Archiv für den Monat August 2010

Und schon geht es dem Ende des Monats Ramadan entgegen

Und schon geht es dem Ende des Monats Ramadan entgegen

Bismillah

Dabei hab ich das Gefühl, dass ich erst jetzt in die richtige Haltung komme – ohne zu fasten - ich bin nicht alleine damit. Jedenfalls hab ich mir noch mal einen Schubs gegeben, etwas mehr zu tun, Koran lesen und andere religiöse Texte und viel nachzudenken.

Und Bittgebete für viele Menschen denen es nicht so gut geht. Richtig an  ´s Herz geht mir Firas Maraghy – er sieht so traurig und erschöpft aus, was ja wirklich kein Wunder ist bei bald 40 Tagen Hungerstreik – nur um sein Recht zu bekommen, für sich und seine Familie. Bitte betet alle mit, dass er bald seine Papiere bekommt und dass er wieder gesund wird – ich mache mir wirklich Sorgen, dass er sterben könnte.

Dann ist natürlich diese Katastrophe in Pakistan, deren Ausmaß wir glaube ich nicht wirklich mitbekommen. Und im Gazastreifen – eine Großfamilie schildert ihren Monat Ramadan.

Heute ist der Jahrestag des Martyriums von Imam Ali, Friede sei mit ihm, dem Fürst der Gläubigen. Wie traurig muss es gewesen sein, als er gestorben ist – aber wie zufrieden und glücklich muss er gewesen sein, endlich seiner geliebten Fatima, Friede sei mit ihr, folgen zu dürfen ( für die, die sich nicht auskennen:guck hier). So viele Weisheiten hat er uns hinterlassen, aber das ist wohl nur ein Bruchteil dessen, was er gesagt und getan hat.

Hier kann man einen wunderbar traurigen Film über ihn anschauen.

Liebe Schwestern lesen abends je ein Juzz Koran in einem Chatraum, so dass ich auch ein bisschen Gemeinschaftsgefühl habe – ein Juzz ist ein Dreißigstel des Korans, so dass man im Monat Ramadan einmal ganz durchkommt. Das kann man natürlich auch im Rest des Jahres machen. Ich hab mir jedenfalls vorgenommen, mehr darin zu lesen.Dann geht mir das Herz auf für die Liebe Gottes. Arme Würstchen wie Sarrazin und Gesinnungsgenossen können einem da wirklich nur leid tun. Haß macht krank. Liebe macht stark.

Aber was wollt ihr dann von uns?

Aber was wollt ihr dann von uns?

Bismillah

Diese Frage stellt Lamya Kaddor in der “SZ” und kommentiert den Sarrazin-Hype an dem ich mich nicht beteiligen will – es hat mich allerdings schon geschockt, dass er in der Begleitung von Necla Kelek zur Bundespressekonferenz kommen darf, um sein Buch vorzustellen. Frau Kaddor meint, dass er damit belegen will, nicht islamfeindlich zu sein indem er eine Muslima mitbringt. Allerdings behauptet Necla Kelek  soweit ich weiß keineswegs noch Muslima zu sein. Falls doch, darf ich es ja nicht abstreiten. Vom Niveau ihrer Veröffentlichungen liegen beide wohl auf einer Linie, sie ist ja auch dafür berüchtigt, persönliche Erfahrungen und Vermutungen als wissenschaftliche Fakten darzulegen.

Ach und mehr will ich dazu gar nicht sagen.

Ich geh dann mal wieder meine persönlichen Vermutungen zu solchen Persönlichkeiten anstellen. Vielleicht schreib ich dann auch mal ein Buch.

Und weiter geht´s friedlich im Monat Ramadan, da soll man sich ja nicht aufregen. In diesem Monat, der die Muslime in aller Welt zusammenbringt, wächst die Gewißheit. Wie es im heiligen Quran so oft  in dieser oder ähnlicher Formulierung heißt:

“Wartet nur ab-ich warte mit euch ab” (9:52)

Ich habe geerbt

Ich habe geerbt

Bismillah

Ja tatsächlich – und zwar einen Riesenbücherberg von unserer verstorbenen Vermieterin und ein paar Haushaltsgegenstände. Selbst mich als Bücherwurm überfordern diese Bände. Es sind antiquarische Romane, Biografien, Bücher aus dem Bereich Esoterik und Religion, Ratgeber

Und damit die in gute Hände kommen, bewerbe ich hiermit “mein ebay” – links in der Linkliste zu finden. Kommt mal stöbern, ich bin noch längst nicht fertig mit dem Einstellen.

Buchbesprechung: Im Land der Männer von Hisham Matar

Buchbesprechung: Im Land der Männer von Hisham Matar

Bismillah

Wieder ein Buch, das ich verschlungen habe. Es spielt in Tripolis in Libyen im Sommer 1979. Der neunjährige Suleiman lebt dort mit seiner Mutter und einem viel zu oft abwesenden Vater. Er spielt auf der Straße mit den Nachbarskindern, vor allem Karim ist sein bester Freund. Wenn der Vater verreist ist, wird Suleimans Mutter “krank”. Sie braucht dann eine große Flasche mit Medizin, die beim Bäcker als “Bückware” zu erhalten ist. Dann raucht sie Kette, trinkt und redet viel zu viel, vor allem über Angelegenheiten die Suleiman sehr verwirren, z.B. dass sie ihn nicht haben wollte und versucht hat, ihn abzutreiben, oder dass man sie zur Heirat gezwungen hätte. Suleiman macht sich in diesen Tagen viele Sorgen um seine Mutter, merkt aber auch, dass ihr Verhalten irgendwie nicht richtig ist. Sobald der Vater seine Ankunft ankündigt  wird die Mutter wieder gesund und ist er zu Hause, versucht sie ängstlich ihm alles recht zu machen. Die Mutter ist zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt – aber das wird Suleiman erst viele Jahre später bewußt. Die Geschichte um die Zwangsheirat seiner Eltern ist  eine Nebengeschichte dieses Buches.

Suleiman meint, seinen Vater in der Innenstadt am Märtyrerplatz gesehen zu haben, was ja nicht sein kann, da der Baba doch auf Geschäftsreise im Ausland ist. Bei seinem Freund Karim wird der Vater verhaftet und seine Mutter verbietet ihm, weiter mit Karim zu spielen. Die Eltern streiten um etwas, das Suleiman nicht versteht. Dann verbrennen die Mutter und Musa, ein ägyptischer  junger Freund und Geschäftspartner des Vaters sämtliche im Haus vorhandenen Bücher und viele Papiere – Suleiman ist darüber sehr erschrocken und rettet ein einziges der Bücher “Demokratie jetzt” heißt es. Warum verbrennen sie alle diese Schätze, die sein Vater so liebt?

Geheimnisvolle Telefonate werden geführt, bei denen geklärt werden muss, ob ein “Echo” in der Leitung ist. Und schließlich parkt der weiße Kleinbus vor der Tür, der den Nachbarn abgeholt hat und fährt tagelang nicht weg. Der Fahrer macht Suleiman Angst, scheint es aber gut zu meinen. Suleiman ist viel zu jung um zu merken, wie er ausgehorcht wird – ob am Telefon oder am Auto – unabsichtlich gibt er die Kontakte seines Vaters zum Widerstand gegen Ghaddafi preis. Die bedrohliche Atmosphäre führt auch dazu, dass er seine Freunde verrät und schließlich einen Spielkameraden verletzt, so dass er in der Straße ganz alleine ist, während seine Mutter und Musa auch keine Zeit und Geduld für ihn haben, denn nun ist auch der Vater entdeckt und verhaftet worden.

Anbiederung an die sonst so verachteten Nachbarn, deren Hausherr bei der Regierung arbeitet, führt schließlich dazu, dass der Vater, wenn auch schwer verletzt, nach Hause entlassen wird. Suleiman soll ihn erst nicht sehen, als er es doch tut, erkennt er den zerschlagenen Vater – der auch unter der Folter zum Verräter wurde – erst gar nicht.

Das glückliche Ende ist für Suleiman ein trauriges: Die Eltern sind auf einmal nach diesen Erlebnissen zusammengerückt, der Vater geht nicht mehr auf Geschäftsreisen sondern sucht sich eine andere Arbeit, die Mutter wird nicht mehr krank – aber Suleiman wird aus diesem neuen Familienleben ausgeschlossen und nach Kairo in´s Exil geschickt, wo er zukünftig bei Musa und dessen Familie lebt. Da er auch später nicht heimkehrt um seinen Militärdienst zu leisten, kann er nie mehr in die Heimat zurück. Erst als er selber 24 Jahre alt und sein Vater gestorben ist, kommt es zu einem Wiedersehen mit seiner geliebten Mutter und erst da erkennt er, wie jung sie war als sie Mutter wurde und wie überfordert.

Das Buch ist so rührend, weil es die Gefühlswelt dieses kleinen Jungen so glaubhaft schildert, was ja nicht jedem Schriftsteller gelingt. Abgesehen von der ganzen spannenden Familien- und politischen Geschichte, finde ich ganz besonders entzückend das Kapitel, in dem Suleiman, der übrigens oft mit dem Kosenamen “Sluma” gerufen wird, sich beim Stibitzen von Maulbeeren aus Nachbars Garten so in einen regelrechten Maulbeerrausch fallen lässt, dass er sich einen Sonnenstich zuzieht. Und dann erzählt er die Geschichte von den Engeln, die hinter dem Rücken Allahs (wobei auch Sluma klar ist, dass Allah alles sieht) die Maulbeeren auf die Erde gebracht haben, zum Trost für Adam und Eva, als sie aus dem Paradies vertrieben wurden.