Geht echter Dialog?

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Bismillah

Auf der Hamburger Tagung gab es auch eine Arbeitsgruppe zum Dialog. Leider hatte ich mich für eine andere Gruppe entschieden, die nicht wirklich ergiebig war und konnte daher nur die kurze Zusammenfassung hören. Aber eins hab ich mir als wichtig gemerkt: echter Dialog bedeutet, sich auf den anderen und sein Weltbild wirklich einzulassen? Wann tun wir das schon?

Erstmal ein kleiner Ausflug nach wikipedia. Da kann man sehen, dass das Wort durchaus unterschiedlich besetzt ist, von der Vermittlung von Wissen (aber das nicht im Monolog), zum erforschen des Wissens anderer, bis zur Gestaltung von Arbeits- und privaten Beziehungen (und in diesen Bereichen ist es ganz wichtig, dass keine Angst aufkommt). Eine Grundfrage wird dort genannt: Was tust Du da, und wie kommst Du dazu, das … so zu verstehen, wie Du es tust?

Ich rede hier jetzt hier vom interreligiösen Dialog. Das kann durchaus auch der innerislamische sein. Wer sich auf youtube umschaut, wird sehen wie kompliziert das ist. Eher geht es um Belehrung, als um Verständnis. Mir ist das verständlich, denn es sträuben sich ja auch mir die Nackenhaare bei den Ansichten mancher islamischen Geschwister. Da gibt es so viele Meinungen, die meinem Islamverständnis so völlig entgegenstehen, dass ich eigentlich nur schreien möchte und keineswegs gewillt bin, das zu verstehen. Es sind nicht nur die Salafiten/Wahabiten bei denen ich mich grusele – das sind die sog. „Hardliner“, sondern auch diejenigen, die alles so locker nehmen, dass sie ihren eigenen Islam zurechtbasteln und sich selber Fatwas geben (natürlich nennen sie das nicht so). Ich sehe mich da in einer Mitte und als Shiitin ist mir auch klar, dass ich mich in islamischen Rechtsfragen an meinen Marja wende, bzw. in seiner Risala nach bereits vorhandenen Antworten blättere. Ich wage es nicht, den Koran selber auszulegen, wo ich doch nicht mal arabisch kann.

Also bei der einen wie bei der anderen islamischen Gruppe hab ich keine Geduld mich in deren Einstellung einzufühlen. Kann das jemand? Ein gutes Beispiel für innerislamischen Dialog ist Al Muradschat – die Konsulation hier schreiben sich ein sunnitischer und ein shiitischer Gelehrter Frage und Antworten. Wobei eher der Sunnite Antworten vom Shiiten will – und durch Nachfragen immer tiefer in das shiitische Wissen eintaucht. So gesehen ist der Dialog eher ein Erfragen, als ein Austausch. Aber was sicherlich bemerkenswert ist, dass man am Ende einfach die Meinung des anderen stehenlässt – so haben es jedenfalls die beiden Gelehrten geschafft, die durch ihr islamisches Studium auch die Fähigkeit zum respektvollen Verhalten erworben haben.

Mir fällt das nicht so leicht. Wenn ich auf in meiner Überzeugung völlig falsche Islam-Auslegung stoße, möchte ich die Geschwister am liebsten schütteln.

Manchmal ist es eher leichter im interreligiösen Dialog. Da erwarte ich ja nicht, dass der andere den Islam schon kennt. Aber ich gebe zu, dass ich auch keinen völlig einfühlsamen Dialog führen kann. Schließlich habe ich ja meine Überzeugung. Geht es nicht den meisten so, dass wir am Ende doch recht behalten und überzeugen wollen? Und umgekehrt ist das genauso. Wenn ich meine Erfahrungen anschaue, möchten mich am Ende die Christen doch überzeugen. Beide Seiten sind nur begrenzt bereit, sich auf die andere Religion einzulassen, gerade nur soweit, dass man genug versteht um am Ende doch gegenhalten zu können.

Wenn man es dann am Ende schafft, das Ergebnis der Diskussion einfach stehen zu lassen, dann ist das schon viel. Aber kann es dadurch wirklich so weit kommen, dass die Angst vor dem anderen verschwindet? Denn der Gegenpart spürt natürlich, dass der andere etwas anderes möchte, gerade auch weil er es gut meint mit dem Gesprächspartner. Während man sich selber gar nicht sicher fühlt vor dem Überzeugungsanspruch des anderen? Irgendwie sind alle auf Missionierung aus?

Ich möchte nicht behaupten, dass Dialog nicht anders geht, ich beschreibe nur, was in mir selber vorgeht und was ich auch bei anderen bemerke. Sowohl bei Muslimen, als auch bei Christen (den islamisch-jüdischen Dialog lasse ich mal beiseite, weil der nach meiner Erfahrung meist noch weniger gelingt, weil die Trennung zwischen Jude/Zionist schon selten zu finden ist).

Noch viel bedrohter fühle ich mich natürlich von denen, die gar keinen Dialog wollen, auch wenn sie es manchmal so verpacken, dass man in ihre Veranstaltungen oder in ihre webseiten stolpern kann um dann schleunigst wieder die Flucht zu ergreifen. Diejenigen, die nur beweisen wollen, dass meine Religion eine unterdrückerische und gefährliche ist. Ich könnte hier jetzt seitenweise blogs verlinken, aber ich will die ja nicht fördern.

Ein gutes Beispiel für das was ich interreligiös für schwierig halte, gibt es hier auf einer Diskussion bei theolounge.

Ausgangspunkt ist ein Artikel über „Al Andalus“ – die gemeinsame Kultur von Christen, Juden und Muslimen in Andalusien. Der Artikel verklärt diese Zeit durchaus nicht. Aber ich wollte ja etwas aus der Diskussion posten:

Ich zitiere hier Rainer Braendlein, dessen Argumentation ich typisch finde (und nicht übel nehme) und ich setze mal meine Gedanken dazwischen:

„… Muslime, Juden und Christen zueinander fanden?“

Die folgenden Zeilen schreibe ich in dem Bewußtsein, daß mir als Christ geboten ist, meinen Nächsten zu lieben unabhängig von seiner Religion, Hautfarbe, Herkunft, usw..

Wenn ich auch meinen muslimischen Nachbarn lieben soll, muß ich deswegen nicht seine Religion lieben.

Das ist eine Liebe, die mich als insuffizient betrachtet. Kann das Liebe sein? Das kann ich übrigens umgekehrt auch mich und meine Glaubensgeschwister fragen, wobei ich allerdings glaube, dass wir weniger Probleme mit dem Christentum haben, als die Christen mit dem Islam.

Jeder Christ sollte das Christentum für die richtige Religion halten, denn wie kann ich an etwas glauben, von dem ich nicht überzeugt bin?

Das kann ich gut verstehen. Warum wäre ich sonst Muslima?

Kein Christ wird versuchen andern Menschen das Evangelium aufzuzwingen, sondern er wird es nur freundlich anbieten.

ja das wäre angebracht, auch umgekehrt

Das Christentum paßt sehr gut zu einer demokratischen, freiheitlichen Gesellschaft. Christliche Liebe ist Demokratie!

Na unter Demokratie verstehe ich schon eine Herrschaft des Volkes. Mit Vor- und Nachteilen, Gottes Gesetze darf man nicht vergessen. Die Nächstenliebe die Gott uns über die Propheten lehrt ist allerdings nicht christlich sondern universell

Der Koran ist in mehrfacher Hinsicht antichristlich:

– er lehnt die Dreieinigkeit ab

klar

– er lehnt die Gottessohnschaft Jesu Christi ab

ebenso klar, der Koran lehrt uns, dass Jesus, Friede sei mit ihm, einer der großen Propheten und Gesandten ist, ein heiliges Buch mitgebracht hat und  nicht gekreuzigt wurde, sondern von Allah davor bewahrt und in den Himmel erhoben wurde – er wird mit Imam Mahdi, Friede sei mit ihm, zurückkommen und für eine gerechte Welt sorgen

– er ruft Muslime zum Kampf gegen Juden und Christen auf

das ist nicht wahr und kommt davon, wenn man den Koran anhand der fehlerhaften Übersetzungen auslegt, was sowohl unter Nichtmuslimen wie unter Muslimen vorkommt. Da soll man sich doch lieber auf kompetente Gelehrte hören und man wird feststellen, dass die Kampfaufrufe im Zusammenhang mit Angriffen der Nichtmuslime gelten. Muslime dürfen niemals einen Angriffskrieg führen. Diese Auslegung wird aber gerne von Islamfeinden vertreten und selten hinterfragt

– der Islam soll herrschen und andere Religionen verdrängen

das ist ebenso falsch, s.o. – „verdrängen“ ist nicht das richtige Wort. Überzeugen, dass der Islam die Religion Gottes vollendet hat und ein allgemeingültiges System des Zusammenlebens bildet schon

– Mohammed wird über Christus gestellt!!!

Bei den Ausrufezeichen schütteln Muslime den Kopf. Wenn man Jesus, Friede sei mit ihm, als Gottes Sohn betrachtet, klar, der würde über allen Propheten stehen. Allerdings sehen wir darin ein falsches Verständnis von Gott, weil es nichts und niemanden gibt, der/das Ihm ähnelt Das sagt er uns im heiligen Koran. Für uns ist das keine Mißachtung des Christentums sondern ein gewaltiger Fehler und sicherlich das Trennendste zwischen den Religionen

– Jesus als Erlöser ist dem Koran völlig fremd

Messias nennen wir Jesus, Friede sei mit ihm auch. Aber unsere Verantwortung vor Gott kann er uns nicht abnehmen

Es ist eine sehr gefährliche Tendenz, den Islam zu verharmlosen oder als dem Christentum gleichwertige Religion zu betrachten. Streng genommen, ist der Islam dem Christentum und der westlichen Kultur feindlich. Ich glaube, im Altertum wird sich kaum ein Land darüber gefreut haben, wenn es von einer islamischen Armee angegriffen wurde, die auch Säuglinge abschlachtete und Frau und Kind tötete.

tja, so kann man nur unter dem Eindruck o.g. falscher Informationen denken. Wobei natürlich andersrum der Islam das Christentum unter dem Vorzeichen des großen Unterschiedes im Bild von Gott auch als falsch betrachtet. Von Feindlichkeit kann man aber nicht sprechen und ich glaube, dass es insgesamt Muslimen leichter fällt Respekt vor den Christen zu haben als umgekehrt. Denn wir erkennen in Jesus, Friede sei mit ihm, einen Menschen mit einer großartigen Botschaft von Gott. Während Christen ja weder den Koran als Offenbarung,  noch den Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm, anerkennen. Zur Gewalt unter dem Vorwand beider Religionen kann man schließlich nur Ablehnung vertreten. Da haben sich die Gewaltherrscher beider Kulturen wohl nichts geschenkt, aber sie können sich weder auf das Christentum noch auf den Islam berufen.

Wer sich nur minimal mit Geschichte befaßt, wird schnell das wahre Gesicht des Islam erkennen. Gott behüte uns vor dem Islam.

Da hört es dann wohl auf mit dem Dialog, wenn keine Bereitschaft besteht, sich weiter zu informieren

Zu den Juden:

Sie sind unsere Brüder!!!

ja und? Unsere auch. Allerdings darf man auch seinen Bruder nicht unwidersprochen Verbrechen begehen lassen. Außerdem: die Juden sind den Muslimen vom Monotheismus näher als die Christen. Die Christen sind uns näher von Jesu´, Friede sei mit ihm, Lehre von der Barmherzigkeit. Der Islam liegt dabei also gut in der Mitte und vereint diese Botschaften. Er erkennt dazu Moses, Friede sei mit ihm, und andere jüdische Propheten als solche an und Gott spricht mit uns  im Koran über deren  Leben und Lehren, damit wir davon profitieren. Die Juden erkennen Jesus, Friede sei mit ihm, als gar nichts an und das neue Testament erst recht nicht, oder?

Warum also wird vor dem Islam gewarnt und die Juden als Brüder bezeichnet, wo deren Lehre doch viel weiter vom Christentum entfernt ist?  Hier sehe ich wieder das durch Vorurteile geprägt Menschenbild, dass uns Muslime als insuffizient bezeichnet.

Und was ist nun aus unserem Dialog geworden? Gewiß sind weder Rainer Braendlein noch ich böswillige Menschen. Aber an seinen Aussagen ärgert mich die Einstellung, dass ich was Wesentliches nicht verstanden habe (und dadurch letztlich auch gefährlich bin). Andererseits bin ich natürlich von ihm der gleichen Meinung, wenn ich die positive Grundaussage mal beiseite lassen. Das Fazit „Gott behüte“ ist sicherlich eher krass, ich kann bestimmt mit vielen Christen reden, ohne dass einer von uns solch ein Fazit zieht. Aber der Grundgedanke, dass der andere das Wichtigste nicht verstanden hat, bleibt. Da kann man das nur stehen lassen. Und dem anderen und sich selber wünschen, das Gott uns am Jüngsten Tag verzeiht.

Aber wie das mit dem Dialog funktionieren soll, weiß ich immer noch nicht.

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