Archiv für den Tag 31. März 2010

Fundbüro: Unverschleierte Kritik – Hissa Hilal, eine mutige Muslima gegen verfälschten Islam

Fundbüro: Unverschleierte Kritik – Hissa Hilal, eine mutige Muslima gegen verfälschten Islam

Die Schwester Hissa Hilal würde auch gut in meine Reihe “Starke Frauen im Islam passen” – Respekt, Schwester und möge Allah Dich behüten:

Aus der SZ von heute:

Unverschleierte Kritik
Beim Poeten-Wettstreit in Abu Dhabi dichtete eine Frau gegen radikale Islamprediger – nun wird sie bedroht

Kairo – Die Geschichte klingt gut, trägt aber das Potential für Ärger mit Fundamentalisten in sich: Beim Dichter-Wettbewerb in Abu Dhabi, einer arabischen Talentschau, fordert eineVollverschleierte
einen Maulkorb für radikale Islam-Prediger. Und das in vollendeter Versform. Hissa Hilal, Journalistin, Hausfrau, vierfache Mutter und poetisches Talent, ist bei dem in der arabischen Welt
populären Wettbewerb „Millionen-Dichter“ in die Endausscheidung gekommen. Die junge Frau aus Saudi-Arabien könnte am Mittwoch mit ihrem Gedicht gegen betonköpfige Islamprediger den Sieg

samt Preisgeld in Höhe von umgerechnet einer Million Euro davontragen: Der Aufschrei der auf selbstgefällige Weise Gottgefälligen ist dann so gut wie sicher. Todesdrohungen hat Hilal bereits bekommen– im Internet erkundigten sich die Ersten nach ihrer Adresse.

Die Dichterin sagt: „Ja, meine Gedichte provozieren.Ich drücke meine Gefühle aus undverleihe den arabischen Frauen eine Stimme gegenüber denen, die unsere Kultur und Religion in Beschlag genommen haben.“ Das Gedicht, das Hilal vorgetragen hat und das per Satellitenfernsehen live in der arabischen Welt verbreitet wurde, ist eindeutig: Die Poetin wirft den Predigern vor, die Menschen mit ihren Fatwas „in Angst und Schrecken zuversetzen“ und „wie die Wölfe Beute machen zu wollen“ unter denen, die den Frieden suchen. Angesprochen fühlen darf sich der saudische Prediger Abdul-Rahman bin Nasr al-Barrak. Der Scheich hat in islamischen
Rechtsgutachten, den Fatwas, seine Position belegt. Ob es der Krieg im Irak war oder das Verhältnis zur islamischen Minderheit der Schiiten: Er zeigte sich als Theologe, für den Andersdenkende meist „Ungläubige“ sind. Und die man in angeblicher Übereinstimmung mit dem islamischen Recht töten müsse. Der Prediger ist einer der Radikalsten unter den ohnehin stockkonservativen saudischen Islamgelehrten. Seine Fatwa zur
Geschlechtertrennung liest sich so: „Wer das Mischen der Geschlechter gestattet, der erlaubt damit verbotene Dinge. Wer Verbotenes erlaubt, ist ein Ungläubiger und Abtrünniger vom Islam. Wenn er
nicht bereut, muss er getötet werden.“ Barrak behauptet allerdings, dies sei aus dem Zusammenhang gerissen. Ein liberaler Scheich in Ägypten oder Jordanien würde die Frage eh anders auslegen
– und das Zusammensein unverheirateter Frauen und Männer unter bestimmten moralischen Vorbehalten zulassen. Anders in Saudi-Arabien: Das Königreich ist die Hochburg des Wahabismus, eines puritanischen Islam. Hier ist derKoran Verfassung, eine Religionspolizei patrouilliert auf der Suche nach unpünktlichen Betern und unverheirateten Paaren durch die Straßen. Die Geschlechtertrennung wird zur Frage des Seinsoder-
Nichtseins des Islam hochgeredet. Männer wie Barrak haben enormen Einfluss. Selbst der reformwillige König Abdallah vermeidet Konflikte: Die Prediger können die extrem konservative Gesellschaft mobilisieren. Kaum ein Thema eignet sich dafür so wie die Frauenfrage. Wie selbstbewusst die Wahabiten- Scheichs sind, zeigte sich erst jüngst: Der zu Reformen bereite König hat eine Elite- Hochschule gegründet, an derMänner
und Frauen zusammen forschen. Für die Islamgelehrten verstieß das weltweit beachtete Projekt gegen die gottgegebenen Regeln der Religion. Der greise König, der die Universität als Leuchtturm seiner Reformpolitik betrachtet, entließ daraufhin den lautesten Prediger. In anderen Fällen aber musste er den Betonköpfen nachgeben. Die Geschlechtertrennungs- Fatwa des Predigers Barrak ist daher hochpolitisch: Sie gilt dem Reform-
König mit seiner Hochschule ebenso wie denen, die mehr Rechte für Frauen im saudischen Alltag fordern und ihnen zum Beispiel das Autofahren erlauben wollen. Die breite Zustimmung für die vermeintlich
ketzerische Dichterin zeigt, dass die Meinung der Konservativen keinesfalls die der ganzen arabischen Gesellschaft ist. Zwar wurde Hissa Hilal auf Islamisten- Seiten im Internet verurteilt.
Beim Wettbewerb und im Internet aber wurde der verschleierten Dichterin applaudiert für ihre Verse, mit denen sie die Konservativen so unverhüllt angeht:


„Ich sehe das Böse in den Augen der Fatwas,die alles Erlaubte ins Verbotene verkehren.“

Zu den Todesdrohungen sagtsie nur: „Sie sind nicht so beunruhigend, dass ich mich verstecken würde.“

Hier der Auftritt der Schwester im TV und ein Interview des niederländischen Fernsehens mit ihr – u.a. äußert sie sie über das Tragen des Niqab und einen friedliebenden Islam:

“Unter dem Niqab verbirgt sich ein Herz weiß wie das einer Taube”