Archiv der Kategorie: Antworten für "Islamkritiker"

Islamische Tagung deutschsprachiger Muslime 2012 – 1 -

Islamische Tagung deutschsprachiger Muslime 2012 – 1 -
Islamische Tagung deutschsprachiger Muslime 2012  – 1 -

Bismillah i rahmani rahim

Hier nun die ernsthaften Berichte, :-)

Hier ein schönes Video eines Teilnehmers,  mit Stimmungsbildern, viel besser als ich es kann:

Ich bin mit einer dicken Erkältung zurückgekehrt und darum fällt es mir gerade etwas schwer zu formulieren. Aber ich fang einfach mal mit dem ersten Vortrag der Tagung an. Norbert Müller, deutscher Muslim und Jurist aus Hamburg sprach über

“Der heilige Quran und die Verfassungsordnung”

Er bezog sich hierbei angesichts der vielen österreichischen Teilnehmer der Tagung ausdrücklich nicht nur auf das deutsche Grundgesetz.

Von Seiten westlicher Islamkritiker, deren “Integrationsdebatte” eher  ein Ausgrenzungsdiskurs ist, wird die Vereinbarkeit des Islams, bzw. seiner Grundlage, des Qurans, mit westlichen Verfassungsordnungen angezweifelt – vermehrt seit den Ereignissen von 9/11, seither wird ja die Konstruktion des Feindbildes “Islam” verstärkt betrieben.

Gleichzeitig gibt es auch unter Muslimen Minderheitsmeinungen, die Verfassungen, die allgemeine Erklärung der Menschenrechte und Integration ausdrücklich ablehnen, sie als “Bida”, d.h. als unerlaubte Neuerung ansehen und für die Errichtung eines “Kalifates” eintreten.

Dabei, so erläuterte Norbert Müller, sieht man auch an den Staaten des “arabischen Frühlings” oder in der Türkei, dass sich unter demokratischen Gegebenheiten der Islam besser entfalten kann. Aber sowieso steht der Islam nicht im Widerspruch zur Demokratie, so Müller, ist doch das Prinzip der “Schura”, also der Beratung und der Partizipation aller gesellschaftlichen Gruppen dem Islam von Beginn an zu eigen gewesen. Die Muslime sind also ausdrücklich zur Beteiligung an der Gestaltung der Gesellschaft aufgerufen. Der Islam lehnt Despotie ausdrücklich ab und der heilige Quran ist ein Buch, das in allen Zeiten und unter allen Gegebenheiten Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen geben kann.

Die Rechtsstaatlichkeit als Prinzip einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung und als Schutz vor Willkür wurde im ersten islamischen Staat unter Regierung des Propheten Muhammed, s.a.s., eingeführt. Auch schützt der Islam ausdrücklich die Integrität des einzelnen Menschen, indem er das Recht über Leben und Tod ausdrücklich Gott zuschreibt. So dürfen Muslime nur in Ausnahmefällen andere Menschen töten.

Der heilige Quran sagt dazu:

Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels angeordnet, dass wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil im Lande angerichtet hat, wie einer sein soll, der die ganze Menschheit ermordet hat. Und wer ein Leben erhält, soll sein, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten. (…) (5: 32)

Der Islam gibt das Recht auf Widerstand gegen Unterdrückung, wie es auch das Grundgesetz in Artikel 20 gestattet. Auch sonst sind die Interessen die der Islam vertritt allgemeine Interessen wie die gesellschaftliche Gerechtigkeit und Bekämpfung von Armut.

Norbert Müller ging in seinem Vortrag noch auf die gegen die Religionsfreiheit gerichteten Strömungen der sogenannten “Islamkritik” ein, die den Islam als “feindselige Ideologie” darstellen. Islamfeindlichkeit hat seit 2001 zu über 200 Angriffen gegen Menschen geführt, etwas das gerne heruntergespielt wird.

In Hamburg ist die “Schura Hamburg” (http://www.schurahamburg.de/) als Rat der islamischen Glaubensgemeinschaften mit dem Senat in Verhandlungen zum Abschluß eines Staatsvertrages, der dazu führen soll, dass es islamischen Religionsunterricht, die Anerkennung islamischer Feiertage und kein Verbot von islamischer Bekleidung im öffentlichen Dienst geben soll.

Die Schura engagiert sich auch sonst politisch, indem sie zur Teilnahme an Demonstrationen aufruft, wie der am kommenden 2. Juni gegen einen Naziaufmarsch und vor Wahlen Parteivertreter zu Diskussionen über Themen einlädt, die für Muslime relevant sind.

Grundsatzerklärungen zum Islam in der deutschen Gesellschaft gibt es z.B. vom Zentralrat der Muslime in Deutschland als “Islamische Charta”: http://zentralrat.de/3035.php

oder auch bei der “Schura Hamburg”: http://www.schurahamburg.de/index.php?option=com_content&view=article&id=46&Itemid=60

Und hier noch ein Video von mir, eine der wunderschönen Koranrezitationen von Weltmeister Hassan Sadeghi auf der Tagung:

s. auch: http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2012/05/26/schon-wieder-islamisten-treffen-in-hamburg/

Volksverhetzung in der “Welt”: Der Iran, die Bombe und das religiöse Recht zu lügen

Volksverhetzung in der “Welt”: Der Iran, die Bombe und das religiöse Recht zu lügen

Bismillah

Ich würde ja gerne mal wieder was Anderes schreiben als Medienkritik, aber ich kann einfach nicht dazu  schweigen….

Das Strafgesetzbuch sagt:

§ 130
Volksverhetzung

(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder

2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Die “Welt” hat die Welt vorgestern mit einem Artikel (http://www.welt.de/politik/ausland/article106129819/Der-Iran-die-Bombe-und-das-religioese-Recht-zu-luegen.html) beglückt, in dem behauptet wird, dass shiitische Muslime jederzeit täuschen und lügen dürften, wenn sie um ihr Geld (!) oder ihr Leben fürchten müssen. Der Autor Hans Rühle behauptet:

…..Hinweis auf das nur im schiitischen Islam praktizierte Prinzip der „Taqiyya“. Es meint die vorsätzliche Täuschung als Selbstschutz und gilt für jeden Einzelnen wie auch für die Regierung.

In der Praxis heißt dies, dass jeder, der um Geld oder Leben fürchten muss, beliebig lügen kann, um Nachteile zu vermeiden. Dabei gibt es keine Beschränkungen. Das Prinzip der Taqiyya gilt immer und überall – selbst bei Glaubensfragen.

Hans Rühle ist nach Auskunft der Welt Sicherheitsexperte und ehemaliger Leiter des Planungsstabes im Bundesverteidigungsministerium. Diese Auskunft habe ich aus einem anderen Artikel, denn bei diesem wurde das nicht erwähnt. Es könnte ja jemand auf die Idee kommen, an der theologischen Qualifikation des Autors zu zweifeln.

Der Artikel behauptet, kurz zusammengefasst, dass jegliche Aussage der iranischen Regierung die die Absicht, dass Irans Atomprogramm anderen als zivilen Zwecken dient bestreitet, gelogen sein könne. Und zwar wird sowohl behauptet, dass der iranische Staatsgründer Ayatollah Khomeini

bereits 1984 die Entwicklung von nuklearen und chemischen Waffen angeordnet hat.

Sehr interessant, die Quellenangabe des Autors:

Dies ergibt sich aus einem der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA vorliegenden Bericht aus dem inneren iranischen Führungszirkel.

als auch: der damalige Regierungschef und jetziges Staatsoberhaupt und damit auch religiöser Führer Irans, Ayatollah Chamenei, habe damals erklärt:

er betrachte eine iranische Atombombe als den einzigen Weg, um die islamische Revolution zu schützen und das Land auf die Ankunft des Imam Mehdi vorzubereiten. Ein iranisches nukleares Arsenal sei, so Chamenei schließlich, eine Abschreckung in den Händen der Gotteskrieger.

Auch hierzu hat die “Welt” eine interessante Quellenangabe:

Bestätigt wird diese Entwicklung durch die Informationen eines CIA-Agenten, der über einen Zeitraum von zehn Jahren aus dem Innenleben der Revolutionären Garden berichtet hat. In einer Meldung aus der zweiten Hälfte des Jahres 1984, mitten also im Krieg zwischen dem Iran und dem Irak (1980 bis 1988), wird auf die Erkenntnis der Garden Bezug genommen, dass Saddam Hussein sich mit allen Mitteln Nuklearwaffen beschaffen wolle.

„Dementsprechend“, so der Bericht des Spions mit dem Decknamen „Wally“, „haben die Revolutionären Garden mit Zustimmung von Imam Khomeini begonnen, Nuklearwaffen verfügbar zu machen.“

Ich habe die “Welt” angeschrieben und zu diesem und anderen Punkten um Belege gebeten. Wie sich sicherlich herumgesprochen hat, hat  Ayatollah Chamenei wiederholt den Besitz und Einsatz von Atom- und anderen Massenvernichtungswaffen als religiös verboten erklärt. Ich hab das schon häufiger zitiert, hier ist es mal auf einem Video zu sehen und zu hören:

Der Artikel in der Welt behauptet, dass solche Aussagen schlicht keine Relevanz hätten, denn

Dieser scheinbar fundamentale Widerspruch zwischen Taten und Rhetorik kann in der Welt des real existierenden Iran problemlos aufgelöst werden. Obwohl im Gottesstaat Iran das Religiöse eine besondere Bedeutung hat, stehen bei wichtigen Entscheidungen die Staatsinteressen über den religiösen Geboten des schiitischen Islam.

Khomeini hat dieses Prinzip in einer Serie von Briefen in den Jahren 1987 und 1988 gegenüber dem damaligen Präsidenten Khamenei und dem Wächterrat statuiert. Darin stellt er unmissverständlich fest, dass die Regierung der Islamischen Republik sowohl die Zerstörung einer Moschee anordnen als auch die Befolgung der fünf Grundpflichten des Islam (Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten, Gabe von Almosen, Pilgerreise nach Mekka) außer Kraft setzen könne, wenn es das Staatsinteresse gebiete.

Alle Aussagen und Unterschriften der iranischen Regierung unter internationale Verträge hätten keine Substanz, denn:

Da die iranische Regierung immer befürchten musste, dass ihre im nationalen Interesse liegende Ausrüstung mit Nuklearwaffen durch massiven politischen Druck, Sanktionen oder Interventionen verhindert werden könnte, ist das Bestreiten der Nuklearrüstung also ein Täuschungsverhalten zum Selbstschutz. Daran hat sich nichts geändert. Es darf also weiter gelogen werden.

Dies gilt im Übrigen auch dann, wenn die Lüge die Qualität einer Fatwa hat. Eine Fatwa ist jederzeit veränderbar. Khomeini, der im Iran noch immer Maßstab für alles und jeden ist, hat mehrfach seine Fatawa (Plural von Fatwa, d. Red.) verändert und nicht selten ins Gegenteil verkehrt. Die iranische Führung könnte daher problemlos und zu jedem beliebigen Zeitpunkt eine neue Lage schaffen.

Hier wird also der Eindruck erweckt, dass die islamische Republik Iran, ein Staat der in seiner kurzen Geschichte ständig sanktioniert und in einem 8jährigen Krieg gegen den Diktator seines Nachbarlandes Irak mit Massenvernichtungswaffen attackiert wurde – unter Duldung oder sogar mit Unterstützung durch Waffenlieferungen durch die westliche Welt – absolut unglaubwürdig und unzuverlässig sei und Massenvernichtungswaffen anstrebe. Dabei hat Iran nicht einmal in diesem schlimmen Krieg solche Waffen eingesetzt.

So steht also das Land auf jeden Fall am Pranger. Aber stimmt es denn, was der Autor über “Taqiyya” zu wissen glaubt? Natürlich nicht, denn dieser Begriff bedeutet:

Die Verstellung [taqiyya] ist eine im Islam erlaubte Methode zur Verheimlichung des eigenen religiösen Bekenntnisses wenn das eigene oder anderes Leben oder der Bestand des Islambedroht ist. Da letzteres nach übereinstimmender Meinung aller Gelehrten, Faqih, nur in der Anfangszeit des Islam der Fall war, ist nur noch die Bedrohung von Leben die Ausnahmesituation, in der ein Muslim seinen Glauben öffentlich verleugnen und damit lügen darf, was ihm sonst strengstens verboten ist.

Zu finden ist diese Erklärung bei eslam.de, ich habe das ganze Thema schon vor längerer Zeit einmal erläutert: http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/page/2/?s=taqiyya

Die “Taqiyya” bedeutet also nichts als die Erlaubnis, seinen Glauben zu verleugnen, wenn das Leben bedroht ist. Es bezieht sich auf diesen Koranvers:

Wer Allah verleugnet, nachdem er geglaubt – den allein ausgenommen, der gezwungen wird, indes sein Herz im Glauben Frieden findet – jene aber, die ihre Brust dem Unglauben öffnen, auf ihnen ist Allahs Zorn; und ihnen wird eine strenge Strafe. (Qur’an, Sura an-Nahl, Aya 106)

Alle Erklärungen, Lügen sei im Islam aus Gründen des Eigennutzes oder der Staatsräson erlaubt sind also die wirklich Lüge. Es geht nur um das Verleugnen des Glaubens und dass Ayatollah Chamenei oder andere Führungspersönlichkeiten der Islamischen Republik Irans ihre Religionszugehörigkeit verleugnen wollten, kann ja wohl niemand ernstlich behaupten.

Es bleibt also vom Artikel der “Welt” keine Substanz – auch wenn mich genauere Quellenangaben des Autors zu manchen Behauptungen natürlich interessieren – von “Taqiyya” der Führungspersonen kann keine Rede sein. Ich kann hier nicht auf allen Unsinn, wie z.B. das angebliche Aussetzen religiöser Pflichten, eingehen.

Dass natürlich außerdem der ganze Zirkus um das iranische Atomprogramm auch ein Vorwand ist, gegen Iran als ein souveränes Land, das seinen eigenen weltanschaulichen Weg geht und sich weigert sich dem Diktat von Kapitalismus und Imperialismus zu unterwerfen ist, das wissen informierte Geister sowieso. Für die anderen hier nur ein paar einführende Artikel:

http://irananders.de/analysen/news-analysen/article/irans-nukleare-ambitionen-und-ihre-unklarheiten.html

http://irananders.de/home/news/article/iran-die-iaea-und-die-aktuellen-anschuldigungen.html

Ja, die “Welt” betreibt also in gewohnter Weise Kriegshetze. Aber betreibt sie auch Volksverhetzung? Für mich ist das offensichtlich denn, wie in  obigem Artikel des Strafgesetzbuches erläutert ist, wird:  gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe  zum Hass aufgestachelt, bzw. die Menschenwürde anderer dadurch anggegriffen, dass eine vorbezeichnete Gruppe  oder einen Einzelner wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet wird.

Das ist für mich ganz klar. Hans Rühle ist vorsichtig und behauptet nicht, dass alle Muslime lügen. Aber alle shiitischen Muslime sind potentielle Lügner und ihnen ist nicht zu trauen, denn, ich wiederhole noch einmal das Zitat von oben:

…..Hinweis auf das nur im schiitischen Islam praktizierte Prinzip der „Taqiyya“. Es meint die vorsätzliche Täuschung als Selbstschutz und gilt für jeden Einzelnen wie auch für die Regierung.

In der Praxis heißt dies, dass jeder, der um Geld oder Leben fürchten muss, beliebig lügen kann, um Nachteile zu vermeiden. Dabei gibt es keine Beschränkungen. Das Prinzip der Taqiyya gilt immer und überall – selbst bei Glaubensfragen.

Natürlich stimmt, abgesehen von der sinnentstellenden Definition des Begriffes nicht, dass “Taqiyya” nur für shiitische Muslime erlaubt wäre. Der obige Koranvers erlaubt das natürlich allen Muslimen. Aber eben nur die Verleugnung des Glaubens bei Lebensgefahr.

Gläubige, praktizierende Muslime bemühen sich um einen hoch moralischen Lebenswandel. Eine Überlieferung unseres Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm, sagt:

Die Dinge, die auf der Waagschale am Tage des jüngsten Gerichts am schwersten wiegen sind Gottesfurcht und guter Charakter. 

Das Lügen wird im heiligen Koran direkt im Zusammenhang mit der Götzenanbetung genannt (aus der Sure 22:30):

So meidet den Greuel der Götzen, und meidet die falsche Aussage

Also ich als shiitische Muslima fühle mich durch die Aussagen Hans Rühles beleidigt und verleumdet und außerdem stachelt er zum Hass gegen unsere Glaubensgemeinschaft auf.  Die einschlägigen Islamhasserseiten, aber auch ahnungslose andere Betreiber von websites haben den Artikel von Herrn Rühle zitiert und kommentiert. Ob die wohl einen Hass auf Shiiten entwickeln? Ob sich eine Strafanzeige lohnt? Ist auf unser Rechtssystem Verlaß? Ich hab da meine Zweifel, aber ich denke darüber nach. Erst einmal warte ich, ob Herr Rühle auf meine Fragen zu seinen Quellen Antwort gibt.

 

Aus meinem Bücherregal – 2 -

Aus meinem Bücherregal – 2 -

Bismillah

Wer den Islam verstehen will, muss sich mit dem Propheten, Muhammad, s.a.s., der als letzter mit Gottes Botschaft gesandt wurde, beschäftigen. Meine Bücher dazu:

Ein Überblick, keine Biographie im eigentlich Sinn, von einem Nichtmuslim, Hartmut Bobzin – wohlwollend und mit vielen Erläuterungen zu den geschichtlichen Gegebenheiten im Arabien zu Zeiten Muhammads, s.a.s.:


Wohl die älteste Biographie, von Muhammad Ibn Ishaq, aus dem 8. Jahrhundert nach christlicher Zeitrechnung. Übersetzt von Gernot Rotter und dabei auch gekürzt – im Interesse der Lesbarkeit.  Ist schön zu lesen, mit vielen Gedichten über geschichtliche Ereignisse.

Martin Lings, auch in gut lesbarer Sprache geschrieben und sehr umfangreich:

noch ein Werk einer Nichtmuslima, Karen Armstrong:

und hier noch ein Buch über die Lebensweise des Propheten, s.a.s., sein vorbildhaftes  Verhalten in den unterschiedlichen Lebensphasen und Situationen:

Gerade das letzte Buch empfehle ich unbedingt als Ergänzung zu den Biographien – die alle in einigen Punkten fehlerhaft sind. So wird überall beschrieben, dass der Prophet, s.a.s., vom Engel Gabriel sozusagen gewürgt werden musste um die ersten Verse des Koran zu rezitieren. Er habe sich launisch gegenüber Behinderten verhalten. Ebenso sind Überlieferungen über den Onkel des Propheten, Abu Talib falsch – es wird behauptet, dass er kein Muslim geworden sei, womit man ihm ein großes Unrecht tut. Auch die erste Ehefrau Muhammads, s.a.s. – Chadidscha. a.s. – seine wirkliche Lieblingsfrau – wird als zweimal vorher verheiratet bezeichnet, woraus sie Kinder mitgebracht hätte – oder sie habe mit dem Propheten mehrere Töchter gehabt – während nur eine Tochter, Fatima, a.s. seiner Kinder überlebt hat. Es ist bekannt, dass viele Überlieferungen aus dem Leben des Propheten, s.a.s., gefälscht wurden um seine hohe Stellung und die seiner Familie zu entwerten. Auch die angebliche Heirat mit Aisha, als sie erst neun Jahre alt gewesen sein soll, ist sehr fragwürdig.

Deshalb liegen die verschiedenen Rechtsschulen, was die Bewertung der Zuverlässigkeit mancher Überlieferer angeht, auseinander.Ayatollah Motahharis Buch räumt mit jeglicher Unlogik in diesem Zusammenhang auf.

Hier habe ich kurz ein Buch über die westliche Kritik am Propheten besprochen


Aus meinem Bücherregal – 1 -

Aus meinem Bücherregal – 1 -

Bismillah

Ich hab gerade die Tagespolitik satt – nicht mal schriftlich darüber schimpfen mag ich noch. Da dachte ich mir so, ich könnte ja mal anfangen, was ich mir schon länger vorgenommen habe, nämlich mal ein paar Bücher aus meinem “Islamregal” vorstellen. Einfach nur mal so – vielleicht hat jemand Lust die auch mal zu lesen.

Z.B. Diese beiden Büchlein (sie sind nicht sehr umfangreich) waren glaub ich das erste, was ich in die Finger bekam, als ich anfing mich über den Islam zu informieren. Beide geschrieben von Murad Hoffmann, einem ehemaligen Botschafter in Marokko und seit langer Zeit konvertiertem Deutschen. Das sind zwei Bücher, die ich als ersten Überblick über islamische Geschichte und über den heiligen Koran – interessant über die Offenbarungsanlässe und die Art wie er zusammengestellt wurde zu lesen – empfehlen kann. Obwohl es theologisch doch ein paar Unterschiede gibt in dem wie der sunnitische Bruder den Propheten, s.a.s. beschreibt. Aber das ist für den Anfang nicht sooooo wichtig. Beide Bände erschienen bei Diederichs.

Eine Koranübersetzung muss natürlich auch dabei sein – ich hab einige – im Moment finde ich diese am besten:

Man kann den Koran nicht wirklich übersetzen, sondern nur die ungefähre Bedeutung ausdrücken. Das ist es ja, was von vielen Islamhassern benutzt wird, dass sie schlechte Übersetzungen nehmen und dann, ohne den geschichtlichen Zusammenhang und den Offenbarungsanlaß zu erwähnen, Behauptungen aufstellen in der Art: “alle Ungläubigen gehören umgebracht”. Das ist natürlich Quatsch. Amir Zaidan, der diese Übersetzung gemacht hat, bemüht sich um größtmögliche sprachliche Genauigkeit und lässt manche Worte lieber unübersetzt, die man einfach nur umschreiben kann. Diese Ausgabe seines “Tafsir” ist ein echter Wälzer, weil sie Arabisch, Deutsch und Lautschrift enthält. Es gibt eine Vorgängerversion nur in Deutsch, aber diese ist noch mal überarbeitet. Hrsg.: Islamologisches Institut und es soll der erste Band einer islamologischen Enzyklopädie sein.

Wie gesagt: keine Übersetzung kann das Original wirklich erfassen, darum ist es wichtig, eine Übersetzung mit Erläuterungen zu lesen, oder sich erklären zu lassen. Sonst kommen all diese Missverständnisse auf, die zu Feindseligkeiten führen.

Aus shiitischer Sicht sind auch viele Stellen schlecht übersetzt – aber das ist erstmal mehr ein internes Problem der Muslime. Es gibt Übersetzungen, die gängiger zu lesen sind, aber die sind dann wiederum oft noch schlechter in der Qualität.

Berichte über den Haj, die große Pilgerfahrt, lese ich immer mit Begeisterung und Sehnsucht. Hier die Erzählung von Ilja Troganow, der im Jahr 2003 gepilgert ist. Also in neuer Zeit – frühere Pilger hatten es nicht so komfortabel – aber dieses ist schön zu lesen und man gewinnt  dabei viel Wissen über die Religion, über den Sinn und die Geschichte der Pilgerfahrt, über persönliche Erfahrungen des Pilgers und über die Atmosphäre, wenn Millionen Muslime zur gleichen Zeit diese Rituale durchführen. Piper Verlag, 2004

Das ist was Nettes: ein Büchlein über Goethes Beziehung zum Islam mit der Schlußfolgerung, dass auch Goethe ein Muslim gewesen sei. Nun erheben verschiedene Glaubensrichtungen den Anspruch auf Goethes Zugehörigkeit und in seinem Werk findet sich wiederum auch vieles, was dieser These widerspricht. Allerdings hat Goethe vieles vom Islam verstanden und darüber auch gedichtet. Das ist ein schönes kleines Buch, das uns daran erinnert, wie aufgeschlossen vor 200-300 Jahren die viel beschworenen “Dichter und Denker” unserer “jüdisch-christlichen” Wurzeln, dem Islam gegenüberstanden.

Dieses ist nun nichts zum schnell mal durchschmökern: die zwei Bände Nadsch-ul-Balagha sind enthalten Predigten, Briefe und Reden von Imam Ali, a.s., Cousin, Vertrauter und Schwiegersohn des Propheten Muhammad, s.a.s. Aus shiitischer Sicht war er zum direkten Nachfolger bestimmt – geworden ist er Kalif erst nach seinen drei Vorgängern. Die Sunniten sehen in ihm den vierten rechtgeleiteten Kalifen, für Shiiten ist er der legitime Nachfolger und der “Befehlshaber der Gläubigen”.

Die Bücher enthalten eine riesige Menge an Weisheiten- vom Gottesdienst über Politik zu Naturwissenschaft. Der Prophet, s.a.s., hat über Imam Ali, a.s., gesagt: “Ich bin die Stadt des Wissens und Ali ist das Tor dazu”. Imam Ali hat seine Gefährten immer wieder aufgefordert ihn alles zu fragen, solange er am Leben sei. Er wurde auch in den Zeiten, in denen er nicht regierte, viel um Rat gefragt, später, während seiner Regierungszeit gab er Anweisungen an seine Statthalter in dem inzwischen riesigen islamischem Reich. Und seine Betrachtungen über die Natur sind umwerfend. Damit man den Zusammenhang der Reden verstehen kann, gibt es viele Fußnoten und Erläuterungen. Beim haditec-Verlag erschienen, wie noch viele von meinen Büchern, die ich aber nicht alle auf einmal vorstellen kann.

Tja, das reicht für´s erste glaub ich. Einige Bücher hatte ich hier ja schon mal vorgestellt:

über den großen Dschihad, der nicht das ist, was man uns hier gerne einreden will.

Mohammed und die abendländische Kritik ein Rundumschlag gegen alle bösartigen oder unwissenden Kritiker des Islam.

So, das war der erste kleine Stapel aus dem Islamregal. Mehr folgt inschallah, wenn es Euch gefällt.

Ich mach aber jetzt mal ein paar Tage Pause, morgen steht Besuch in´s Haus und entsprechend wenig Zeit werde ich haben.

Der Islam ist gefährlich, Teil 3

Der Islam ist gefährlich, Teil 3

Bismillah

Der Islam ist gefährlich auch für Politiker, die das ihnen anvertraute Eigentum des Staates, also der Bürger, verschwenden oder leichtfertig auf´s Spiel setzen. Imam Ali, a.s., schrieb an Ashath ibn Qais, den Gouverneur von Aserbaidschan:

Wahrlich, Dein Amt ist kein Leckerbissen für dich, sondern es ist ein auf dir lastendes Anvertrautes und du wurdest als Hüter eingesetzt von denen, die über dir stehen. Es steht dir nicht zu, dass du willkürlich herrschst, noch dass du Risiken eingehst ohne starke Gründe. In deinen Händen befindet sich Geld, dass zum Eigentum Allahs des Mächtigen und Erhabenen gehört und du bist ein Schatzmeister davon, bis du es mir übergibst,  auf dass ich keiner der schlechten Herrscher für dich sei. Und Friede sei mit dir

Dem vorausgegangen war, dass dieser Ashath ibn Qais die Steuergelder seiner Provinz für sich behalten wollte.

Welch ein Unterschied zu einer Politik, die Staatsgelder rauswirft um Kapitalisten zu retten, die trotz aller Ausbeutung ihre Firmen in den Ruin gewirtschaftet haben. Welch ein Unterschied zu denen, die den Staat so verschulden, dass viele Generationen das bezahlen müssen?

Apropos Ausbeutung: Imam Ali, a.s., lebte nicht von den Steuergeldern, obwohl er Herrscher über ein inzwischen riesiges Reich war. Er verdiente seinen bescheidenen Lebensunterhalt als Landarbeiter. Und – damals gab es noch ganz offizielle Sklaverei – die Sklavenbesitzer waren verpflichtet, ihre Sklaven genauso zu ernähren und zu kleiden wie sich selber und ihnen einen Lohn zu zahlen, damit sie sich frei kaufen konnten. Zu schwere Arbeit durften sie nicht verrichten, ohne dass ihre Besitzer ihnen helfen mussten.

Der Islam befürwortet die Sklaverei nicht, aber hat sie auch nicht sofort verboten. Über die o.g. Maßnahmen, und weil es eine gute Tat ist, Sklaven freizukaufen, hat sich das Thema nach und nach erledigt.

Heute haben wir moderne Sklaverei in der Milliarden Werktätiger, angeblich freie Menschen, unter Bedingungen leben, für die man sich damals geschämt hätte.  Aber die Ausbeuter sehen ja auch ihre Sklaven nicht mehr, sie sind Aktionäre der ausbeutenden Firmen und müssen das Leid nicht wahrnehmen, das ihnen ihre Milliarden verschafft. Und wir etwas besser lebenden europäischen Arbeitssklaven profitieren auch vom Elend derjenigen, die uns unsere billigen Importprodukte herstellen.

Wenn heute alle ungefähr gleich ernährt und gekleidet wären, dann müssten sich eine Menge Menschen, auch wir,  beschränken, damit es gerecht zugeht. Ganz schön gefährlich der Islam, der eine solche Welt anstrebt!

Quelle der Überlieferung