Archiv für den Tag 30. Juni 2010

Ich hab heute zwei Außerirdische gesehen

Ich hab heute zwei Außerirdische gesehen

Ja, echt wahr…

ein sonderbarer Tag. Erst hab ich den Vormittag über versucht bei Baustellenlärm ein Buch über Bittgebete zu korrigieren – war etwas schwierig, weil das Haus regelrecht gewackelt hat. Wir wohnen genau drei Monate hier und jetzt wurde die Straße zum drittenmal aufgerissen. Immerhin: letzte Woche wurde das Telefonkabel gekappt, heute war ein Strich auf den Boden gemalt auf dem stand: Tel. + Gas. Gas, *schluck* – da haben wir ja wohl letzte Woche noch mal Glück gehabt.

Dann war ich in München und traf bei Karstadt in der Stoffabteilung – nein, nicht die Außerirdischen – sondern einen der arabischen Familienclans die jetzt so langsam die Innenstadt bevölkern. Da fahren auch die kleinen schwarzen Minibusse, die ganze Familien transportieren rum. Nicht in der Stoffabteilung natürlich, sondern im Bahnhofsviertel. Aber das Bemerkenswerte war, dass der schwarze Schleier der einen Dame eine große “Versace” Bordüre trug. Jetzt frag ich mich die ganze Zeit, ob Versace tatsächlich arabische Muslima-Mode herstellt und ob es dann auch die nachgemachte Variante gibt.

Der gepflegte Tourist aus Nicht-Arabien trägt bei diesem Wetter wieder Unterhosen und Feinripphemd zum Sightseeing. Dazu schwarze Socken in braunen Schuhen.

Auf der Rückfahrt hab ich mich am Stachus leider auf einen der Klappsitze in der S-Bahn gequetscht und mich dann geärgert, weil in der nächsten Nische saßen die Außerirdischen – ein schwarz gekleidetes blasses Pärchen mit riesigen Spock-Ohren. Die hätte ich gerne aus der Nähe betrachtet, aber leider sind sie schon am Hauptbahnhof ausgestiegen.

Gibt es spezielle ohrmuschelfarbene Knetmasse für die Ohren oder werden die fertig aufgeklebt?

Dann hab ich unterwegs  angefangen in einem Buch von David Foster Wallace zu schmökern. Den Autor hab ich leider erst entdeckt, nachdem er  gestorben war- an seiner Depression – der hat einen wunderbar absurden Humor und ich musste die ganze Zeit kichern, über seine Beschreibung einer Karibik-Kreuzfahrt. Also ich bin ja erst angefangen und es ging um die Einschiffung und stundenlanges Warten in einer heißen Halle. Kam besonders gut, weil die S-Bahn stehenblieb und wir eine halbe Stunde geschmort haben. Bestimmt haben die Mitreisenden auch gedacht, ich wär eine Außerirdische. Oder eine Selbstmordattentäterin kurz vorm Durchdrehen, ich hatte natürlich meinen Rucksack dabei.

Ja und als ich nach Hause kam, hatten wir immer noch keinen Bundespräsidenten.