Archiv für den Monat Dezember 2011

Türkei: auf oder ab mit Erdoğan?

Türkei: auf oder ab mit Erdoğan?

Bismillah

Mir gefällt es gar nicht, wie “die Türken” auf die französische Feindseligkeit reagieren. Auch bei uns zu Hause ein Thema, die nationalistisch empörte türkische Bevölkerung – etwas das uns Deutschen ja wiederum ziemlich fremd geworden ist, aus gutem Grund wie ich meine. Natürlich hat die Türkei Recht,  dass mit dem französischen Gesetz nicht Gerechtigkeit für die Opfer der Massaker an den Armeniern geübt werden soll, sondern dass es Wahlkampfhilfe für Sarkozy bedeutet und weiter nichts. Würde sich Frankreich um die Opfer von Völkermorden scheren, hätte es da genug Stoff in seiner eigenen, kürzlichen Geschichte zu bearbeiten. Trotzdem halte ich nichts von den Parolen die jetzt gerufen werden und den politischen Reaktionen. Türkei raus aus der NATO? Wäre super. EU-Beitrittsprozeß abbrechen? Klar, bringt sowieso nichts. Nationalistisches Geschrei gibt mir allerdings das Gefühl, dass man die Türken hier sehr leicht benutzen kann. Einen Knopf gedrückt und der Verstand wird ausgeschaltet, so kann man Menschen zu Dingen bringen, die sie später bereuen. Cool bleiben fände ich angemessen, aber dazu ist auch Tayyip Erdoğan nicht der Typ. Einer mutigen Aufklärung der Geschehnisse von 1915  haben jedenfalls weder Sarkozy noch Erdoğan einen Dienst erwiesen. Wer in nächster Zeit zu Forschung über diese Themen auffordert, wird sicherlich vom Sturm der Entrüstung weg geblasen.

Ich möchte unserem Tayyip nichts Böses unterstellen, aber womöglich kommt ihm dieser nationalistische Schulterschluß gerade recht. Innenpolitisch hat er es sich nämlich mit einem großen Teil seiner Wähler verdorben: erst diese sonderbare Gesetzesänderung, die die Strafzumessungen im Fussball-Skandal radikal herabsetzt. Und jetzt noch ein weiterer Schlag ins Gesicht seiner Wählerschaft: in einer nächtlichen Sitzung hat das Parlament über Rentenerhöhungen und Mindestlohn abgestimmt und dabei eine enorme Erhöhung der Abgeordnetenbezüge durchgewunken. Während die Renten und der Mindestlohn um 10% steigen, kassieren Parlamentsabgeordnete ab 2012 das Doppelte, plus einiger Verbesserungen bei Pensionsansprüchen, künftig soll man schon nach zwei Abgeordnetenjahren lebenslang alimentiert werden. Damit liegen die Abgeordnetenbezüge über denen in Europa, natürlich auch die des Regierungschefs. Es gibt in der Stamm-Wählerschaft der AKP dafür kein Verständnis, es war ja nicht so, dass Parlamentarier bisher am Hungertuch genagt hätten.

Wenn jetzt Regierungsmitglieder Erdoğan als Wunschkandidaten für die Präsidentschaftswahlen in 2014 ins Gespräch bringen, so kann man das wohl als weiteres Ablenkungsmanöver verstehen. Der jetzige Präsident Abdullah Gül, ein guter Freund Erdoğans, hat dieses Gesetz übrigens getadelt – genauso wie die Lex Fussballbetrug. Er wird es nicht unterschreiben, wie es aussieht.

Innerhalb weniger Wochen zwei solche Versuche Gesetze gegen das erklärte Interesse des türkischen Volkes durchzubringen, da muss sich auch der Tayyip-Fan wundern. Was ist auf dem Krankenbett mit Erdoğan passiert?

In den nächsten Monaten wird es spannend werden in der türkischen Innenpolitik, wenn erst einmal die Aufregung über die Franzosen abgeflaut ist und die Leute wieder hingucken.

Dabei passiert auch jetzt schon Interessantes: z.B. hat das Oda-TV Gerichtsverfahren begonnen. Die lange Dauer von Untersuchungshaft in der Türkei wird ja oft bemängelt, obwohl die TR in dieser Hinsicht nicht schlechter dasteht als europäische Länder. Aber jetzt ist es ja so weit und einer der mit Spannung erwarteten Prozesse um die Ergenekon-Verschwörer hat angefangen. Auf  Medienbehauptungen, die Türkei sei kein Rechtsstaat und halte Menschen wegen ihrer politischen Meinung fest, werden wir dann wohl inschallah Antworten bekommen. Ein Kolumnist der daily-zaman hat seine Gedanken dazu schon mal geäußert: Ahmet Şık’s book and Ergenekon’s media campaign (http://www.todayszaman.com/columnist-267027-ahmet-siks-book-and–ergenekons-media-campaign-1.html).

Dass es nicht voran geht mit der Erarbeitung der neuen türkischen Verfassung muss man auch bemängeln. Ein kleines “Trostpflaster” in Form eines weiteren Reformprogramms (http://www.todayszaman.com/columnist-266923-the-new–reform-package.html )ist nicht genug und ist auch nicht das, wofür das türkische Volk gestimmt hat. Allerdings ist es auch dem PKK-Terror zu verdanken, dass dieses Thema ins Hintertreffen geraten ist.

Hier noch ein Artikel zu einem Brief von Kemal Kılıçdaroğlu an Präsident Gül, in der er ihn auffordert das o.g. Gesetz nicht zu unterzeichnen: http://www.zaman.com.tr/haber.do?haberno=1221092&title=kilicdaroglundan-cumhurbaskanina-emekli-vekil-maasi-icin-mektup. Von der CHP haben angeblich nur zwei Abgeordnete für das Gesetz gestimmt. Insgesamt war wohl nur die Hälfte der Parlamentarier anwesend, die fast komplett dafür gestimmt haben, die Abstimmung war geheim. Die MHP will jetzt angeblich auch ihre Zustimmung zurückziehen.

Gegrüßest seist Du, Maria und gegrüßet sei Dein Sohn Jesus, der Geist Gottes

Gegrüßest seist Du, Maria und gegrüßet sei Dein Sohn Jesus, der Geist Gottes

Bismillah

Gegrüßt sei Jesus, Zeichen Gottes und Verheißer von Frieden und Gerechtigkeit.Gegrüßet sei er, der das Herz der zarten Maria aufleben ließ. Gegrüßet sei der Überbringer der Botschaft der Nächstenliebe an die Menschheit und des Regens der Gnade auf die auf die dunkle Erde der zermürbten Seelen. Mit seiner Geburt hauchte er dem leblosen Corpus der Menschheit die Hoffnung auf ein gutes Leben im Lichte der göttlichen Güte ein. Jesus überbrachte den Menschen lauter Licht und Freundschaft, Liebe und Friede. Er erwies den Bedürftigen und Schwachen Güte, so dass die Reichen und Widersacher dachten, seine Religion gelte nur für Arme und Untertanen. Die lichterfüllte Geburt dieses großen Gottesgesandten erhält die Botschaft vom Frieden und der Freundschaft und die frohe Verheißung der Genesung von Geist und Denken…..

Der Segen und Friedensgruß Gottes sei auf seiner ehrwürdigen Mutter, der Jungfrau Maria, die Wahrhaftige und Paradiesfrau, die Dank des göttlichen Atemhauches den nach der göttlichen Gnade Dürstenden einen solchen Sohn schenkte….

Ihr Rang ist so hoch, dass sie mit den Engeln Gottes sprechen kann. Die Engel haben mit ihr gesprochen und hörten ihre Worte. Und nicht nur das: sie konnte die Engel sehen und die Engel konnten sie sehen und haben ihr mitgeteilt, welchen hohen Rang sie bei Gott einnimmt…

Mohammed,s.a.s., der gesegnete Prophet des Islam, hat gesagt  dass Maria zu den vier edelsten Frauen der Welt gehört. Von ihm stammen die Worte:

“Die edelsten Frauen der Welt sind Mariam (Maria), die  Tochter des Imran, Chadidscheh (die Gemahlin des Propheten), Fatima (seine Tochter) und Asia (die Gemahlin des Pharaos)”

von Imam Chomeini: http://german.irib.ir/media/k2/books/jesus/index.html

s. auch:

http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2009/05/14/starke-frauen-im-islam-teil-4-mariam-meryem-mariaa-s/

http://www.muslim-markt.de/forum/messages/3476.htm

Türkei: die Türkei ist ein Vielvölkerstaat. Das darf man laut sagen.

Türkei: die Türkei ist ein Vielvölkerstaat. Das darf man laut sagen.

Bismillah

Das größte Türkei-Thema heute ist natürlich der Streit mit Frankreich über das “Armenier-Genozid-Leugnungs-Gesetz”. Leider sind die türkischen nationalistischen Reflexe immer noch viel zu stark, als dass beim Drücken auf diesen Knopf nicht das volle Programm abgespult würde: Demonstationen, Botschafter Abzug, Sanktionen und schließlich noch ein Gegen-Gesetz, dass die Leugnung französischer Verbrechen in der Türkei unter Strafe stellen soll. Klüger wäre es, über den Dingen zu stehen und den Historikern nicht im Wege zu stehen bei der Aufklärung von Verbrechen, denen auch Hunderttausende Türken oder Kurden zum Opfer gefallen sind.

Zu dieser Aufklärung kann man auch die Armenier auffordern und Deutschland könnte auch seine Rolle offenlegen.

Pikant beim Gegen-Gesetz ist natürlich, dass Frankreichs Verbrechen von einem aktuell existierenden und agierenden Staat verübt wurden, während die Zeit der Jungtürken lange vergangen ist.

Aber ich finde das ganze Theater übertrieben. Viel interessanter ist, dass heute ein stellvertretender türkischer Ministerpräsident, Bülent Arınç, während Budgetverhandlungen im türkischen Parlament ausspricht, was ganz offensichtlich ist, aber trotzdem jahrzehntelang ein Verbrechen war: dass die Türkei ein Vielvölkerstaat ist, der die Rechte seiner Volksgruppen respektieren und garantieren muss. Dass es nie wieder soweit kommen darf, dass jemand ins Gefängnis wandert, weil er sagt, dass er ein Kurde ist. Dass das Land in der Verantwortung ist, allen in der Türkei lebenden Völkern seine Rechte zu gewähren.

Arınç hat damit dem MHP-Fraktionsvorsitzenden Mehmet Şandır widersprochen, der dann auch prompt Unterstützung seines Parteivorsitzenden Bahçeli erhalten hat, der meinte, wenn die Regierung diese Haltung vertrete, dann solle sie ihre Anti-Terror-Aktivitäten stoppen und sich der PKK und BDP unterwerfen.

Was natürlich genauso lächerlich ist wie die Replik der BDP, dass für solche Worte wie sie Arınç ausgesprochen hat, Tausende Kurden im Gefängnis säßen.

Praktisch ist seit einigen Jahren gegeben, was Arınç ausgesprochen hat – kurdische Kultur zu leben geschieht längst ungestraft, vielmehr sogar staatlich gefördert. Trotzdem ist es wichtig, wenn Regierungspolitiker darauf hinweisen, dass die Türkei eine Vielfalt hat, die eine Bereicherung ist und kein Problem.

s. hier: http://www.todayszaman.com/news-266399-deputy-pm-says-all-rights-of-kurds-will-be-recognized.html

Türkisch-kurdische Zukunft: diese Kinder werden das Land verändern:

Türkei: häusliche Gewalt zur Primetime

Türkei: häusliche Gewalt zur Primetime

Bismillah

Die “Sundays Zaman” beschäftigt sich mit einem Thema, das mich beim türkischen Fernsehprogramm auch schon beschäftigt hat: die (häusliche) Gewalt, die darin verharmlost oder als lustig dargestellt wird. Ich gucke zwar keine aktuellen Serien, mein Mann liebt alte türkische Filme aus den 70er Jahren, aber auch dort, oder wenn ich mal in eine Comedy zappe, hat mich schon immer gestört, dass es anscheinend normal ist, wenn Mann und Frau sich schlagen, ob nun ernsthaft, oder lustig gemeint. Dass Schlagen noch immer ein normales und gutgeheißenes Erziehungsmittel ist, wundert mich dann auch nicht.

Jetzt ist ja die Türkei durchaus bemüht, beim Thema häusliche Gewalt etwas zu bewegen (http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2011/11/27/konvention-des-europarates-gegen-hausliche-gewalt-und-gewalt-gegen-frauen-die-turkei-hat-sie-als-erstes-land-ratifiziert/) und dass daraufhin auch das Fernsehprogramm in Augenschein genommen wird, finde ich nur folgerichtig. Schließlich ist der Fernseher in türkischen Haushalten sozusagen ein Mitbewohner und läuft ständig. Die türkischen Aufsichtsbehörde will veranlassen, dass Bilder von Gewalt gegen Frauen genauso indiziert werden, wie die von Zigaretten – das ist eine eher lustige Eigenart des türkischen Fernsehens, dass in alten Filmen, in denen noch geraucht wird, die Zigarette unkenntlich gemacht wird, so dass dort ein grauer Fleck auf dem Bildschirm schwebt, aus dem Rauch aufsteigt, :-) . Sieht man bei den ganz alten Columbo-Folgen sehr gut.

Frauenrechtlerinnen finden solche Pläne nicht genügend, sondern wollen dass sich eher etwas an der Darstellung des Umgangs mit Gewalt gegen Frauen etwas ändert. Und da scheint auch das Bewußtsein der Zuschauer sich verändert zu haben, denn es läuft z.B. eine aktuelle Serie, in der eine junge Frau gezwungen wurde, ihren Vergewaltiger zu heiraten. Statt dass die Serie abgesetzt wurde, haben Zuschauerproteste dazu geführt, dass sich die Heldin von einem hilflosen Opfer zu einer starken Persönlichkeit entwickelt hat. Das bringt wahrscheinlich weitaus mehr, als das Thema totzuschweigen.

Der Artikel in der zaman: http://www.todayszaman.com/news-266008-victim-vs-victor-what-does-tv-say-about-domestic-violence.html

“Fatmagülün Suçu Ne” heißt übrigens die o.g. Serie, gibt´s auch bei youtube, ich glaub ich werd da mal zu Forschungszwecken durchzappen.