Bismillah
Es freuen sich die üblichen Verdächtigen über den Ausgang der schweizerischen Volksabstimmung gegen den Bau von Minaretten. Vielleicht vermuten sie, damit dem Islam insgesamt einen Rückschlag verpasst zu haben. Nur: gläubige Menschen brauchen keinen lautstarken Gebetsruf, um ihren Gottesdienst zu verrichten. Auch wenn es für Muslime schön ist, den Adhan zu hören – so wie Christen sich am Glockenläuten erfreuen.
Ich mag übrigens beides. Aber eine Voraussetzung für das Gebet ist es nicht. In der Moschee, zu Hause, beim Gebet alleine: den Gebetsruf kann jeder selbst erklingen lassen.
Und was den Baustil angeht: eine Moschee braucht kein Minarett und muss auch überhaupt nicht im orientalischen Stil erbaut sein, das ist eher eine Geschmacksfrage. Mir gefallen die „osmanischen“ Moscheen durchaus, ist ein bisschen wie im Urlaub – aber auch das muss nicht sein.
Keine solcher albernen Bemühungen wird die Wahrheit aufhalten. Die Stärke des Islam hängt von der Gottesergebenheit und Standhaftigkeit seiner Gläubigen ab und nicht von Nebensächlichkeiten. Und die Befürworter solcher Verbotsaktionen bedenken wohl nicht, dass solche feindseligen Aktivitäten, so Gott will, diejenigen Muslime die eher nicht so engagiert sind, eher dazu bringen, über ihre Religion wieder mehr nachzudenken. Wir haben andere Anliegen als den Bau von Minaretten, oder Moscheen die nur von bestimmten Nationalitäten besucht werden. Wir müssen uns um unsere Jugendlichen kümmern, damit sie die Schönheit des Gottesdienstes kennenlernen, wir müssen an unserem eigenen Charakter arbeiten, wir müssen Unterdrückten und Notleidenden helfen, wir müssen uns in unseren Ländern engagieren für wirkliche Freiheit.
Sowieso werden schon aus demographischen Gründen die Muslime in wenigen Jahrzehnten europaweit in der Mehrheit sein. Dann können solche Abstimmungen immer noch wiederholt werden. Es gibt aber für Muslime wie gesagt noch viele andere wichtige Dinge zu tun.

Minarett in Kairouan, Tunesien

