“Von der Landkarte löschen” – Beispiel für die Qualität unserer (Springer)Medien

“Von der Landkarte löschen” – Beispiel für die Qualität unserer (Springer)Medien

Bismillah

Manche Medien sind sich einfach für nichts zu schade. Altbekannte und gerügte Lügen wieder und wieder verbreiten. Wenn man mit Dreck wirft, wird schon irgenwas hängenbleiben. Beispiel:

Hamburger Abendblatt am 20.1.:

Rivalen Ahmadinedschad und Chamenei
Im Iran tobt ein erbitterter Kampf um die Macht

20.01.2012, 06:30 UhrThomas Frankenfeld

Die Führungskräfte von Staat und Religion im Iran zeigen nach außen Geschlossenheit, doch sie sind erbitterte Gegner im Kampf um die Macht.

Hamburg. Nach dem Mord an dem iranischen Nuklearwissenschaftler Mostafa Ahmadi Roshan hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad umfassenden Schutz für alle wichtigen Mitglieder der iranischen Atomindustrie angeordnet. Professor Roshan, Vizedirektor der Urananreicherungsanlage in Natans, war am 11. Januar in Teheran ums Leben gekommen – unbekannte Attentäter auf einem Motorrad hatten eine magnetische Bombe an seinen Wagen geheftet. Er war mindestens der vierte namhafte Nuklearexperte, der bislang im Iran einem Attentat zum Opfer gefallen ist.
Das Mullah-Regime geht davon aus, dass der israelische Geheimdienst Mossad, unterstützt von den USA, hinter den Morden steht. Der Westen verdächtigt den Iran, an der Entwicklung der Atombombe zu arbeiten. Und Ahmadinedschad hat immerhin gefordert, Israel “von der Landkarte zu löschen”.
Eigentlich ist hier eine Beschwerde bei Presserat fällig, erfahrungsgemäß finden die aber tausend Ausreden, so etwas nicht zu rügen. Für die, die diese Lüge immer noch glauben:

Jonathan Steele über das angebliche Zitat des iranischen Präsidenten

‘Wipe off the Map’ als Fälschung bestätigt

Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Wir haben uns mehrfach mit den verfälschenden Übersetzungen in Zusammenhang mit Äußerungen des iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad befaßt und gezeigt, daß es dabei um psychologische Kriegsführung und das zu schaffende Feindbild Iran geht. Nun hat die Debatte über die Fälschungen auch die englischsprachigen Mainstream-Medien erfaßt.Jonathan Steele schreibt am 2.6.2006 in ‘The Guardian’:>>Es ist 50 Jahre her seit dem berühmten falschen Zitat des Kalten Krieges. Bei einem Empfang des Kreml für westliche Botschafter im Jahre 1956 kündigte der Sowjetische Führer Nikita Chruschtschow an: “Wir werden Euch begraben.” (We will bury you) Diese vier Wörter wurden von den amerikanischen Falken als Beweis für die aggressiven sowjetischen Absichten aufgefaßt… Chruschtschow sagte tatsächlich: “Ob Sie es mögen oder nicht, die Geschichte ist auf unserer Seite. Wir werden Euch begraben.” Es war eine harmlose Prahlerei über den eventuellen Sieg des Sozialismus im ideologischen Wettbewerb mit dem Kapitalismus. Er hat nicht über Krieg gesprochen…

Nun haben wir eine ähnlich propagandistische Entstellung einer Äußerung vom Präsidenten des Iran. Fragen Sie irgendwelche Leute in Washington, London oder Tel Aviv, ob sie einen von Mahmud Ahmadinedschad geäußerten Satz zitieren können. Die Chancen stehen gut, daß sie sagen, er wolle Israel dem Erdboden gleichmachen (‘wipe off the map’ – wörtlich übersetzt: ‘von der Landkarte tilgen’).

Wieder sind es vier kurze Wörter… Doch die Formulierung ist falsch, ganz einfach und simpel. Ahmadinedschad hat sie nicht ausgesprochen. Farsi Sprechende haben dargelegt, daß er falsch übersetzt worden ist. Der iranische Präsident hat eine frühere Äußerung des ersten islamischen Führers, des späteren Ayatollah Khomeini, zitiert, daß “das Besatzungsregime von Jerusalem von den Seiten der Geschichte verschwinden müsse” (this regime occupying Jerusalem must vanish from the page of time), so wie das Schah-Regime im Iran verschwinden mußte.Er hat keine militärische Drohung ausgesprochen. Er hat dazu aufgerufen, die Besatzung von Jerusalem zu einem Zeitpunkt in der Zukunft zu beenden… Aber der propagandistische Schaden war entstanden, und die westlichen Falken brachten den iranischen Präsidenten in Beziehung zu Hitler, als ob er die Juden ausrotten wolle. Bei der jüngsten jährlichen Zusammenkunft des ‘American Israel Public Affairs Committee’, einer machtvollen Lobby-Gruppe, schalteten riesige Bildschirme zwischen zwei Bildern hin und her – Ahmadinedschad mit dem falschen Zitat ‘wiping off the map’ und ein sich ereifernden Hitler.<<

weiter bei der Neuen Rheinischen Zeitung: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=1747
Das ist nun wirklich ein alter Hut und es ist empörend, dass es immer noch deutsche Medien gibt, die diesen Müll wieder hervorkehren. Besonders schlimm finde ich allerdings, dass die Morde an iranischen Wissenschaftlern damit unterschwellig gerechtfertigt werden.
Der weitere Artikel des Hamburger Abendblattes ist ein Wust aus Spekulationen über iranische Innenpolitik, der vor allem davon zeugt, dass die Redaktion keine Ahnung hat und auch keine Lust sich zu informieren, wie der Iran von innen funktioniert. Ein bisschen amüsant dazu, dass auch Frau Clinton entsprechend zitiert wird:
Und US-Außenministerin Hillary Clinton meinte: “Wir sind nicht ganz sicher, wer eigentlich die Entscheidungen im Iran trifft.”
Frau Clinton, ich empfehle Ihnen diese Artikel, da ist alles leicht verständlich erklärt:
Vielleicht sollten Sie auch mal hierauf hören:
Und weil es gerade so schön passt: Präsident Ahmadinejads angebliche Holocaust-Leugnungen sind ja ebensolche Presseenten. Gefährliche Enten, denn sie dienen der Kriegshetze. Ich hab mir vor einer Weile mal die Mühe gemacht, alle Ahmadinejad-Reden daraufhin zu überprüfen. Die Reden sind öffentlich zugänglich auf seiner website: http://www.president.ir/en/ und auf Seiten der iranischen Medien natürlich. Was ich gefunden habe ist natürlich massive Zionismus-Kritik mit für uns ungewohnter scharfer Rhetorik. Das macht die Kritik darum aber nicht falsch.  Das was als “Leugnung” des Holocausts bezeichnet wird, sind rhetorische Fragen im Sinne von: “Wenn der Holocaust stattgefunden hat, warum darf dazu nicht weiter geforscht werden?”. An anderer Stelle sagt Ahmadinejad ganz klar, dass der Holocaust eine historische Tatsache ist, fragt aber: “was können die Palästinenser dafür?”
Zwei berechtigte Fragen: warum wehrt man sich gegen weitere Forschung zum Holocaust? Könnten unangenehme Dinge zutage kommen, schlimmer als es für uns Deutsche sowieso schon ist? Oder können vielleicht Verstrickungen aufgedeckt werden, die für andere unangenehme wären? Die jüdische Zeitschrift “Der Israelist” hat hin und wieder interessante Informationen: http://www.derisraelit.org/
Zum o.g. Artikel im Hamburger Abendblatt kann man übrigens keine Kommentare schreiben. Die wissen schon warum. Auch bei einem anderen Springer-Medium mag man keine kritischen Kommentare:
Die Welt|
Leitartikel
Autor: Richard Herzinger| 18.01.2012
Abwarten hilft nicht
Im Atomstreit mit Teheran deutet vieles auf einen Showdown noch in diesem Jahr hin. Angesichts eines immer aggressiveren iranischen Regimes darf sich der Westen nicht von einer harten Gangart abbringen lassen

Das Regime der Islamischen Republik Iran bleibt bei seinem sattsam bekannten Doppelspiel. Einerseits provoziert es den Westen mit wüsten Drohungen wie der, im Falle weiterer internationaler Sanktionen wegen seines Atomprogramms die Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr zu sperren. Andererseits will es nun wieder Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde ins Land lassen und erklärt sich – allerdings unverbindlich – zu neuen Gesprächen über seine nukleare Produktion bereit.

Seit vielen Jahren sind die islamistischen Theokraten in Teheran mit dieser Art von plumpen Verwirrungsmanövern durchgekommen. Auch jetzt setzen sie darauf, die Ausweitung von Strafmaßnahmen insbesondere durch die EU in einer Kombination aus Einschüchterung und scheinbarem Einlenken zu hintertreiben und hinauszuzögern, um weitere Zeit für die Entwicklung ihrer nuklearen Kapazität zu gewinnen. Dabei ist es ihr Ziel, unbeschadet den point of no return zu erreichen: den Zustand, in dem die Welt davon ausgehen muss, dass der Iran innerhalb kurzer Zeit eine Atombombe bauen könnte. Ob es dies tatsächlich tun würde, wäre dann fast zweitrangig. Schon mit der bloßen Möglichkeit, den letzten Schritt in die Atombewaffnung zu gehen, wäre das iranische Regime in der Lage, seine Kontrahenten innerhalb und außerhalb des Nahen Ostens in ähnlicher Weise zu erpressen, wie das im asiatischen Raum bereits Nordkorea praktiziert.

Der US-Administration unter Barack Obama und selbst den meisten europäischen Regierungen, die sich zu lange an die Hoffnung auf Vernunft und Einsichtsfähigkeit “gemäßigter Kreise” im Teheraner Herrschaftsapparat geklammert haben, wird nun langsam klar, wie nahe der Tag schon sein könnte, an dem dieser Albtraum Wirklichkeit wird. Entgegen der Kalkulation des iranischen Regimes, das dem vermeintlichen Weichling Obama ein solches Wagnis nicht zutraute, scheint Washington mittlerweile entschlossen zu sein, von der militärischen Option Gebrauch zu machen, sollte Teheran nicht durch andere Mittel dazu gebracht werden, überprüfbar von seinen Atomwaffenplänen abzurücken. Mit einer solchen spektakulären Kehrtwende aber ist realistischerweise nicht zu rechnen.

Vieles deutet somit auf einen Showdown noch im Laufe dieses Jahres hin. Dementsprechend mischen sich in die iranischen Reaktionen Anflüge von Panik. Bereits von den bisher verhängten Sanktionen ist das Regime schwerer angeschlagen, als es das jemals zugeben würde. Die von den USA bereits beschlossenen und von der EU geplanten erweiterten Strafmaßnahmen aber würden nunmehr unmittelbar die Ölproduktion und den Ölexport des Iran, also die Lebensader der iranischen Wirtschaft beeinträchtigen – und damit das Regime in seinen Grundfesten erschüttern.

weiter : http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article13820581/Abwarten-hilft-nicht.html

Herr Herzinger mit dem “showdown” meinen sie sicherlich einen Angriff auf Iran. Nur sind wir hier nicht im Hollywood-Western und die Cowboys nicht die Guten.  Kriege brechen auch nicht aus, sondern werden gemacht, von Leuten, die sie als “showdown” verharmlosen.
Es ist allerdings interessant, dass die Kommentare bei der “Welt” selber zensiert werden, aber beim kleinen Bruder “Welt-kompakt” durchgehen. So wie dieser von mir z.B.:
Dieser Artikel ist eines der übelsten Beispiele von Kriegshetze und einer Weltsicht, die nicht nur westlich gepräft ist, sondern auch die Fehler, wenn man nicht Verbrechen sagen will, des Westens völlig ausblendet. Er ist auch entlarvend, was das eigentliche Ziel ist: der Sturz des iranischen Systems, das immer ein Dorn im Auge war, seit in den 50er Jahren Iran das erste mal die Kontrolle über seine Ressourcen zurückerobert hat – woraufhin ja auch sein demokratisch gewählter Regierungschef ermordet wurde. Iran nun Destruktivität in Irak, Afghanistan und Pakistan vorzuwerfen, tut direkt weh. Irak hat unter westlicher Unterstützung 8 Jahre  Krieg gegen Iran geführt, mit widerlichsten Waffen – Iran hat darauf nicht mit den gleichen Mitteln reagiert. Und für die 1,4 Millionen Toten im Irak seit amerikanischer Machtübernahme, kann man Iran wohl auch kaum verantwortlich machen. Taliban und AlQaida sind auch Kinder der amerikanischen Politik – und da wirft man Iran Provokation vor, nur wenn es seine hoheitlichen Rechte über die Straße von Hormus in Anspruch nehmen will? Dazu werden alle Kompromisse im “Atomstreit” denen Iran zugestimmt hat, von den USA zum Scheitern gebracht. Und dann sollen wir die westliche Politik als friedensstiftend anerkennen? Ob uns nun das iranische System gefällt oder nicht, Iran ist ein souveränes Land mit verbrieften Rechten, auch aus dem NPT, dessen Verpflichtungen Iran erfüllt – darüber hinaus kann man rechtmäßig nichts verlangen. Imperialistische Politik braucht allerdings kein Gesetz – dass allerdings unsere Regierung (und unsere Medien) eine solche Politik bedingungslos unterstützen, ist eine Schande für unser demokratisches Europa.
Pressefreiheit? Warum gibt es bei uns praktisch keine kritischen Stimmen zur Regierungspolitik, die nicht die eines souveränen Staates ist?

3 Antworten »

  1. Pingback: Innere Kündigung « Meryems Welt

  2. salam ..با دلی سرشار از تالم و تاثر، سالگرد رحلت جانسوز پیامبر نور و رحمت، بهانه خلقت، حضرت محمد مصطفی(ع) و شهادت کریم اهل بیت، حضرت امام حسن مجتبی(ع) و شهادت ثامن الحجج، حضرت علی بن موسی الرضا(ع) را تسلیت عرض نموده و پیشا پیش طیب الله انفسکم به حضور حضرت حجت الاسلام والمسلمین حاج آقای مشکور کابلی پیشکش می نمایم من جانب ((علی حبیبی ))

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