Archiv für den Monat Dezember 2010

Deutsch-türkischer – politisch-privater Ausblick ins neue Jahr

Deutsch-türkischer – politisch-privater Ausblick ins neue Jahr

Bismillah

In meiner blogfiliale beim „Freitag“ habe ich gerade eine lebhafte Debatte zur türkischen Regierungspolitik geführt. Es wird gerne abgestritten, dass die AKP-Regierung etwas für die Bevölkerung bewirkt hätte – nun aus eigener familiärer Erfahrung kann ich dem widersprechen, wie ich ja schon oft erzählt habe. Heute hat mein Mann dann von allerlei finanziellen Erleichterungen berichtet, ich hab natürlich in der Presseschau nachgeschaut:

Stipendien und Beihilfen für Studenten werden um 20 % erhöht, 24o YTL statt bisher 200, Essenzuschuß erhöht von 120 auf 150 YTL

Landwirtschaftliche Kredite kosten zukünftig 7% Zinsen, statt bisher 10%

Kindergeld für Kinder die in die Schule gehen, wird um 22-50 Prozent erhöht – welche Summen das genau beinhaltet weiß ich nicht – es handelt sich um Beträge von 40-50€ pro Kind, je nach Bedürftigkeit.

(nicht neu, aber immer noch schlau ist die Lösung, dass das Geld nur für Kinder gezahlt wird, die auch ihrer Schulpflicht nachkommen und nur an die Mütter ausgezahlt wird)

Ein neuer Mindestlohn wurde vereinbart:

Arbeiter über 16 Jahre müssen netto mindestens 630 TRY netto verdienen (gerundet), das sind ca. 307€

Arbeiter unter 16 Jahre bekommen mindestens 540 TRY netto, in € ca. 263

Das sind Steigerungen um ca. 5%. Die Gewerkschaften haben dagegen protestiert – klingt ja auch nicht wirklich viel, aber man muss bedenken, dass es sich um die Mindestlöhne für Tätigkeiten handelt für die keine Ausbildung erforderlich ist ( so was wie Tee-Austräger und Tellerwäscher) und dass 2003 dieser Mindestlohn ca. bei unter  50€ lag.

Das alles bei gesunkener Inflationsrate – auch wenn die Benzinpreise gerade  mal wieder hochschießen. Staatliche Preisbegrenzungen gibt es per Gesetz seit Erdogans Vorgängern. Eine einfache Wohnung, also wirklich einfache 3 Zimmer, kostet bei uns in der Kleinstadt um die 40€ – da kann man die Familie mit Mindestlohn und Kindergeld schon durchbringen. Die meisten verdienen ohnehin auch viel mehr – mein jüngster Schhwager,  Anfang 20 Jahre alt auf dem Bau als Ungelernter ca. 600€ netto. Er baut übrigens am neuen Krankenhaus für das Kleinstädtchen mit.

Während  ich mich hier so durchwurschtele spricht Präsident Erdogan im TV und erwähnte gerade, dass die

Renten nach 30 Jahren versicherter  Tätigkeit in 2003 bei ca.70€ lagen – heute bei ca. 800€.

Moqtada-al-Sadr aus dem Irak hat einen Brief  an MP Erdogan geschrieben und sich für dessen Ansprache zu Ashura bedankt – mit den Worten, dass dieser die Herzen aller Muslime berührt habe und kein anderer muslimischer Präsident habe so etwas je getan. (s.auch hier).

Das erfreut mein Herz, auch wenn es bei den Islamfeinden heftiges „hab ich´s doch gewußt“ auslösen wird. Ich bin glücklich über alles, was die Einheit der Muslime  fördert. Schließlich lebe ich ja in einer sunnitisch-shiitischen Ehe, da wollen wir uns doch nicht streiten oder gar Bomben über die Besucherritze werfen.

hier geht´s zur türkischen Presseschau

Ja soweit  die Politik. der private deutsch-türkische Ausblick ist auch ganz gut. Inschallah (so Gott will) werde ich im Frühling zwei Monate in unserem türkischen Dorf verbringen – ohne meinen Mann – dann wird es wohl mit meinem Türkisch mal vorangehen. Heute hab ich das Ticket gekauft. Wir wollen Internet legen lassen, ich muss ja ein bisschen Kontakt zur großen weiten Welt halten. Wenn also alles gut klappt, gibt´s hier bestimmt ein Türkisches Tagebuch. Und wenn es alles ganz gut läuft und ich sehr sparsam bin, kann ich im Spätsommer mit meinem Mann zusammen vielleicht noch mal für eine solche Zeit runter. Mein Ticket hat jetzt knappe 300€ gekostet, das war wirklich günstig.

Vorher hab ich inschallah noch eine andere Reise zu unternehmen, von der es bestimmt auch viel zu erzählen gibt. Aber ich verrate noch nichts, weil ich es  noch gar nicht glauben kann.

Ja – mein Jahr 2011 klingt momentan ganz vielversprechend. Nachdem ich so lange aus gesundheitlichen Gründen kaum reisen konnte – geschweige denn andere Sachen unternehmen – freue ich mich ganz besonders über diese Aussichten. Inschallah bringt mich das auch gesundheitlich voran, so dass ich dann auch langsam wieder an´s arbeiten denke, bin doch ein bisschen  jung für Dauerrente (mein gefühltes Alter schwankt allerdings zwischen 15 und 95).

In diesem Jahr ging es langsam bergauf in fast jeder Hinsicht – alhamdulillah – das darf gerne so weitergehen für uns.

Meinem blog will ich natürlich treu bleiben, auch wenn ich in letzter Zeit etwas weniger schreibe. Hab noch ein, zwei andere Projekte, die etwas Zeit brauchen.

Also, bleibt mir gewogen.

Ich wünsche meiner Fangemeinde, :-) , schon mal einen schönen Jahreswechsel und ein gutes Jahr 2011!

Fundbüro: Interview mit Christoph Hörstel zum Terrorismus

Fundbüro: Interview mit Christoph Hörstel zum Terrorismus

Bismillah

Nicht dass wir es uns nicht schon immer gedacht haben:

zum Interview

 

Buchbesprechung: Gott und die Welt von Ayatollah Beheschti

Buchbesprechung: Gott und die Welt von Ayatollah Beheschti

Bismillah


Dieses wird zu den Büchern gehören, die ich immer wieder mal zur Hand nehmen und lesen werde – so ganz einfach ist es nämlich nicht und beim zweiten Anlauf haben sich mir schon andere Sachen erschlossen als beim ersten Mal. Ich versuche mal, ein bisschen zusammenzufassen.

Das Thema „Gott und die Welt“ besagt, dass sich der Autor mit der Beziehung des Menschen zu Gott auseinandersetzt und zwar angefangen mit der Frage, „gibt es Gott?“. Ayatollah Beheschti bezieht bei seinen Überlegungen auch die heiligen Schriften anderer Religionen, wie die Upanischaden der Hindus ein und Philosophen wie Aristoteles. Er beschreibt, dass in den heiligen Büchern eigentlich nie diese Frage gestellt wird, anders als bei den Philosophen. Trotzdem verbietet der Koran nicht, die Frage nach der Existenz Gottes zu stellen – zeigt uns aber anhand der Abhängigkeit der Geschöpfe die Existenz  eines Schöpfers (Das ist jetzt wirklich seher verkürzt).

Dass die Menschen ein tiefsitzendes Bedürfnis nach Gott haben, dass das ihre natürliche Veranlagung ist, mit der sie geboren werden sagt uns der Koran auch – und beweist dann, dass es nur einen Gott geben kann. Selbst die Götzenanbeter haben hinter allem einen „Hauptgott“ gesehen, allerdings sind die Götzen die sie sich geschaffen haben als Fürsprecher ihnen nutzlos. Ayatollah Beheschti erzählt dazu die Geschichte des Propheten Ibrahim, a.s., den Juden, Christen und Muslime gleichermaßen verehren und in dessen Geschiche die Überwindung der Götzenanbetung beschrieben wird.

Ein weiteres Thema sind die Fragen von Ursache und Wirkung, Aberglauben und Wundern. Der Koran fordert uns auf, Wissen zu erwerben und nicht irgendwelchen Hokuspokus zu betreiben  – die Wissenschaft ist  nicht  im Widerspruch zum Islam. Und dass unser menschliches Handeln Konsequenzen hat, ist unübersehbar – trotzdem kann Gott das  Prinzip von Ursache und Wirkung außer Kraft setzen – und das nennen wir dann ein Wunder.

Natürlich ist Gott der Herr über alles was geschieht – die Gesetzmäßigkeiten hat er ebenso geschaffen wie unseren freien Willen – und er gibt uns die Möglichkeit unser Schicksal zu ändern durch die Kraft des Bittgebetes. Dieses gibt es auch in nicht monotheistischen Religionen – aber dort wird nicht alleine Gott um Hilfe gebeten, was wiederum Götzenanbetung bedeutet.

Ein wichtiger Abschnitt ist dem Gottesdienst und dem Gehorsam gewidmet: Ayatollah Beheschti belegt anhand des Quran, dass wir erstens den Menschen gehorchen sollen, die uns mit göttlicher Autorität auf der Erde leiten, wie die Propheten, a.s., oder die Imame, a.s. Er weist aber ausdrücklich darauf hin, dass diese Pflicht zum Gehorsam nur gilt, solange  sich die Person an Gottes Gebote  hält. Und eine deutliche Absage wird Streitigkeiten unter den Angehörigen verschiedener Offenbarungsreligionen erteilt, ebenso wie Streit unter Anhängern des Islam. Gespräch darüber, wie man den Koran versteht sind erlaubt – Streitigkeiten bedeuten eine Form der Selbstdarstellung und -verehrung, die schon wieder unter Götzenanbetung fällt. Wie der Koran uns sagt, sollen wir uns kennen lernen, wetteifern in guten Taten und darauf  vertrauen, dass sich alle Missverständnisse aufklären werden, wenn wir zu Gott zurückkehren.

Vermutlich war das ein Thema solange es Menschen und Religion gibt – aber wenn man sich die Welt gerade anschaut, ist das top aktuell.

Ein weiterer Abschnitt widmet sich der Frage, wie der Mensch das Wesen Gottes erfassen und beschreiben kann – ohne in die Extreme der absoluten Unbeschreiblichkeit oder andererseits in die des Morphismus, also in die Vorstellung das Gott einen irgendwie gearteten Körper hat, zu verfallen. Den Mittelweg zeigt uns der Koran anhand der vielen Namen oder Attribute Gottes, sowie an der Beschreibung Seiner Unabhängigkeit und Bedürfnislosigkeit im Gegensatz zu Seinen Geschöpfen. Einige Seiner Attribute wie die Weisheit, die Allmacht, die Lebendigkeit, der  strafende, der richtende,der vergebende, der gerechte Gott werden erläutert.

Mit Zitaten aus den heiligen Schriften anderer Religionen zeigt der Autor uns wiederum die Unterschiede auf. Beinhaltet ist auch die Frage, ob Gott sichtbar sein kann und wie ER ohne Ort existiert und doch immer bei uns ist.

Das Buch schließt mit der Lehre, dass der Mensch direkt auf seine Selbstvervollkommnung hinarbeiten kann, oder  indirekt, in dem er sich um die sozialen, ökonomischen und ökologischen Voraussetzung bemüht, in denen eine Entfaltung des Menschen im Sinne des Wortes Gottes möglich ist.

Inschallah habe ich einigermaßen zusammengefasst, womit sich das Buch beschäftigt und neugierig gemacht, es zu lesen.

Gekauft habe ich es wie fast alle meine Islambücher hier

Über den Autor hier bei eslam.de

Weihnachts-Terror, Weihnachtsbraten und psychiatrische Symptome

Weihnachts-Terror, Weihnachtsbraten und psychiatrische Symptome

Bismillah

Die Türkei hat einen hochrangigen PKK-Terroristen gefangen.In der Türkei wird niemand mehr aufgehängt, so gesehen hat der Terrorist, der für viele Todesopfer in der Türkei verantwortlich ist, noch froh sein. Andere waren leider nicht so erfolgreich, Pakistan hat dementiert, einen Jundollah-Terroristen gefangen zu haben und in Afghanistan wurde kurzzeitig der  Weihnachtsmann inhaftiert.Ein Weihnachtsmärchen sozusagen.

Iran hat 11 Jundollah Terroristen hingerichtet – diese Terrorgruppe hat während der Ashura Gedenktage in Iran 38 Menschen durch einen Selbstmordanschlag umgebracht und weitaus mehr verletzt.

Italienische Briefbomben kommen nicht von den Taliban, *schnauf* – endlich muss ich mich mal nicht distanzieren – tu ich aber vorsichtshalber hiermit trotzdem. Und Israel bombardiert mal wieder den Gazastreifen. War es nicht genau vor 2 Jahren, dass das letzte große Massake dort anfing? Wahrscheinlich denken die Israelis, dass dann keiner hinguckt.

So richtig  Weihnachtsstimmung kommt dabei nicht auf, oder?

Und wer hat uns das alles eingebrockt? Auch nicht der Weihnachtsmann – hier in deutscher Übersetzung.

O.K. ich weiß ich erzähle nichts Neues, aber irgendwie haben sich diese Nachrichten gerade so gehäuft. Dass es auch noch einen weihnachtlichen Konsumterror gibt, ist dagegen nur eine Kleinigkeit. Mir gefällt ja Weihnachten viel besser, seit ich Muslima bin. Kein Streß, nur friedliche Stimmung, Kerzen und Kekse.Und Erinnerung an die Geburt des Propheten Jesus, a.s. und an seine kluge und standhafte Mutter Maria, a.s. Eine sehr schöne Rezitation der 19. Sure des Koran die nach ihr benannt wurde, hab ich hier gefunden.

Nach christlicher Überlieferung ist ja die Geburt Jesus, a.s., anders verlaufen. Erst einmal  mussten seine Eltern eine Unterkunft finden und kamen schließlich in einem Stall unter,wie wir alle wissen. Eigentlich sollte das besonders dazu inspirieren, an Weihnachten sich um Arme und Obdachlose zu kümmern. Manche sehen das ganz anders, wie Leo berichtet. So bitterkalt wie es dieses Jahr ist, muss es sehr schwer sein, zu überleben ohne Dach über dem Kopf. Wenn ich im öffentlichen Nahverkehr unterwegs bin, sehe ich irgendwie immer mehr Menschen in dicken Schichten abgetragener Kleidung. Ich hoffe, man lässt bei diese Kälte auch nachts die U-Bahnhöfe offen. Außerdem hab ich gerade beim Rumsuchen nach Initiativen für Obdachlose herausgefunden,warum man nur Adelholzener Sprudel trinken sollte. Der ist ja hier sehr verbreitet in Norddeutschland haben wir den nicht – aber jetzt ist die Wasserwahl ja ganz einfach.

Tja – einen Gänsebraten gibt´s dieses Jahr wieder nicht – eine halal geschlachtete Gans zu bekommen ist eben nicht  so einfach. Immerhin gibt´s Putensalami von Wiesenhof, das ist doch auch was. Rotkohl und Klöße geht ja auch mit Hähnchen. Ist ungefähr so wie Methadon statt Heroin, spricht die Drogenberaterin in mir. Nachdem ich mich schon über türkischen Rinderbraten ausgelassen habe und jetzt schon wieder Fleisch erwähne, sollte ich vielleicht wirklich wieder  ein Stück essen – bin ja nicht für reichlich Fleischkonsum und lasse das lieber meinem Mann.

Ich gebe zu, im Moment sind meine Beiträge hier etwas  assoziativ gelockert- da ich an keiner Psychose leide ist das wohl nur ein Spätschaden aus der jahrelangen psychiatrischen Arbeit.


Jetzt nehmen uns die Türken auch noch den Rinderbraten weg und andere türkische Nachrichten

Jetzt nehmen uns die Türken auch noch den Rinderbraten weg und andere türkische Nachrichten

Bismillah

Es ist wirklich empörend: Jetzt importieren die Türken auch noch europäisches Fleisch – aus Österreich! Klingelt´s da nicht? Die Türken vor Wien? Diesmal durch die Hintertür des Schlachthofes? Auf Kosten armer Europäer, die sich jetzt das Fleisch nicht mehr leisten können?
4.000 Tonnen Rindfleisch in Türkei exportiert
200.000 Tonnen Rindfleisch werden in Österreich jährlich produziert. Knapp die Hälfte davon wird ins Ausland verkauft.

Laut Agrarmarkt Austria wurden seit November allein 4.000 Tonnen Rindfleisch in die Türkei exportiert.

Durch die große Nachfrage von Seiten der Türkei sei nun auch der Preis in Österreich gestiegen, sagt Filippi. Quelle

Der Hintergrund der vermehrten Fleischimporte ist der wuchernde Fleischpreis in der Türkei. Dieser ist explodiert, auch weil die Tierhaltung in der TR nachgelassen hat – so heißt es und so sehen wir es auch in unserem Dorf – sind bis vor ein paar Jahren noch tausende „kleiner Köpfe“ Vieh – Schafe und Ziegen durch die Gegend gewandert, gibt es jetzt nur noch ein paar Hundert. Vermutlich weil es inzwischen auch andere attraktive Arbeitsplätze gibt, so dass sich die aufwendige Arbeit mit den Tieren nicht lohnt. Fleisch ist aber trotzdem kaum erschwinglich und gerade zu den Feiertagen unverschämt teuer. Dass die Regierung den Import von ausländischem Fleisch gefördert hat, hat sich nur bedingt ausgewirkt, da Großhändler einen erheblichen Teil davon eingelagert haben um die Preise hoch zu halten.

Das ist aber nicht das einzige Thema, die Türkei betreffend: noch spannender als die Speisekarte ist der Prozeß gegen 196 ranghohe Militärs, die am Putschplan Vorschlaghammer beteiligt waren. Es gab vorher einiges an Unruhe, Verhaftungen und Wiederfreilassungen von Generälen. Auch traut sich die Regierung inzwischen, Generäle zu suspendieren, z.B. solche, die von PKK-Terroristen angegriffene Soldaten im Stich gelassen haben, obwohl über eine „Drohne“ ersichtlich war, dass die Soldaten angegriffen wurden. Hier wird z.B. über die Zusammenarbeit einiger Militärs mit der PKK berichtet. Mein Mann hat sich sehr aufgeregt, dass der Verantwortliche für das Ereignis, auf seiner Beförderung bestanden hat und vor Gericht zog, um einen weiteren Stern zu ergattern. Nun ist er suspendiert worden, Stern oder kein Stern. Die Türkei hat übrigens auch ihre war logs

Während die Hoheit des Militärs über alle gesellschaftlichen Bereiche also fast vollkommen abgeschafft wurde und eine beispiellose Demokratisierungsbewegung in der TR stattfindet, wittert der Vorsitzende der CHP, Kilicdaroglu, Faschismus. Woran er das festmacht hat er wohl nicht geäußert – das kennt man von ihm – allerdings finde ich es doch putzig, dass er die Kandidaten für den Parteirat selber bestimmt hat. Seine Partei hat er allerdings nicht wirklich hinter sich. Keine ernstzunehmende Konkurrenz für Erdogan bei den Wahlen im nächsten Jahr – die CHP hat einfach kein eigenes Thema und zeigt sich immer wieder wankelmütig.

Erdogan war am Wochenende übrigens in Mus zu Gast. Das ist heißes Pflaster für manche Politiker, weil Kurdengebiet und geschichtsträchtig, auch in der Armenierfrage. Leider hab ich auf youtube nur ein kurzes Filmchen gesehen, schade, mich hat nämlich beeindruckt wie viele Frauen auf dem Platz waren um ihn anzuhören. Die USA wärmt wie alle Jahre wieder das Thema einer Völkermord Resolution auf, womit sie sich bei ihrem türkischen Verbündeten noch unbeliebter machen – denn die Türken verstehen einfach nicht, was die geschichtlichen Ereignisse die Amerikaner angehen – schließlich rechtfertigen die sich ja auch nicht für den Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern oder andere Verbrechen ihres Staates. Die Türkei hat schon im Jahr 2005 den Armeniern eine gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte vorgeschlagen, was Armenien allerdings ablehnt, weil damit angeblich der Völkermord relativiert würde – nicht sehr einleuchtend und schade eigentlich – denn wenn dieses Thema mal bearbeitet würde, dann hätte auch die Türkei einen großen Schritt zur Verarbeitung ihrer Geschichte gemacht – und es würden vielleicht auch das Schicksal vielen türkischen Opfer aufgeklärt werden.

Der Großvater meines Mannes hat oft davon erzählt, wie er auf einem Stein gesessen und seinen sieben älteren Brüdern nachgewunken hat, die allesamt von armenischen Soldaten abgeholt wurden und nie zurückkehrten.

Aber wer weiß – wenn jetzt mal mutig die heutigen kriminellen Verstrickungen des Militärs mit kurdischen Terroristen aufgeklärt sind, wenn die Entspannung zwischen türkischen Türken und kurdischen Türken sich fortsetzt, dann traut man sich vielleicht auch mal an die Armenier heran.

Ich kenne keine Probleme zwischen Kurden und Türken im normalen Dorfalltag. Allerdings gibt es Stimmen, die keinen Frieden wollen. Sogar bis nach Deutschland reichen die langen Arme der PKK, klar auch hier wird ja Geld gesammelt.

Leo hat in seinem blog kürzlich einen Artikel über Fetullah Gülen besprochen, in dem die regierende AKP des Ausverkaufs von Istanbul angeklagt wird und konstatiert, dass das nun eine ganz normale politische Partei geworden sei. Ich kann zu Istanbul absolut nichts sagen, allerdings hat Erdogan seine Landsleute im großen Anatolien ganz gewiß nicht verraten. Wenn inschallah alles klappt wie ich es mir wünsche, werde ich im Frühjahr 2-3 Monate in unserem Dorf sein und ganz viel dokumentieren, was sich da entwickelt hat in den letzten Jahren, ich hab ja hin und wieder schon mal erzählt über Infrastruktur, Soziales und Bildung. Alle Vorgängerregierungen haben die Landbevölkerung im Sticht gelassen – also kein Wunder, dass Erdogan überwältigende Stimmenmehrheit im Osten hat. Vielleicht krieg ich ja sogar ein bisschen Wahlkampf mit, :-)

na genug für heute, ich wollte ja eigentlich nur vor den türkischen Fleischräubern warnen…

Wenn  Ihr in der Suchfunktion Ergenekon, PKK, Erdogan usw. eingebt, findet Ihr ein paar ältere Artikel zur türkischen Politik