Fundbüro: Muslimische Männer sind tierfreundlicher als andere

Fundbüro: Muslimische Männer sind tierfreundlicher als andere

Bismillah

Eine Studie hat den Umgang mit Haustieren in aller Welt untersucht. Im Gegensatz zu dem, was in der Regel über den Umgang mit Haustieren verbreitet wird, wird der Tierschutz im Islam auch praktiziert.

(Kommentare über “Tierliebe” a la Kelek könnt Ihr Euch schenken)

Warum Menschen fast überall auf der Welt Hundefleisch verabscheuen und Japaner ihren Katzen Sonnenbrillen anziehen. Verhaltensforscher Dennis Turner über den Umgang von verschiedenen Kulturen mit dem lieben Tier.

NZZ am Sonntag: Herr Turner, Sie sind für Ihre Studie um die Welt gereist und haben die Einstellungen der Menschen zu den Tieren untersucht. Wer liebt Tiere am meisten?
Dennis Turner: Weltweit gesehen, legen Frauen, egal, wo man ist, mehr Wert auf Haustiere als Männer. Es ist zwar ein verbreitetes Klischee, dass der Hund von seinem Charakter her eher ein Haustier für Männer sei und Katzen mehr von Frauen geschätzt würden. Dieses Vorurteil ist aber, global betrachtet, falsch. Frauen schätzen ebenso Hunde, so wie Männer auch Katzen mögen.
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Frauen sind also tierlieber als Männer?

Ja, das kann man durchaus sagen. Wir konnten deutlich zeigen, dass Frauen mehr davon überzeugt sind als Männer, dass es Vorteile bringt, Haustiere zu halten. Ebenfalls sind Frauen kritischer gegenüber der Haltung von Wildtieren im Zoo und würden eher darauf verzichten, Tiere zu essen. Das ist insofern nicht überraschend, als die Tierschutzbewegung weltweit vor allem von Frauen getragen wird und das weibliche Geschlecht grundsätzlich einfühlsamer ist.

Ein zu emotionaler Umgang mit Tieren ist aber vielleicht nicht immer gut.

Natürlich muss das Einfühlen in ein Tier in gewissen Grenzen bleiben. Werden Haustiere stark vermenschlicht, indem man ihnen Kleider und Sonnenbrillen anzieht, widerspricht das der Würde des Tieres. In Japan beispielsweise sieht man das relativ häufig. In asiatischen Ländern befindet sich der Heimtierbestand gerade mitten in einer Wachstumsphase. Da gibt es jetzt eine Chance, dem entgegenzuwirken, dass Hunde und Katzen zu Modepüppchen gemacht werden.

Wo auf der Welt ist man denn besonders tierfreundlich?

Als wir die Umfragen nach der Religionszugehörigkeit der Teilnehmenden ausgewertet haben, fiel auf, dass muslimische Männer tierfreundlicher eingestellt sind als andere Männer. Diese Befragten waren beispielsweise deutlicher gegen die Haltung von Wildtieren als Haustiere und in Zoos als Menschen anderer Glaubensrichtungen. Zu diesen Ergebnissen passt, dass der Islam die erste Religion war, welche den Tierschutzgedanken thematisiert hat.

Richtet sich die ausgesprochene Tierliebe der Muslime nur auf Wildtiere?

Auch Heimtiere haben für die muslimischen Befragten einen hohen Stellenwert. Ausgeprägter als Christen und Juden beispielsweise glauben Muslime, dass Tiere zu Gefühlen und Denkleistungen fähig sind. Ausserdem bewerten sie Katzen, mehr noch als Hunde, häufiger als liebenswert. Dementsprechend sprachen sich muslimische Befragte auch am deutlichsten dagegen aus, als wir fragten, ob man Hunde und Katzen essen sollte.

Sehen das Chinesen womöglich anders?

In China werden Hunde nur regional gegessen, nicht landesweit. Wir haben Menschen in Peking befragt, die – so wie Befragte anderer Länder – es nicht akzeptabel finden, Hunde und Katzen zu essen. Da scheint die Welt erstaunlich einig.

Woher kommt diese weltweite Abneigung gegen Hundefleisch?

Die Vorteile der Heimtierhaltung sind in vielen Kulturen und Religionen bereits früh verankert. Man hat den Hund als Arbeitstier, Wächter oder Begleiter gebraucht. Die Katze taucht beispielsweise im Islam auf, weil sie einen Gefährten des Propheten Mohammed begleitet, welcher darum der Vater des Kätzleins genannt wird. Derartige enge Beziehungen zu Tieren schaffen Respekt und verhindern es, diese Arten als Schlachttiere zu betrachten.

Hängt der Respekt gegenüber Tieren nicht auch mit dem Wohlstand einer Gesellschaft zusammen?

Man könnte ja annehmen, dass in einem ärmeren Land Tiere grundsätzlich schlechter behandelt werden. Das Gegenteil konnte ich aber beispielsweise im indischen Chennai beobachten. Hier verhalten sich die Menschen heute freundlich bis neutral gegenüber den vielen Strassenhunden, wie unsere Studie gezeigt hat. Früher war das anders. Strassenhunde wurden sofort verjagt. Das liegt daran, dass Chennai seine Strassenhunde seit 5 Jahren gegen Tollwut impft und die Bevölkerung nun keine Bedrohung mehr in den Hunden sieht. Ganz anders dagegen die wohlhabende Schweiz. Ein nicht angeleinter oder streunender Hund würde zweifellos Aggressionsgefühle hervorrufen. Die Gesellschaft ist neuerdings in Hundehasser und Hundeliebhaber gespalten. Der Mensch hat 15 000 Jahre problemlos mit dem Hund leben können. Aber jetzt scheinen wir das hier nicht mehr zu können. Vielleicht könnte Chennai in Indien als Vorbild dienen. Dort sieht man ja, dass es möglich ist, die Einstellung zum Tier zu ändern. Interview:  Andrea Six, NZZ
Zur Studie:

Dennis C. Turner

Über 4 Jahre untersuchten Dennis Turner und sein Team die Einstellungen von Menschen zu Tieren weltweit. Sie befragten 6186 Menschen und beobachteten, wie Menschen auf insgesamt 712 Katzen und Hunde in England, Jordanien und Indien reagierten.

Dennis Turner ist Privatdozent und Gruppenleiter an der Universität Zürich. Hier erforscht der 62-jährige Biologe das Verhalten von Heimtieren. Als Präsident leitet er das Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung Schweiz in Zürich und arbeitet als Gastprofessor an der Azabu-Universität in Japan. Finanziell unterstützt wurden die aktuellen Untersuchungen durch den Zürcher Tierschutz und den Futtermittelhersteller Mars. (six.)


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