Bismillah
“Sicherheit und Ordnung”:
man kann nicht durch Irak Reisen um zu bemerken, wie weit das Land von der Normalität entfernt ist.
Schon die Flughafenkontrollen sind häufiger und gründlicher als anderswo, dazu werden Gegenstände beschlagnahmt die anderweitig kein Problem darstellen. In Süleymania wurden mir meine Akkus für den Fotoapparat weggenommen – allerdings nur die für die Reserve, die in der Kamera selber stellten kein Problem dar. Hab ich noch immer nicht verstanden. Im Flughafen selber gibt es Schilder wie wir sie für Notausgänge kennen, mit dem Zusatz “Shelter” (=Bunker). Unser Reisebegleiter meinte, das sei üblich, Notausgänge gäbe es nur in die Bunker.
Auf den Straßen, besonders in und um Bagdad gibt es alle paar hundert Meter Kontrollen – manchmal nur mit kurzer Befragung des Fahrers, mal mit einem Sprengstoffdetektor (sieht aus wie eine Wünschelrute), mal mit Passkontrollen. In Bagdad sind shiitische und sunnitische Stadtviertel durch Mauern getrennt, etwas dass durch den Terrorismus Import aus Saudi-Arabischen Wahabiten nötig wurde. Bei der Rückreise Richtung Flughafen Bagdad wurde das Gepäck zweimal mit Suchhunden nach Sprengstoff durchsucht, dazu diverse Personenkontrollen und das Handgepäck wurde nicht nur einmal sondern mindestens dreimal durchsucht. Per Durchleuchtung und zusätzlich von Hand.
In Najaf erstaunten uns Straßensperren und Wachhäuschen mit bewaffneten Soldaten an fast jeder Straßenecke. Man muss auch häufig durch Personenkontrollen an den Straßen: die Männer werden dabei von den Soldaten gefilzt, Frauen in abgesperrten Häuschen von Frauen. Dass vor den religiösen Stätten Kontrollen stattfinden habe ich ja schon erzählt. Manchmal werden auch einzelne Häuser besonders bewacht, vor allem von Gelehrten, denn hier hat es auch schon Anschläge gegeben. Wie unser Reisebegleiter erzählte, gibt es auch in Zivil gekleidete Beamte in Wohnhäusern, die sofort einschreiten können, wenn es Zwischenfälle gibt. In Zivil deshalb, weil sonst das Gefühl der Anwohner noch mulmiger wäre.
Kerbela ist von einem Sicherheitsring aus Mauern, Stacheldraht und Bewachung umzogen und hat ebenfalls im Inneren Straßenkontrollen, dazu fielen mir Scharfschützen auf den Dächern auf.
Eher amüsant zum Thema Ordnung: Die Ordnungskräfte in den Moscheen und Schreinen sind, ob Männer oder Frauen, mit Staubwedeln zum Eingreifen ausgerüstet (ihr kennt wohl diese knallbunten Dinger?) Damit wird man angestupst, wenn man irgendwo weggehen soll. Mit so einem Werkzeug wurde ich aus dem Schrein gefegt, bei dem Zwischenfall mit dem Handy,
In Najaf hatten wir mehrere Einladungen zu Vorträgen oder Gesprächen mit Gelehrten. Großayatollah Hakim sprach über den Zweck einer solchen Besuchsreise – sie dient zur Stärkung des Glaubens und dazu, Verbindung zu diesen heiligen Stätten aufzubauen – und über die Aufgaben die wir als Muslime in westlichen Ländern zu vollbringen haben. Ein starker Glauben zeigt sich auch durch die islamischen Tugenden und vorbildliches Verhalten und Engagement von Muslimen in der Gesellschaft. Dabei ist selbstverständlich, dass Muslime sich gewaltlos verhalten. Strenge sei gegenüber Glaubensgeschwistern nötig, die sich danach richten. Die Versuchungen in westlichen Gesellschaften sind sehr groß und von uns wird erwartet, dass wir die islamische Botschaft weitergeben.
Ein Historiker berichtete über die archäologischen Erkenntnisse rund um Najaf. Babylon liegt ganz in der Nähe und die Arche Noah soll in der Umgebung gestrandet sein, was wohl einhellige Archäologenmeinung ist, mit Ausnahme der türkischen, denn die haben die Arche am Ararat gefunden. Eine Studie dazu gäbe es vom Archäologischen Institut Bagdads und auch Imam Dschafar Sadiq, a.s., hat davon berichtet. Das Grab Imam Alis, a.s., steht auf den Bergen von Babel, auf dem höchsten Punkt. Das älteste Dokument zu der Umgebung ist eine Keilschriftplatte von 2600 vor Christus, a.s.
Bei Najaf liegt auch der Wadi-as-salam, der größte Friedhof der islamischen Welt. Er ist alleine 15 km breit und enthält inzwischen Millionen Gräber, auch von ungenannten Propheten. Es gibt Überlieferungen, dass dieses der Platz sein wird, an dem Allah der Erhabene die Menschen am Jüngsten Tag versammeln wird.
Beim Schrein Imam Alis, a.s. sind auch die Propheten Noah,a.s. und Adam, a.s. begraben.
Eine sehr geschichtsträchtige Umgebung und kein Wunder, dass diese Orte eine ganz besondere Stimmung vermitteln. Übrigens gab es dort früher ein Meer, dessen Kanten man noch sehen kann:
Das war ein trüber Tag mit einem kleinen Sandsturm.
