Bismillah
Das größte Türkei-Thema heute ist natürlich der Streit mit Frankreich über das „Armenier-Genozid-Leugnungs-Gesetz“. Leider sind die türkischen nationalistischen Reflexe immer noch viel zu stark, als dass beim Drücken auf diesen Knopf nicht das volle Programm abgespult würde: Demonstationen, Botschafter Abzug, Sanktionen und schließlich noch ein Gegen-Gesetz, dass die Leugnung französischer Verbrechen in der Türkei unter Strafe stellen soll. Klüger wäre es, über den Dingen zu stehen und den Historikern nicht im Wege zu stehen bei der Aufklärung von Verbrechen, denen auch Hunderttausende Türken oder Kurden zum Opfer gefallen sind.
Zu dieser Aufklärung kann man auch die Armenier auffordern und Deutschland könnte auch seine Rolle offenlegen.
Pikant beim Gegen-Gesetz ist natürlich, dass Frankreichs Verbrechen von einem aktuell existierenden und agierenden Staat verübt wurden, während die Zeit der Jungtürken lange vergangen ist.
Aber ich finde das ganze Theater übertrieben. Viel interessanter ist, dass heute ein stellvertretender türkischer Ministerpräsident, Bülent Arınç, während Budgetverhandlungen im türkischen Parlament ausspricht, was ganz offensichtlich ist, aber trotzdem jahrzehntelang ein Verbrechen war: dass die Türkei ein Vielvölkerstaat ist, der die Rechte seiner Volksgruppen respektieren und garantieren muss. Dass es nie wieder soweit kommen darf, dass jemand ins Gefängnis wandert, weil er sagt, dass er ein Kurde ist. Dass das Land in der Verantwortung ist, allen in der Türkei lebenden Völkern seine Rechte zu gewähren.
Arınç hat damit dem MHP-Fraktionsvorsitzenden Mehmet Şandır widersprochen, der dann auch prompt Unterstützung seines Parteivorsitzenden Bahçeli erhalten hat, der meinte, wenn die Regierung diese Haltung vertrete, dann solle sie ihre Anti-Terror-Aktivitäten stoppen und sich der PKK und BDP unterwerfen.
Was natürlich genauso lächerlich ist wie die Replik der BDP, dass für solche Worte wie sie Arınç ausgesprochen hat, Tausende Kurden im Gefängnis säßen.
Praktisch ist seit einigen Jahren gegeben, was Arınç ausgesprochen hat – kurdische Kultur zu leben geschieht längst ungestraft, vielmehr sogar staatlich gefördert. Trotzdem ist es wichtig, wenn Regierungspolitiker darauf hinweisen, dass die Türkei eine Vielfalt hat, die eine Bereicherung ist und kein Problem.
s. hier: http://www.todayszaman.com/news-266399-deputy-pm-says-all-rights-of-kurds-will-be-recognized.html
Türkisch-kurdische Zukunft: diese Kinder werden das Land verändern:

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