Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen
Was der Monat Ramadan für mich bedeutet, soll ich beschreiben….darüber nachgedacht, kriege ich keinen eindeutigen Gedanken zu fassen. Inschallah geschieht im Niederschreiben, dass ich in Worte fassen kann, was mich an diesem Monat bewegt.
So viele Jahre bin ich noch nicht Muslima, dass ich eine Routine im Fasten hätte und so ist jedes Jahr wieder die Vorfreude auf diese besondere Zeit gemischt mit etwas Furcht, das Fasten nicht zu bewältigen. Und dann kommt aber GottseiDank immer wieder der Gedanke daran, dass es eine ganz besondere Atmosphäre ist, die durch alle Schwierigkeiten trägt. Obwohl ich nicht in einer vielköpfigen muslimischen Familie lebe, sondern weitgehend mit meinem Mann alleine die Zeit verbringe, spüre ich trotzdem die Kraft der Ummah und dass es im Monat Ramadan soviel leichter ist zu verzichten und sich auf Wesentliches zu konzentrieren.
Ich freue mich über alle Glück- und Segenswünsche die ich erhalte und versenden kann, weil mir dann bewusst wird, wie viele liebe Menschen ich in meinem islamischen Leben kennen gelernt habe. Von denen ich immer wieder Zuspruch erfahre, wenn ich Probleme habe. Und die mir helfen und mir die Augen öffnen für Vieles was ich früher nicht, oder nicht so intensiv und bewusst wahrgenommen habe.
Dann ist der Monat natürlich auch eine Zeit in der ich mich vermehrt im Gottesdienst bemühe. Und erstaunlich: wozu ich mich sonst nicht aufraffen kann, das geht im Ramadan leicht. Ich schaffte es bisher immer, eine neue Sure für das Gebet auswendig zu lernen. Auch wenn es die ganz kurzen waren: das Arabische ist für mich ja fremd und mein Gehirn speichert auch nicht mehr wie früher. Ich reduziere Ablenkungen und lese mehr islamische Bücher, eine meiner Koranübersetzungen, ein Prophetenbiographie oder was mich sonst bewegt und mich zur Einkehr bringt.
Nicht alles klappt immer so gut. Es gibt Tage, da fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren, sei es im Gottesdienst oder bei der Lektüre. Aber wo ich in anderen Monaten dann nachlassen würde, mache ich im Monat Ramadan weiter. Mein Bewusstsein für Nachlässigkeit, Unaufmerksamkeit und Undankbarkeit gegenüber Allah schärft sich in dieser Zeit. Davon nehme ich dann etwas in´s nächste Jahr mit.
Und die mühseligen Tage werden auch wieder abgelöst von solchen, in denen ich in wirklich glücklicher und dankbarer Stimmung bin, mit einem intensiven Gefühl für die Gnade Gottes. Und in denen ich ganz frei von Mühe IHM mein Fasten und meinen Gottesdienst zum Geschenk machen kann.
Denn so sehe ich alles, was ich im Monat Ramadan für Allah tue: als Geschenk an IHN. Weil er es uns gesagt hat – “Das Fasten ist für mich” Nun braucht Allah keine Geschenke von mir, aber womit kann ich sonst meine Dankbarkeit zeigen, als mit dem, was ER mir empfohlen hat. Und dafür bekomme ich viel mehr zurück, als ich gegeben habe, dagegen sind die Anstrengungen klein. Und wenn ich daran denke, dann schwindet jede Angst, nicht bestehen zu können – was ich kann, das gebe ich und aus ganzem Herzen. Und nehme inschallah auch dieses Gefühl mit bis zum nächsten Ramadan, den ich inschallah erleben darf.
Und weil ich von Dankbarkeit erfüllt bin, fällt auch das Geben leichter – wenn man selber merkt, wie sehr man beschenkt ist, dann wächst das Bedürfnis etwas für andere zu tun, seien es kleine Gesten, Geschenke, Freundlichkeit, Gebete oder Geld- und Lebensmittelspenden.
Ja, so ist jeder Ramadan für mich bisher neu gewesen und auch dieser ist wieder ganz anders als die vergangenen. Andere Schwierigkeiten, andere Gaben. Ich freue mich auf die nächsten Wochen und das, was ich darin lernen darf.
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