der Islam ist die Religion des Verstandes. Natürlich auch die Religion der Liebe und Barmherzigkeit – aber das resultiert doch daraus, dass man Gott mit dem Verstand erkennt.

Benjamin Idriz, Imam in Penzberg schreibt:

Mit Blick auf das Wiederaufleben der Religion in der Welt und das sichtbare Erscheinen des Islams in Europa gewinnt auch die Frage an Bedeutung, inwieweit Religion, insbesondere der Islam, mit der Vernunft in Einklang zu bringen ist. Tatsächlich sollten wir uns weder Religion noch Verstand getrennt und unabhängig voneinander vorstellen. An 49 Stellen wird im Koran der Begriff “Verstand” gebraucht und an mehr als zehn Stellen die Frage “Denkt ihr nach?” gestellt. Das Nachdenken und der Verstand werden an mehr als 60 Stellen betont, während blinder Gehorsam gegenüber anderen kritisiert wird. Bevor der Koran “Glaub!” gesagt hat, sagte er “Lies!” (Koran 69:1-6), weil durch die Vernunft der Glaube gefunden werden kann (Koran 34:6). Mit der Aussage des Korans, dass zuerst das Lesen und danach der Glaube kommt, rückt die Priorität der Information in den Vordergrund. Glaube, der dem Intellekt vorausginge, wäre demnach mangelhaft.

Im Islam hat das wissenschaftliches Forschen ein Nachdenken sowohl über profane wie auch religiöse Themen angeregt. Zu verschiedenen Zeiten sind einzelne Muslime sicherlich an die Grenzen ihres Verstandes gestoßen, für den Islam jedoch war dies nie der Fall. Immer wenn Muslime ihren Verstand zu nutzen wussten, waren sie produktiv und haben sich entwickelt. Wurde der Verstand vernachlässigt, wie es leider gerade heute teilweise zu beobachten ist, kam es zu Fehlentwicklungen, die die Religion verzerren, und die Muslime blieben sowohl in religiöser wie auch in weltlicher Hinsicht rückständig….

Ayatollah Khamenei betont wieder und wieder, wie wichtig es ist, nachzudenken und den Verstand zu benutzen:

Er sagte der wichtigste Grund für die Aussendung der Propheten Gottes insbesondere des Propheten des Islams (F.s.m.i.) habe darin bestanden, den Menschen den Weg zur Nutzung ihres Verstandes und ihrer Vernunft und Denkkraft zu weisen. Er erklärte, wenn der Einsatz der geistigen Kräfte und das Nachdenken zu einer verbreiteten Regel in der Islamischen Gesellschaft werde, käme es zur Beseitigung zahlreicher Probleme der Islamischen Welt.

Der wichtigste Grund! Wir Muslime müssen uns wirklich auch schämen, dass wir diese Botschaft nicht verstanden haben  und oft genug wie hirnlose Idioten agieren und reagieren – mehr reagieren, denn zum agieren gehört noch mehr geistige Aktivität, während das Hinterherlaufen bei irgendwelchen Aktionen einfacher ist.

Ja, so gesehen brauchen wir auch eine Aufklärung. Aber wenn wir den Verstand nicht benutzen, dann nicht wegen Zuviel an Islam, sondern wegen zu wenig Islam.

Und auch die Abendländer, also die nicht islamisierten, könnten in ihren religiösen Quellen genug finden, was sie von tumbem Nachlaufen bei PEGIDA, oder vom BILD lesen abhält.

Gottes Wort ist bestimmt nicht gegen den Verstand. Nur: wer kennt denn Gottes Wort noch?

Wenn man lernen will, seinen Verstand zu benutzen, dann soll man die Nähe von weisen Menschen suchen, um von ihnen zu lernen. Imam Ali a.s. sagte:

Imam Ali (a.) sagte: „Es ist die Pflicht eines jeden Menschen, seinen Verstand und seine Ansicht mit dem der weisen Menschen zu vergleichen“! (Ghurur al Hikm, 4920, gefunden bei eslam.de)

Weise Menschen, liebe Abendländer, das sind weder Kai Diekmann, noch Lutz Bachmann, nicht mal der Bundespräsident. Und liebe Muslime, weise sind auch nicht der „Kalif von Bagdad“ oder Pierre Vogel.

Wie ich Weisheit verstehe, darüber muss ich vielleicht noch mal genauer nachdenken. Aber jedenfalls gehört zu einem weisen Menschen, dass er seinen Verstand nicht nur benutzt, um eigenen Vorteil zu erreichen und andere Menschen zu seinen zwecken zu manipulieren. Zur Weisheit gehört, dass man das friedliche Zusammenleben fördert und nicht Menschen gegeneinander aufhetzt. Zur Weisheit gehört Bescheidenheit und nicht, sich aufzuspielen und sich über andere lustig zu machen. Und auf jeden Fall gehört dazu, dass man Respekt vor den Rechten anderer hat und sie nicht bestiehlt.

Also, benutzen wir unseren Verstand den Gott uns gegeben hat!