Archiv für den Monat Mai 2011

Rückfluglektüre: Der schmale Pfad von Ayşe Kulin

Rückfluglektüre: Der schmale Pfad von Ayşe Kulin

Bismillah

Ich hatte auf dem Rückflug aus der Türkei so gar nichts mehr zu lesen und darum habe ich mir dieses Buch im duty-free geleistet. Hab etwas mit mir gerungen, weil es um die Kurden-Türkenproblematik geht und da wird ja viel Mist verbreitet. Aber das Buch hat sich dann doch gelohnt.

Eine Geschichte aus dem letzen und diesem Jahrtausend

Nevra Tuna ist Journalistin mit derzeit ungewisser Zukunft. Sie hat durch kräftige Mithilfe unterstützender Personen geschafft, dass sie im Gefängnis Zeliha Bora für ein langes Interview besuchen darf – nicht ganz legal. Zeliha ist Kurdin und Parlamentsabgeordnete und sitzt wegen separatistischer Umtriebe ein.

Beide Frauen sind um die 40 Jahre alt. Es dauert nicht lange, bis sie in Streit geraten – Zeliha zeigt sich als unbeirrbare kurdische Kämpferin – Nevra hat Verständnis für die Bitterkeit, weil sie die türkische Kurdenpolitik auch kritisch sieht, lehnt aber die Vorgehensweise der PKK – hier nicht namentlich sondern nur als “die Organisation” genannt ab.

Als das Gespräch ganz schnell zu scheitern droht und Zeliha abrauschen will, stellt sich Nevra ihr in den Weg und gibt sich als alte Kindheitsfreundin zu erkennen.

Das ändert natürlich den ganzen Verlauf des Interviews, das man ein solches nicht mehr nennen kann. Unter Lachen und Weinen verbringen die beiden Frauen den Tag in dem ungastlichen Besucherraum und berichten sich von ihren Lebenswegen, nach ihrer Trennung in der Kindheit, mit ungefähr 10-12 Jahren. Fünf Jahre hatten sie davor zusammen verbracht, obwohl ihre Welten ganz unterschiedliche waren : Zeliha ist die Tochter eines ostanatolischen kurdischen Stammes und mit den strengen Regeln eines solchen, aber auch mit einem sehr liebevollen Großvater und Ağa aufgewachsen – Nevra ist Kind eines Staatsbeamten, der als Landrat tätig war. Sie freundeten sich damals an, als Zelihas Mutter bei Nevra im Haushalt half, als deren Mutter krank war. Der Großvater ist jemand, der mit alten Traditionen wie Ehrenmorden und Blutrache Schluß machen will – aber das ist schwer durchzusetzen. Immerhin ermöglicht er Zeliha den Schulbesuch, was so gar nicht selbstverständlich ist.

Nevras Vater war in der kurdischen Familie sehr angesehen, einmal weil er ein zupackender Beamter war (dass es  sowas gibt :-)   ), der ehrlich um die Entwicklung in der Region bemüht war – und später erweist er sich als treuer Freund, der seine Karriere ruiniert, weil er Zelihas Familie in einer sehr schlimmen Angelegenheit geholfen hat.

Als Kinder gehen die   Mädchen über alle kulturellen und sprachlichen Hindernisse einfach hinweg. Nevra lernt ebenso kurdisch, wie Zeliha türkisch spricht, aber die Dominanz des Türkischen wird schon daran klar, dass die kurdischen Namen in den Pässen verändert werden. Die Regierungspolitik ist damals so, dass man jeglichen kurdischen Einfluss verhindern will – und es gehen damals schon viele junge Männer als sog. Partisanen in die Berge. Aber das ist den Kindern natürlich nicht wichtig.

Die beiden Frauen schwelgen in ihren Erinnerungen. Es zeigt sich aber, dass das alte Verständnis nicht so einfach zu übertragen geht. Nevra hat studiert, Karriere gemacht und geheiratet, einen Sohn bekommen und schließlich ihre Ehe aus Gründen zerstört, die sie selber nicht mehr überzeugen (dabei spielt eine Küchemaschine als Auslöser eine Rolle, was auch schon ein bisschen komisch ist). Ihr Mann und ihr Sohn Cengiz leben inzwischen in den Niederlanden. Dass ihr Sohn Cengiz heißt, ist für die Geschichte sehr bedeutsam, denn Zelihas Bruder Cengiz war der Anlass für ein Einschreiten des Landrates, Nevras Vater, als dieser im Gefängnis war und sein Schicksal bestimmt auch das von Nevras Familie.

Zeliha ist früh mit ihrem Geliebten durchgebrannt, weil sie fürchtete mit einem alten Mann verheiratet zu werden. Ihre erste Ehe wird allerdings nicht glücklich, schon bald kommt ihr Mann mit einer zweiten Frau daher und sie trennt sich und kehrt ins Dorf zurück. Dass sie das unbehelligt tun kann, ist ihrem fortschrittlichen Großvater zu verdanken. Sie musste um ihre Ausbildung kämpfen und hat immer noch das Gefühl, dass sie hinterherläuft, bis zu einem Studium hat sie es nicht geschafft.

Nach ihrer Rückkehr lässt sie sich  doch noch verheiraten – ihr Mann ist verwitwet und um einiges älter und er hat zwei Söhne – aber diese Ehe wird tatsächlich glücklicher als ihre erste. Weil ihr Mann engagierter Kurdenpolitiker ist, nimmt auch sie an dem legalen Kampf der Kurden um Anerkennung ihrer Kultur teil – und als ihr Mann inhaftiert wird, macht sie weiter und wird tatsächlich ins Parlament gewählt.

Bei Zelihas Geschichte kommt der Eindruck auf, dass sie mehr oder weniger überrollt wurde von der Entwicklung und vor allem von ihrer eigenen Beteiligung. Das ist auch ein Unterschied, der sehr deutlich wird: während Nevra sich ungebremst von überholten Traditionen durch ihr Leben bewegt, ist Zeliha ihrer Kultur und ihrem Stamm so verpflichtet, dass sie mit ihrem Engagement das Risiko einer Haftstrafe eingegangen ist.

So sind auch bei aller alten Zuneigung ihre unterschiedlichen politischen Meinungen deutlich: Zeliha verteidigt den Chef der “Organisation” – den wir alle als Öcalan kennen, was natürlich im Buch nicht so genannt wird und den bewaffneten Kampf – für Nevra ist das alles blanker Terrorismus und kein Lösungsweg und sie warnt Zeliha davor, dass ihre “Organisation” sich von westlichen Mächten unterstützen lässt, die noch nie uneigennützig geholfen haben.

Darum streiten die beiden Frauen auch und erinnern sich dabei an das, was Zelihas Großvater über die Geschichte der Kurden über Jahrhunderte erzählt hat. Sie schonen sich dabei nicht und streiten über die Schuldfrage, türkische wie kurdische Verbrechen werden diskutiert, am Ende siegt aber doch ihre alte Liebe und Freundschaft und der Wunsch, dass sie etwas zu einem Kompromiss beitragen können. Die politische Situation unter der AKP- Regierung ist dafür so günstig wie nie. Nevra möchte ihre Freundin ermuntern, über Engagement für die kurdischen Mädchen, die zur Schule gehen und dabei Selbstbewußtsein erringen sollen, zu ihrem Kampf beizutragen – und nicht mit den Mitteln des Terrors. Dass die Situation im fernen Südosten der Türkei sich auch in den Familien ändern muss, ist beiden klar.

Der Handlungsstrang um Zelihas Bruder Cengiz, der sich durch das ganze Buch zieht, ist beispielhaft für die Politik in den 70/80er Jahren und zeigt sowohl die erpresserische, mafiöse Struktur der “Organisation”, als auch türkische Behördenwillkür und Folter – die auch Terroristen heranzieht. Durch diese Lebensgeschichte wird noch einmal die Verantwortung beider Konfliktparteien deutlich und die mißlungenen Versuche der beiden Familien, sich nicht in diese Vorgehenweise hereinziehen zu lassen.

Am Ende versprechen die Freundinnen sich, zu einer konstruktiven Politik beitragen zu wollen.

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Anfangs war mir das Buch etwas suspekt, Nevra war mir zu sehr auf Friede, Freude, Eierkuchen betont und Zeliha zu radikal. Aber durch ihrer beider Lebensgeschichten werden die Ursachen ihrer Entwicklung klar und durch die geschichtlichen Rückblicke verstand ich besser, wie unterschiedlich ihre Herkunft ist. Das Buch ergreift nicht Partei und schont keine Seite – gerade an der Geschichte von Cengiz wird vieles klar. Aber es ist auch hoffnungsvoll – so wie Zelihas Großvater und Nevras Vater sich angestrengt haben, Frieden und Entwicklung zu schaffen, führe es die beiden Frauen jede auf andere Art fort.

Und das Ganze ist nicht nur ein politischer Roman, sondern widmet den Frauen auch viel Zeit beim Betrachten ihrer Lebenwege – mit allen Irrtümern, Freuden und Verlusten.

Also mir hat es dann doch gefallen, :-)

Erschienen ist es in der türkischen Bibliothek des Unionsverlages.

Iran hat die Terroranschläge von 9/11 zu verantworten

Iran hat die Terroranschläge von 9/11 zu verantworten

Bismillah

Der “Spiegel” hat als erster gewußt, was sicher bis heute Abend in allen Medien nachgeplappert wird:

New York – Basierend auf Insider-Informationen haben Opferanwälte vor einem New Yorker Gericht beantragt, Iran wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001 schuldig zu sprechen. Es gebe dafür “klare und überzeugende Beweise”, erklärten die Anwälte in dem am Donnerstag eingereichten Antrag. Die iranische Regierung solle zu Entschädigungszahlungen verurteilt werden. weiter

Zusammengefasst: ein paar iranische Geheimdienstler die in die USA übergelaufen sind, haben dort berichtet, dass Iran über die Planung der Anschläge von 9/11 Bescheid wußten und somit hätten warnen sollen. die Anwälte der Opfer wollen jetzt Iran auf Entschädigungszahlen verklagen, nachdem sie mit diesem Anliegen schon an Saudi-Arabien und der Bin-Laden-Group gescheitert sind. Ach ja, und die Hisbollah war natürlich auch beteiligt, klar, so hat man die Bösewichter versammelt.

Anscheinend hat noch niemand die US-Regierung angeklagt, obwohl doch derartig viel Falsches über diesen traurigen Tag verbreitet wurd, dass es die Amerikaner zunehmend selber nicht glauben.

Und das drei Wochen nach der Lügenkampagne über die angebliche Hinrichtung Osama bin Ladens. Mit solch schlechtem Lügenmaterial, Bilder, Videos usw. dass man nur denken kann, “die halten uns für blöd”. Vielleicht verständlicherweise, denn welche Medien haben das groß hinterfragt. Hinter dieses Ereignis werden wir wohl noch kommen, das war ja nicht so groß aufgezogen wie 9/11. Sollen wir glauben, dass Obama  ups, verschrieben, Osama,noch gelebt hat? Sehr unwahrscheinlich. Und wenn doch, ist es vielleicht so gewesen?

Also außer im “Spiegel” hab ich den Unsinn noch nicht gelesen, aber bis heute Abend hat das sicherlich die Runde gemacht.

Türkisches Tagebuch 22 – Abschied nehmen und andere Kleinigkeiten

Türkisches Tagebuch 22 – Abschied nehmen und andere Kleinigkeiten

Bismillah

Es ist tatsächlich schon soweit: ich reise übermorgen in mein deutsches Zuhause und das Leben wird da wieder ganz anders sein. Ich werde hier oft gefragt, was mir besser gefällt und ich sage dann immer, dass ich das nicht sagen kann. Natürlich ist es schön hier mit der großen Familie, mit der wunderbaren Landschaft und der großen Gelassenheit. Aber Deutschland hat ja nun auch einiges zu bieten, u.a.  meinen Mann, meine kleine Familie, meine Wahlfamilie, meine Schwestern und Freundinnen. Dazu kann man mehr unternehmen und ich bin dort mobiler, brauche vor allem nicht immer eine Eskorte, wenn ich mich mal wegbewegen will. Dafür bin ich hier von der Hausarbeit weitgehend befreit und werde bekocht und verwöhnt. Dafür bin dann ich in Deutschland wieder zuständig, was aber auch seine Vorteile hat. Auf Kartoffeln freue ich mich z.B. sehr. Und auf die Möglichkeit Bücher zu leihen und zu kaufen.

In meinem Herzen wohnen vier Länder, mehr hat aber keinen Platz.

Am Wochenende nach meiner Rückkehr werde ich  inschallahschon wieder unterwegs sein, in die alte Heimat zu einer Familienfeier. Am Pfingstwochenende nach Hamburg zur “Islamistentagung” (ob die dieses Jahr wieder so einen Presserummel veranstalten aus lauter Angst vor uns deutschsprachigen Muslimen?)

Ja das sind so Dinge die ich hier nicht machen kann.

Bis jetzt sind noch keine Tränen geflossen zum Abschied, aber das wird noch passieren, da bin ich mir sicher. Übermorgen gegen 9 Uhr werde ich mit meinem Köfferchen zur Straße rollen und inschallah kommt dann bald ein Münübüs nach Gaziantep vorbei und lädt mich ein. Um 21:30 soll ich dann in München ankommen.

Gestern gab es hier eine Riesenaufregung, meine Mitbewohnerin zog sich hektisch und weinend an und sagte, die kleine Tochter unserer Nachbarn und Freunde hätte ganz schlimme Kopfschmerzen und müsse ins Krankenhaus. Daraufhin sind alle rübergelaufen, bis auf mich, denn ich sah mal wieder keinen Schlüssel und wir waren erst vor ein paar Tagen ausgesperrt und die Große musste über eine klapprige Leiter zum Flurfenster einsteigen, was ein ziemlicher Akt war, denn das letzte Stück musste sich sich hochziehen die Leiter war zu kurz.

Ich hab mir auch große Sorgen gemacht und ganz viel Dua, dass es nichts Schlimmes ist. Nach einer ziemlichen Weile kamen alle wieder und gaben Entwarnung, die Süße war am Fernseher zugange und hatte es geschafft den auf sich fallen zu lassen. Sie hat eine Schnittwunde an der Stirn die genäht wurde und heute ist sie schon wieder ganz munter. Puh, was für eine Aufregung, aber alhamdulillah.

Was ich immer vergesse zu erzählen:

die Zeit des buchlosen Haushaltes ist vorbei. Hier wird inzwischen gelesen. Ich war immer so entsetzt, dass es keine Bücher gab außer einem dekorativ aufgehängtem Koran, den aber auch keiner versteht.

und dass ich anfangs sehr verwundert war, weil ich Vogelgepiepse in meinem Schlafzimmer hörte und dachte, es hätte sich ein Piepmatz hinter den Schlafzimmerschrank verflogen. Dem war aber nicht so, das Piepsen kam aus dem Loch das in der Wand für ein Ofenrohr gelassen wurde. Nach innen ist das nur mit einem Deckel abgeschlossen und nach außen offen. Da nisten die Schwalben drin. Außer im Wohnzimmerofenrohr, weil das Zimmer  im Winter geheizt war. Inzwischen sind alle Vögelchen flügge.

Ja ich glaube das war es dann, was ich zu erzählen hatte, es sei denn es passiert noch etwas sehr Aufregendes am letzten Tag.

Türkisches Tagebuch 21: Stadtbummel in Adıyaman und Tee bei Tayyip

Türkisches Tagebuch 21: Stadtbummel in Adıyaman und Tee bei Tayyip

Bismillah

Heute konnten wir endlich unseren schon zweimal verschobenen Bummel in Adıyaman machen. Das war eine strapaziöse Angelegenheit, aber hat Spaß gemacht. Wir zwei Frauen und die kleinste Tochter also mit dem Minibus in die Stadt, den Bus hält man einfach an der Straße an und der ist oft vollgestopft. Ich hatte gerade noch das Glück den letzten Sitzplatz zu ergattern, meine Freundin auf einem Hocker und das Kind auf meinem Schoß. Ein Mann fuhr im Stehen mit. Es ist natürlich verboten mehr Leute mitzunehmen als Sitze da sind, aber das tun alle. Bei den gestiegenen Kosten für Diesel kann ich das sogar verstehen.

Na jedenfalls sind wir gut angekommen und haben als erstes einen Handyladen gesucht, um ein Telefon auf meinem Pass eintragen zu lassen. Das ist nicht mein Telefon, sondern gehört einem Verwandten, mein Mann hat es ihm mitgebracht und er hatte bis jetzt keinen deutschen Pass gefunden, in dem das aus Deutschland stammende Telefon eingetragen werden konnte. Wenn es nämlich nicht einem Ausländer zugeordnet ist, wird es gesperrt. Wir wurden ein paarmal weggeschickt in kleineren Läden und alls wir dann im  großen Turkcell-Shop fündig wurden, hat es geschlagene 90 Minuten gedauert, bis die Sache abgewickelt war. So was von nervig, langsam und umständlich, aber schließlich war es geschafft. Dass die Kleine nicht ausgeflippt ist, hat mich sehr gewundert.

Danach war es schon Mittagszeit und wir haben in einem schönen Restaurant Riesendönerteller gegessen.

Dann noch zum Bilgisayar-Hastanesi, also zum Computerkrankenhaus, der Blitz hatte nämlich die Lautsprecher zerschossen.

Ein Bummel durch den Basar und diverse Kleidergeschäfte, für die Kinder sind wir fündig geworden, aber für uns Erwachsenen nicht, da hab ich Stoff gekauft und lasse mir noch einen Shalwar-Pluderhose schneidern , eine hab ich schon und einen Rock.

Dann sind wir zur Krönung des Ausflugs in das AKP-Frauencafe gegangen, :-) Alles Fans von Tayyip Erdoğan, dem Herzensbrecher. Das Cafe war sehr gut besucht, gibt ja auch selten so einen Treffpunkt für Frauen. Da haben wir ein Weilchen gesessen und geplaudert. Da wir schon überzeugt sind, hatten die Wahlkampfhelferinnen nicht viel mit uns zu tun.

Ja der Wahlkampf: ungefähr alle 5 Minuten fährt in der Stadt ein Kemal- oder Tayyipmobil vorbei.

Dann noch zur Bushaltestelle, dort ist gleich ein Supermarkt und wir haben zwei große Einkaufswage voll eingekauft. Glücklicherweise mußten wir das ja nicht schleppen, da uns der Minibus ja direkt vor der Haustür rauslässt. Zur Beute gehört auch eine schön dekorierte Torte, ich hab eben in den Karton geguckt, weil ich sie fotografieren wollte, aber sie hat im Bus ziemliche Schaden genommen. Mal schauen, wie wir sie nachher aus dem Karton rausbekommen.

und hier die nur leicht gematschte Torte:

Zeitung lesen am Freitag dem 13. Mai, irgendwann in 1984

Zeitung lesen am Freitag dem 13. Mai, irgendwann in 1984

Bismillah

Nachrichtenagenturen verkaufen Nachrichten an die Medien. Gegen Geld. Da sollte man meinen, dass sie daran interessiert sind, seriöse Meldungen anzubieten. Scheint aber nicht so und darum ist Reuters   gerade was Peinliches passiert:

Damaskus (Fars News) – Die Nachrichtenagentur Reuters sah sich gezwungen, sich wegen der Veröffentlichung  fingierten Bild- und Archivmaterials, mit dem sie einen Aufruhr in Syrien suggerieren wollte, in einer ensprechenden Erklärung zu entschuldigen. Laut Bericht der Nachrichtenagentur Fars News hat ein Nachrichtensprecher des französischen Fernsehens am gestrigen Donnerstag bekannt gegeben, dass sich die Nachrichtenagentur Reuters bei diesem Sender wegen Bereitstellung von Archivbildern aus dem Libanon, welche dazu dienen sollten,  Aufruhr in Syrien zu suggerieren, entschuldigt hat. Dies ist nicht das erste Mal, dass Reuters unter Befolgung gewisser Absichten falsche Bilder von anderen Ländern verbreitet. Diese Nachrichtenagentur hat bereits eine wesentliche Rolle bei der medialen Aufbauschung durch die Zwiespalt stiftenden Bewegungen gegen Iran im Jahre 2009 übernommen. Mit dem Beginn von Protesten in Syrien hat Reuters alles daran gesetzt, die Proteste größer darzustellen als sie waren. In diesem Zusammenhang hat diese Agentur Falschmeldungen und Archivbilder oder Bilder von Konflikten, die in anderen Ländern aufgenommen wurden, verbreitet. via IRIB

Es stellt sich die Frage, warum? Zahlen diejenigen die ein Interesse an einer verfälschten Berichterstattung haben, besser als die “Qualitätsmedien”? Oder gibt es solche nicht mehr? Oder ein Bericht von Orwells Wahrheitsministerium?

Dieses Ministerium arbeitet auch am Thema “Krieg ist Frieden”. So richtet unsere Bundesregierung auch ganz uneigennützig ein Büro in der sogenannten Rebellenhochburg Bengasi in Libyen ein. So eine Art Mini-Botschaft. Damit zollt sie, ganz nach dem Beispiel der gesamten EU,Großbritanniens und der USA, den Rebellen eine Anerkennung. Den “Rebellen” die auf die Zivilbevölkerung keine Rücksicht nehmen und die keine Legitimation des libyschen Volkes haben.  Aber was macht das schon, Ghaddafi ist auch nicht vom Volk gewählt, da kommt es doch nicht darauf an. Allerdings wird man wohl jetzt den blutigen Weg bis zu Ende gehen müssen, denn mit Ghaddafi werden wohl keine Geschäfte mehr zu machen sein. Darum muss noch ein wenig länger der Zivilbevölkerung geholfen werden. Vielleicht genauso wie Ghadaffis Familie, die ja kürzlich vor ihrem Schicksal, dem Diktator als menschliches Schutzschild zu dienen gerettet wurde. Jedenfalls wenn wir jetzt endlich auch der Zivilbevölkerung helfen dürfen, wird die Schande, dass wir nicht von Anfang an bei dieser humanitären Aktion mitgemacht haben, hoffentlich ausgemerzt.

Was wird Angela Merkel sagen, wenn Ghaddafi dann endlich tot ist? Darf sie sich dann freuen, weil diese Hilfsaktion doch von der UN betrieben wurde?

Ich frage mich derweil, ob am Ende dann jemand eine Aufstellung macht, wieviel Opfer die langen Ghaddafi-Jahre im Vergleich zur kurzen humanitären Aktion gekostet haben werden? Die Aktion mag kurz sein, die Folgen der Uranmunition aber länger. Da können sich dann ja die siegreichen Rebellen im Irak erkundigen, wie die damit umgehen.

Das “Ministerium für Überfluss” sorgt inzwischen in unserem Heimatland für Butter aufs Brot. Denn man kann es ja nicht denen die unsere Arbeit nehmen, zumuten denen die ihre Arbeitskraft geben, ernähren zu müssen. Wo kämen wir denn dann hin? Unser großer Bruder Brüderle hat uns ja auch gesagt, dass wir keine Angst haben sollen. Da sind wir natürlich ganz beruhigt. Inzwischen ist in Iran ein ein Sack Pistazien umgefallen, was  auch schon Frohlocken in unseren Medien hervorgerrufen hat “Hurra, Regimekrise”. Das ist verständlich, denn das Ministerium für Liebe (Minilieb) duldet bei uns keine Abweichler, was man daran sehen kann, dass unsere Medien grundsätzlich alle das Gleiche schreiben. Wie sollte es denn im Land des erschreckendem  Irren aus Teheran anders sein?

Wie froh ich doch bin, dass ich in einem freien Land leben darf.

(Begriffe aus 1984 aus wikipedia)