Archiv für den Monat Oktober 2011

Ein Film: Zeit der trunkenen Pferde

Ein Film: Zeit der trunkenen Pferde

Bismillah

Noch ein schöner Film, schon ein bisschen älter, von 2000. Wer ihn noch nicht gesehen hat, aber sich für fremde Kulturen interessiert, vielleicht speziell für die kurdische, für den lohnt sich das unbedingt. Er handelt von einer Familie von 5 Waisenkindern und diese Kinder spielen sich selbst. Das ist sehr rührend und traurig, denn das Leben ist extrem hart im iranisch-irakischen Grenzgebiet. Der zwölfjährige Ayub versucht sich als Lastenträger in einer Schmugglertruppe um seine Geschwister zu ernähren. Er gibt dafür die Schule auf, tut aber alles für seine kleine Schwester Ameneh, die so gerne Schulaufgaben macht. Der älteste Sohn der Familie, Madi, ist kleinwüchsig und spricht nicht viel – er leidet aber ständig Schmerzen und müsste operiert werden, um sein Leben einige Monate zu verlängern. Dafür fehlt aber das Geld. Die älteste Schwester Rojin stimmt zu, den Sohn einer wohlhabenderen Familie zu heiraten, wenn als Brautgabe Madis Operation bezahlt wird, aber die Schwiegermutter lehnt das ab, nachdem die Ehe schon geschlossen wurde. Da muss sich die Familie mit einem Maultier zufriedengeben. Ayub will mit der Schmugglertruppe über die Grenze um dort das Maultier zu verkaufen und er nimmt Madi mit, damit er im Irak operiert werden kann. Diese Schmuggeltouren sind gefährlich, harte Wetterbedingungen,Landminen,  räuberische Hinterhalte – ich finde das Ende nicht so hoffnungsvoll wie manche Kritiker. Wenn ich nicht gesehen hätte, dass die Kinder ja noch ihre eigenen Rollen spielen könnten, hätte ich gedacht, die letzte entscheidende Schmuggeltour wäre schlecht ausgegangen.

Der Film macht nicht  viele Worte, lange Strecken zeigen einfach nur die harte Realität, aber auch das liebevolle Familienleben. Mir gefällt der Film natürlich auch, weil ich vieles ähnlich aus unserem türkisch-kurdischen Dorf kenne, auch wenn die Bedingungen dort heute tausendmal besser sind. Die kleinen Häuser ohne Heizung und Strom, die Kleidung, die lebhaften Diskussionen und auch die heftigen Gefühle, das ist nicht viel anders als bei uns – abgesehen davon, dass diese Häuser in den letzten Jahren alle verlassen wurden und heute jeder im Dorf in Beton wohnt. Und wir sind auch nicht so weit ab von jeglicher Zivilisation, aber schon ein paar Kilometer weg von uns, sieht es genauso aus. Wie die Braut nach Hause zu ihrer Schwiegerfamilie geholt wird – heute passiert das mit dem Auto, aber ansonsten sind die Sitten ganz ähnlich. Auch dass frau vielleicht unangenehme Überraschungen mit der Schwiegermutter erleben kann, denn diese hat viel mehr Einfluss als der frischgebackene Ehemann. Nicht einfach, wenn die junge Braut dann keine starke Familie im Rücken hat.

Betrunken sind übrigens nicht die Pferde, sondern die Maultiere. Und denen Schnaps ins Wasser zu mischen, bewährt sich nicht unbedingt, wie der Film zeigt.

Die Regisseur ist Bahman Ghobadi und der Film hat in 2000 beim Festival in Cannes gewonnen. Ich hab ihn auf DVD angesehen.

Ein Filmzitat aus “Precious” – das Leben ist kostbar

Ein Filmzitat aus “Precious” – das Leben ist kostbar

Bismillah

Ich hab mir den Film auf DVD angesehen, der ist wirklich sehr anrührend:

Hier ist der trailer zum Film:

Über die Hauptdarstellerin

Schöne Konvertitin, hässliche Religion?

Schöne Konvertitin, hässliche Religion?

Bismillah

Die Geschichte von Maria K.:

Maria K.., eine attraktive Frau mit großen wunderschönen Augen, ist aus ihrer Religion ausgetreten. Sie hat über ihre schlimmen Erfahrungen ein Buch geschrieben, das ich hier vorstellen will. Sie wuchs in einer Atmosphäre auf, in der die Frau als minderwertig angesehen wurde, ja den Frauen wurde sogar die pauschale Verantwortung für das menschliche Leid zugeschoben. Durch den Sündenfall Evas, die wiederum Adam verführte, sei das Böse und das Unglück in die Welt gekommen. Als Kind musste Maria jeden Sonntag in die Kirche gehen, wo sie dem gesundheitsschädlichen Rauch eines  psychotropen Baumharzes ausgesetzt wurde und in einem Ritual, “Kommunion” genannt, angeblich Blut und Fleisch (in Wirklichkeit Brot und Wein, die vom Priester verwandelt wurden)des gekreuzigten Jesus, der in dieser Religion als einer von drei Bestandteilen Gottes verehrt wird, zu sich nehmen. Zur Vorbereitung auf dieses quasi kannibalische Ritual, musste sie in einem dunklen Holzkasten einem Priester ihre “Sünden” beichten, woraufhin dieser sie, angeblich im Namen Gottes, davon freigesprochen hat, wenn sie eine bestimmte Menge Gebete aufsagte. Damit sie an diesem barbarischen Ritual teilnehmen konnte, musste sie an einem weiteren Unterricht, gehalten durch den Priester, teilnehmen, bis sie in einer Feierlichkeit mit 8 Jahren für reif genug befunden wurde, jeden Sonntag ohne vorhergehendes Frühstück, einen Schluck Wein zu sich zu nehmen.

Man erklärte ihr, dass Jesus, als Sohn Gottes auf die Erde gekommen sei und Gottes heiliger Geist in seine Gefährten eingezogen, so dass diese nach dem Tod Jesu´die Berechtigung zur Gründung der Kirche erhalten hatten, welcher Maria angehörte.

Als sie älter wurde, sagte man Maria, dass sie zwar heiraten dürfe, aber nur einen Mann ihrer eigenen Konfession. Wolle sie einen Christen einer anderen Konfession heiraten, müsse sie sich verpflichten, alle ihre Kinder in ihrer Konfession erziehen zu lassen. Allerdings seien Christen anderer Konfessionen zur Hölle verdammt, wenn sie den katholischen Glauben nicht annähmen, sondern bei ihrer Konfession blieben. So käme sie also nicht mit ihrem Ehepartner ins Paradies, sollte dieser andersgläubig sein. Am sonntäglichen Blut-und-Fleisch-Ritual dürfe aber ein Ehepartner einer anderen Konfession nicht teilnehmen.

Ferner klärte man sie auf, dass eine Ehe für immer Bestand haben müsse, egal welche Konflikte es geben könnte. Ließe sie sich nach nichtkirchlichem Recht scheiden und lebe dann mit einem anderen Partner zusammen, würde sie von der Kirche ausgestoßen und verdammt. Die Priester dieser Kirche verzeihen also nicht nur angeblich im Namen Gottes Sünden, sondern bestrafen auch. Man sagte ihr auch, dass sie in ihrer Ehe Sexualität nur zur Zeugung von Kindern ausüben dürfte und auf keinen Fall die Empfängnis von Kindern verhindern.

In der Ehe sei der Mann das Familienoberhaupt und habe zu entscheiden, auch soll die Frau in der Öffentlichkeit nicht reden, wenn sie etwas wissen will, soll sie ihren Mann zu Hause fragen, so der Kirchenvater Paulus. In der Schöpfungsgeschichte stehe, dass der Mann über die Frau herrsche. Schließlich stehe in der Bibel, das die Frau die Dienerin des Mannes sei.  Deshalb haben auch Heilige der katholischen Kirche wie Thomas von Aquin gesagt: “Die Frau ist ein misslungener Mann. (…) Der wesentliche Wert der Frau liegt in der Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen. (…) Mädchen entstehen durch schadhaften Samen”

Maria wollte dieser Unterdrückung nicht mehr ausgesetzt sein und hat ihre Kirche verlassen. Das bedeutet, dass die katholische Kirche sie praktisch als verdammt erklärt. Im ersten Aufruhr nach ihrem Kirchenaustritt hat sie sich für den “Playboy” fast nackt fotografieren lassen. Darüber kann sie heute nur noch den Kopf schütteln. Jetzt ist sie glückliche Anhängerin einer Religion, die Gott nicht vermenschlicht und ihn als liebenden und verzeihenden Gott erkennt. Sie gehört einer Religion an, die Frauen als genauso wertvoll wie Männer achtet und ihnen die Möglichkeit gibt, bei schwerwiegenden ehelichen Konflikten geschieden zu werden. Ihre Beziehung zu Gott ist eine direkte, keine menschliche Instanz maßt sich an, zu entscheiden, ob ihre Sünden vergeben werden oder nicht.

Ist das, was Maria beschreibt, wirklich die christliche Religion?

Oder ist sie vielleicht nur Opfer einer besonders strengen Sekte geworden, oder ist die Unterdrückung und Entwertung die sie erfahren hat, im christlichen Glauben systemimmanent? Geschichtlich betrachtet, hat ihre Konfession schon immer viel Druck auf ihre Mitglieder ausgeübt. Die Priester waren ja durch die Beichte stets über die Vergehen ihrer Schäfchen informiert und haben dieses Wissen ausgenutzt. Auch hat die Kirche ungeheure Reichtümer angesammelt und hat ein Oberhaupt, dem im religiösen Fragen Unfehlbarkeit zugeschrieben wird und der nicht abgewählt werden kann. In früheren Jahrhunderten war die Kirche aber noch viel menschenfeindlicher als sie es heute ist.

Durch innerkirchliche Machtkämpfe hat sich die christliche Kirche gespalten. Die orthodoxen Kirchen, gemeinhin im Osten Europas angesiedelt, unterscheiden sich in ihrer Theologie nicht so sehr von der katholischen Kirche, die evangelische Kirche allerdings, hat durch die Reformation vor knapp 500 Jahren, einiges geändert, u.a. dass ihre Priester heiraten dürfen und dass Laien mehr Zugang zum theologischen Wissen zugestanden wird, z.B. durch die Übersetzung der Bibel. Den Kontakt zwischen Mensch und Gott sieht die evangelische Kirche auch direkter, d.h. nicht nur durch Mittelmänner möglich. Beim Abendmahl, dass auch die Evangelischen feiern, muss nicht Wein getrunken, sondern darf auch Traubensaft gereicht werden. Dafür haben aber manche Entwicklungen in den reformierten Kirchen eigenartige Auswüchse hervorgebracht, wie die Puritaner, die ein Menschenbild haben, dass die Menschen als grundsätzlich verdorben betrachtet. Da gehen sie weit über die anderen Kirchen hinaus. Auch einige Sekten, wie die Zeugen Jehovas üben Druck auf ihre Mitglieder aus und verstoßen diese aus der Gemeinschaft, wenn sie sich nicht unterwerfen.

Auch das Frauenbild ist in anderen christlichen Konfessionen nicht besser, Martin Luther der große Reformator, hat gesagt:
“Ob sie (die Frau) sich aber auch müde und zuletzt zu Tode tragen, dass schadet nichts, lass sie nur zu Tode tragen, sie sind darum da. (…) Will die Frau nicht, so komme die Magd.”

Mit Andersgläubigen sollen sich die Christen nicht abgeben: “Wenn jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht, so nehmt ihn nicht ins Haus und grüßt ihn nicht. Denn wer ihn grüßt, der hat teil an seinen bösen Werken”

Dazu kommt noch die Gewaltfrage: in früheren Jahrhunderten rief die katholische Kirche zu “Kreuzzügen” auf, um andersgläubige Länder (zurück) zu erobern. Heutzutage kommt der Aufruf zur Gewalt eher aus protestantischen, nichteuropäischen Kirchen, bzw. ihren Anhängern in Regierungen, die auch heute noch Kriege unter religiöser Begründung anfangen. Berufen wird sich auf die angebliche Aussage Jesu:”Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.”

Eine Vielzahl weiterer aufklärender Bibelzitate findet man hier: Die Bibel, ein Buch für Perverse

Insgesamt stellt sich also das Christentum nicht als besonders menschenfreundlich oder friedlich heraus. Das liegt womöglich an der eigenartigen Gedankenkonstruktion von der Dreiheit Gottes, als Gott, Mensch (Jesus) und heiligem Geist, die Verwirrung stiftet und dafür sorgt, dass die Gläubigen nicht wissen wie sie Kontakt zu Gott aufnehmen sollen und ob ihnen nun ihre Sünden durch Jesus´angeblichen Tod am Kreuz vergeben werden, ob sie die Vergebung durch gute Taten erringen können, oder ob sie ganz von göttlicher Gnade abhängig sind.  Diese sog. “Trinität” wurde ihnen nicht von Jesus, den sie doch als Gottes Sohn betrachten,  gelehrt, sondern Kirchenleute haben das so beschlossen.Außerdem kennen sie mehrheitlich ihre eigenen Glaubensquellen nicht, da ihre Bibel, die nicht mit dem Injil verwechselt werden darf, von dem der Koran spricht, von Menschen geschrieben wurde und auch ein großer Teil enthaltener Überlieferungen verworfen wurde und verloren gegangen ist.

So mögen wohl Marias Erfahrungen nicht üblich sein, zumal die Kirchen an Einfluss verloren haben. Aber sollten wir nicht viel strenger sein in der Beobachtung der christlichen Kirchen, gerade auch in der, fundamentalistischer Ausprägung, wie es die katholische Kirche ist? Müssen nicht ebenfalls Hassprediger die zur Besetzung anderer Länder aufrufen, verurteilt werden? Sind wir denn blind für die Gefahren, die die christliche Kirche über uns bringt?

Wahrscheinlich habt Ihr Euch jetzt verwundert die Augen gerieben, oder? Ich habe einfach mal umgedreht, was angeblich aus dem Islam Ausgetretene erleben und wie sie sich über ihre Ex-Religion äußern. Der Titel ist fast wortwörtlich aus dem “Pro”-Magazin, einer christlichen, eher dem evangelikalen Zweig zuzurechnender Publikation, in deren letzter Ausgabe eine “schöne Konvertitin” berichtet. Und natürlich lässt sie dabei kein gutes Haar an ihrem früheren Glauben. Was dazu führt, dass der Autor des Artikels bedenklich sein Haupt wiegt und zur Diskussion stellt, ob man nicht endlich dem Islam die Stirn bieten sollte.

Meine Ausführungen über das Christentum oben, sind natürlich völlig laienhaft, überspitzt oder schlicht falsch und auf jeden Fall zusammenhanglos im Internet eingesammelt. Denn genau das tun in der Regel die “Islamkritiker”: theologisch völlig unkundig und der arabischen Sprache nicht mächtig, nehmen sie richtige Zitate aus dem Zusammenhang, oder zitieren gar gleich Erlogenes. Mein Respekt vor unserem gemeinsamen Propheten Jesus, a.s., hat mich gebremst darin, ihn genauso grauenhaft darzustellen, wie es die Islamophoben mit Muhammed, s.a.s., tun.

Warum aber neigen Konvertiten zum Islam nicht dazu, sich derartig zu äußern, wie ich es hier getan habe? Gibt es über das Christentum diese schlechten Dinge nicht zu sagen? Doch es gibt sie, aber im Islam haben wir Respekt vor den anderen Religionen und wir suchen die Gemeinsamkeiten, nicht die Unterschiede und schon gar nicht beschimpfen wir den Andersgläubigen heilige Personen. Auch die Kritik an den Büchern der Religionen ist eine sachliche, denn wir glauben ja an den gemeinsamen Ursprung von Gottes Wort. Vielleicht formt aber ja auch wirklich das Christentum nicht so aggressive Persönlichkeiten und vielleicht gibt es den Menschen auch genug innere Freiheit, dass sie sich ganz sachlich mit dem Islam auseinandersetzen können und dann aus Vernunftgründen konvertieren. Während die Ex-Muslime anscheinend überwiegend schlimme Erfahrungen machen, so dass sie unter lautem Getöse ihre Religion verlassen und verachten. Warum Menschen den Islam so schlimm erleben, das müssen Muslime auch selbstkritisch untersuchen. Dass aber die Medien die wenigen Austritte aus dem Islam so lautstark publizieren, liegt vielleich auch daran, dass es so wenige sind, die gehen und so viele, die in den Islam eintreten. In Deutschland mehrere Tausend im Jahr.  Die Zahl der Kirchenaustritte aus der katholischen Kirche betrug in 2010  180.000. Eine Steigerung um 40% wegen der Mißbrauchsskandale, aber in 2009 waren es schon 128 000. Aus der evangelischen Kirche sind 2010 knapp 150 000 Menschen ausgetreten.

Erdbeben

Erdbeben

Bismillah

Die Nachrichten aus den türkischen Erdbebengebieten haben ja bestimmt alle verfolgt. Viele traurige Geschichten, wie die des kleinen Yunus, der das Beben zunächst überlebte, weil eine Leiche über ihm lag, die den Druck der Trümmer gedämpft hatte, der aber dann auf dem Weg ins Krankenhaus an inneren Blutungen starb. In dem verlinkten Artikel ist von einem Mann die Rede, der über ihm lag, mein Mann meinte,  er habe gelesen dass es  sich herausgestellt habe, dass es die Mutter gewesen sei, die sich schützend auf ihn geworfen hätte. Oder die der zwei Wochen alten Azra, die nach 47 Stunden unter den Trümmern gerettet wurde. Ihre Mutter hatte sie dort gestillt und Gott sei Dank wurde auch sie gerettet. Viele  Lehrer sind gestorben, aber dass es am Sonntag gebebt hat, als die Schüler zu Hause waren, ist wohl auch ein großes Glück.

Die Organisation der Hilfslieferungen wird kritisiert und bestimmt kann immer etwas besser laufen in solchen Situationen. Die Spendenbereitschaft der türkischen Bevölkerung ist aber enorm und natürlich wird auch Hilfe aus dem Ausland angenommen, der türkischen Regierung zu unterstellen, sie würde aus Arroganz Hilfe aus dem Ausland ablehnen ist bestimmt ungerecht. In der Stadt Van selber ist alles leicht zu organisieren, aber in den Bergdörfern die zur Provinz gehören, muss man sich auch erstmal auskennen. Spenden sind sogar aus Somalia eingegangen, dort gibt man von der Hilfe die das Land aus der TR erhalten hat, gerne etwas zurück.

Es gibt aber Hindernisse, die nicht sein müssten. Z.B. wurde von der PKK ein ein Bombenanschlag auf ein Militärfahrzeug verübt, während das Militär mit Hilfsmaßnahmen beschäftigt ist. Vier Soldaten wurden verletzt. Und es gibt organisierten Diebstahl von Hilfsgütern, die dann später an Bedürftige verkauft, statt kostenlos abgegeben werden. Wessen organisierte Banden da verantwortlich sind – meine kurdischen Verwandten haben da eine klare Überzeugung. Diebstahl klappt anscheinend besser als die Organisation der Hilfe vor Ort, aber das ist ja in von PKK-Ablegern regierten Regionen nicht unüblich. Provinzregierung und Stadtverwaltung haben über 24 Stunden gebraucht um zusammenzuarbeiten. Auch der “Rote Halbmond” wird wegen Desorganisation kritisiert.

Die türkische Regierung macht keine Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen bei der Krisenbewältigung. Man hat auch aus der Erfahrungen des Marmara-Bebens 1999 gelernt und heute gibt es viel stärkere Bauauflagen. Die schwersten Schäden in Van sind dann auch an Altbauten entstanden, wie man in den Filmaufnahmen sehen konnte, sind Neubaugebiete fast nicht betroffen. Trotzdem gibt es noch viel Korruption und Betrug bei Bauunternehmern und -aufsicht. Eine interessante Episode ist, dass ein Bauunternehmer zwei scheinbar gleiche Häuser gebaut hatte: das in dem er selber wohnt blieb unbeschädigt, das verkaufte wurde pulverisiert -  beide nur wenig voneinander entfernt. Tayyip Erdoğan hat angekündigt, alle illegal und unsicher erbauten Häuser abreißen zu lassen, ob die Besitzer wollen oder nicht – dass sie Ersatz erhalten würden ist selbstverständlich, aber bei über 40% illegal erbauten Häusern muss man erstmal schaffen, die alle zu kontrollieren. Nötig wäre es allemal, denn die TR ist durchgehend erdbebengefährdet.

Das liegt daran, dass sich unterirdisch das abspielt, was auch oberirdisch der Fall ist: ein Teil der türkischen Erde strebt nach Westen – ein Teil nach Asien. Wenn es gerade nicht so traurig wäre, würde ich wie sonst darüber schmunzeln und fragen, welches Geschehen ursächlich ist.

bei wiki findet man das anschaulich:

Gott alleine weiß, warum er diese Katastrophe geschehen ließ. Dass es eine Gelegenheit für die Türkei ist, zu beweisen dass sie von West bis Ost zusammensteht wie  Suat Kiniklioğlu von der Zaman meint, ist bestimmt nicht die schlechteste Lehre, die man daraus ziehen kann. Wenn das immer so wäre und der Terror, der ja bis vor kurzem noch die schlimmste Katastrophe diesen Jahres war, keine Unterstützung mehr finden würde, dann könnte es mit dem Land noch schneller bergauf gehen.

Unserer Familie und unserem Haus ist Gott sei Dank nichts passiert, wir sind auch noch ein gutes Stück vom Erdbebengebiet entfernt. Es ruckelt aber auch bei uns öfters und ich bin sehr froh, dass in unserem Haus dreimal soviel Stahl steckt, wie üblich. Bis jetzt hat dann auch höchstens der Putz mal ein bisschen gelitten, aber ein Beben solcher Stärke hat es natürlich noch nicht gegeben, da wäre dann auch bei uns im Dorf mehr kaputt gegangen.

Inschallah erreicht die Hilfe rechtzeitig alle Bedürftigen, die Verletzten werden geheilt und die Hinterbliebenen getröstet.

Bomb, bomb, bomb Iran?

Bomb, bomb, bomb Iran?

Bismillah

Wenn man “Iran bombardieren” googelt, dann erscheint eine lange Reihe von Sucherergebnissen, die allerdings alle schon ein paar Jahre, bis mindestens ein Jahr alt sind. Die Idee ist also nicht neu, wie wir wissen. Der Freitag hat allerdings eine Hoch-Zeit der Falken in den USA diagnostiziert. Der neue US-Verteidigungsminister habe am 3. Oktober bei seinem Antrittsbesuch in Israel auch über die israelischen “Bomb-Iran” Wünsche gesprochen. Angesichts innenpolitischer Schwierigkeiten wollen sich die USA diesmal nicht direkt beteiligen, aber ein Angriff Israels auf unterirdische iranische Atomanlagen in den nächsten zwei Monaten sei wahrscheinlich und erfolgversprechend. Passend tauchte ja auch kurz danach der lachhafte Attentatsplan auf, mit dem angeblich Iran den saudischen Botschafter in den USA ermorden wollte. Die USA haben auch bereits einen Berater nach Saudi-Arabien entsandt, um über die Gespräche mit Israel zu informieren.

Barack Obama habe sich jetzt in die Klemme gebracht, weil er gesagt hat, mit dem “Mordkomplott” sei eine rote Linie seitens Iran überschritten worden. Nun könne er schlecht seine Zustimmung zu einem Angriff Israels verweigern. Nach meiner Meinung wirft das noch mal eine neue Frage auf, wer denn diesen haarsträubenden Plan erfunden hat – cui bono – wenn es den Israelis nutzen würde, vielleicht haben sie es ja ersonnen? Angesichts der Terrorakte, die Israel weltweit verübt, immerhin auch eine Möglichkeit. Und dass sie sich dabei dusselig anstellen und sich erwischen lassen ist auch nicht neu, denn Israel schämt sich  wie wir nicht erst seit Mavi Marmara wissen für nichts und lässt die Welt auch gerne stolz seine Terroranschläge bewundern. Wir erinnern uns z.B. an Dubai, wo eine Bande von Mossad Agenten das Angenehme – einen netten Wochenendausflug – mit dem Nützlichen – der Ermordung eines Hamas-Offiziers verbunden hat.

Ich bin mir nicht sicher, ob es “mal wieder” ein Bomb-Iran Geschrei ist, wie alle Jahre wieder, oder etwas Ernsthafteres. Allerdings spielt Israel angesichts seines anhaltenden Streites mit der Türkei noch mehr mit dem Feuer als sonst – denn von dort ist keine Hilfe zu erwarten, ein besseres Argument für engere Zusammenarbeit der Türkei mit Iran gibt es wohl kaum, als einen Angriffskrieg Israels gegen Iran. Und auch wenn die neuen Bunkerbrecher Israels die unterirdischen Zentrifugen zerstören könnten, würde der Angriff nicht ohne Antwort bleiben. Wie sich wohl Ägypten dann verhalten würde? Auch wenn ich an wirkliche Veränderungen dort nicht glaube – im Moment reagiert das Militär und würde das zulassen, dass man ein ein islamischen Land einfach so angreift, oder hätte es sich Israel dann mit dem Nachbarn endgültig verdorben? Also da kann ich mir alle möglichen Eskalationsszenarien ausdenken. An deren Ende würde es wohl kein Israel mehr geben, egal wie viele Atombomben sie losschicken. Können die wirklich so dumm sein? Ähh-ehrlich gesagt traue ich ihnen das zu, Größenwahn ist immer gefährlich, wie wir Deutschen uns erinnern sollten.

Eine ganz entzückende “Bomb Iran”, bzw. “Bomb Chamenei” Vertreterin ist übrigens Saba Farzan, die neulich in derPhönix-Runde ihre verbalen Brandsätze legen durfte. Allerdings wollte sie “nur” Ayatollah Chamenei bombardieren. Bemerkenswert finde ich, dass zum Thema “Schurkenstaat Iran” nicht ein einziger iranischer Vertreter eingeladen wurde, man hätte ja den Botschafter bitten können. Aber mit, statt über Iran zu reden ist für Frau Farzan schon ein “roter Teppich” oder eher ein rotes Tuch? Jedenfalls kamen ihre Mit-Gäste kaum zu Wort und am wenigsten Herr Mützenich von der SPD, der sich sehr besonnen äußerte. Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik zeichnete sich dadurch aus, dass er Iran schwach reden wollte und die amerikanische Journalistin hat irgendwie keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Aber Frau Farzan hat sowieso am meisten geredet und jedenfalls immer recht. Mich wunderte, dass die Moderation zuließ, wie sie Herrn Mützenich über den Mund fuhr – dieser ist aber wohl immer ein besonnener Mensch und hat sich bis zum Ende geduldet, um seine recht differenzierten Äußerungen vorzubringen.

Ich hab nach der Sendung einige Bekannte gefragt, wie denn Iran solche Giftnudeln hervorbringt? Wo hat der Storch die aufgesammelt? Ahadi, Farzan, Rajavi – Ebadi ist da glaub ich noch harmlos. Mrs. Clinton könnte Ehrenmitglied bei der Truppe werden, so wie sie Spaß am Morden und Zusehen am Morden hat. Außerdem scheint sie Barack Obama ebenfalls ständig über den Mund zu fahren, der hat ja wohl gar nichts mehr zu sagen. Nicht dass uns dabei was entginge.

Aber ich schweife ab. Bomb Iran – das war doch nur ein Witz von McCain, oder? Vielleicht haben es aber doch ein paar falsch verstanden?

Der “Freitag” schreibt übrigens noch,dass israelische Zeitungen seit Wochen darüber spekulieren, dass Europa den Iranern erlauben könnte, ihr Urananreicherungsprogramm weiterzuführen. Das wäre ja echt ein Ding, wenn man diese völkerrechtliche Selbstverständlichkeit erlauben würde!

Im Gegensatz zu Israel, wird Iran allerdings von einer Persönlickeit reagiert, die erkannt hat, dass Herstellung, Lagerung und Anwendung von Atomwaffen Kriegsverbrechen sind. Und dank seiner geistlichen Autorität kann Ayatollah Chamenei das auch durchsetzen.

Jeder Angriff Israels auf Iran wird auf es selber zurückfallen – und das ganz ohne das jemand anderes Atomwaffen verwenden muss.