München gibt Nazis keine Chance – update mit Videos

München gibt Nazis keine Chance – update mit Videos

Bismillah

Heute wollten die Neonazis einen “Heldengedenkmarsch” durch München veranstalten. Aber München hat aus seiner Geschichte als “Hauptstadt der Bewegung” gelernt und hat sich auf den Weg gemacht, den Nazis den Spaß zu vermiesen.

Ich hatte das Gefühl, dass ganz München auf den Beinen ist – und tausende Polizisten um ein vielleicht hundertköpfiges braunes Häufchen zu eskortieren. Die Nazis konnten ihre geplante Route zu einem großen Teil nicht gehen, sind aber durch Nebenstraßen doch zur Staatskanzlei umgeleitet worden, wo sie ihre Abschlußkundgebung halten wollten. Außer den bedauernswerten Polizisten hat ihnen keiner zugehört – na, wir haben so gelärmt, dass sie sich wohl selber nicht verstanden haben.

Ich hab Ecken Münchens erlaufen, die ich noch nicht kannte, hab nette Gespräche mit Mitdemonstranten geführt und hatte leider das Gefühl, einzige Muslima zu sein. Einige wurden wohl von Frau Knobloch als Rednerin abgeschreckt – aber mehr als 3 Zionisten mit Israelfahne habe ich nicht gesehen. Das wär auch nicht die Gelegenheit gewesen, sich zu streiten. Übrigens: das Wetter war echt. Ich liebe den Föhn – 20 Grad Mitte November!

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An der Lukaskirche gab es eine Mahnwache und es wurden Texte aus Flugblättern der weißen Rose gelesen.

dieser zum Beispiel:

Viertes Flugblatt der Weißen Rose. Nach einem Entwurf von Hans Scholl und Alexander Schmorell, Juli 1942.

(…) Wer hat die Toten gezählt. Hitler oder Goebbels – wohl keiner von beiden. Täglich fallen in Rußland Tausende. Es ist die Zeit der Ernte, und der Schnitter fährt mit vollem Zug in die reife Saat. Die Trauer kehrt ein in die Hütten der Heimat und niemand ist da, der die Tränen der Mütter trocknet, Hitler aber belügt die, deren teuerstes Gut er geraubt und in den sinnlosen Tod getrieben hat.

Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge. Wenn er Frieden sagt, meint er den Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan. Sein Mund ist der stinkende Rachen der Hölle, und seine Macht ist im Grunde verworfen. Wohl muß man mit rationalen Mitteln den Kampf wider den nationalsozialistischen Terrorstaat führen; wer aber heute noch an der realen Existenz der dämonischen Mächte zweifelt, hat den metaphysisehen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht begriffen. Hinter dem Konkreten, hinter dem sinnlich wahrnehmbaren, hinter allen sachlichen, logischen Überlegungen steht das Irrationale, d. i. der Kampf wider den Dämon, wider den Boten des Antichrists. Überall und zu allen Zeiten haben die Dämonen im Dunkeln gelauert auf die Stunde, da der Mensch schwach wird, da er seine ihm von Gott auf Freiheit gegründete Stellung im ordo eigenmächtig verläßt, da er dem Druck des Bösen nachgibt, sich von den Mächten höherer Ordnung loslöst und so, nachdem er den ersten Schritt freiwillig getan, zum zweiten und dritten und immer mehr getrieben wird mit rasend steigender Geschwindigkeit – überall und zu allen Zeiten der höchsten Not sind Menschen aufgestanden, Propheten, Heilige, die ihre Freiheit gewahrt hatten, die auf den Einzigen Gott hinwiesen und mit seiner Hilfe das Volk zur Umkehr mahnten.Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das Böse ohne den wahren Gott, er ist wie ein Schiff ohne Ruder, dem Sturme preisgegeben, wie ein Säugling ohne Mutter, wie eine Wolke, die sich auflöst. (…)

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß die Weiße Rose nicht im Solde einer ausländischen Macht steht. Obgleich wir wissen, daß die nationalsozialistische Macht militärisch gebrochen werden muß, suchen wir eine Erneuerung des schwerverwundeten deutschen Geistes von innen her zu erreichen. Dieser Wiedergeburt muß aber die klare Erkenntnis aller Schuld, die das deutsche Volk auf sich geladen hat, und ein rücksichtsloser Kampf gegen Hitler und seine allzuvielen Helfershelfer, Parteimitglieder, Quislinge usw. vorausgehen. Mit aller Brutalität muß die Kluft zwischen dem besseren Teil des Volkes und allem, was mit dem Nationalsozialismus zusammenhängt, aufgerissen werden. Für Hitler und seine Anhänger gibt es auf dieser Erde keine Strafe, die ihren Taten gerecht wäre. Aber aus Liebe zu kommenden Generationen muß nach Beendigung des Krieges ein Exempel statuiert werden, daß niemand auch nur die geringste Lust je verspüren sollte, Ähnliches aufs neue zu versuchen. Vergeßt auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt Euch die Namen, auf daß keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach diesen Scheußlichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen wäre!

Zu ihrer Beruhigung möchten wir noch hinzufügen, daß die Adressen der Leser der Weißen Rose nirgendwo schriftlich niedergelegt sind. Die Adressen sind willkürlich Adreßbüchern entnommen.

Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen; die Weiße Rose läßt Euch keine Ruhe!

Bitte vervielfältigen und weitersenden!

aus : Inge Scholl: Die Weiße Rose. Erw. Neuausg. Frankfurt a. M. 1982, S. 96-121, und hier

Filmchen laden noch hoch bei youtube, hier schon mal das erste – ich mag Christian Ude, :-)

9 Antworten »

  1. nicht nur die (münchner) Printmedien berichteten ausführlich über „München ist bunt!“ vom 13.11.2010, sondern auch Blogs und web-Videos. Hier eine kleine Auswahl der blogs. Die Berichterstattung ist druchwegs positiv und läßt auch die Vorkommnisse entlang der Route der Nazis und vor allem das fragwürdige Verhalten der Polizei einen Großteil der friedlichen Bürgerinnen und Bürger nicht bis zur Mahnwahe in der Lukaskirche vor zu lassen nicht unkommentiert.

    Videos von Meryem
    Blog Bericht vom Meryem

  2. Es wäre wünschenswert, wenn die Muslime sich stärker vom Antisemitismus und von der Homophobie abgrenzen würden. Das wäre dann wirkliche, bunte Vielfalt für München und andere Städte. So muss ich zugeben, dass die Veranstaltung einen Beigeschmack hat.

  3. Wenn du mal das Video von der blockierten Kreuzung anschaust, ziemlich am Anfang und ganz rechts, da bin – vielleicht – ich auch zu sehen, das heißt mein Rücken. Ich steh nämlich die ganze Zeit direkt am Geländer über der Tunnel-Einfahrt und denke, Mensch, da hab ich eine prima Sicht, wenn die Nazis kommen, da kann ich ihnen direkt ins Gesicht schauen … und dann war’s nix, weil die Polizei so unglaublich nett zu denen war und sie kurz vorher umgeleitet hat.

    Meine drei Fragen an die Polizei wären:
    Warum habt ihr die, die zur Mahnwache machen wollten, nicht durchgelassen? Ist die angekündigte und genehmigte Mahnwache weniger schützenswert als der Nazimarsch?
    Warum habt ihr den Nazimarsch umgeleitet, statt ihn in der Maximilianstraße vor der Kreuzung zu stoppen und aufzulösen, weil’s halt nicht mehr weiterging?
    War der Einsatz von Reizgas vor der Staatskanzlei wirklich nötig oder eine Überreaktion? Die dort anwesenden Stadträte haben auch rote Augen gekriegt …

    Insgesamt schaut es für mich so aus, als ob die Polizei den rechtlichen Spielraum eher zugunsten der Nazis als zugunsten von München ist bunt ausgelegt hat. Das sollte mal politisch geprüft werden.

    ich selber hab die Nazis kein einziges Mal richtig sehen können. Ich wäre wohl am besten zur Maximiliansbrücke oder zum Friedensengel gegangen … Mich faszinieren die Gesichter in so einer Situation. Das, was sie ausdrücken.

    Übrigens: Danke für die Videos und Fotos! Gut gemacht!

    • Ach Mensch und ich hab Dich nicht gesehen, war doch die ganze Zeit dort!
      Also, ich bin ja nicht die Polizei, aber ich muss die mal in Schutz nehmen: wie ich in Deinem blog schon schrieb, war es vor der Lukaskirche total überfüllt.Ich hätte da auch nicht noch mehr Leute hingelassen, wenn es da ein bisschen Aufruhr gegeben hätte, wär das gefährlich geworden und ein paar dieser schwarzgekleideten Kids waren auf Randale aus und versuchten über die Absperrung zu kommen. Da hab ich nur besonnene Reaktionen erlebt.
      Und die Umleitung fand ich auch sinnvoll – wie hätte man denn die Demo vor der Kreuzung auflösen sollen? Das hätte Blutvergießen gegeben, man konnte doch die Braunen nicht einfach so stehen lassen. Ich hab die ganze Zeit überlegt, was die nun mit denen machen – alle in die Einsatzwagen packen und zum Bahnhof fahren, alle auf ihren Laster und durch den Tunnel – aber das wär ja auch gefährlich gewesen. Dass sie die umleiten würden war aber die machbare Variante obwohl mir das auch nicht gepaßt hat, dass sie ihre Kundgebung halten konnten, aber hören konnte sie ja sowieso niemand.
      Von der Randale hab ich ja nichts mitbekommen außer einem jungen Mann mit tränenden Augen – allerdings hatte ich wie gesagt mehrere Begegnungen mit Leuten die ganz klar auf Randale aus waren und auch mit Stöcken bewaffnet und wer weiß, was die in ihren Rucksäcken hatten. Aber ob die Polizei überreagiert hat, kann ich nun wirklich nicht beurteilen. Insgesamt schienen die mir ganz vernünftig.

      • Ich denke, die Polizei hätte uns auf die Straße vor der Lukaskirche gehen lassen sollen. Da wär doch Platz gewesen …

        Ich denke auch, dass die Polizei – so wie in Fürstenried im Mai – den Nazis vor dem Haus der Kunst hätten sagen können: Hier geht’s nicht mehr weiter, sorry, ihr könnt jetzt eure Kundgebung hier auf der Prinzregentenstraße abhalten, dann geleiten wir euch zur U-Bahn-Haltestelle Lehel und zum Bahnhof zurück. Oder man bringt sie in Einsatzwagen durch den Altstadttunnel zum Bahnhof.

        Die Autonomen suchen die Randale. Zumindest ein Teil von ihnen. Das kenne ich seit Jahrzehnten,und ich hab da immer das Gefühl, das ist für die Indianerspielen. Wenn die mal erwachsen sind, legt sich das Anarchische wieder. Ich hab nichts dagegen, dass die Polizei gegen die Randale und die Randalierer vorgeht. Aber sie braucht es auch nicht zu übertreiben.

        In den meisten Situationen haben sie’s auch nicht übertrieben, da hast du schon recht. Aber alles in allem eher die Bürger zu behindern, nur die Nazis zu schützen und nicht die naheliegenden (!) Möglichkeiten zu nutzen, deren üblen Aufzug vorzeitig zu beenden, finde ich nicht richtig.

        Nicht vergessen sollte man: Dass sich die Polizei zurückgehalten hat, liegt vor allem daran, dass Stadträte und andere prominente Personen des öffentlichen Lebens zugange waren. Was passieren kann, wenn so etwas nicht der Fall ist, zeigt die berüchtigte Einsatz in Stuttgart.

        Ich habe einige Zweifel daran, dass diese martialischen Spezialtruppen einen Sinn für die Bürgergesellschaft haben. Für die ist der demonstrierende Bürger der Feind, und sie sind recht schnell dazu bereit, drauf los zu schlagen. Bei der normalen Polizei ist das anders. Die lernen für ihre Arbeit den de-eskalierenden Umgang mit Bürgern, und da hab ich in meinem Leben auch fast nur positive Erfahrungen gemacht.

      • Na, ich bin der Polizei ja eigentlich wohlgesonnen, weil sie doch seit den 70ern und 80ern was gelernt haben vom Deeskalieren (Juchhe, bald gibt´s “Neue Vahr Süd” im Fernsehen und ich war dabei. Also in der Originalzeit). In Stuttgart schien es allerdings wirklich nicht zu klappen. Ich fand es aber nicht so schlimm, dass die Nazis so eingekesselt waren – so konnten sie ihre Haßparolen doch nicht loswerden. Glaub nicht, dass die sich für die Polizei da verausgabt haben. Na, ich weiß nicht, was das Sinnvollste gewesen wäre. Also außer, das gleich zu verbieten, da verstehe ich die Justiz wirklich nicht.

  4. Pingback: 13. November: 100 Nazis, 1000 Polizisten, 3 000 Bürger für ein buntes München « BlogIG – Migrationsblog der InitiativGruppe

  5. Hm , warum durften die nicht ihre polizeilich angemeldete Route gehen? Unsere Quds-Demo gefällt auch vielen nicht, und mir gefiele es nicht, wenn Zionisten uns die Route abschneiden würden.
    Solange es keine Gewalttaten gibt, gleiches Recht für alle, das ist Demokratie.
    Ist dir eigentlich bekannt, dass eine “verbliebene” Aktivistin der Weißen Rose mittlerweile fröhlich auf PI gegen Muslime hetzt? Die Geschwister Scholl würden sich für sie schämen…
    Und mit der Knobloch würde ich auch nicht demonstrieren.

    • Ja aber wegen einer umgedrehten weißen Rose ist doch nicht die ganze Gruppe im Nachhinein diskreditiert. Ich fand deren Texte sehr gut. Und Frau Knobloch – na das wäre doch zu einfach, wenn man ihretwegen nicht mitgeht, es waren schließlich noch Tausende andere Leute dabei. Außerdem glaub ich nicht, dass sie mitgelaufen ist. Ich bin auch nicht der Meinung, dass in einem solchen Fall “gleiches Recht für alle” gilt. Die Quds-Demo ist nicht verfassungsfeindlich, die Nazis haben einen Feiertag der Nazis begehen wollen und das mitten in der Innenstadt der “Hauptstadt der Bewegung”. Bgm Ude hat die Justiz dafür auch scharf kritisiert. Salam!

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