Archiv für den Monat Juli 2010

Samstag, die Sonne scheint wieder und aus den 19 jungen Toten vom Montag sind inzwischen 21 geworden

Samstag, die Sonne scheint wieder und aus den 19 jungen Toten vom Montag sind inzwischen 21 geworden

Bismillah

Dass die Love-Parade-Toten an zuviel Liebe gestorben wären kann man wohl nicht behaupten, eher hat Geldgier eine Rolle gespielt bei der Organisation. Trotzdem: wie kann man sich nur in eine solche Situation begeben? Wo selbst die Fans schon vorher eine Katastrophe prophezeit haben.

Übrigens wird in Mekka deutsche Technik und Erfahrung genutzt um millionenstarke Pilgerströme zu leiten. Es mangelt also im Lande nicht an Wissen.

Große und kleine Katastrophen: hab gerade beim Käsekuchenbacken die Quarkmasse in der Küche verteilt. Mit laufendem Motor den Mixer aus der Schüssel genommen, lecker. Eigentlich keine Katastrophe, nun ist gleich mal alles abgewischt und immerhin: ich kann Kuchen backen. Würde bestimmt so manche Hausfrau in Gaza, in Afghanistan, in Haiti gerne, aber da mangelt es an Zutaten, an Haushaltsgerät und am Strom. Aus dem Iran wollten vier Parlamentsangehörige nach Gaza reisen, aber die Ägypter geben ihnen kein Visum. Das ist eine Katastrophe deshalb, weil Ägypten als islamisches Land sich verkauft hat. Wie so viele andere Staaten auch. Bald ist Ramadan und den will die muslimische Weltgemeinschaft gemeinsam verbringen – aber es gibt Menschen, die schämen sich nicht ihrer Käuflichkeit. Weshalb das Crescent-Magazine (s.link) sie auch Pharao nennt. Und der war bekanntlich ungläubig.

Es hat aber noch die Frau des Pharaos, Asia, a.s., gegeben, die Erbarmen mit einem kleinen Baby gehabt hat. Aus dem später ein großer Prophet der Israeliten wurde, der ganz gewiß die Nachfolger seines Stammes haßt, die heute soviel Unrecht tun.

Inschallah können die Menschen in Palästina einen friedlichen Ramadan erleben. Wahrscheinlich ist die Möglichkeit dazu noch größer als in Afghanistan. Und im Irak? Ein Land in dem noch immer so viele Menschen unter den Folgen des Krieges leiden, während ihre Besatzer ihnen Milliarden gestohlen, äh tschuldigung, “verloren” haben. Kann ja mal passieren. In wenigen Tagen jährt sich ja auch wieder der Tag des ersten Atombombenabwurfs überhaupt – unter den Folgen leidet das Volk noch heute und irgendwie ist es doch sonderbar, dass es noch immer die gleiche Nation ist, die als unheilvoller “Befreier” allüberall auf der Welt tätig ist. Wie kommt es eigentlich, dass wir, die Menschheit das zulassen? Gekauft und verdummt.

Ein Editorial im Crescent Magazine beschäftigt sich dann auch mit der Frage, wie es um die Freiheit der Medien “im Westen” bestellt ist. Wird doch gerne bemängelt, dass im Iran Zensur herrsche – unsere freien Medien dürfen aber schließlich jeden Müll verbreiten und sei er auch noch so beleidigend für Milliarden von Menschen. Wenn eine 89(!)jährige Journalistin aber mal eine etwas unglückliche Formulierung benutzt, wird sie gefeuert – na gut, sie dürfte auch genug getan haben. Was aber verwerflich daran ist, wenn eine CNN Redakteurin öffentlich zugibt um den großen Gelehrten Sayyid Fadlallah, Gott hab ihn selig, zu trauern, das soll mir mal jemand unter Pressefreiheit verkaufen. Wenn dann auch noch eine britische Botschafterin es wagt, in ihrem blog die bereichernden Treffen mit ihm zu schildern: “When you visited him you could be sure of a real debate, a respectful argument and you knew you would leave his presence feeling a better person.”  dann ist das israelische Außenministerium schon aufgebracht, will eine Stellungnahme des britischen Außenministers,  und der blog zugemüllt. Immerhin hat die Botschafterin wohl ihren Job noch und ein britischer Journalist hat immerhin im Gegenzug gefragt, was der israelische Außenminister dazu sagt, dass seine Landsleute mit britischen Pässen versehen einen Mann in Dubai ermordet haben.

Fast wäre mir der Käsekuchen verbrannt, während ich hier so vor mich hin sinniere. Gerade noch mal gut gegangen.

Ja, was sollen alle diese Gedanken, da wird man doch nur trübsinnig, oder? Oder sollen wir viel mehr solche mitfühlenden Gedanken haben, damit aus dem mit-leiden ein Handeln wird? Damit wir bereit sind für die Rückkehr unseres Imams, a.s.,- der in diesen Tagen Geburtstag hatte?

Ich bin sicher, dass es viel mehr gutherzige Menschen als grausame gibt. In jedem Volk auf der Erde. Nur ist die Gedankenlosigkeit so weit verbreitet und so wollen es ja auch die Tyrannen, darum müllt man uns zu mit aggressiver Musik zu “Liebes”-Paraden, mit Fernsehen zum Verblöden, mit Drogen zum Einschlafen, mit Konsumgütern zum Begierde wecken, mit Kriegsdrohungen zum Fürchten, mit Nacktheit zur Übersättigung. Uvm. Aber irgendwann werden alle aufwachen, davon sind wir Muslime überzeugt. Und dann wird die Welt eine andere sein.

Der kommende Ramadan ist eine Zeit der Vorbereitung, des Verzichtes aus Liebe, der Einkehr und der Gemeinschaft. Ich freue mich schon darauf und mache Pläne, wie ich den für uns zu Hause gestalten kann. Ich kann wegen meiner Erkrankung nicht fasten, aber verzichten werde ichinschallah  trotzdem auf manches und mir dafür mehr Gutes gönnen, geistige Nahrung – besser als leibliche.

Nun ist es aber genug mit den Gedanken, die Sonne scheint noch immer, die Wäsche will aufgehängt werden und heute Nachmittag treffe ich liebe Schwestern.


Nicht genug, aber ja – nichtmuslimische Minderheiten in der Türkei zum Referendum

Nicht genug, aber ja – nichtmuslimische Minderheiten in der Türkei zum Referendum

Bismillah

“Yetmez ama evet” so heißt eine Kampagne von Bürgerinitiativen in der Türkei – nicht genug umfasst das geplante Reformpaket, aber es ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Dem schließen sich auch die nichtmuslimischen Minderheiten in der Türkei an. Die bisherige Verfassung, erstellt unter Kriegsrecht nach dem Militärputsch des 12. September 1980 soll jetzt 30 Jahre später in wesentlichen Punkten geändert werden.

Der Herausgeber einer Zeitschrift für die türkisch-armenische Minderheit, mit 60000 Menschen die größte in der Türkei, sprach von einem Tabubruch und einem Schritt in Richtung noch größerer Veränderungen. Er selber war gerade 40 Tage alt, als seine Mutter wegen des blutigsten der Militärputsche mit ihm das Land verlassen hat und erst zwei Jahre später die Familie vereint wurde.

Dennis Ojalvo, Mitglied der 20000 Personen zählenden jüdischen Gemeinde von Istanbul, bemängelt, dass das grundlegende Problem – die  nicht vorhandene Gewaltenteilung von Judikative und Exekutive in der Türkei – nicht von der Verfassungsreform betroffen ist, also auch nicht im Referendum enthalten (die CHP hat das durch Beschwerde beim Verfassungsgericht verhindert). Er sieht die bisherige Bevormundung des Volkes durch Justiz und Militär abgelöst durch eine Bevormundung durch die Exekutive.

Kezban Hatemi, Anwältin für Minderheitenrechte, sieht dennoch erstmalig die Möglichkeit zum “Durchatmen” für Minderheiten in der Türkei und erwartet als nächsten Schritt eine bürgerliche Verfassung mit breiten individuellen Rechten für die Bevölkerung. Sie weist darauf hin, dass das Problem enteigneter Besitztümer noch nicht geregelt sei, es aber Bestrebungen dazu gäbe.

Mihail Vasiliadis, Herausgeber einer griechischen Wochenzeitschrift, meint, dass ein “Nein” des Volkes beim Referendum die Unterstützer des Militärputsches stärken würde. Er geht davon aus, dass die Mehrheit der Nichtmuslime für das Paket stimmen wird.

Kritik am Umfang des Paketes kommt aus Richtung der syrischen Gemeinschaft, hier vertreten durch Daniel Gabriel, Vorsitzender der Syriac Universal Alliance, einer Organisation unter der Schirmherrschaft der UN-Nich-Regierungs-Organisationen. Er zollt der türkischen Regierung Beifall für den Aufruf zur Reform der Verfassung, sieht aber eher “einen Schritt vor, zwei zurück” – die Änderungen seien eher symbolisch und die syrische , ethnisch-religiöse Minderheit. würde nicht davon profitieren. Er fordert die türkische Regierung auf, mutiger auf den “Zug nach Europa” aufzuspringen.

Zeki Basatemir, einer der Direktoren der syrisch-katholischen Kirchen in der Türkei, sieht dahingegen erstmalig den Willen der Regierung, die Probleme der Minderheiten anzupacken. Er geht davon aus, dass die Minoritäten mit “Ja” stimmen und mahnt an, dass die Versprechen dann auch eingehalten werden müssten.

Originalartikel hier, Zusammenfassung von mir.

Noch eine Fundsache aus der Türkei: Die Armee beschützt die PKK

Noch eine Fundsache aus der Türkei: Die Armee beschützt die PKK

Bismillah

Hab gerade in der zaman einen Artikel gefunden zu einem Thema, das meinen Mann seit ein paar Wochen sehr bewegt. Nämlich eine der verschwörerischen Schweinereien zwischen Militär, Justiz und wie sich zeigt auch der terroristischen PKK. Das Militär beklagt sich, dass seine “Drohnen”, die unbemannten Aufklärungsflugzeuge tatsächlich ihre Arbeit tun und die Terroristen orten. Da man den Terror aber nicht wirklich besiegen will, sondern den dauerhaften Alarmzustand aufrechterhalten möchte, damit nicht etwa das Militär angreifbar wird, schießt man ab und zu mal eine der eigenen Drohnen ab.

Hier nachzulesen

Das schockiert natürlich vor allem die Familien der jungen Wehrpflichtigen, die kaum ausgebildet in den Anti-Terrorkampf ins Gebirge geschickt werden. Tausende Menschenleben die dieser dreckigen Verschwörung zum Opfer gefallen sind.

Was so täglich aus der Türkei ans Tageslicht kommt, würde einen ganzen blog füllen. Es geht wahrscheinlich den meisten Türken so wie meinem Mann: das Militär war sozusagen etwas Heiliges, klar, sie haben ja auch, zur Not mit einem Putsch, dafür gesorgt, dass sie als einzig wahre Beschützer ihres Volkes dastehen. Und jetzt kommt jeden Tag ein neues Verbrechen heraus. Inschallah ist dieses ein gründlicher Reinigungsprozeß der die Türkei auf ihrem Weg ein gutes Stück voranbringt.