Archiv der Kategorie: Nachdenklich

Mein Monat Ramadan: Tag 14 und 15

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Bismillahir rahmanir rahim

 

Ich bin ganz aus dem Konzept geraten mit meinen Ramadan-Plänen. Darum gab es gestern keinen Beitrag, ich war in München zur Mahnwache für Gaza und danach war ich geschafft – ohne dass ich groß was zu berichten hätte. Ich fand die Veranstaltung ziemlich misslungen, da die Lautsprecheranlange nicht funktionierte hab ich von den Redebeiträgen nichts mitbekommen. Es nervt mich wenn Parolen auf Türkisch gerufen werden, wir sind in Deutschland und deutsche Passanten sollen mitbekommen, worum es geht. Und genauso nerven mich arabische Parolen, und wenn es auch „Allahu Akbar“ (Gott ist größer) oder „La ilaha ill Allah“ (Es gibt keinen Gott außer Gott) ist. Nichtmuslimische Passanten erschrecken davor und verstehen es nicht. Und am allermeisten nervt mich, wenn türkische Gruppierungen dort ihren Wahlkampf hineintragen. Es geht um das Schicksal der Palästinenser!

Heute war ich dann mit allerlei lästigem Schreibkram und der Bügelwäsche beschäftigt, allerdings war ich auch zum Kindergeburtstag, das war wieder schön. Und nun ist es Abend und ich hänge mit meinem Qur´an-Leseprogramm hinterher, das wird jetzt gleich in Angriff genommen, damit das Wochenende noch besinnlich ausklingt.

Heute, am 15. Ramadan hat unser 2. Imam, Hasan ibn Ali a.s. Geburtstag.

Hier seine Ziyara, also das Gebet das man spricht, wenn man sein Grab besucht:

Sein Grab ist auf dem Friedhof Dschannat ul Baqi in Medina – schmucklos, seit die Wahabiten dort im wahrsten Sinne des Wortes alles platt gemacht haben. So wie sie es jetzt auch gerne im Irak mit den heiligen Gräbern tun wollen.

 

 

 

 

 

Mein Monat Ramadan: Tag 11 und 12

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Mein Monat Ramadan: Tag 11 und 12

Bismillahir rahmanir rahim

Gestern hab ich es nicht geschafft zu schreiben. Mal abgesehen davon, dass es sowieso ein sehr ausgefüllter Tag war, hat mich noch eine kleine Schwierigkeit geschafft. Ja, eigentlich eine kleine Schwierigkeit und auch eigentlich gar nicht mein Problem, aber da lässt jemand massiven Frust und Selbsthass an mir aus. Und ich kann dem nicht aus dem Weg gehen, wenn ich nicht auf erhebliche Vorteile für mich verzichten will. Sprich auf Geld aus meinem Minijob, bei dem ich gerade eine neue, rentablere, Aufgabe übernommen habe. Ich hab davon schon mal kurz berichtet, aber das Thema hat sich noch nicht erledigt.

Das rührt ganz alte Gefühle in mir an und obwohl ich mir dessen bewusst bin und immer bewusster werde, ändert es nichts daran, dass es mir erst mal schlecht damit geht.

Fast am Ende der Sure Yunus lese ich heute:

„Wenn dich Gott mit einem Übel prüft, kann keiner es abwenden außer ihm. Wenn er dich mit Gutem bedenkt, ist seine Gunst nicht zurückzuweisen. Er bedenkt damit wen er will von seinen Dienern. Gottes Vergebung und Barmherzigkeit sind unermeßlich“ (Sure Yunus, Vers 107)

Also einmal muss ich ja sagen, dass das in der Realität ein echt kleines Übel ist….nur meine Gefühle machen es groß, weil ich nun mal da empfindlich bin. Und da fiel mir heute ein, dass man ja sagt, dass Gott, wenn man eine Prüfung nicht bestanden hat, die gleiche noch einmal schickt. Nur einfacher.

So gesehen: ich hab überall gesagt, dass ich sowas noch nicht erlebt habe. Aber das stimmt nicht. Ich hab unter ähnlichem Verhalten schon gelitten, als Kind, als Schülerin, auch im Beruf. Das ist lange, lange her, aber wie man sieht leide ich noch immer darunter. Was ist also leichter? Ja eigentlich alles. Ich bin älter als diese impertinente Person und trete äußerlich schon mal ganz anders auf. Die hat keine Macht über mich, nur über Kleinigkeiten die immer kleiner werden, je mehr ich mich auskenne. Ich bin reflektiert und kann erkennen, dass es nicht die Situation selber ist, sondern meine Gefühle dazu, die mir gerade das Leben erschweren. Und weil ich so was schon erlebt habe, kann ich mich erinnern, wie ich damit umgegangen bin…meistens eher mit Rückzug oder Flucht…und kann überlegen, wie ich jetzt reagiere.

Und da bin ich gerade ganz unschlüssig. Einerseits denke ich mir, dass ich mir das ja nicht antun muss. Andererseits kann ich doch jetzt angesichts der realen Machtverhältnisse, nicht der in meiner Phantasie, mal probieren eben nicht zu flüchten. Sondern…weiß noch nicht. Die Konfrontation suchen, ignorieren, Unterstützung suchen – mal sehen. Das muss wohl erst noch in mir wachsen. Und es soll mir gut gehen.

Tja, der Monat Ramadan ist eben auch ein ganz normaler Monat, mit ganz normalen kleinen oder großen Alltagssorgen. Mit dem Unterschied, dass ich jeden Tag im heiligen Qur´an lese. Warum tu ich das sonst nicht, wo ich doch so viel Kraft daraus ziehe? Und wo das doch diese Alltagssorgen so relativiert.

Nicht nur das Lesen und Beten natürlich. Es gibt wirklich auch Menschen die ganz anderes durchmachen.

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Betet für alle die Menschen die so leiden in Palästina, Irak, Syrien, Bahrain, Myanmar und und und

Und Wir stellen euch mit Bösem und mit Gutem auf die Probe; und zu Uns werdet ihr zurückgebracht. [Sure Al Anbiya Vers 35]

Gott verfluche die Mörder!

„Die aber Böses tun – Strafe für eine böse Tat ist in gleichem Maße. Schmach wird sie bedecken; keinen Schützer werden sie haben vor Allah (und es soll sein), als ob ihre Angesichter verhüllt wären mit finsteren Nachtfetzen. Sie sind die Bewohner des Feuers; darin müssen sie bleiben.“ (Sure Yunus, Vers 27)

Mein Monat Ramadan: Tag 10

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20120930_160147Bismillahir rahmanir rahim

 

„In einem abstürzenden Flugzeug gibt es keine Atheisten“-umgangssprachliche Zusammenfassung dieses Verses:

„Er ist es, Der euch instand setzt, über Land und Meer zu reisen, bis endlich, wenn ihr an (Bord) der Schiffe seid – und sie mit ihnen dahinsegeln mit gutem Wind und sie freuen sich dessen, da erfaßt sie plötzlich ein Sturm, und die Wogen kommen über sie von allen Seiten, und sie meinen schon, sie seien rings umschlossen – dann rufen sie zu Allah in lauterem Gehorsam gegen Ihn: «Wenn Du uns aus diesem errettest, so werden wir sicherlich unter den Dankbaren sein.“ (Sure Yunus, Vers 32)

oder auch hier:

„Wenn den Menschen Unheil trifft, ruft er Uns an, ob er nun auf der Seite liege oder sitze oder stehe; haben Wir aber sein Unheil von ihm fortgenommen, dann geht er seines Weges, als hätte er Uns nie angerufen um (Befreiung vom) Unheil, das ihn getroffen. Also wird den Maßlosen ihr Tun schön gemacht.“ (Sure Yunus, Vers 12)

 

Traurig aber wahr…leider auch bei mir. In schweren Zeiten bete ich mehr, intensiver, ergebe mich Allah in meiner dann so gespürten Hilflosigkeit ganz und gar.

Gehts mir gut – dann werde ich da nachlässig, „brauche“ Gott ja nicht, kann alles alleine…

Statt gerade dann stetig dankbar zu sein. Und die Idee des „alleine könnens“, das ist ein Überbleibsel aus meiner „ungläubigen“ Zeit.

Wie gut, dass der Monat Ramadan mich dazu bringt, über diese Dinge mehr nachzudenken.

 

 

 

 

 

 

Mein Monat Ramadan: Tag 9

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Bismillahir rahmani rahim

 

In den Suren des heiligen Qur´an die ich heute gelesen haben, Al-Anfal und At-Tauba geht es kriegerisch zu. Lange Abschnitte über Verteidigungskriege die die Muslime zu Zeiten des Propheten, s.a.s., geführt haben. Viel über das Verhalten der „Ungläubigen“ (in Anführungszeichen, weil diese Übersetzung nicht so gelungen ist – besser wäre „Wahrheitsleugner“), aber auch über diejenigen unter den angeblichen Anhängern des Propheten, die sich als Heuchler entpuppt haben, und Ausreden suchen, um sich nicht am Krieg beteiligen zu müssen.

Sicher ist vieles andere in diesen Suren verborgen, vor allem über Gottergebenheit und Gottvertrauen. Aber die kriegerischen Geschichten berühren mich gerade und eher unangenehm, angesichts der schrecklichen Dinge die gerade unter der Überschrift „Islamischer Staat“ passieren.

Ich will nicht, dass die Furcht, diese perversen Mörder könnten sich etablieren in mein Herz einzieht. Gott wird sie besiegen. Aber weil wir Muslime uns uneinig sind, können diese Verbrechen geschehen und Menschen, Muslime, Christen und andere leiden deshalb.

Die Sure Al-Anfal hat auch darauf eine Antwort:

Oh die ihr glaubt, wenn ihr auf ein Heer trefft, so bleibt fest und seid Allahs eifrig eingedenk, auf dass ihr Erfolg habt. (8:45)

Und gehorcht Allah und Seinem Gesandten und hadert nicht miteinander, damit ihr nicht kleinmütig werdet und euch die Kraft nicht verlasse. Seit standhaft; wahrlich, Allah ist mit den Standhaften(8:46)

 

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Eine schöne Geschichte noch, vom heutigen Tag:

Heute morgen beim Job, begrüße ich eine Putzfrau die dort immer rumwuselt und ein Kopftuch trägt. Kommt sie auf mich zu und fragt, was sie wahrscheinlich schon längst fragen wollte:

„Sind sie eigentlich normale Deutsche?“  🙂

Ich: „öööööööh, deutsch ja, aber normal?“

Sie: „aber richtig Muslim?“ – und schon hat sich mich in den Arm genommen.

Das hat mir den Tag versüßt.

 

 

 

Mein Monat Ramadan: Tag 8

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Bismillahir rahmanir rahim

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Ein ruhiger Tag, mein 8. Ramadan. Nach einer anstrengenden Woche hinter mir und vielleicht mit einer ebensolchen vor mir, genau richtig. Mit dem Lesen im heiligen Qur´an bin ich wieder da wo ich sein will, wenn ich das ganze heilige Buch durchlesen will in diesem Monat.

Heute überwiegend die Sure „Al-A´raf“, die 7. Sure. Sie erwähnt Adam und den Sündenfall – zuvor natürlich noch die „Ursünde“ Iblis´ – das „ich bin besser“, das man glaub ich heute noch als die Wurzel fast aller Sünden bezeichnen kann, jedenfalls der die wir gegen andere begehen. Oder was ist es anderes was dahintersteckt, wenn man meint man könne andere übervorteilen,  betrügen, bestehlen, beleidigen,  misshandeln, sogar töten usw.? Wenn wir nicht denken würden, wir hätten mehr Recht als der andere, dann würden wir doch so nicht handeln? Und hören wir in solchen Momenten nicht auf den Satan, der uns das einredet?

Außer Adam erwähnt diese Sure noch  sieben Propheten: Noah, Hud, Salih, Lot, Schuaib und ausführlich Moses und seinen Bruder Aaron, Friede sei mit ihnen allen. Es schmerzt fast, deren Geschichten zu lesen, denn alle haben sich so bemüht, ihre Familien, Städte, Völker zu warnen und trotzdem haben sich so viele von Gott abgewendet, nur nach ihren Gelüsten gehandelt und sind vernichtet worden, bis auf jeweils wenige, die ihrem Propheten gefolgt sind.

Das Volk von Moses, a.s., hat so viele Beweise für die Macht Allahs erhalten, während der Gefangenschaft in Ägypten und nach seiner Befreiung und ist trotzdem immer wieder abtrünnig geworden und hat immer neue Chancen erhalten.

Da möchte sich mein Innerstes empören – aber da geht´s ja schon wieder los: „wir“ sind nicht besser. Unsere ganze Gesellschaft macht viel schlimmere Dinge als im heiligen Qur´an beschrieben sind und ich bin ein Teil davon. Mache ich auch nicht (mehr) alles mit, so mache ich jedenfalls nicht genug dagegen.

Ja, das ist eine aufrüttelnde Lesestunde gewesen heute.

Hier auf Deutsch vorgelesen:

und im Original rezitiert:

Mein Monat Ramadan: Tag 7

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Bismillahir rahmanir rahim

Im Monat Ramadan versucht man als Muslim/a, den heiligen Qur´an einmal ganz durchzulesen. Das beschränkt sich natürlich nicht auf den Monat Ramadan, aber wenn man es im sonstigen Jahr vielleicht nicht so regelmäßig tut, dann doch wenigstens jetzt.

Ich bin dabei – in meinem Fall lese ich aber in deutschen Übersetzungen. Ich habe mehrere. Keine ist perfekt, deshalb finde ich ganz gut, dass ich auch mal in einer anderen Variante nachlesen kann, wenn mir eine Stelle auffällt und missverständlich scheint.

Imam Chamenei sprach kürzlich über „Innere Festigung durch Vertrautheit mit dem Koran“:

Als weiteren großen Segen des ständigen Kontaktes zum Koran bezeichnete Ajatollah Khamenei die Stärkung des Glaubens und des Vertrauens in Gott und die göttlichen Verheißungen sowie die Abwehr der Angst vor irdischen Schwierigkeiten und sagte: „Das Nachdenken über den Koraninhalt befreit die Islamische Gesellschaft aus den Finsternissen des Aberglaubens und Irrwegs sowie aus dem Dunkel von Angst und Einbildungen und lenkt sie auf den rechten Weg zum göttlichen Wissen. Das aber ist heute ein grundsätzliches Bedürfnis der Islamischen Welt bei der Begegnung mit den Herausforderungen!“

Und es ist wirklich so. Ich bereue gerade mal wieder, dass ich mir im Rest des Jahres so wenig Zeit für den heiligen Qur´an nehme. InschaAllah ändert sich das wieder und ich nehme ihn viel regelmäßiger zur Hand, oder höre auch einfach mehr – ich hab auch eine deutsche Übersetzung als Hörbuch.

Die Stelle die mich heute besonders beweg hat ist diese:

Sicherlich findest du, daß unter allen Menschen die Juden und die Götzendiener die erbittertsten Gegner der Gläubigen sind. Und du wirst zweifellos finden, daß die, welche sagen: „Wir sind Christen“ den Gläubigen am freundlichsten gegenüberstehen. Dies (ist so), weil es unter ihnen Priester und Mönche gibt und weil sie nicht hochmütig sind. [5:82]

Und das deswegen, weil ich gestern ein berührendes Gespräch mit einer Zeugin Jehovas hatte. Nicht weil die missionarisch unterwegs war, sondern bei ganz anderer Gelegenheit und sie mich auf meine Religion ansprach. Eine junge Frau, gottesfürchtig und glücklich damit, obwohl sie oft Diskriminierung erfährt. Weshalb sie wohl auch mich auf meine Erfahrungen ansprach. Und obwohl uns unsere Unterschiede in der Vorstellung von Gott deutlich sind, sind wir doch in so vielem verbunden und konnten uns leicht darauf einigen, wie wir uns einen guten mitmenschlichen Umgang wünschen. Uns verbinden Werte.

Solche Gespräche finde ich ganz großartig, die machen mir Mut, dass es möglich ist, mehr auf die Gemeinsamkeiten als auf die Unterschiede zu schauen und eine Gesellschaft zu formen, in der alle in Frieden ihren Glauben leben können.

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Zum Zusammenleben der Religionen: Religiöse Minderheiten im Iran

Ein gesegnetes Fastenbrechen und eine ebensolche Nacht wünsche ich Euch!