Archiv für den Tag 10. April 2015

Gegen wen wird hier Krieg geführt?

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Gegen wen wird hier Krieg geführt?

Bismillahir rahmanir rahim

Endlich Frühling…

11147939_10203970410129309_1491371652_ound es ist der Geburtstag Fatima Zahras, a.s., der Tochter unseres Propheten, unserer geliebten Fürstin der Frauen im Paradies…..

Da sitze ich an meinem neuen Lieblingsplatz mit Blick über ein Bremen im Abenddunst und möchte nur an Schönes denken. Aber keinen Tag kann uns die Ungerechtigkeit in Ruhe lassen.

Im Jemen hat die Opposition, keineswegs nur die shiitische Opposition, ihren Präsidenten verjagt. Einen Präsidenten, der in 2012 als einziger Kandidat angetreten war und für zwei Übergangsjahre regieren sollte. Was ist aus den Wahlen in 2014 geworden? Anscheinend keine Rede mehr von freien Wahlen, statt dessen wurde im September eine Einheitsregierung unter Beteiligung von unterschiedlichen Oppositionsgruppen gebildet. Nun, da gab es wohl keinen Platz mehr für den Präsidenten. Das kann man eine Revolution nennen.

Die sogenannten „Huthi-Rebellen“ waren es, die Al-Kaida im Jemen bekämpft haben. Das gefällt den Unterstützern von Al-Kaida, u.a. Saudi-Arabien und der deutschen Bundesregierung nicht. Unserer Bundesregierung? Aber sicher doch. Wozu statten wir denn die Saudis mit Waffen zum Kampf gegen „Huthi-Rebellen“ aus? Gegen den Iran, den unsere Regierung hinter den „Huthis“ vermutet, also gegen Antiimperialismus und Antizionismus ist doch kein Mittel zu schade.

Das ist jetzt alles sehr verkürzt und ich finde die Sache sehr schwer zu durchschauen. Deshalb verweise ich noch  einmal auf die Analyse von Dr. Yavuz Özoguz zurück, der dazu viel mehr herausgefunden hat. Das ist ja nun schon wieder ein paar Tage und viele (mindestens 550) Menschenopfer her…von unserem Außenminister hab ich noch nicht gehört, dass er zurückrudert von seinem „Verständnis“ für den völkerrechtswidrigen Angriff der Saudis auf den ohnehin gebeutelten Jemen. Während man inzwischen im Mainstream festgestellt hat, dass Iran keineswegs militärisch im Jemen tätig ist, helfen die USA ganz offen den Saudis indem sie ihre Flugzeuge für das Bombardement von Zivilpersonen betanken und weitere Waffenlieferungen ankündigen.

Und der US-Außenminister Kerry erdreistet sich dann noch zu sagen:

„Iran muss einsehen, dass die Vereinigten Staaten nicht zusehen werden, wie die Region destabilisiert wird oder wie Leute über internationale Grenzen hinweg offen Krieg führen“, sagte Kerry dem TV-Sender PBS.

Das ist schon fast wieder eine Lachnummer.

Das Kopfgeld auf den Anführer der jemenitischen Opposition, die Ansarollah Bewegung, hat dann freundlicherweise die Al-Kaida ausgesetzt. 20 Kg Gold. Ein weiteres Zeichen, dass an diesem Mann etwas Besonderes ist.

Ich frage mich: warum jetzt? Warum diese herbeigeführte Eskalation in einem verarmten Land wie dem Jemen, in dem nicht viel Beute zu machen ist? Und komischerweise auch gerade dann, wenn das sogenannte „Atomabkommen“ angeblich ein Ende der Eiszeit zwischen den USA und Iran einleitet.

Nun – das passt vielen nicht, obwohl man von einem Abkommen ja längst nicht reden kann. Viel zu unterschiedlich legen die Verhandlungspartner dar, was sie angeblich vereinbaren wollen. Die Iraner verlangen eine sofortige Aufhebung der Sanktionen, was die Amerikaner gar nicht einhalten können, selbst wenn sie wollten, was zu bezweifeln ist. Die Machtverhältnisse und die Gesetzeslage in den USA lassen das gar nicht zu. Wie immer ist die vernünftigste, besonnenste und weiseste Stimme im ganzen Kuddelmuddel die von Imam Chamene´i. Ich kopiere die Zusammenfassung seiner Rede im Ganzen rein und nicht nur als Link, denn es ist ein Genuß zu lesen:

 

Teheran (IRIB)- Das geehrte Oberhaupt der Islamischen Revolution hat heute anlässlich des Jahrestages der Geburt der Tochter des Propheten des Islams, Hazrat-e-Fatima (s.a),  verschiedene Gruppen  von Frauen, Dichtern und Geistlichen empfangen.

Bei diesem Empfang erklärte der geehrte Ayatollah Khamenei, er hat sich deshalb noch nicht zur Atomfrage geäußert, weil die Regierung und das Verhandlungsteam nach eigenen Angaben noch keine verbindliche Vereinbarung mit der anderen Seite getroffen haben.

Das geehrte Revolutionsoberhaupt fügte hinzu: Das, was bislang passiert ist, ist weder eine Einigung als solche, noch eine  Verhandlung, die unbedingt in einer Einigung enden müsste, noch garantiert es den Inhalt einer Einigung und garantiert schon gar nicht, dass die Verhandlungen zu einer Einigung führen müssten, deshalb besteht kein Anlass zur Gratulation.

Das geehrte Oberhaupt der Islamischen Revolution bekräftigte, dass er eine Einigung, die die Würde des iranischen Volkes sicherstellt, hundertprozentig unterstützen wird. Er fügte hinzu, wer behauptet, dass das Revolutionsoberhaupt gegen eine Atomeinigung ist, der spricht  nicht die Wahrheit.

Der geehrte Ayatollah Khamenei beklagte manche Stellungnahmen, welche die andere Seite als ‚Staatengemeinschaft‘ bezeichnen und fügte hinzu: Die andere Seite, die die Vereinbarungen nicht einhält, sind die USA und die drei europäischen Staaten, und diese sind nicht die Staatengemeinschaft, so das geehrte Revolutionsoberhaupt weiter.

Die höchste politische Autorität Irans stellte fest, dass die Staatengemeinschaft die 150 Länder sind, deren Staats- und Regierungschefs  und  deren höchste Repräsentanten vor einigen Jahren am NAM-Gipfel in Teheran teilnahmen. Die Behauptung, dass die Vertreter derjenigen Länder, die mit Iran am Verhandlungstisch gesessen haben, die Staatengeimschaft repräsentierten, sei haltlos.

An einer weiteren Stelle seiner Rede erklärte das geehrte Oberhaupt der Islamischen Revolution: Wenn die Aufhebung der Sanktionen gegen Iran von weiteren Faktoren abhängig gemacht wird, dann sind die Verhandlungen von Grund auf bedeutungslos, denn das Ziel der Verhandlungen besteht in der Aufhebung der Sanktionen, deshalb  sollen die Sanktionen am Einigungstag gänzlich aufgehoben werden.

Der geehrte Ayatollah Khamenei gingt dann auf die Entwicklungen im Jemen ein und betonte: Die Saudis haben mit ihren Übergriffen auf den Jemen Fehler begangen und der Region ein schlechtes Beispiel geliefert.

Er bezeichnete die militärischen Angriffe auf das Volk im Jemen als „Verbrechen, Völkermord und international verwunderlich“ und fügte hinzu: Der Tod von Kindern, die Zerstörung von Wohnhäusern und Infrastruktur und des Volksvermögens stellen ein großes Verbrechen dar.

Das geehrte Oberhaupt der Islamischen Revolution betonte: Die Saudis werden sicherlich Schaden davon tragen und dort niemals siegen. Er begründete seine Vorhersage damit, dass die militärische Schlagkraft der Zionisten um ein mehrfaches größer sei als die der Saudis, und dennoch seien sie (die Zionisten) dort nicht erfolgreich gewesen, während der Jemen ein großflächiges Land mit einigen Millionen Einwohnern sei.

 

Iran ist ein Land, das geleitet von seinem Revolutionsführer, seine Würde nicht aufgibt. Kompromissbereit in hohem Maße, wie es unser Prophet, s.a.s., gewesen ist, aber nicht bereit die eigenen unveräußerlichen Rechte aufzugeben. Zumal das, was den Iranern unterstellt wird, nämlich dass sie atomare Bewaffnung anstreben, durch eben diesen Revolutionsführer verboten wurde. Per religiösem Rechtsurteil („Fatwa“). Das kann man nicht nach Lust und Laune und Machtverhältnissen aufheben. Lagerung, Herstellung und Einsatz von Atomwaffen sind verboten. Punkt.

Dass seit vielen Jahren immer wieder von der zionistischen Lobby, selber im unkontrollierten Besitz solcher teuflischer Waffen, das Märchen verbreitet wird, Iran würde diese anstreben – durch nichts hat sich dieses Märchen belegen lassen. Keine Regeln denen sich Iran durch den Atomwaffensperrvertrag unterworfen hat, hat das Land gebrochen. Also verschärft man die Regeln – nun, Iran wird sich seine Errungenschaften nicht wegnehmen lassen, ist aber wie gesagt kompromissbereit was das Ausmaß der Produktionsstätten angeht. Vielleicht – inschaAllah – hat man tatsächlich auch im Iran gemerkt, dass Atomenergie weder kostengünstig noch sicher ist. Aber das Recht darauf haben sie nun einmal, wie jedes andere Land.

Atomgespräche Iran

Karikatur: © Kostas Koufogiorgos

Tja also: um die Atomfrage geht es doch nicht wirklich. Und warum flammt jetzt gerade noch ein weiterer Konfliktherd auf, zusätzlich zu den schon vorhandenen in Syrien, Irak, Afghanistan und so fort? Warum wird ein angeblich sunnitisch-shiitischer Konflikt heraufbeschworen, der doch nur ein Konflikt zwischen unmenschlichen Mördern auf einer  und einfachen Menschen, Muslimen, Christen und anderen Glaubensgemeinschaften auf der anderen Seite ist?

Man will ein Land bekriegen, dass sich nicht unterwerfen lässt und wenn es Millionen Menschenleben, auch ganz unbeteiligte kostet. Man will nicht dulden, dass dieses Land besteht und funktioniert, trotz aller Schikanen.

Und dann sind seine Bürger auch noch damit einverstanden, dass sie in einem religiösen, antikapitalistischen, antiimperialistischen System leben:

US-Studie: Mehrheit der Iraner für die Islamische Republik


Jahrestag Revolutione Poster Khamenei Frauen

Unterstützer und Anhänger der Islamischen Republik in Iran.

Das für seine weltweiten Meinungsstudien bekannte Washingtoner „Pew Research Center“ untersuchte noch während der Amtszeit des früheren iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinedschad die Einstellungen der IranerInnen zum Verhältnis zwischen Staat und Religion. Erst ein Jahr später wurden die Daten veröffentlicht. Befragt wurden landesweit rund 1.500 Personen in einer repräsentativen Stichprobe der über 18-jährigen IranerInnen. Eine Besonderheit, die diese Studie von anderen bisher durchgeführten Untersuchungen unterscheidet, ist die Methodik: Die Validität der Ergebnisse telefonisch durchgeführter Befragungen ist in der Vergangenheit von Skeptikern wiederholt kritisiert worden. Die nun vom „Pew Research Center“ in Zusammenarbeit mit den Spezialisten von Opinion Research Business International Befragten wurden diesmal allerdings direkt vor Ort (face-to-face) in ihrem privaten Wohnsitz interviewt. Die Kernergebnisse werden im Folgenden dargestellt.

Wenn auch die obige Studie zu dem Ergebnis kommt, dass die Iraner heute wohl nicht mehr, wie 1979 mit über 90% für ihre Verfassung aussprechen würden, ist doch die deutliche Mehrheit zufrieden. Übrigens: die Iraner durften über ihre Verfassung abstimmen, wir nicht. Eigentlich haben wir gar keine Verfassung….und frei sind wir schon lange nicht.