Dürfen Muslime ihre Frauen schlagen?

Standard

Bismillah

Ich hab mal wieder Lust, mich mit einem grundlegenden Islam Thema zu beschäftigen. Eines, dass eines der liebsten von den sogenannten Islam-Kritikern ist, nämlich, dass den Ehemännern das Schlagen ihrer Frauen erlaubt sei.

Wenn man die übliche Übersetzung des Verses 4:34 aus dem heiligen Quran wörtlich nimmt – also den Text der Übersetzung wörtlich nimmt – dann kann man, wenn man ihn sich nicht genauer anguckt, auch zu diesem Schluss kommen:

„Die Männer stehen in Verantwortung für die Frauen, weil Gott sie (von Natur vor diesen) ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Besitz (für sie) ausgeben.
Und die rechtschaffenen Frauen sind (Gott) demütig ergeben und hüten das zu Verbergende weil Gott es hütet. (Ihr Männer) und wenn ihr um Frauen fürchtet, die sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und (wenn dies nichts nutzt) dann bestraft sie durch Schläge! Wenn sie euch (daraufhin wieder) gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß.“

Jetzt ist es aber so, dass erstens die Übersetzungen des Qurans allesamt mit Vorsicht zu genießen sind, weil sich die arabische Sprache nun einmal nicht eins zu eins übersetzen lässt. Deshalb ist es gänzlich unmöglich für Laien, eine Interpretation des Textes an einer Übersetzung vorzunehmen. Übrigens auch am Originaltext, denn der Quran ist nicht so einfach im Wortlaut zu nehmen – die vorhandene Version des Original-Qurans hat ja nicht die chronologische Form, d.h. die Verse stehen untereinander in Beziehungen, die man als Laie nicht erkennen kann. Offenbarungszeitpunkt und -ort und die historischen Gegebenheiten müssen beachtet werden, die Vielfältigkeit der Bedeutungen die ein Wort haben kann, Widersprüche müssen ausgeschlossen werden und dann gibt es auch noch unterschiedliche Verständnisebenen: manche Verse sehen so aus, als ob sie ganz praktische Hinweise geben, aber darunter verbergen sich noch andere, spirituelle Bedeutungen.

Also sind wir für die Interpretation des Qurans auf Gelehrte angewiesen,denen wir vertrauen und müssen bedenken, dass wir bei der einfachen Lektüre einer Übersetzung nur einen Bruchteil der wirklichen Bedeutung erfassen können. Wir sind aber nicht alleine gelassen: Gott hat uns den Propheten Muhammed, s.a.s., und seine reinen Nachkommen, die Imame,a .s., geschickt, damit wir anhand ihrer Interpretationen und ihres Lebenswandels Beispiele für den gelebten Quran haben.

Und wenn wir schon mal bei den Überlieferungen über den Propheten, s.a.s. und seine Nachkommen sind, dann kann man gleich mal eine Überlieferung des Propheten, s.a.s., zum Thema voranstellen:

„Die Besten unter euch schlagen ihre Frauen nicht“

Aber zurück zum Vers 4:34.  Bevor es über Streitigkeiten in der Ehe geht, steht dort ja etwas über Verantwortung. Gerne wird jener Teil als Beweis genommen, dass die Männer über den Frauen stehen würden.

„Die Männer stehen in Verantwortung für die Frauen, weil Gott sie (von Natur vor diesen) ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Besitz (für sie) ausgeben.“

Was sagt dieser Vers wirklich aus?

Ein shiitischer Tafsir, von Hodschat-ul-Islam Gheraati, die Auslegung wird im iranischen Rundfunk  (IRIB) nach und nach veröffentlicht, sagt dazu:

Ehe und Familie werden heute in der Soziologie als erster Baustein der Gesellschaft verstanden und als besonders wichtig betrachtet. E ine Familie entsteht durch das Ehebündnis zwischen Mann und Frau und wächst durch Kinder, die aus dieser Ehe hervorgehen. Diese kleine Gesellschaft braucht jemanden, der sie verwaltet und sie versorgt, sonst lässt sich nichts richtig regeln und es gibt Durcheinander.
Es ist also notwendig, dass jemand die Verwaltung übernimmt und die Familie lenkt. Auf der Hand liegt, dass die Kinder diese Aufgabe nicht übernehmen können.
Der Koran wählt aus zwei Gründen den Mann zum Verwalter der Familie:
Erstens: Männer sind körperlich stärker als Frauen, sie haben daher mehr Kräfte, um für den Unterhalt zu sorgen und sich mit den Unbilden des Lebens auseinander zu setzen. Der Mann hat im Islam außerdem die Pflicht für Nahrung, Wohnung, Kleidung und die anderen Lebenskosten für Ehefrau und Kinder aufzukommen, während die Frau aus der Sicht des Islam keinerlei Verantwortung hinsichtlich der Deckung der Lebenskosten übernehmen muss. Auch dann nicht, wenn sie selber ein Einkommen hat.
Der Mann hat also eine verantwortungsvolle Aufgabe, weil er für das Wohl der Familie sorgen muss, daher hat der Islam ihm auch die Befugnis gegeben über die Angelegenheiten der Familie zu bestimmen. Dies ist sogar seine Aufgabe. Aber der Islam hat ihn deshalb nicht berechtigt, Ungerechtes zu fordern und sich wie ein Tyrann aufzuführen. Seine Verantwortung betrifft die Verwaltung der Familienangelegenheiten. Er darf die Frau nicht unterdrücken und für seine Angelegenheiten einspannen. Wenn der Mann nicht den Lebensunterhalt der Frau zahlt und ihr und den Kindern das Leben schwer macht, kann die Frau auf gesetzlichem Wege seine Verpflichtungen einklagen.

Folgendes muss also beachtet werden: Der Mann verwaltet die Familie, das bedeutet aber nicht, dass er über der Frau steht. Der Islam betrachtet denjenigen Menschen – ob Mann oder Frau – höher stehend, dessen Glaube und Gottesfurcht größer sind. (Hervorhebung von mir)

Es heißt auch keinesfalls, dass der Ehemann sich nicht mit seiner Frau beraten sollte, gerade vor schwerwiegenden Entscheidungen. Man stelle sich vor, er plant z.B. einen Umzug aus beruflichen Gründen und bespricht das nicht mit ihr. Vielleicht hat sie Argumente die dagegen sprechen: Die Schulbildung der Kinder, die Sorge für Angehörige oder vielleicht kann sie sich nicht vorstellen, sich dort wohlzufühlen. Würde der Mann nicht, wie es jeder vernünftige Mensch tut, mit seiner Frau beraten, würde er riskieren, dass sie nicht mitgeht und er würde dadurch seine Ehe auf´s Spiel setzen. Denn zwingen kann er sie nicht und ggf. kann sie sich scheiden lassen. Der Prophet, s.a.s., selber hat sich mit seinen Frauen immer beraten.

Natürlich kann frau sich darüber aufregen, dass in der Interpretation gesagt wird, dass die Männer stärker seien und mehr in der Lage, sich mit den Unbilden des Lebens auseinanderzusetzen. Und sicher kann man das auch nicht gänzlich verallgemeinern. Aber der Islam gibt den Frauen hier großartige Möglichkeiten: wollen sie sich ausschließlich der Familie widmen, muss ihnen ihr Mann das ermöglichen. Wollen sie berufstätig sein und Geld verdienen, gehört es alleine ihnen und sie müssen es nicht für die Familie verwenden (können es aber natürlich).

Übrigens gibt es auch noch eine ganz andere Version des ersten Satzes:

„Die Ehemänner tragen Verantwortung den Ehefrauen gegenüber

so kann man es auch übersetzen und schon ist manche Auseinandersetzung beerdigt (so gefunden auf al-sakina.de)

O.K.-ich will nicht ewig bei Grundfragen des Zusammenlebens verweilen, über die Ehe habe ich ja auch schon so einiges geschrieben. Einfach mal den blog durchstöbern, 🙂

Also, weiter im Text:

„Und die rechtschaffenen Frauen sind (Gott) demütig ergeben und hüten das zu Verbergende weil Gott es hütet.“

Das müssen wir glaube ich, nicht zerpflücken, es geht um  Loyalität innerhalb der Ehe und nicht Geheimnisse auszuplaudern. Also nun zum schwierigen Teil:

(Ihr Männer) und wenn ihr um Frauen fürchtet, die sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und (wenn dies nichts nutzt) dann bestraft sie durch Schläge! Wenn sie euch (daraufhin wieder) gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß.“

Ich werde dazu als erstes etwas ganz Einfaches bringen: Jeder Muslim will sich an der Lebensweise des Propheten, s.a.s., orientieren, an der „Sunna“ – und vom Propheten, s.a.s., ist bekannt, dass er seine Frauen nie geschlagen hat – seine erste Frau Chadidscha, a.s.,(er war 20 Jahre bis zu ihrem Tod in monogamer Ehe mit ihr verheiraet) sowieso nicht, mit ihr bestand eine großartige Harmonie,einige  seiner späteren Ehefrauen allerdings konnten ihm das Leben schon schwer machen – trotzdem ist etwas Derartiges nicht bekannt. Lieber hat er einmal sein Haus für mehrere Wochen verlassen, als zu solchen Mitteln zu greifen.

Ein Hadith sagt:

„Der Prophet sagte: Ist es für einen von euch wirklich möglich, seine Frau zu schlagen, als wäre es eine Sklavin, und dann am Abend zu ihr zu gehen?“

Diesen Hadith findet man in den sunnitischen Hadithsammlungen Buchari und Muslim. Und bevor jemand aufschreit: nein, auch Sklavinnen darf man nicht schlagen und überhaupt ist der Islam gegen Sklaverei-aber das ist wieder ein anderes Thema. Noch ein Hadith:

„Der beste von euch ist der, der sich seiner Gattin gegenüber am besten verhält, und ich bin zu meiner Frau freundlicher als ihr es euren Gattinnen gegenüber seid.“

Also man kann Seiten über Seiten mit solchen Zitaten füllen. Deshalb ist schon mal klar: Wer der Sunna des Propheten folgt, der schlägt seine Frau nicht.

Nun aber zum Tafsir des o.g. Verses. Hier finden wir verschiedene Varianten.

Schauen wir in den oben benutzten Tafsir:

(Ihr Männer) und wenn ihr um Frauen fürchtet, die sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und (wenn dies nichts nutzt) dann bestraft sie durch Schläge! Wenn sie euch (daraufhin wieder) gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß.“

Hier wird tatsächlich – und so ist es in den meisten Übersetzungen, das Wort „Schläge“ benutzt. Was aber gerne übersehen wird, ist die Deeskalationsstrategie, die dem vorausgeht. Zuerst einmal, muss der Streitpunkt zwischen den Ehegatten ein sehr  wesentlicher sein. Also, dass „ihm“ das Essen nicht schmeckt, oder anderer Kleinkram, ist keine Auflehnung. Der Islam verlangt von den Eheleuten Rücksichtnahme und Zärtlichkeit untereinander – so wird schon mal klar, dass es sich um die Gefahr eines grundlegenden Zerwürfnisses handeln muss, wie Untreue oder anderes feindseliges Verhalten

Zweitens: der Vers erlaubt kein Schlagen im Affekt! Das ist wohl die häufigste Art ehelicher Misshandlungen, dass der Mann im Zorn auf die Frau losgeht – welcher vernünftige Mensch kann schon einen vertrauten Menschen planvoll  und mit ruhigem Blut schlagen? Genau das setzt aber dieser Vers voraus: erst mit der Frau über den Konflikt und seine Auswirkungen auf die Ehe zu sprechen, dann sie im Ehebett zu meiden. D.h. bis zu einem weiteren Schritt kommt, sind in jedem Fall mehrere Tage vergangen. Durch die „Verweigerung im Ehebett“ wird das Ausmaß des Konfliktes deutlich gemacht, aber die häusliche Gemeinschaft wird noch nicht aufgehoben. Erst wenn das alles nicht zu einer Versöhnung geführt hat, hat der Mann – dieser Auslegung nach, das Recht die Frau zu schlagen (es gibt noch eine andere Variante, zu der ich noch komme)

Also: im Affekt darf er sie nicht schlagen – wenn die Wut dann abgekühlt ist, dürfte er – aber wer tut es dann, er hat schließlich die Möglichkeit sich von ihr zu trennen? Wenn nach solchen deutlichen Signalen immer noch keine Verständigung herbeigeführt wurde, wäre das wohl der sinnvollste nächste Schritt. Auch wenn es auf Zeit ist, so wie es auch der Prophet, s.a.s., praktiziert hat.

Wenn man den Vers tatsächlich als Erlaubnis zum Schlagen verstehen will, dann muss geklärt werden, wie – o.g. Tafsir erläutert folgendermaßen:

Das der Koran an dieser Stelle das Schlagen der Frauen sozusagen legalisiert muss natürlich auch im Rahmen der gegebenen Umstände der damaligen Zeit gesehen werden. Sicher ist es, im Vergleich mit den damals üblichen Vorgehensweisen unter den Menschen eine Verbesserung und wird als sozusagen letzte Maßnahme gesehen.
Es gibt also drei Stufen des Vorgehens, wenn eine Frau unrechtmäßig ihrer Pflicht als Ehefrau nicht nachkommt.
Natürlich darf auch der Mann seine Pflichten als Versorger der Familie nicht verletzten, denn auch für ihn gibt es Bestrafung. Wenn der Ehemann für die Nafaqih, d.h. den Lebensunterhalt nicht aufkommt und seinen gesetzmäßigen Pflichten nicht nachkommt, so ist dies ein Gesetzesbruch und kann rechtmäßig verfolgt werden.
Wir entnehmen Vers 34 der Sure 4:
Erstens: In einer Gemeinschaft, selbst wenn es nur zwei Personen sind, muss einer die Verantwortung übernehmen.
Zweitens: Es ist kein Zeichen der Schwäche, wenn eine Frau den rechtmäßigen Forderungen ihres Mannes nachkommt, sondern ein Zeichen dafür, dass sie die Ehe schätzt und um deren Erhalt bemüht ist.
Drittens: Rechtschaffenes Handeln ist für einen Muslim nicht nur das tägliche Gebet und das Fasten. Auch die Wahrung der Rechte des Ehepartners und die Erfüllung der ehelichen Aufgaben gehört dazu.
Viertens: Wenn eine Frau sich in der Ehe nicht den rechtmäßigen Wünschen ihres Ehemannes fügt, so darf sie dieser nicht seiner Rache aussetzen oder sie schikanieren. Ihm stehen drei Vorgehensweisen zur Verfügung, die er nacheinander nutzen darf, um wieder gute eheliche Beziehungen herzustellen.
Fünftens: Die Männer müssen wissen: Gott hat ihnen Pflichten in Ehe und Familie anvertraut und Er ist jederzeit Zeuge ihres Verhaltens. Für jedes schlechte Verhalten gegenüber Ehefrau und Kindern muss er auch am Jüngsten Tage Rede und Antwort stehen.

Diejenigen, die die Auslegung bevorzugen, die das entsprechende Wort mit „schlagen“ übersetzen, beziehen sich auf eine weitere Überlieferung, in der der Prophet, s.a.s., auf die Frage, wie sie denn schlagen dürften, gezeigt hat, dass er dazu die „Zahnbürste“ benützen würde (damals wurde ein faseriges Hölzchen, der siwak, zum Zähneputzen benutzt). Das zeigt, dass das Schlagen in diesem Fall nur symbolisch gemeint ist. Davor, dass der Ehemann nach ernsten Worten, Enthaltsamkeit im Ehebett schließlich mit der Zahnbürste auf sie losgeht, muss sich wohl keine Frau fürchten, der ihre Ehe ohnehin egal geworden ist. Die anderen werden das schon sehr ernst nehmen und begreifen, dass eine Grenze erreicht ist, die ihre Ehe gefährdet.

Den Frauen übrigens verbietet der Koran kein Schlagen im Affekt – aber das kommt wohl auch erheblich weniger vor und ist trotzdem kein Mittel zum Lösen von Konflikten.

Es gibt aber noch eine andere Auslegung, an der sich zeigt, wie sorgfältig man mit der Sprache des Korans umgehen muss.

Man kann die gesamte Erläuterung von Amir Zaidan hier herunterladen, sie ist zu ausführlich um sie hierhin zu kopieren. Zaidan zählt die verschiedenen Bedeutungen des im originalen Quran verwendeten Wortes „darab“ auf. Beispiele:

–    Prägen von Gleichnissen, bzw. von Münzen
–     umherziehen, reisen
–    Errichtung von Schallschutz
–    etwas über etwas ziehen
–    schlagen, auf etwas hauen
–    erfassen, überziehen
–    abtrennen

–    errichten

Die Schlussfolgerung, die Zaidan zieht:

So lauten die Vorschläge zur Lösung des Nuschuz-Problems seitens der Frau folgendermaßen:
1. Der Ehemann ermahnt seine Ehefrau und erläutert ihr die negativen Folgen bei ihrem Beharren auf Nuschuz sowie die positiven Folgen für die Ehe, wenn sie dieses Verhalten korrigiert.
2.     Wenn diese Vorgehensweise keine Änderung herbeiführt, geht der Mann zum nächsten härteren Schritt über und kehrt ihr im Bett den Rücken, ohne dass er sich von ihr vollständig trennt oder die Wohnung verlässt.
3.     Sollte auch diese keine Änderung herbeiführen, erst dann verlässt der Mann nach dem Vorbild des Gesandten (sal-lal-lahu ‚alaihi wa sal-lam) die gemeinsame Wohnung für eine Weile.
4.     Wenn die Frau auch auf diese Maßnahme nicht reagiert, bleibt als Lösung nur noch die Talaq-Scheidung.


Dieser Abschnitt der Ayah (3:34) wird danach folgendermaßen übersetzt:

„Und die­jenigen Ehefrauen, deren mutwillige Verweigerung ihr fürchtet, sollt ihr (zunächst) ermahnen, dann sie in den Ehebetten meiden und (zuletzt) euch von ihnen (für eine Weile) trennen!“

Zusammengefasst also:

  • Das Schlagen der Ehefrau ist im Islam nach dem Vorbild des Propheten, s.a.s., verpönt
  • Allenfalls darf es, nach den anderen Schritten zur Konfliktlösung (Gespräche, Enthaltsamkeit) zu einem symbolischen „Schlagen“, ohne Zufügen von Schmerzen oder Verletzungen kommen. Ein Zeichen, dass jetzt die Ehe aus Sicht des Ehemannes schwer gefährdet ist.
  • Würde der Ehemann die Ehefrau verletzen, hat sie erstens das Recht ihn anzuklagen und zweitens einen Scheidungsgrund
  • man kann den Koranvers aber auch so verstehen, dass zu einer Trennung auf Zeit geraten wird, bevor es zu einer endgültigen Scheidung kommt, das ist die Version  die der Sunna des Propheten, s.a.s. entspricht.

Es kann natürlich nicht bestritten werden, dass es in muslimischen Familien häusliche Gewalt gibt. Womöglich auch mehr als in anderen Kulturen. Nur: dafür kann die Religion nichts, sie fordert von den Ehepartnern, liebevoll miteinander umzugehen. Also liegt es nicht am Islam, sondern an zu wenig Islam in den Familien, wenn es zu Mißhandlungen kommt, sondern eher an patriarchalischen Strukturen.

Dass ich hier nicht näher auf die Möglichkeiten eingegangen bin, die eine Frau beim Fehlverhalten ihres Ehemannes hat, heißt nicht, dass es diese nicht gibt. Aber das war jetzt nicht das Thema.


»

  1. Ich zitiere: „Männer sind körperlich stärker als Frauen, sie haben daher mehr Kräfte, um für den Unterhalt zu sorgen und sich mit den Unbilden des Lebens auseinander zu setzen. Der Mann hat im Islam außerdem die Pflicht für Nahrung, Wohnung, Kleidung und die anderen Lebenskosten für Ehefrau und Kinder aufzukommen, während die Frau aus der Sicht des Islam keinerlei Verantwortung hinsichtlich der Deckung der Lebenskosten übernehmen muss. Auch dann nicht, wenn sie selber ein Einkommen hat.“

    Es geht heute in Deutschland ja kaum noch um Muskelkraft bei der Arbeit. Und Frauen sind heute de facto stärker als die Männer. Sie lernen besser in der Schule, wissen mehr, arbeiten verlässlicher, sind gesünder, weniger anfällig fürs Ausflippen, für Drogen und Kriminalität, ertragen Niederlagen besser, halten mehr aus. Die Frauen sind das starke Geschlecht geworden – und damit besser geeignet, den Lebensunterhalt der Familie zu verdienen.

    Da kannst du sagen: Das ist schlecht. So will Gott das nicht. Na ja, ich bin auch nicht grade stolz darauf – als Mann mit Schnurrbart. Aber es ist wie es ist.

    Wie kann Religion, wie kann der Islam auf dieses kulturgeschichtlich überraschende Faktum angemessen reagieren?

    Er kann vielleicht in Ägypten oder im Iran noch die Verantwortung des Mannes unwidersprochen gelten lassen, da funktioniert es wohl noch im großen und ganzen.

    In Deutschland ist es UNMÖGLICH geworden.

    Bestenfalls können wir Männer in Zukunft noch den Zustand der Gleichberechtigung halten. Manche Männer schaffen das nur noch, indem sie sich erlauben auszuflippen und sich dann ihrer letzten Stärke zu bedienen, ihrer Muskeln.

    Ich selber hätte niemals mit einer Frau zusammen leben wollen, die nicht voll und ganz das gleiche Maß an Verantwortung mit mir teilt. Auch für den Lebensunterhalt.

    Man kann das anders halten, auch die Frau kann sagen: Solange ich schwanger bin und solange das Kind mich ständig braucht, sorgst du, mein lieber Mann, für die Brötchen. Das leuchtet mir ein. Frau kann das erweitern aufs ganze Leben – wenn der Mann sich darauf einlässt, ist das kein Problem. Aber ich gehöre nicht zu diesen Männern, und ich finde meinen Anspruch auf volle Partnerschaft nicht anmaßend, sondern als eine gültige Möglichkeit – die ich auch religiös nicht in Frage gestellt sehen möchte. Ich meine, von meiner eigenen Religion.

    Meines Erachtens steckt diese Möglichkeit der vollen Partnerschaft auch in Mohammeds Beispiel und – vielleicht – in gewisser Weise sogar in den Forderungen des Koran? Inwiefern? Dazu schreib ich vielleicht mal einen zweiten Kommentar.

    • Grüß Gott,
      also ehrlich gesagt war ich den Großteil meines Lebens Deiner Meinung, mit der Folge, dass ich dauernd die meiste Verantwortung getragen habe. Es war eine ziemliche Umstellung für mich, mit einem Mann verheiratet zu sein, der sich heftig anstrengt, die Hauptlast der Versorgung zu tragen und das inzwischen auch schafft. Und er musste sich umstellen darin, dass ich nicht so ungefragt folgsam bin. Es funktioniert ganz gut und ich wünschte mir, ich hätte früher die Möglichkeit gehabt, mal locker zu lassen.
      Also das bestätigt Deine Meinung zu den Männern heutzutage und hierzulande, aber vielleicht sind sie ja auch so, weil sie die Orientierung verloren haben.
      Im Iran studieren inzwischen auch mehr Frauen als Männer, auch technische Fächer. Aber sie haben eben die Wahl, wenn sie möchten zu Hause zu bleiben, oder berufstätig zu sein, während hier ja „nur Hausfrau und Mutter“ zu sein belächelt wird, obwohl es eine Aufgabe ist, zu der man alle die Fähigkeiten braucht die Du beschrieben hast.
      Ich sehe es auch nicht so, dass die Männer wegen „körperlicher Kraft“ besser geeignet sind, die Brötchen zu verdienen. Allerdings sind sie jedenfalls in der Phase der Familiengründung konstanter im Berufsleben.

      Übrigens war Chadidscha, a.s., bis zu ihrer Heirat eine erfolgreiche Geschäftsfrau und Chefin von Muhammed, s.a.s. Sie hat sich dann aber auch gerne den Kindern gewidmet.

      Also ich bin mit den Regelungen ganz zufrieden, 🙂

      Grüße, Meryem

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s