Archiv für den Monat Januar 2012

Starke Frauen im Islam (Teil 9): Fausia Kufi – eine Frau verändert Afghanistan (Buchbesprechung)

Starke Frauen im Islam (Teil 9): Fausia Kufi – eine Frau verändert Afghanistan (Buchbesprechung)

Bismillah

Dies ist eigentlich eine Buchbesprechung, die Lebensgeschichte von Fausia Kufi passt aber gut in die Reihe. Fausia Kufi ist Parlamentsabgeordnete im afghanischen Parlament und ihr Buch entstand aus Briefen, die sie an ihre Töchter schreibt, wenn sie auf Reisen geht – da sie ununterbrochen unter Todesdrohungen der Taliban lebt, weiß sie nie, ob sie zurückkehren wird. So schreibt sie an ihre Töchter über ihre Liebe zu ihnen, aber auch zu ihrem Land und versucht ihre Werte zu vermitteln und zu erklären, warum sie nicht nur einfach Mutter sein kann. Um diese Briefe herum rankt sich ihre Lebensgeschichte und die ist wirklich atemberaubend.

Fausia Kufi stammt aus Badachschan, das ist ein Provinz im Norden Afghanistans und eines der abgelegendsten und  ärmsten Gebiete des Landes. Sie wird als 19.  von 23 Kindern ihres Vaters geboren, der insgesamt sieben Frauen hatte – nie mehr als vier zur Zeit, wie es islamisch vorgeschrieben ist. Ihre Mutter ist die zweite Ehefrau des Vaters, Herrscherin über den Haushalt und sein Liebling – das heißt aber nicht, dass er sie nicht schwer mißhandelt, so schwer, dass ihre Hände von Schlägen verkrüppelt sind. Ein normales Verhalten im Afghanistan der 70er Jahre und kein Grund für Fausias Mutter, ihren Mann nicht zu lieben. Fausia ist das 8. Kind ihrer Mutter, die zu der Zeit schwer erschöpft ist und sie wird geboren, als ihre Mutter mit anderen Angehörigen des Haushalts auf die Sommerweiden gezogen ist – eigentlich eine gute Zeit, in der die Frauen den Haushaltspflichten entkommen.

Aber Fausia ist ein Mädchen und ihre Mutter deprimiert, weil ihr Ehemann sich seiner neuesten, jüngsten Frau zugewandt hat. Sie will dieses Kind nicht und fordert die Hebamme auf, es in die Sonne zu legen, damit es dort stirbt. Fausia stirbt aber nicht, und als sie nach einem Tag in der prallen Sonne überlebt hat – mit Verbrennungen dritten Grades im Gesicht – bereut ihre Mutter ihre Entscheidung und nimmt ihr Kind an. Sie liebt Fausia nun  um so mehr.

Im Haushalt der Familie geht es lebhaft zu – der Vater ist Parlamentsabgeordneter, wie auch sein Vater schon Stammesältester und Politiker war. Sich in die Politik einzumischen hat also Tradition in der Familie und Fausias Geschwister nehmen es später auch erstaunlich gut auf, dass sie zur Abgeordneten kandidiert und gewählt wird. Sogar männliche Familienmitglieder verzichten ihretwegen auf eine Kandidatur. Fausias Großvater hat einmal den Bau einer Paßstraße in das abgelegene Tal durchgesetzt, in dem er einen Ingenieur, der das Projekt für unmöglich erklärt hatte, eine Nacht in der Kälte auf dem Berg stehen ließ, damit er mal sieht, wie gefährlich es für die Bauern ist, das Gebirge zu überqueren.

Fausias Vater ist ebenfalls aktiv und sehr geschickt im Knüpfen von Verbindungen – dazu gehören auch seine vielen Ehen. Und er lässt sich nicht einschüchtern, auch nicht vom damaligen Regime, das seine Gegner verfolgt. Sie hat aber nicht viel Zeit von ihm zu lernen, denn er stirbt schon als sie drei Jahre alt ist. Nur zweimal hat er überhaupt bewußt Notiz von ihr genommen und sie behält ihn trotzdem als großes Vorbild im Gedächtnis. Er wird auf einer diplomatischen Mission bei den Mudschahedin von diesen ermordet.

Es folgt die Zeit der sowjetischen Besatzung und anschließend der afghanische Bürgerkrieg. Fausia Kufis Familie muss ihr Dorf verlassen und zieht jahrelang durch das Land – mal in die Stadt, nach Kabul, mal wieder hinaus aufs Land. Einige Mitglieder der Familie gehen nach Pakistan. Die Familie verliert einen großen Teil ihres erheblichen Vermögens und ist immer wieder auf die Hilfe anderer angewiesen.In all dieser Unruhe setzt Fausia durch, dass sie zur Schule gehen darf. Im Bürgerkrieg ist es mit Lebensgefahr verbunden, durch die Stadt zum Unterricht zu gehen, aber sie schafft trotz aller Unterbrechungen ihren Abschluß und möchte Medizin studieren.

Als Fausia 18 Jahre alt ist, liegt ihre Mutter im Sterben. Ein junger Mann möchte um Fausias Hand anhalten und ihre Mutter lernt ihn noch kennen und gibt ihre Zustimmung, bevor sie verstirbt. Auch Fausia ist angetan von dem jungen Hamid – allerdings dauert es weitere vier Jahre und viele Vorstöße seitens Hamids, bis Fausias Bruder mit der Heirat einverstanden ist. Keine ruhige Zeit, sondern wieder einmal muss die Familie flüchten und das ohne das Fausia Hamid eine Nachricht zukommen lassen kann. Er findet sie aber wieder und bringt auch den hohen Brautpreis auf, den Fausias Bruder fordert, obwohl seine Familie viel weniger wohlhabend ist als Fausias. Das ist auch ein Grund, warum ihr Bruder so viele Bedenken hat.

Als die beiden heiraten, sind gerade die Taliban an die Macht gekommen. Anfangs bejubelt, weil sie dem Bürgerkrieg ein Ende machten, erkennen die Afghanen sehr schnell, dass die sogenannten “Engel” keine sind,sondern eine völlig fremde Kultur und Auslegung des Islams mitgebracht haben. Fausia kann nicht mehr studieren, die Hochzeitsfeier muss im Verborgenen stattfinden und Fausias Bruder wird als ehemaliger Polizeichef von den Taliban verfolgt. Auch Hamid wird sehr schnell in die Verfolgung einbezogen, einfach wegen der Verwandtschaft. Viermal wird er verhaftet und mehr oder weniger lange festgehalten – Fausias Talent zum Knüpfen und Nutzen von Beziehungen verhilft ihm immer wieder zur Entlassung, aber schließlich ist er gesundheitlich schwer angeschlagen und hat sich mit Tuberkulose angesteckt. Es bleiben ihnen nur wenige Ehejahre und noch viel weniger Zweisamkeit unter diesen Bedingungen. Immer wieder müssen sie flüchten.

Das Ehepaar bekommt zwei Töchter – während Hamid die erste noch voll Freude begrüßt, ist er bei der zweiten Tochter doch sehr ablehnend. Die Kultur, die von ihm Söhne fordert, lässt auch ihn nicht in Ruhe, obwohl er in vieler Hinsicht ein sehr fortschrittlicher Mann ist. Aber auch bei Fausai wiederholt sich etwas: sie lehnt ihre zweite Schwangerschaft anfangs total ab und versucht ihr Kind abzutreiben. Eine Parallele zu ihrer Mutter, die sie natürlich erkennt und wie ihre Mutter bereut sie und liebt ihre Tochter um so mehr. Fausia wurde schwanger, als sie gerade eine erfolgreiche Englischschule aufgebaut hat – die Taliban sind vertrieben – sie muss ja für den Familienunterhalt sorgen. In die  Ehe bringt die Ablehnung ihrer Tochter durch Hamid einen Knacks – bevor er stirbt, versöhnen sich die Eheleute aber wieder und auch seine Töchter lässt Hamid nicht merken, dass er gerne einen Sohn gehabt hätte.

Fausia bleibt 2003  nach nur secht Ehejahren mit zwei Kindern als Witwe zurück. Sie erhält eine Anstellung bei UNICEF – als Dolmetscherin. Als sie ihre Heimatprovinz mit der Hilfsorganisation bereist, wird aber deutlich, wieviel Ansehen ihre Familie genießt und Fausia wird die eigentliche Ansprechperson für die Bürger. So wächst sie in immer größere Verantwortung hinein und als schließlich 2004 die ersten Wahlen nach dem Bürgerkrieg abgehalten werden, entschließt sie sich, für ihre Heimatprovinz zu kandidieren. Dieses neue Ziel reißt sie aus der tiefen Depression in die sie nach Hamids Tod verfallen ist. Ein Wahlkampf, in dem sie dauernd bedroht wird und massive Wahlfälschungen – Fausia gewinnt trotzdem und – was ihr sehr wichtig ist – wird auch in der nächsten Legislaturperiode wiedergewählt.

Sie wächst mit ihren neuen Aufgaben und versucht für die Bevölkerung zu verbessern, was nur zu verbessern geht. Korrupt ist sie nicht und sie sieht mit Trauer, dass es andere Abgeordnete nicht schaffen, sich gegen ihren Eigennutz oder gegen die geballten familiären und gesellschaftlichen Ansprüche auf Bevorzugung zu wehren. Fausia glaubt daran, dass Afghanistan ein freies und frei regiertes Land werden kann, aber sie sagt auch, dass es kein Wunder ist, dass nach 30 Jahren Krieg die politische Kultur unterentwickelt ist.

Was gibt es noch zu sagen? Warum habe ich erwähnt, dass Fausia Kufi eine starke Frau im Islam ist? – weil sie das immer wieder betont und das finde ich sehr beeindruckend: sie ist eine gläubige Muslima, sie glaubt, dass Gott ihr diese Aufgaben gegeben hat – warum hat ER sie sonst so oft vor dem Tod errettet? – und sie glaubt an die Scharia und daran, dass der Islam in seiner ursprünglichen Form das Beste für uns Menschen ist.

Wirklich eine große Stärke in einem derartig vom Krieg gebeutelten Land in dem Mädchen fast keinen Wert haben, sich ihre Ausbildung zu erkämpfen, den Mann zu heiraten den sie liebt, einen Beruf auszuüben und schließlich auch als Witwe und Mutter von zwei Kindern ihren Weg ungebrochen zu verfolgen, gegen so viel Widerstand und trotz ständiger Angst, umgebracht zu werden. Das geht nur mit Vertrauen in Gott.

Kritik habe ich auch: Fausia ist unkritisch, was die amerikanische und internationale Besatzung angeht, sie glaubt an das Märchen von 9/11 und hat Verständnis für die amerikanische Politik. Sie lernt Bush und seine Frau kennen und ist beeindruckt, wie auch von anderen westlichen Politikern. Vielleicht verständlich, denn in ihren Augen gab es keine Rettung vor den Taliban, als durch diese Besatzung. Allerdings ist sie keine, die sich für Parolen gegen andere islamische Länder benutzen lässt.

Einer ihrer Briefe an ihre Töchter:

Liebe Schuhra, liebe Schaharasad,

das Leben ist ein Wunder, das uns von Gott gegeben wurde. Manchmal empfinden wir es als Segen, manchmal als Fluch. Manchmal wird es uns zu viel, und wir zweifeln daran, ob wir noch damit zurechtkommen. Aber dann schaffen wir es doch, denn wir Menschen haben die großartige Fähigkeit, Leid zu ertragen.

Aber wir selbst sind nicht großartig. Nur Gott ist großartig. Menschen gleichen winzig kleinen Insekten im weiten Universum. Unsere Probleme, die uns manchmal riesig und unüberwindlich erscheinen, sind es in Wahrheit gar nicht.

Selbst wenn wir lange leben, ist unsere Zeit auf Erden sehr kurz. Es zählt nur, wie wir unsere Zeit hier verbringen und was wir denen , die auf der Erde bleiben, zurücklassen. Deine Großmutter hinterließ uns allen viel mehr, als sie je ahnte oder hätte begreifen können.

In Liebe,

eure Mutter

Die Türken können ihre Koffer packen

Die Türken können ihre Koffer packen

 

aus dem Kanal von Aggro-Migrant. Da gibt es noch mehr Köstlichkeiten. http://www.youtube.com/user/AggroMigrant

Bonyads oder Banken?

Bonyads oder Banken?

Bismillah

Ich hab in den letzten Tagen einiges über “Bonyads” nachgelesen, das sind religiöse Stiftungen in Iran. Sie sind dort eine echte Wirtschaftsmacht und gleichzeitig ein Träger des Sozialsystems. Ich will das jetzt nicht ganz genau erläutern, dazu gibt es anderswo mehr oder weniger neutrale Erklärungen, ich setze unten ein paar links ein. Mir fiel nur beim Rumstöbern folgender Vergleich ein:
Die milliardenschweren Bonyads in Iran werden von Geistlichen betrieben und sind nur dem Staatsoberhaupt Ayatollah Chamenei rechenschaftspflichtig. Sie betreiben in Form von Holdings Firmen in verschiedenen Bereichen: Baumaterial (Beton), Reedereien, Export, Verkehrswege, KFZ-Industrie,Petrochemie, Hotels u.a. Es gibt unterschiedlichen Angaben über ihren Anteil am GDP, manche schätzen bis zu 80%. Die Bonyads sind also nach dem Staat der größte Arbeitgeber im Land. Bemängelt wird mangelnde Transparenz, Steuervorteile (früher waren sie sogar von Steuern befreit) die die Entwicklungen eines Privatsektors behindern, Vetternwirtschaft und Korruption. Einige Geistliche sind mit der Geschäftsführung ihrer Gesellschaften reich geworden – wie reich kann man wegen o.g. mangelnder Transparenz nicht sagen. Es wird ihnen unterstellt, dass sie durch ihre wirtschaftliche Stärke und Finanzkraft die eigentliche Macht im Land seien.

Im Sozialsystem bilden die Bonyads die zweite Säule neben dem Staat und unterstützen Bedürftige, Waisen und Familien in allen möglichen Bereichen (auf der website einer der Stiftungen kann man sich davon ein Bild machen, link unten). Ungefähr die Hälfte aller Bedürftigen in Iran wird von ihnen unterstützt.

Wir haben hier also Gesellschaften mit folgenden Vor- und Nachteilen: Man weiß nicht, wieviel Geld sie verdienen und wieviel sie ihren leitenden Angestellten zahlen. Einige werden sich weit über ein angemessenes Maß bereichern. Sie schaffen aber einen erheblichen – vielleicht sogar den allergrößten Teil der Arbeitsplätze im Land. Sie zahlen keine Steuern, leisten aber zuverlässig einen Großteil der sozialen Leistungen im Land. Vermutlich nehmen sie über wirtschaftliche und finanzielle Macht einen erheblichen Einfluss auf die Politik.

O.K. das waren die Bonyads. Ich konnte nicht anders, als ich über die Vorwürfe las, die ihnen gemacht werden, aber auch über das, was sie für ihr Land leisten, musste ich sie einfach mit unseren Banken vergleichen – zu ähnlich klingen doch die Vorwürfe.

Ich gebe zu,  mir fehlt in Wirtschaftsfragen oft der Durchblick, aber so ganz grob, wie halt der normale Zeitungleser, kann ich doch folgendes feststellen:

Unsere westlichen Großbanken verfügen über ungeheure Macht und steuern das wirtschaftliche System, da sowohl Konzerne als auch Staaten davon abhängig sind, von ihnen finanziert zu werden. Wieviel Geld im Umlauf ist, weiß niemand, vor allem weil die Banken Geld verleihen, das sie gar nicht besitzen – als jetzt gefordert wurde, Banken müssen ihre Eigenkapitalquote erhöhen, sind einige in ziemliche Schwierigkeiten geraten, vor allem der Commerzbank fehlten ein paar Milliarden. Die Banken schaffen wenige unangemessen hoch bezahlte Arbeitsplätze für ihre Spitzenleute und eine abnehmende Zahl von Arbeitsplätzen für Fachkräfte mit Durchschnittsgehältern. Ein Teil der Angestellten darf sich allerdings noch zu den Spitzenverdienern rechnen, das sind die, die Spekulationsgeschäfte betreiben. Mit Spekulationsgeschäften haben sich die Banken schon mehrfach heftig übernommen, so dass sie vom Staat mittels eines “Rettungsschirmes” vor dem Untergang bewahrt werden mussten – sprich, sie haben ihre Probleme dem Steuerzahler aufgebürdet. Banken wiederum zahlen kaum Steuern – beispielhaft sei hier die Deutsche Bank genannt die 2009 (ein Jahr nach der großen Krise und dem ersten “Rettungsschirm”) einen Gewinn von 5 Milliarden Euro eingefahren, aber nur 200 Millionen Euro Steuern gezahlt hat. Wieviel Einfluss Banken auf die Politik nehmen ist völlig unklar. Außer o.g. Arbeitsplätzen im Bankwesen selber – ich kann hier nur schätzen, ein paar -zigtausend werden es wohl sein, schaffen die Banken keine Arbeit im Land. Vielmehr unterstützen sie durch ihre Spekulationen die Globalisierung und Auslagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer und die Verteuerung von Nahrungsmitteln und “Land Grabbing” über Spekulationen.

Fazit für die Banken:

Also hier handelt es sich um eine Wirtschaftsmacht mit ungeheurem Einfluss auf alle Bereiche des wirtschaftlichen und mehr oder weniger offensichtlich politischen Lebens. Sie schaffen im Verhältnis dazu wenige Arbeitsplätze im Land. Steuern zahlen sie praktisch keine, sind also an der Finanzierung von Infrastruktur und Sozialsystem im Land nur marginal beteiligt. Geraten sie durch unkluges Handeln in wirtschaftliche Schieflage, werden sie durch staatliche Hilfe vor der Pleite bewahrt, da der Staat sonst fürchtet, das ganze Kreditwesen und der Zahlungsverkehr könnten zusammenbrechen. Wieviele Milliarden die Steuerzahler tatsächlich investieren mussten, ist nicht bekannt (nicht alles Geld für das der Staat bürgt ist verloren, das muss man ehrlicherweise dazu sagen, es kommt einiges zurück).

Ich gebe zu, Bonyads und Banken sind nicht das Gleiche, niemand hat den Banken je die Aufgabe erteilt, etwas Gutes für unser Land zu tun. Und auch wenn die Bonyads in Iran ihre Aufgaben erfüllen, könnten sie vermutlich noch viel mehr Gutes tun, wenn nicht Mengen Geld in die Taschen einiger weniger Leute mit unterentwickeltem Gewissen wandern würden. Aber wenn man bei beiden Wirtschaftsorganisationen unterstellt, dass mittels ihres Geldes und ihrer Macht Einfluss auf die Politik nehmen, so bleibt das Geld der Bonyads doch immerhin im Land und schafft dort Wohlstand.

Mir wäre es jedenfalls lieber, unser Land hätte auch was davon, dass die Banken sich blöd verdienen.

Ein paar links:

Erklärung Bonyads: http://en.wikipedia.org/wiki/Bonyad
(der hier genannte Anteil am GDP von 20% weicht erheblich nach unten ab von anderen Zahlen. Das Auswärtige Amt nennt 80%.)

Eine ausführliche, interessante Studie “Mullahs, Guards und Bonyads”: http://www.rand.org/pubs/monographs/2009/RAND_MG878.pdf

Kritik an den Bonyads: http://www.taz.de/!36005/

Übersicht über die wirtschaftlichen Aktivitäten einer der größten Bonyads ” Iran Revolution Mostafan Foundation”: http://www.irmf.ir/EN/activity/Introduce/economic.aspx

Übersicht über die sozialen Aktivitäten dieser Stiftung: http://www.irmf.ir/EN/activity/Introduce/Social.aspx

Kosten der Bankenrettung: http://www.zeit.de/2011/21/Finanzkrise-Kosten-Pro-Contra

Banken und Steuern: http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/finanzbranche-deutsche-bank-verdient-riesig-und-zahlt-kaum-steuern_aid_476966.html

Spitzengehälter Banker: http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/deutsche-bank-josef-ackermann-steigert-gehalt-um-580-prozent_aid_490054.html

Spekulationen und Land-Grabbing, Kategorie bei Leos blog: http://initiativgruppe.wordpress.com/category/land-grabbing/


“Von der Landkarte löschen” – Beispiel für die Qualität unserer (Springer)Medien

“Von der Landkarte löschen” – Beispiel für die Qualität unserer (Springer)Medien

Bismillah

Manche Medien sind sich einfach für nichts zu schade. Altbekannte und gerügte Lügen wieder und wieder verbreiten. Wenn man mit Dreck wirft, wird schon irgenwas hängenbleiben. Beispiel:

Hamburger Abendblatt am 20.1.:

Rivalen Ahmadinedschad und Chamenei
Im Iran tobt ein erbitterter Kampf um die Macht

20.01.2012, 06:30 UhrThomas Frankenfeld

Die Führungskräfte von Staat und Religion im Iran zeigen nach außen Geschlossenheit, doch sie sind erbitterte Gegner im Kampf um die Macht.

Hamburg. Nach dem Mord an dem iranischen Nuklearwissenschaftler Mostafa Ahmadi Roshan hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad umfassenden Schutz für alle wichtigen Mitglieder der iranischen Atomindustrie angeordnet. Professor Roshan, Vizedirektor der Urananreicherungsanlage in Natans, war am 11. Januar in Teheran ums Leben gekommen – unbekannte Attentäter auf einem Motorrad hatten eine magnetische Bombe an seinen Wagen geheftet. Er war mindestens der vierte namhafte Nuklearexperte, der bislang im Iran einem Attentat zum Opfer gefallen ist.
Das Mullah-Regime geht davon aus, dass der israelische Geheimdienst Mossad, unterstützt von den USA, hinter den Morden steht. Der Westen verdächtigt den Iran, an der Entwicklung der Atombombe zu arbeiten. Und Ahmadinedschad hat immerhin gefordert, Israel “von der Landkarte zu löschen”.
Eigentlich ist hier eine Beschwerde bei Presserat fällig, erfahrungsgemäß finden die aber tausend Ausreden, so etwas nicht zu rügen. Für die, die diese Lüge immer noch glauben:

Jonathan Steele über das angebliche Zitat des iranischen Präsidenten

‘Wipe off the Map’ als Fälschung bestätigt

Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Wir haben uns mehrfach mit den verfälschenden Übersetzungen in Zusammenhang mit Äußerungen des iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad befaßt und gezeigt, daß es dabei um psychologische Kriegsführung und das zu schaffende Feindbild Iran geht. Nun hat die Debatte über die Fälschungen auch die englischsprachigen Mainstream-Medien erfaßt.Jonathan Steele schreibt am 2.6.2006 in ‘The Guardian’:>>Es ist 50 Jahre her seit dem berühmten falschen Zitat des Kalten Krieges. Bei einem Empfang des Kreml für westliche Botschafter im Jahre 1956 kündigte der Sowjetische Führer Nikita Chruschtschow an: “Wir werden Euch begraben.” (We will bury you) Diese vier Wörter wurden von den amerikanischen Falken als Beweis für die aggressiven sowjetischen Absichten aufgefaßt… Chruschtschow sagte tatsächlich: “Ob Sie es mögen oder nicht, die Geschichte ist auf unserer Seite. Wir werden Euch begraben.” Es war eine harmlose Prahlerei über den eventuellen Sieg des Sozialismus im ideologischen Wettbewerb mit dem Kapitalismus. Er hat nicht über Krieg gesprochen…

Nun haben wir eine ähnlich propagandistische Entstellung einer Äußerung vom Präsidenten des Iran. Fragen Sie irgendwelche Leute in Washington, London oder Tel Aviv, ob sie einen von Mahmud Ahmadinedschad geäußerten Satz zitieren können. Die Chancen stehen gut, daß sie sagen, er wolle Israel dem Erdboden gleichmachen (‘wipe off the map’ – wörtlich übersetzt: ‘von der Landkarte tilgen’).

Wieder sind es vier kurze Wörter… Doch die Formulierung ist falsch, ganz einfach und simpel. Ahmadinedschad hat sie nicht ausgesprochen. Farsi Sprechende haben dargelegt, daß er falsch übersetzt worden ist. Der iranische Präsident hat eine frühere Äußerung des ersten islamischen Führers, des späteren Ayatollah Khomeini, zitiert, daß “das Besatzungsregime von Jerusalem von den Seiten der Geschichte verschwinden müsse” (this regime occupying Jerusalem must vanish from the page of time), so wie das Schah-Regime im Iran verschwinden mußte.Er hat keine militärische Drohung ausgesprochen. Er hat dazu aufgerufen, die Besatzung von Jerusalem zu einem Zeitpunkt in der Zukunft zu beenden… Aber der propagandistische Schaden war entstanden, und die westlichen Falken brachten den iranischen Präsidenten in Beziehung zu Hitler, als ob er die Juden ausrotten wolle. Bei der jüngsten jährlichen Zusammenkunft des ‘American Israel Public Affairs Committee’, einer machtvollen Lobby-Gruppe, schalteten riesige Bildschirme zwischen zwei Bildern hin und her – Ahmadinedschad mit dem falschen Zitat ‘wiping off the map’ und ein sich ereifernden Hitler.<<

weiter bei der Neuen Rheinischen Zeitung: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=1747
Das ist nun wirklich ein alter Hut und es ist empörend, dass es immer noch deutsche Medien gibt, die diesen Müll wieder hervorkehren. Besonders schlimm finde ich allerdings, dass die Morde an iranischen Wissenschaftlern damit unterschwellig gerechtfertigt werden.
Der weitere Artikel des Hamburger Abendblattes ist ein Wust aus Spekulationen über iranische Innenpolitik, der vor allem davon zeugt, dass die Redaktion keine Ahnung hat und auch keine Lust sich zu informieren, wie der Iran von innen funktioniert. Ein bisschen amüsant dazu, dass auch Frau Clinton entsprechend zitiert wird:
Und US-Außenministerin Hillary Clinton meinte: “Wir sind nicht ganz sicher, wer eigentlich die Entscheidungen im Iran trifft.”
Frau Clinton, ich empfehle Ihnen diese Artikel, da ist alles leicht verständlich erklärt:
Vielleicht sollten Sie auch mal hierauf hören:
Und weil es gerade so schön passt: Präsident Ahmadinejads angebliche Holocaust-Leugnungen sind ja ebensolche Presseenten. Gefährliche Enten, denn sie dienen der Kriegshetze. Ich hab mir vor einer Weile mal die Mühe gemacht, alle Ahmadinejad-Reden daraufhin zu überprüfen. Die Reden sind öffentlich zugänglich auf seiner website: http://www.president.ir/en/ und auf Seiten der iranischen Medien natürlich. Was ich gefunden habe ist natürlich massive Zionismus-Kritik mit für uns ungewohnter scharfer Rhetorik. Das macht die Kritik darum aber nicht falsch.  Das was als “Leugnung” des Holocausts bezeichnet wird, sind rhetorische Fragen im Sinne von: “Wenn der Holocaust stattgefunden hat, warum darf dazu nicht weiter geforscht werden?”. An anderer Stelle sagt Ahmadinejad ganz klar, dass der Holocaust eine historische Tatsache ist, fragt aber: “was können die Palästinenser dafür?”
Zwei berechtigte Fragen: warum wehrt man sich gegen weitere Forschung zum Holocaust? Könnten unangenehme Dinge zutage kommen, schlimmer als es für uns Deutsche sowieso schon ist? Oder können vielleicht Verstrickungen aufgedeckt werden, die für andere unangenehme wären? Die jüdische Zeitschrift “Der Israelist” hat hin und wieder interessante Informationen: http://www.derisraelit.org/
Zum o.g. Artikel im Hamburger Abendblatt kann man übrigens keine Kommentare schreiben. Die wissen schon warum. Auch bei einem anderen Springer-Medium mag man keine kritischen Kommentare:
Die Welt|
Leitartikel
Autor: Richard Herzinger| 18.01.2012
Abwarten hilft nicht
Im Atomstreit mit Teheran deutet vieles auf einen Showdown noch in diesem Jahr hin. Angesichts eines immer aggressiveren iranischen Regimes darf sich der Westen nicht von einer harten Gangart abbringen lassen

Das Regime der Islamischen Republik Iran bleibt bei seinem sattsam bekannten Doppelspiel. Einerseits provoziert es den Westen mit wüsten Drohungen wie der, im Falle weiterer internationaler Sanktionen wegen seines Atomprogramms die Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr zu sperren. Andererseits will es nun wieder Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde ins Land lassen und erklärt sich – allerdings unverbindlich – zu neuen Gesprächen über seine nukleare Produktion bereit.

Seit vielen Jahren sind die islamistischen Theokraten in Teheran mit dieser Art von plumpen Verwirrungsmanövern durchgekommen. Auch jetzt setzen sie darauf, die Ausweitung von Strafmaßnahmen insbesondere durch die EU in einer Kombination aus Einschüchterung und scheinbarem Einlenken zu hintertreiben und hinauszuzögern, um weitere Zeit für die Entwicklung ihrer nuklearen Kapazität zu gewinnen. Dabei ist es ihr Ziel, unbeschadet den point of no return zu erreichen: den Zustand, in dem die Welt davon ausgehen muss, dass der Iran innerhalb kurzer Zeit eine Atombombe bauen könnte. Ob es dies tatsächlich tun würde, wäre dann fast zweitrangig. Schon mit der bloßen Möglichkeit, den letzten Schritt in die Atombewaffnung zu gehen, wäre das iranische Regime in der Lage, seine Kontrahenten innerhalb und außerhalb des Nahen Ostens in ähnlicher Weise zu erpressen, wie das im asiatischen Raum bereits Nordkorea praktiziert.

Der US-Administration unter Barack Obama und selbst den meisten europäischen Regierungen, die sich zu lange an die Hoffnung auf Vernunft und Einsichtsfähigkeit “gemäßigter Kreise” im Teheraner Herrschaftsapparat geklammert haben, wird nun langsam klar, wie nahe der Tag schon sein könnte, an dem dieser Albtraum Wirklichkeit wird. Entgegen der Kalkulation des iranischen Regimes, das dem vermeintlichen Weichling Obama ein solches Wagnis nicht zutraute, scheint Washington mittlerweile entschlossen zu sein, von der militärischen Option Gebrauch zu machen, sollte Teheran nicht durch andere Mittel dazu gebracht werden, überprüfbar von seinen Atomwaffenplänen abzurücken. Mit einer solchen spektakulären Kehrtwende aber ist realistischerweise nicht zu rechnen.

Vieles deutet somit auf einen Showdown noch im Laufe dieses Jahres hin. Dementsprechend mischen sich in die iranischen Reaktionen Anflüge von Panik. Bereits von den bisher verhängten Sanktionen ist das Regime schwerer angeschlagen, als es das jemals zugeben würde. Die von den USA bereits beschlossenen und von der EU geplanten erweiterten Strafmaßnahmen aber würden nunmehr unmittelbar die Ölproduktion und den Ölexport des Iran, also die Lebensader der iranischen Wirtschaft beeinträchtigen – und damit das Regime in seinen Grundfesten erschüttern.

weiter : http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article13820581/Abwarten-hilft-nicht.html

Herr Herzinger mit dem “showdown” meinen sie sicherlich einen Angriff auf Iran. Nur sind wir hier nicht im Hollywood-Western und die Cowboys nicht die Guten.  Kriege brechen auch nicht aus, sondern werden gemacht, von Leuten, die sie als “showdown” verharmlosen.
Es ist allerdings interessant, dass die Kommentare bei der “Welt” selber zensiert werden, aber beim kleinen Bruder “Welt-kompakt” durchgehen. So wie dieser von mir z.B.:
Dieser Artikel ist eines der übelsten Beispiele von Kriegshetze und einer Weltsicht, die nicht nur westlich gepräft ist, sondern auch die Fehler, wenn man nicht Verbrechen sagen will, des Westens völlig ausblendet. Er ist auch entlarvend, was das eigentliche Ziel ist: der Sturz des iranischen Systems, das immer ein Dorn im Auge war, seit in den 50er Jahren Iran das erste mal die Kontrolle über seine Ressourcen zurückerobert hat – woraufhin ja auch sein demokratisch gewählter Regierungschef ermordet wurde. Iran nun Destruktivität in Irak, Afghanistan und Pakistan vorzuwerfen, tut direkt weh. Irak hat unter westlicher Unterstützung 8 Jahre  Krieg gegen Iran geführt, mit widerlichsten Waffen – Iran hat darauf nicht mit den gleichen Mitteln reagiert. Und für die 1,4 Millionen Toten im Irak seit amerikanischer Machtübernahme, kann man Iran wohl auch kaum verantwortlich machen. Taliban und AlQaida sind auch Kinder der amerikanischen Politik – und da wirft man Iran Provokation vor, nur wenn es seine hoheitlichen Rechte über die Straße von Hormus in Anspruch nehmen will? Dazu werden alle Kompromisse im “Atomstreit” denen Iran zugestimmt hat, von den USA zum Scheitern gebracht. Und dann sollen wir die westliche Politik als friedensstiftend anerkennen? Ob uns nun das iranische System gefällt oder nicht, Iran ist ein souveränes Land mit verbrieften Rechten, auch aus dem NPT, dessen Verpflichtungen Iran erfüllt – darüber hinaus kann man rechtmäßig nichts verlangen. Imperialistische Politik braucht allerdings kein Gesetz – dass allerdings unsere Regierung (und unsere Medien) eine solche Politik bedingungslos unterstützen, ist eine Schande für unser demokratisches Europa.
Pressefreiheit? Warum gibt es bei uns praktisch keine kritischen Stimmen zur Regierungspolitik, die nicht die eines souveränen Staates ist?