Türkisches Tagebuch 5 – Haus und Hof

Türkisches Tagebuch 5 – Haus und Hof

Bismillah

Vorgestern ist der gekaufte Computer gekommen und das hat mich den ganzen Tag beschäftigt. Dabei wollte ich doch was im Garten tun. Aber windows 7 kenne ich nicht und schon gar nicht auf türkisch. Nun hat die Große beim rumspielen schon so einen komischen weißen Streifen fabriziert, der immer hin und her wandert. Und was bedeutet bloß “smart picture”? Na, irgendwann werden wir das wohl wieder los werden.

Ich brauch ja nicht viel Hausarbeit zu machen – und wenn dann lachen sich innerlich bestimmt alle schlapp, hier sind alle so Superhausfrauen. Ich hab zu meiner Freude aber auch ein paar Stellen entdeckt, die ich penibler putze. Dafür fällt mir nicht ein, jeden Tag Staub zu saugen, die Türen abzuwischen und die Fenster zu putzen. Gerne wird hier mit viel Wasser geputzt, der Balkon z.B. wird alle paar Tage mit dem Schlauch abgespritzt. Die Bodenfliesen drinnen dürfen aber nicht unter Wasser gesetzt werden, damit sich die Türen nicht verziehen und auch die Wände dürfen sie nicht mit dem Schlauch putzen, :-) . Wände abwaschen ist nämlich auch alle paar Monate mal dran.

Heute hat meine Mitbewohnerin ein 2kg Glas Brombeermarmelade mitgebracht. Wenn schon, denn schon, eingekauft wird immer in Mengen. So stehen in einem Zimmer diverse “Oskar”-Tonnen mit Reis, Bulgur, Würfelzucker, Knabberkram herum. Der Kühlschrank muss große Ausmaße haben, weil “Schrank” heißt hier eigentlich immer “Kühlschrank”. Palettenweise Eier, Joghurt selbstgemacht in Eimern, gerne viel Fleisch im Gefrierfach, Tomaten, Salatgurken, Petersilie. Das erste Mal hab ich heute gesehen wie der leckere Zitronen geschmack an so viele Gerichte kommt: Da gibt es so getrockneten Zitronenextrakt und der wird dann gemörsert, wie auch Pfefferminze und schwarzer Pfeffer.

Wir essen hier sehr gesund: frisches Brot (o.k. Weizenbrot, aber jeden Morgen frisch gebacken), Gemüse geschnippelt oder gebraten und viele Kräuter. Gelegentlich komme ich mir wie ein Hase vor, wenn wir Salatblätter einfach nur so knuspern. Bulgur gibt es fast jeden Tag, da freu ich mich mal über Spaghetti. Manchmal gibts auch Reis statt Bulgur, :-) . Aus dem, also aus dem Bulgur, nicht aus dem Reis, kann man vegetarische Köfte machen, den kann man in Brot einrollen oder in Gemüse füllen. Gegessen wird am Boden, mittags jetzt immer auf dem Balkon, morgens und abends ist es noch zu frisch. Ein Tischtuch wird ausgebreitet und alles draufgestellt. Und nach dem Essen gibt es natürlich Tee.

Neuerdings ist es Mode einen Eßtisch zu haben, aber ich glaube der würde hier nur Platz wegnehmen. Ich komm zwar nach dem Essen kaum noch hoch, bin nämlich das dauernde Sitzen auf dem Boden nicht gewöhnt, aber hier macht das niemandem etwas aus.

So gibt es also einiges, was von den Umbrüchen im Land zeugt: Geschirrspülmaschine und Backstelle im Freien, Internetcomputer und Holzofen…

Als der Computer übrigens kaum aktiviert war, wurde die Große schon beauftragt für eine Verwandte online einen Arzttermin auszumachen – das gibt es also auch schon.


2 Antworten »

  1. salam aleykum liebe meryem… also irgendwie schreibst zu wenig hier :-) finde es echt sehr erfrischend deine tagebucheinträge, ich würd ja auch gerne in der türkei leben, vorausgesetzt ich hab ein eigenes haus :-) an sommer muss ich mich aber erst mal, bzw überhaupt zum ersten mal an eine eigene wohnung in der türkei gewöhnen, endlich mal ruhe und platz im urlaub !! gefällts dir denn besser als hier? ich warte auch auf die zeit, wenn die kids ausm haus sind dann lass ichs mir da gut gehen hehe.. aber das dauert noch ne weile.. so und nun warte ich auf deinen nächsten bericht, salam esma (aus dem elli forum> aksarayli ;-) )

    • Wa aleikum salam,
      na immerhin eine eigene Wohnung, das ist doch was! Wir bewohnen hier ja auch nur eine Etage, unten sind die Mieter und ein Riesenlagerraum. Ich könnte jetzt noch nicht sagen, was mir besser gefällt, für eine Weile ist es schön hier, aber zu Hause hab ich eben mehr Freundinnen und kann man eben schnell irgendwohin fahren, hier kommt man ja ohne bodyguard nicht weit. Es ist mir eben alles noch nicht so vertraut und hapert mit der Sprache noch gewaltig. Aber jetzt gerade gefällt es mir sehr gut, :-) .

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