Archiv für den Tag 30. Januar 2010

Bill Clinton und Haiti: Wie zynisch kann man sein?

Bill Clinton und Haiti: Wie zynisch kann man sein?

Bismillah

Gestern im Bayrischen Rundfunkt gehört: Bill Clinton, in seiner Eigenschaft als Sonderbeauftragter der USA für Haiti, richtet an die Überlebenden den Appell:

“die Katastrophe als Chance zu begreifen”

so zynisch kann wohl nur jemand sein, der im Leben kein schlimmeres Trauma erlebt hat, als beim Fremdgehen erwischt zu werden.

Wer kann sich schon vorstellen wie es ist, wenn man von einer Minute auf die andere wirklich alles verliert? Auch wenn man schon vorher wenig besessen hat? Wohl kaum jemand, der nicht tote Verwandte betrauert, manche die ganze Familie! Und dann in einem total verwüsteten Land zu sitzen, ohne Dach über dem Kopf, ohne sauberes Wasser, ohne medizinische Hilfe? Zwei Wochen später vielleicht mit dem Allernötigsten versorgt, aber noch immer vor Schrecken gelähmt?

Vielleicht können das die nachvollziehen, die von ähnlichen Schicksalen betroffen sind oder waren. Diejenigen, die am Ende des zweiten Weltkriegs den Bombenhagel überlebt haben. Die, die im Gazastreifen ihre Angehörigen und Häuser verloren haben und ein Jahr später immer noch in Zelten leben. Die ersteren waren zumindestens nicht unbeteiligt an den Entwicklungen des Krieges-sofern sie nicht zu jung waren – die letzteren sind ihrem Schicksal ausgeliefert und konnten nicht einmal fliehen – wie die Haitianer.

Die Chance hat in Deutschland die USA genutzt und das Land für alle Zeiten – jedenfalls sieht es so aus – zur Dankbarkeit und Folgsamkeit verpflichtet. Ich werde den Verdacht nicht los, dass es in Haiti ähnlich sein wird.
Damit möchte ich bestimmt nicht uneigennützigen Hilfseinsatz diskreditieren. Nur bemängeln andere Länder sehr wohl mangelnde Transparenz beim Einsatz der USA. Teilweise fühlten sich Hilfsorganisationen mehr behindert, als eingebunden. Ob nun dieses sonderbare “Haarp-Projekt” mit dem Erdbeben zu tun hat – das wird sich wohl kaum klären lassen. Es gibt durchaus Untersuchungen die dagegensprechen und auch weitergehende Erdbebenaktivitäten beschreiben, also nicht “gezielt” auf Haiti. Aber die “Chance” kann die USA natürlich trotzdem nutzen, strategisch liegt das Land ja günstig und die mittelamerikanischen Länder sind so unanständig aufmüpfig gewesen in den letzten Jahren. Da wäre ein wenig mehr Präsenz doch schön für die USA.

Natürlich kann es Haiti, dass ja schon jahrhundertelang leidet, irgendwann besser gehen als vor dem Erdbeben, jetzt wo die Aufmerksamkeit der Welt dorthin gerichtet ist. Trotzdem gibt es ja irreparable Schäden für die der Kolonialismus, der das Land seit Jahrhunderten ausgebeutet hat, verantwortlich ist. Jetzt wäre es ja schön, wenn den Haitianern wirklich geholfen würde, ihr Land in Eigenregie neu zu gestalten. Aber daran habe ich ja so meine Zweifel.

Wie auch immer: man kann den traumatisierten Menschen jetzt diese Frage nicht stellen. Was sie jetzt brauchen ist Beistand, sowohl materiell als auch seelisch. Zigtausende Menschen sind in Massengräbern verscharrt worden, ohne dass Zeit war, sie zu betrauern. Haiti braucht jetzt keine Menschenhändler, die die kulleräugigen Kinder wegholfen, sondern Hilfe. Auch durch unsere Gebete.

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