Archiv für den Monat November 2009

Minarettverbot – Na und?

Minarettverbot – Na und?

Bismillah

Es freuen sich die üblichen Verdächtigen über den Ausgang der schweizerischen Volksabstimmung gegen den Bau von Minaretten. Vielleicht vermuten sie, damit dem Islam insgesamt einen Rückschlag verpasst zu haben. Nur: gläubige Menschen brauchen keinen lautstarken Gebetsruf, um ihren Gottesdienst zu verrichten. Auch wenn es für Muslime schön ist, den Adhan zu hören – so wie Christen sich am Glockenläuten erfreuen.

Ich mag übrigens beides. Aber eine Voraussetzung für das Gebet ist es nicht. In der Moschee, zu Hause, beim Gebet alleine: den Gebetsruf kann jeder selbst erklingen lassen.

Und was den Baustil angeht: eine Moschee braucht kein Minarett und muss auch überhaupt nicht im orientalischen Stil erbaut sein, das ist eher eine Geschmacksfrage. Mir gefallen die „osmanischen“ Moscheen durchaus, ist ein bisschen wie im Urlaub – aber auch das muss nicht sein.

Keine solcher albernen Bemühungen wird die Wahrheit aufhalten. Die Stärke des Islam hängt von der Gottesergebenheit und Standhaftigkeit seiner Gläubigen ab und nicht von Nebensächlichkeiten. Und die Befürworter solcher Verbotsaktionen bedenken wohl nicht, dass solche feindseligen Aktivitäten, so Gott will, diejenigen Muslime die eher nicht so engagiert sind, eher dazu bringen, über ihre Religion wieder mehr nachzudenken. Wir haben andere Anliegen als den Bau von Minaretten, oder Moscheen die nur von bestimmten Nationalitäten besucht werden. Wir müssen uns um unsere Jugendlichen kümmern, damit sie die Schönheit des Gottesdienstes kennenlernen, wir müssen an unserem eigenen Charakter arbeiten, wir müssen Unterdrückten und Notleidenden helfen, wir müssen uns in unseren Ländern engagieren für wirkliche Freiheit.

Sowieso werden schon aus demographischen Gründen die Muslime in wenigen Jahrzehnten europaweit in der Mehrheit sein. Dann können solche Abstimmungen immer noch wiederholt werden. Es gibt aber für Muslime wie gesagt noch viele andere wichtige Dinge zu tun.

 

Hier noch ein Artikel aus der theolounge – es gibt doch tatsächlich Schweizer, die eine \“Massenausschaffung\“ der Muslime fordern

Minarett in Kairouan, Tunesien

„Jeder Moslem kann unter jedem Rechtsstaat leben“

„Jeder Moslem kann unter jedem Rechtsstaat leben“

Cicero hat Ayatollah Ghaemmaghami interviewt, Leiter des Islamischen Zentrums in Hamburg.

Interview mit Hosseini Ghaemmaghami

„Jeder Moslem kann unter jedem Rechtsstaat leben“

Alexander Görlach hat mit Ayatollah S. A. Hosseini Ghaemmaghami, dem Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg über die Scharia, das Gesetz des Islam, und den Islam in Europa gesprochen.

Ayatollah Ghaemmaghami, viele Menschen in Europa fürchten sich vor der Scharia. Stimmt es denn, dass nach islamischem Glauben die Bestimmungen der Scharia eins zu eins in aller Welt umgesetzt werden müssen?
Nein, das stimmt so nicht. Zu allererst kann die Scharia nur in einer Gesellschaft gelten, in der die Mehrheit der Menschen Muslime sind. Aber auch dies ist alleine nicht ausreichend. Eine weitere Voraussetzung ist notwendig, um islamische Bestimmungen in einer islamischen Gesellschaft durchführen zu können. Die Muslime müssen zustimmen, da es möglich ist, dass auch in einer islamischen Gesellschaft die Mehrheit der Menschen die islamischen Bestimmungen nur in ihrem individuellen Leben praktizieren möchten.
Natürlich erwartet der Islam, genau wie jede andere Religion, von seinen Anhängern, dass sie alle Bestimmungen praktizieren, aber letztendlich praktizieren Muslime die islamischen Bestimmungen auf der Basis des eigenen freien Willens, sogar auch in einer muslimischen Gesellschaft.
Wer die Bestimmungen übertritt wird als sündige Person betrachtet, der Mensch ist aber nur seinem Gott gegenüber verantwortlich und niemandem anders.
Niemand darf einen Moslem zu religiösen Pflichten zwingen, weder in seinem individuellen noch im gesellschaftlichen Leben.
Somit ist der Islam selbst in einer islamischen Gesellschaft nur in einem demokratischen Prozess zu verwirklichen.
Also muss in einer islamischen Gesellschaft die Bevölkerung nicht unbedingt oder automatisch nach der Scharia leben. Das islamische Gesetz verlangt, dass man es mit Hilfe der Vernunft kennen lernt und freiwillig akzeptiert. Jeder Moslem kann unter jedem Rechtsstaat leben. weiterlesen

(gefunden bei NUN, E-Zeitung für muslimische Kultur in Deutschland)

s.auch: Aufruf zur Rechtstreue

Gefunden im Blog des SOS-Kinderdorfs in Gaza

Gefunden im Blog des SOS-Kinderdorfs in Gaza

Ich schau immer mal wieder im gaza-blog vorbei und ich möchte heute mal besonders darauf hinweisen, denn hier wird von gänzlich „Hamas-Unverdächtiger“ Seite über die Situation der Menschen dort berichtet. Wer behauptet, dass diese Situation den Menschenrechten entspricht? Es ist zum Heulen.

Gaza-blog

Explosionen in der Nacht

26. November 2009

Zu Anfang ein kurzer Hinweis: Der NDR war in Gaza und hat mit mir in meiner Funktion als Geologe über die Umweltverschmutzung in unserem Land gesprochen. Alle, die es interessiert, finden den Beitrag hier: http://www3.ndr.de/sendungen/weltbilder/videos/weltbilder784.html

Nach wie vor sind zahlreiche Dinge rar in Gaza. Die Liste der Güter, die nicht ins Land hineingelassen werden, ist lang, auch Baumaterial steht darauf, was dramatische Folgen hat: es kann generell nicht in Gaza gebaut werden, all die zerstörten Häuser können nicht repariert werden, so dass viele Menschen in Zelten leben. Lebensmittel sind vielleicht erhältlich, aber zum doppelten oder dreifachen Preis. Wenn am Freitag das islamische Opferfest Eid al-Adha beginnt, wird es sich kaum jemand leisten können, großzügig einzukaufen, geschweige denn, ein Rind zu schlachten.

Auch die Situation an den Grenzen hat sich nicht geändert: Fatimah, eine junge Frau, die mit einem Ägypter verheiratet ist (ich hab bereits von ihr erzählt), hat die Hoffnung fast aufgegeben, bald zu ihrem Mann zu kommen. Nach wie vor wohnt sie in der Jugendeinrichtung des SOS-Kinderdorfs. Der Fußweg über die Grenze würde gerade mal zwanzig Minuten dauern, aber nach zahlreichen vergeblichen Versuchen beginnt Fatimah zu resignieren. Sie hat große Angst, ihren Ehemann nie wieder zu sehen.

So ist die Stimmung in Gaza angespannt, die Menschen sehnen den Frieden herbei und die Freiheit. Sie sind ungeduldig einerseits, ängstlich andererseits. Das überträgt sich auch auf die Kinder. Vor einigen Nächten wurden wir nachts durch laute Explosionen aus dem Grenzgebiet wach. Meine Tochter Farah war sehr erschrocken und bekam vor Angst Gelenksschmerzen. Es dauerte lange, bis sie wieder einschlafen konnte und am Morgen wachte sie müde auf, überwand sich aber dennoch und ging zur Schule.

Noch schwieriger waren die nächtlichen Explosionen für die Jungen und Mädchen im SOS-Kinderdorf Rafah. Vor allem die Kleineren fingen an zu weinen, manche schrien, sie standen unter Schock. Ganz offensichtlich waren die Erinnerungen an den Krieg wieder da, der die Kinder tief traumatisiert hat.

Dies alles ist keine leichte Kost, das weiß ich, und ich bin froh, dass Sie trotzdem bis hierher gelesen haben. Eine kleine positive Nachricht habe ich auch noch: Wir haben es endlich geschafft, Bücher für unsere Schulkinder zu besorgen. Nachdem wir die Bücher nicht wie früher aus der Westbank bekommen konnten, haben wir sie in Gaza drucken lassen, bei einer der wenigen Druckereien, die überhaupt noch arbeiten. Das Papier ist schlecht, die Wartezeit war lang, aber immerhin: die Kinder können damit arbeiten. Sie freuen sich!

betterplace.org – Mädchen prägen die Zukunft

betterplace.org – Mädchen prägen die Zukunft

Bismillah

Eine Schwester hat mich auf eine Internetplattform aufmerksam gemacht:

Eine Möglichkeit für Spender/Sponsoren/Förderer und Projekte, die Unterstützung benötigen, zusammenzukommen. Ich kannte das noch nicht, finde es aber eine tolle Angelegenheit, weil es hier persönliche Kontakte gibt und das Geld wirklich bei den Bedürftigen ankommt.

Die Schwester unterstützt folgendes Projekt einer Mädchenschule in Peshawar

„Während meinen Ferien vor zwei Jahren in Peshawar habe ich von den Plänen zum Bau der Schule ‘Jamia Uloom ul Quran’ in der Nähe meiner Gastfamilie erfahren und ich bin dem Spendenaufruf gefolgt!

Tief erschüttert hat mich das Bild ein Jahr später, als ich statt dem erwarteten Rohbau eine Ruine sah! Durch einen Fehler ist das Grundgeschoss in das Untergeschoss eingestürzt!

Zuerst hat mich Hoffnungslosigkeit ergriffen, aber dann habe ich wieder Zuhause angekommen einen Betrag überwiesen mit der Hoffnung, dass auch andere Leute dies tun werden, so dass die Arbeiten wieder aufgenommen werden konnten.

Jetzt rufe ich Sie alle dazu auf, Ihren Möglichkeiten entsprechend Ihren Geld-Beitrag zu leisten, damit von den zahlreichen Kindern in den Strassen von Peshawar möglichst viele die Chance erhalten in die Schule zu gehen!

Entsprechend den verfügbaren finanziellen Mitteln wird jeweils nach Abschluss einer Bauetappe die nächste folgen. Auf dem grossen Grundstück ist der Bau einer Schule für mehrere Hundert Schülerinnen vorgesehen. Durch die Gewinnung von ausgewiesenen Lehrkräften wird eine hohe Qualität angestrebt! …mehr

Mädchen prägen die Zukunft.

Trotz großer Schwierigkeiten, wurde dort der Unterricht aufgenommen. Man kann sich an Baumaßnahmen oder Lehrergehältern beteiligen.

mehr Fotos

Das ist doch ein wunderbare Möglichkeit, konkrete Hilfe zu leisten. Schaut Euch die Seite mal an! Ich werde sie verlinken und inschallah gerne davon berichten, wenn es Neuigkeiten gibt!

Hier noch Pressestimmen zu betterplace.org:

„Wer garantiert mir, dass mein Geld ankommt? Die
Internetplattform betterplace.org bietet eine Antwort.“
(Die ZEIT Online, 15.02.08)

„…eines der ersten Internet-Startups, die kein Geld
verbrennen, sondern verteilen.“
(ARD Polylux, 20.11.08)

„…betterplace.org…könnte der Anfang eines Wandels
der deutschen Spenderszene sein.“
(Spiegel Online, 30.11.08)

„…eine Art Transparenz, die bisher bei
Spendenorganisationen unüblich war.“
(Kölner Stadt Anzeiger, 03.12.08)

„Der „Weihnachtsmann“ sitzt dieses Jahr in einer
Kreuzberger Büroetage…“
(ZDF Länderspiegel, 06.12.08)