Bismillah
Noch ein schöner Film, schon ein bisschen älter, von 2000. Wer ihn noch nicht gesehen hat, aber sich für fremde Kulturen interessiert, vielleicht speziell für die kurdische, für den lohnt sich das unbedingt. Er handelt von einer Familie von 5 Waisenkindern und diese Kinder spielen sich selbst. Das ist sehr rührend und traurig, denn das Leben ist extrem hart im iranisch-irakischen Grenzgebiet. Der zwölfjährige Ayub versucht sich als Lastenträger in einer Schmugglertruppe um seine Geschwister zu ernähren. Er gibt dafür die Schule auf, tut aber alles für seine kleine Schwester Ameneh, die so gerne Schulaufgaben macht. Der älteste Sohn der Familie, Madi, ist kleinwüchsig und spricht nicht viel – er leidet aber ständig Schmerzen und müsste operiert werden, um sein Leben einige Monate zu verlängern. Dafür fehlt aber das Geld. Die älteste Schwester Rojin stimmt zu, den Sohn einer wohlhabenderen Familie zu heiraten, wenn als Brautgabe Madis Operation bezahlt wird, aber die Schwiegermutter lehnt das ab, nachdem die Ehe schon geschlossen wurde. Da muss sich die Familie mit einem Maultier zufriedengeben. Ayub will mit der Schmugglertruppe über die Grenze um dort das Maultier zu verkaufen und er nimmt Madi mit, damit er im Irak operiert werden kann. Diese Schmuggeltouren sind gefährlich, harte Wetterbedingungen,Landminen, räuberische Hinterhalte – ich finde das Ende nicht so hoffnungsvoll wie manche Kritiker. Wenn ich nicht gesehen hätte, dass die Kinder ja noch ihre eigenen Rollen spielen könnten, hätte ich gedacht, die letzte entscheidende Schmuggeltour wäre schlecht ausgegangen.
Der Film macht nicht viele Worte, lange Strecken zeigen einfach nur die harte Realität, aber auch das liebevolle Familienleben. Mir gefällt der Film natürlich auch, weil ich vieles ähnlich aus unserem türkisch-kurdischen Dorf kenne, auch wenn die Bedingungen dort heute tausendmal besser sind. Die kleinen Häuser ohne Heizung und Strom, die Kleidung, die lebhaften Diskussionen und auch die heftigen Gefühle, das ist nicht viel anders als bei uns – abgesehen davon, dass diese Häuser in den letzten Jahren alle verlassen wurden und heute jeder im Dorf in Beton wohnt. Und wir sind auch nicht so weit ab von jeglicher Zivilisation, aber schon ein paar Kilometer weg von uns, sieht es genauso aus. Wie die Braut nach Hause zu ihrer Schwiegerfamilie geholt wird – heute passiert das mit dem Auto, aber ansonsten sind die Sitten ganz ähnlich. Auch dass frau vielleicht unangenehme Überraschungen mit der Schwiegermutter erleben kann, denn diese hat viel mehr Einfluss als der frischgebackene Ehemann. Nicht einfach, wenn die junge Braut dann keine starke Familie im Rücken hat.
Betrunken sind übrigens nicht die Pferde, sondern die Maultiere. Und denen Schnaps ins Wasser zu mischen, bewährt sich nicht unbedingt, wie der Film zeigt.
Die Regisseur ist Bahman Ghobadi und der Film hat in 2000 beim Festival in Cannes gewonnen. Ich hab ihn auf DVD angesehen.
