Und immer noch (k)eine Krise in der Türkei

Und immer noch (k)eine Krise in der Türkei

Bismillah

In der Türkei finden immer noch Machtspielchen statt. Nachdem die CHP den Schwanz eingezogen und ihre Abgeordneten ihren Eid auf die Verfassung geleistet haben und damit die “Parlamentskrise” beendet, die sie gerne gesehen hätten, lief alles fast normal, außer dass die “unabhängigen” Abgeordneten der BDP immer noch nicht zur Arbeit erschienen sind. Die haben ihre eigenen Pläne, aber dazu später.

Am Freitag ist die gesamte Militärführung der Türkei zurückgetreten und hat damit wohl bezweckt eine Staatskrise hervorzurufen. Anlass war das morgige Treffen des “Obersten Militärrates”. Die Militärführung hatte verlangt, dass die in Untersuchungshaft sitzenden Generäle trotz des Verdachtes auf Putschpläne befördert würden, was die Regierung abgelehnt hat.Sie sollen penstioniert werden. Der Rücktritt des Generalstabschefs und der drei Befehlhaber der Teilstreitkräfte hat aber keinesfalls das erwartete Erdbeben ausgelöst, sondern Ersatz war sogleich zur Hand. General Necdet Özel soll Generalstabschef werden, musste aber schnell noch zum Heer versetzt werden, da die Gesamtführung immer aus dem Heer besetzt werden muss. Das ist übers Wochenende geschehen und nun steht der Beförderung nichts mehr im Weg. Staatspräsident Gül hat schon seine Zustimmung gegeben.

Wenn man bedenkt, dass das Militär seit 1960 vier mal geputscht hat – wenn auch das letzte Mal schon 1980, dann ist diese hilflose Reaktion um so bemerkenswerter. Die Zeiten haben sich wirklich geändert. Also im Militär keine Krise.

Was die BDPler angeht, so haben sie weiterhin nicht vor, ihre Sitze im Parlament einzunehmen. Im Gegenteil, die “Demokratische Autonomie” der türkischen Kurden haben sie bereits ausgerufen und wollen jetzt ihr eigenes Parlament. Die mir bekannten Kurden und das sind ja nicht wenige, lehnen allerdings ab, sich von Terrorhelfern regieren zu lassen. Die Autonomieerklärung fiel übrigens mit dem Tod von 13 Soldaten bei einer PKK-Attacke zusammen, was sie immerhin als unglücklich bezeichnet haben. Warum eigentlich?

Also auch von denen lässt sich das business as usual in der Türkei nicht beeinflussen. Und wenn die Abgeordneten sich nicht im Parlament in Ankara sehen lassen, werden ihre Sitze dort auch bald verloren gehen. Einige sind ja wegen der anhaltenden U-Haft ihrer Abgeordneten sowieso nicht besetzt.

Ich hab das K  in der Überschrift in Klammern gesetzt, denn es gibt doch eine Krise, nicht wegen der obigen Kindergartenspielchen, sondern wegen des PKK-Terrors. Wenn das nicht in den Griff bekommen wird, wird auch Erdoğan in Schwierigkeiten geraten. Die Leute haben die schlechten Nachrichten satt. So kann man nur hoffen, dass die harte Gangart beibehalten wird, alle Versuche die PKK-Anhänger zur Vernunft zu bringen, haben ja nichts geholfen. Und da jetzt die Generäle und die anderen hohen Offiziere, die insgeheim mit der PKK zur Erhaltung der gegenseitigen Machtverhältnisse zusammen gearbeitet haben, kann man auch hoffen, dass zukünftig keine Meldungen von PKK-Angriffen mehr überhört werden und keine Drohnen umgeleitet um den Terroristen ausreichend Zeit zu geben, die Soldaten zu ermorden. Bei o.g. Attacke der die 13 Soldaten zum Opfer gefallen sind, hat es allerdings wieder eine erhebliche Verzögerung gegeben. Die Verantwortlichen sind immerhin versetzt worden.

7 Antworten »

  1. Salam aleikum

    Was denkt sich die PKK bei solchen Aktionen? Das habe ich vorhin auf twitter gefunden:
    http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2011/09/201230/?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

    Türkei: PKK tötet schwangere Mutter und ihre sechsjährige Tochter
    Diesmal hat ein Angriff der Terrororganisation PKK am Montag eine ganze Familie getroffen. Eine schwangere Frau und eines ihrer Kinder wurden getötet. Der Vater wurde schwer verletzt und kämpft noch um sein Leben.

    Ich versteh so was einfach nicht. Warum machen die sowas?

    • Wa aleikum salam,
      Terrorgruppen wollen Angst und Schrecken verbreiten, sonst funktioniert der Terror ja nicht. Und sie haben auch schon immer Kurden ermordet, die meisten Opfer der PKK sind Kurden. Aber anscheinend wird das jetzt mehr berichtet als früher, bzw. die PKK Propagandamaschine funktioniert nicht mehr so, mit der man das dem Militär oder der Polizei in die Schuhe schieben konnte. Außerdem werden so langsam die Kurden auch mutiger, die sonst vor der PKK gekuscht haben. Sie sehen doch auch, dass das Land Riesenfortschritte macht und es im kurdischen Gebiet nicht ankommt. Und natürlich sind die Verstrickungen von Militär und PKK aufgeflogen – also die PKKler sind in Panik, weil ihnen die letzten Felle wegschwimmen.

      • .. es ist einfach Wahnsinn. Jeden Tag liest man über neue Explosionen und Angriffe. Ich folge auf twitter vielen Nachrichtenagenturen aus Deutschland, der Türkei, GB, auch AlJazeeraEnglish ist dabei, und mag die twitter-Nachrichten schon gar nicht mehr wirklich anklicken. (Wahrscheinlich bin ich jetzt durch meine Schwangerschaft auch noch ein wenig empfindlicher geworden was das angeht)
        Aber da die kurdische Normalbevölkerung sieht, was die PKK alles anrichtet und wo die Terroristen überall bremsen was die Entwicklung der Region angeht, kann man ja wirklich Hoffnung haben.

      • Ja inschallah werden die mutiger, lassen sich nicht weiter unterdrücken und Angst machen. Man stelle sich mal vor, dass die Geschäftsleute zwingen ihre Läden zu schließen, wenn es die PKK befiehlt, dass sie Wahlzettel mit dem Handy fotografieren lassen um zu überprüfen ob derjenige das Kreuz an der richtigen Stelle gemacht hat, Geld erpressen sie sowieso usw. usw. Und die BDPler geben Kurse im Molotovcocktails schmeißen. Die Eltern schicken ihre Kinder dazu vor und dann beschwert man sich, dass Kinder im Knast sitzen. Was ich auch falsch finde, man sollte die Eltern einsperren und die Kinder woanders unterbringen. Das ist schon ein ziemlicher Sumpf. Aber der Terror funktioniert nicht mehr, wenn die Leute dagegen zusammenstehen.

    • Wa aleikum salam,
      Danke! Na ich bezweifle dass sie wegen einer “Meinungsäußerung” verurteilt wurde, oder weil man mit Öcalan “reden” sollte. Sind auch verkappte Drohungen in ihren Äußerungen: “Sie warnte davor, dass eine weitere Aufschiebung der Kurdenfrage die Menschen weiterhin in einer gefährlichen Situation, voller Gewalt und Konflikten, belasse.” Von wem geht denn hier Gewalt aus? Und die Frage von starken lokalen Regierungen? Es ist ja eigentlich nichts gegen ein föderales System einzuwenden, aber was man bis jetzt von “starken” Regierungen unter BDP-Verantwortung sieht ist, dass sie anscheinend stark genug sind, Gelder zu unterschlagen und ihre Leute zu tyrannisieren und im Stich zu lassen. Die Frage der parlamentarischen Immunität: ist es denn nicht richtig, dass das für die vorausgegangenen Straftaten nicht gelten kann? Also dass man nicht wegen einer frechen Bemerkung im Parlament verknackt werden soll, schön und gut – aber zu meinen man könne nicht für vorherig Taten verurteilt werden, ist schon etwas frech. Jetzt gewählte BDP-Abgeordnete haben im Wahlkampf Molotow-Cocktails in ihren Büros gelagert und – dazu gibt es TV-Aufnahmen – diese an Demonstranten verteilt.
      Auf eine solche “kulturelle Autonomie” können die Kurden gerne verzichten.

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