Bismillah
Saudi-Arabien ist natürlich nicht das einzige Land, in dem Yazidismus heute zu Hause ist und was die Nachfolge von Muawiya angeht, gibt es mindestens ein Volk das sich viel schlauer anstellt als das saudische Königshaus. Die Saudis scheinen mir nicht sehr einfallsreich, wenn es darum geht, ihren Einfluss auszuweiten.
Gedankenspiel:
Stellen wir uns mal vor, Gruppen aus dem Rheinland, die sich als neuerstarkte original germanische Bewegung sehen, blühen dort auf und vertreten in der Folge eine Re-Germanisierung der ganzen Bundesrepublik Deutschland. Zu diesem Zweck vertreiben sie Bürger, die sie zu anderen Ethnien zählen – nein, das ist kein gutes Phantasiebild, zu real….
Also ein anderes:
In der Türkei gibt es Zusammenschlüsse von Gruppen, die sich auf ihre Abstammung aus den Turkvölkern berufen und dafür plädieren, die ehemalige Heimat, so Mongolei und drumherum, wieder für sich in Anspruch zu nehmen. Was in diesem Fall weniger Städtebau als Nomadendasein bedeutet. Einige kleine Abordnungen von türkischen Volkszugehörigen verlassen die Türkei und versuchen sich dort heimisch zu machen, sie haben dort auch keine größeren Probleme mit den jetzt dort lebenden Mongolen, weil das Land sehr dünn besiedelt ist. Da passiert etwas Schreckliches: in der Türkei erstarken wider Erwarten die kurdischen Terroristen, die im Parlament zunächst ihre verdeckten Mitglieder agieren lassen, schließlich aber die Regierung an sich reißen und mit massiven Repressionen bis hin zu mehreren Massakern gegen die Türken vorgehen. Andere Volksgruppen reagieren eingeschüchtert und kommen den Türken nicht zu Hilfe. Nachdem ein großer Teil der türkischen Bevölkerung ausgerottet ist, versuchen die Überlebenden zu fliehen. Ein Teil wendet sich nach Europa, weil sich dort seit vielen Jahren Türken niedergelassen haben und etabliert sind. Andere gehen in die USA oder in Länder des ehemaligen osmanischen Reiches, wo sie zwar aufgenommen, aber nicht gerade geliebt sind. Da ertönt der Ruf der in die Mongolei ausgewanderten Türken, doch auch in die angestammte Heimat zurückzukehren und ein großer Teil der Überlebenden macht sich dorthin auf. Jetzt ist die türkische Gemeinschaft dort erstarkt, aber noch immer in der Minderheit. Da wenden sich türkische Vertreter an die UN, ihnen doch dieses Land zuzusprechen, schließlich seien sie dort hergekommen und deshalb die eigentlichen Herrscher. Die UN kommt diesem Ansinnen nach, mit der Auflage, dass sich die Türken und die Mongolen über eine Aufteilung des Landes einigen. Die Mongolen werden nicht gefragt, ob ihnen das recht ist.
Die Auflage, Verhandlungen mit den Mongolen zu führen, ignorieren die Türken. In den folgenden Jahrzehnten drängen sie die Mongolen mehr und mehr ins Abseits, obwohl diese zahlenmäßig noch immer in der Überzahl sind. Das erreichen die Türken, indem sie sich gewaltsam Zugang zu den Bodenschätzen sichern und diese vermarkten, auch erhalten sie aus Europa, wo viele Türken seßhaft geworden sind, unentwegt Waffen und Geld im Überfluss. So reißen sie nach und nach die wenigen Städte an sich und gründen neue in den Steppengebieten, die allerdings nur mit höchster staatlicher Unterstützung zu erhalten sind, da es an Ressourcen und Verdienstmöglichkeiten dort mangelt. Den Mongolen wird auch die Beweglichkeit im Land erschwert, indem das wichtige Eisenbahn- und Straßennetz nur den Türken nutzbar gemacht wird. Volle Bürgerrechte haben nur Türken, Mongolen erhalten bei Wohlverhalten ein Aufenthaltsrecht, viele sind aber auch vertrieben worden, davon sind große Gruppen in das autonome mongolische Gebiet Chinas geflüchtet, das daraufhin Angriffsziel der Türken wurde und in mehrere Kriege verwickelt. Sonderbarerweise schreitet das mächtige China nicht ein, obwohl doch die Mongolei in der Entwicklung noch weit zurückliegt.
Die mongolische Bevölkerung, zunächst völlig überrumpelt von der Entwicklung, fängt an sich zu wehren, ist aber militärisch kaum ausgestattet. Trotzdem schlagen die Türken erbarmungslos zurück, wenn es militärische Angriffe gegeben hat. Die Mongolen rufen die UN um Hilfe an, diese rügt auch die Türken und erstellt diverse Resolutionen, die diese ignorieren. Trotzdem steigt die Unterstützung für die Türken aus dem Ausland stetig, sowohl mit Waffen, mit Geld und mit moralischer Zustimmung. Schließlich haben die Türken ja nur ihr Heimatland wieder in Anspruch genommen und das auch noch in einer Zeit höchster Not. Und sie haben schließlich die Mongolei vorangebracht und zu einem modernen Industriestaat entwickelt, mit der Ausbeutung von Bodenschätzen und einer hoch entwickelten Waffenindustrie.
Sechzig Jahre nach der Machtübernahme durch die Türken, sind die zahlenmäßig überlegenen Mongolen völlig entrechtet und wirtschaftlich am Abgrund. Industriell können sie nichts leisten und was die Ressourcen für die traditionell wirtschaftlich bedeutende Viehzucht angeht, sind sie von den fruchtbarsten Gebieten völlig abgeschlossen………usw.
Das kommt uns sicherlich allen bekannt vor.
Ein klarer Fall von äußerst geschicktem Muawiyanismus, oder? Und wir wissen sicherlich alle, auf wen dieses Gedankenspiel Bezug nimmt. Dass ich nicht direkt auf Israel hingewiesen habe, hat den Grund dass ich zeigen wollte, das meiner Meinung nach die Ideologie und die Strategie Israels auch überall anders zum Ausdruck kommen könnte. Nur sind es nun mal die Zionisten, die das so unrühmlich umgesetzt haben. Yazids Einfluss sehe ich weniger. Jedenfalls prassen die Zionisten nicht so offensichtlich wie die saudischen Prinzen, allerdings haben sie ihre Freude daran, sowohl die eigene palästinensische Bevölkerung zu malträtieren, als auch, sich die schönsten und ressourcenreichsten Gebiete zu sichern. Und dort wo es wenig Ressourcen gibt, schaffen sie diese heran, wie z.B. das Wasser aus dem Jordan, zu dem die Bewohner des Westjordanlandes keinen Zugang mehr haben und auf mildtätige Zuteilungen der Zionisten angewiesen sind. Aber der Haupteinfluss ist der eines Muawiya, vor allem was die unglaublich geschickte Instrumentalisierung der westlichen Welt angeht. Das Brechen von Verträgen – das hat auch Muawiya schon mit Imam Ali, a.s. gemacht, ebenso den Ressourcenklau. Den Islam hat er dazu nur am Rande benutzt, so wie im obigen Phantasiespiel auch ein ideologischer Hintergrund nur eine kleine Rolle spielt und nur zur Unterstreichung des historischen Anspruches auf das Land dienen soll. Ein wirklich ideologisches oder moralisches Konzept steckt nicht dahinter, ebenso wie der Zionismus dem Judentum kaum zuzurechnen ist. Gute Informationsquelle zum Thema “Zionismus versus Judentum” ist die Zeitschrift “Der Israelit” (http://www.derisraelit.org/).
Die Zionisten wären aber nichts ohne die Unterstützung die sie erfahren, sowohl moralisch als auch vor allem militärisch und finanziell. Und die Mongolen, Verzeihung, die Palästinenser wären nicht in ihrer bedrängten, verzweifelten Lage, wenn nicht ein großer Teil der Welt ungerührt zusehen würde, was ihnen geschieht. Sonderbar auch, dass das mächtige China die arabischen Länder sich so haben einschüchtern lassen, dass sie sich trotz ihrer fraglos vorhandenen Übermacht nicht von Anfang an gegen die Etablierung dieses menschenverachtenden Systems gewehrt haben. Und was können eigentlich die Mongolen die Palästinenser dafür, dass sich in einer anderen Weltgegend ein Völkermord an den Türken Juden ereignet hat? Und warum erkennt das gebeutelte türkische jüdische Volk nicht, dass es anderen genau das antut, was ihm selber widerfahren ist? Wohl auch eine Folge geschickten Taktierens ihrer muawiyanischen Regierung, die ihnen ein Übermenschentum einredet und es ihnen weitgehend bequem macht.
Ich finde es unglaublich, und das ist gänzlich von religiöser Geschwisterlichkeit den Palästinensern frei, denn das konnte ich auch schon als Nichtmuslima klar erkennen, dass hier ein Volk seines eigenen Grund und Bodens beraubt wird. Wir kennen wohl alle die Landkarte mit der zunehmenden “jüdischen” Färbung und den kleinen Apartheid-Inselchen, die mal ein souveräner Staat Palästina werden sollen – aber selbst das wird von den Zionisten noch verhindert. Befürworter der “Ein-Staat-für-alle” Lösung der Palästina Probleme nehmen das gelassen hin, weil diese Zweistaatenlösung sowieso unmöglich geworden ist. Und, wie es Samir Abbed-Rabbo (http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2011/09/14/zionisten-die-zweite-zwei-staaten-ein-staat-vortrag-von-samir-abbed-rabbo/) so schön sagt, würde diese die falsche Meinung unterstreichen, das Juden, Muslime und Christen nicht friedlich zusammenleben könnten.
Also: ganz unabhängig von religiöser Verbundenheit mit den Palästinensern – schließlich werden dort auch Christen und oppositionelle Juden unterdrückt – ist es unsere Pflicht, gegen Rassismus aufzustehen. Egal wo in der Welt solche Ungerechtigkeit herrscht. Dass uns natürlich die Unterdrückung der palästinensischen Geschwister besonders ins Auge und Herz sticht, liegt natürlich auch daran, dass dieses Land auch eine religiöse Heimat ist, aller drei monotheistischen Religionen natürlich. Was es besonders unverschämt macht, dass unter dem Deckmantel der Religion dort ein rassistischer Staat errichtet wurde.
Ich weiß ehrlich auch nicht, was man tun kann, außer immer wieder die Unterstützer des Zionismus mit der Nase auf die offensichtliche Ungerechtigkeit zu stoßen. Und natürlich, so gut es geht den Palästinensern, sei es in Gaza, in der Westbank oder den Flüchtlingen, beizustehen, materiell, spirituell und politisch. Und keine Angst dabei zu haben – so wie es uns die Iraner vormachen, die sich kein Sück darum scheren, dass man sie zu antisemitischen Teufeln erklärt, weil sie es wagen, die Wahrheit zu sagen. Inschallah setzt sich diese dann doch irgendwann durch. Israel isoliert sich zunehmend, auch seit die arabischen Völker sich gegen die Herrscher auflehnen, die es sich als amerikanische Marionetten gemütlich gemacht haben. Und selbst die allergrößten Unterstützer Israels sind langsam genervt davon, dass das Land penetrant gegen jegliche Abmachung verstößt. Vielleicht wird es finanzkrisengebeutelten Staaten auch zu teuer ständig U-Boot- und andere Geschenke zu machen.
Aber es ist viel mehr Solidarität und lautstarke Unterstützung der Palästinenser nötig, damit sich etwas ändert. Und das gilt im Übrigen für alle Länder der Welt, in denen unterdrückerische Systeme herrschen. Aber wir Muslime haben noch viel zu viel Angst vor Dingen, die nicht Gott sind. Imam Hussain, a.s. hat uns das nicht vorgemacht!
P.S.: ich hoffe die Türken sind mir nicht böse, dass ich sie hier beispielhaft verwendet habe, ich traue ihnen weder ein solches Vorgehen zu, noch erwarte ich, dass sich die Türkei so entwickelt wie ich es in meinem Beispiel geschildert habe (Gott bewahre!)

