Türkisches Flugzeug über syrischem Hoheitsgebiet: Versehen oder wer provoziert hier wen?

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Bismillah i rahmani rahim

Gestern haben bekanntermaßen die Syrer ein türkisches Militärflugzeug über ihrem Hoheitsgebiet abgeschossen. Dass das Flugzeug den syrischen Luftraum verletzt hatte, wird auch von den Türken bestätigt, oder mindestens für möglich gehalten, da Grenzverletzungen von Militärjets durch deren hohe Geschwindigkeit schon einmal vorkommen könnten(http://tinyurl.com/6netobj). Die Reaktion der Syrer wird darum in der öffentlichen Meinung in der Türkei als feindseliger Akt gesehen. 

Die Diskussion im Haushalt der Bloggerin geht heiß her. Der türkische Ehemann meint, dass schließlich tagtäglich der türkische Luftraum z.B. durch griechische oder israelische Aufklärungsflüge verletzt würde, ohne dass diese Flugzeuge abgeschossen würden. Auch sei die abgeschossene F4 ein unbewaffnetes Aufklärungsflugzeug gewesen, was für die syrische Luftabwehr erkennbar sein müsse.

Ich bin da sehr skeptisch. Die türkische Regierung stellt sich ganz offen auf die Seite der syrischen „Rebellen“, von denen aber jedem einigermaßen kritischen Geist mittlerweile bekannt sein sollte, dass es sich nicht um friedliche Oppositionelle handelt, die von der syrischen Regierung ins Exil getrieben oder in Syrien brutal unterdrückt werden, sondern um aus anderen Ländern, wie den „Vorzeigedemokratien“ Saudi-Arabien und Katar,  finanzierte Terroristen, die einen Umsturz in Syrien im Sinne von USraelischen Plänen zur Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens vorantreiben sollen. (http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP09811_240611.pdf)

Sehr zu meinem Bedauern, denn ich hatte gehofft, dass die Erdoğan-Regierung dauerhaft eine souveräne und von den USA unabhängige Außenpolitik betreiben würde. Aber leider ist die „Null-Problemo“-Strategie die in den ersten Jahren der AKP-Regierung zur Verbesserung der Beziehungen zu den Nachbarstaaten, auch zu Syrien (einschließlich der Räumung von riesigen Mengen Landminen beiderseits der Grenze – jetzt wird behauptet, Syrien würde die Grenze wieder verminen, ob das glaubhaft ist? – und Visafreiheit) anscheinend Vergangenheit. Erdoğan ist  ein Ministerpräsident, der sich ausdrücklich zum amerikanischen „Büyük-Ortadoğu-Projesi“ bekennt (https://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/?s=b%C3%BCy%C3%BCk+).

Die syrische Regierung hat sich für den Abschuss des Flugzeugs entschuldigt (http://tinyurl.com/6wrtvr6). Die türkischen Piloten wurden anscheinend von den Syrern aufgefischt und nach Damaskus gebracht (http://www.tagesschau.de/multimedia/audio/audio90942.html) – dazu sind die Nachrichten allerdings widersprüchlich (http://tinyurl.com/73gwluh) Die türkische Regierung hat angekündigt „notwendige Schritte“ zu unternehmen, was auch immer das bedeuten mag. Man mag den Mund angesichts der Luftraumverletzung nicht zu voll nehmen. In den türkischen Medien wurde relativ besonnen berichtet. Auch ein Zeichen dafür, dass die türkische Bevölkerung bei allem Nationalstolz nicht in einen Krieg mit Syrien verwickelt werden will ( http://tinyurl.com/7goz4af).

Die häusliche Diskussion kreist um die Legitimität eines türkischen, begrenzten Eingriffs gegen die „Assad-Familie“, so vertritt es der Ehemann der Bloggerin. Im Gegensatz zu dieser, die natürlich wünscht, dass die schreckliche Situation die in Syrien inzwischen entstanden ist, im Sinne der syrischen notleidenden Bevölkerung befriedet wird(http://tinyurl.com/7492nd4). Die Unterstützung von salafitischen „Rebellen“ ist da nicht das richtige Mittel. Und eine „Entführung“ von Assad würde vermutlich zwar auch nichts daran ändern, dass diese sogenannten „Rebellen“ mit USraelischer Hilfe die Macht in Syrien übernehmen – dafür ist die Finanzkraft der arabischen Diktaturen wohl zu groß (http://tinyurl.com/7g2xww5) – aber dass die Türkei sich nun derartig zum Helfershelfer machen lässt, wäre doch traurig. Der Ehemann der Bloggerin sieht einen solchen Einsatz allerdings ganz anders, im Interesse der syrischen Bevölkerung und der Demokratie. Wir werden sehen, was er in zwei Jahren zum neuen syrischen Regime sagt.

Das amüsanteste Argument, das hier gerade fiel ist, dass die Syrer die Türken mit dem Abschuss provozieren wollten!

Ich frage mich eher, was die Türken mit der Provokation bezweckt haben, ein Militärflugzeug in syrischen Luftraum, zu schicken. Und wer innerhalb der Türkei dahinter steckt.

http://nocheinparteibuch.wordpress.com/2012/06/23/turkey-owes-the-world-an-explanation-why-did-the-turkish-phantom-violate-syrian-airspace/#more-4591

„Freiheitskämpfer“:

http://urs1798.wordpress.com/2012/06/22/gefangene-der-al-kaida-nahen-fsa-milizen-in-syrien/

http://medien-luegen.blogspot.de/2012/06/syrien-einige-journalisten-durchbrechen.html


Eine Antwort »

  1. Pingback: Türkisches Flugzeug von Syrien abgeschossen – Cui bono? « Meryems Welt

      • 😆 Ich habe lange Dich nicht „Geärgert“ einfach nur mal einen schönen Abend wünschen. Ich hoffe Dein Mann schaut sich mal die Videos von Urs, von dem Videokanal den sie hier gezeigt hatte, an. Mach weiter so.

  2. Ich habe mir gerade ein paar Youtube-Videos angeschaut, davon wie F-4 Phantom Piloten ihre Maschinen über dem Mittelmeer so fliegen. Ich habe den Eindruck, da haben einige Piloten – ähnlich wie so mancher Motorradfahrer – extremen Spaß am besonderen Nervenkitzel. Tiefflüge waren dabei, wo die Flügel fast das Wasser gestriffen habe, andere flogen offenbar zum Spaß zwischen Häusern und Schiffen durch oder zogen ihre Maschinen vor Bergen erst sehr knapp hoch.

    Nachdem ich das gesehen habe, halte ich das für möglich, dass ein türkischer F-4 Phantom Pilot sich aus Eigenantrieb den Nervenkitzel gegönnt hat, mal eine Runde über dem syrischen Strand zu drehen. Nach dem Motto: wird schon gutgehen, die Syrer werden sich nicht trauen und wenn schon, bis die Syrer ihre Waffen klar gemacht haben, bin ich sowieso schon wieder weg. Doch Überraschung: die syrische Luftabwehr war sofort bereit, hatte wegen der angespannten Lage einen stehenden Befehl, alle von der syrischen Küstenflak erreichbaren unbekannten Militärflugzeuge abzuschießen und hat direkt getroffen. Dazu passt, dass Anwohner der Küste von Hatay nach dem Crash extrem riskante Tiefflüge des fraglichen Jets über Hatay eine halbe Stunde vor dem Abschuss gemeldet hatten.

    Sollte es so gewesen sein, wäre sowohl das syrische als auch das türkische Verhalten verständlich. In der gegenwärtigen Lage muss Syrien zum Beispiel jederzeit damit rechnen, dass NATO-Jets versuchen, Waffen für die Aufständischen über Syrien abzuwerfen, oder gar als Provokation ein syrisches Dorf bombardieren, um dann hinterher zu behaupten, „Diktator Asssad“ bombardiert seine Einwohner und vom UN-Sicherheitsrat eine No-Fly-Zone zu verlangen. Klar, hätten die Syrer gewusst, dass da bloß ein türkischer Pilot zu viele Hormone hat, hätten sie den Jet sicher nicht abgeschossen, sondern sich stattdessen bei der türksichen Regierung beschwert, damit der einen Rüffel bekommt und das nicht nochmal macht. Nur konnte der syrische Flag-Schütze das eben nicht wissen, und schon gar nicht, in den wenigen Sekunden, die er Zeit hatte, um vor dem Abschuss nachzudenken.

    Wenn es so gewesen sein sollte, dann wäre das insgesamt für beide Seiten abzuheften unter „dumm gelaufen“. Damit so etwas möglichst nicht passiert, ist es für Nachbarn ratsam, gute und vertrauensvolle Beziehungen zu pflegen. Doch leider hat die Türkei die diplomatischen Beziehungen zu Syrien auf Eis gelegt und arbeitet stattdessen am Sturz der syrischen Regierung.

    Die richtige Antwort auf so ein tödliches „Missverständnis“ wie gestern wäre es meiner Meinung nach, wieder einen diplomatischen Austausch zu pflegen, wie es für Regierungen von Nachbarstaaten ratsam ist. Die gemeinsame türkisch-syrische Suche nach den Piloten und den Trümmern weist den Weg: Freundschaft wäre sowohl für die Türkei als auch für Syrien besser als Streit.

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