Archiv für den Monat August 2009

Gedächtnismanipulation-Entwicklung von menschlichen Kampfmaschinen schreitet voran

Gedächtnismanipulation-Entwicklung von menschlichen Kampfmaschinen schreitet voran

Die „Süddeutsche“ hat in ihrer letzten Wochenendausgabe einen Artikel mit dem Titel Reset-Taste für das Gehirn veröffentlicht, der mich seither gedanklich sehr beschäftigt.

Zunächst wird anhand eines Fallbeispiels besprochen, dass Gedächtnisverluste weit häufiger vorkommen als allgemein bekannt. Nicht neu ist, dass diese durch Verletzungen des Gehirns, aber auch durch Stress und Traumata ausgelöst werden. Was mir aber neu war ist, wie sehr die Forschung sich bemüht,  Methoden zur gezielten Löschung von Erinnerungen zu entwickeln.

An Ratten wird mit Hilfe von Dopaminblockern, die in den Hippocampus des Gehirns gespritzt werden, die Erinnerung an angsterregende Situationen ausgelöscht. Wie Menschen Traumata verarbeiten, habe ich hier schon mal beschrieben. Passend dazu ist die Erkenntnis, dass solche medikamentösen Eingriffe nur in den ersten Stunden nach einem Trauma wirken können, bevor sich die Erinnerung sozusagen im Gehirn einbetoniert hat.

Es gibt aber inzwischen Studien an Patienten, sowohl an solchen, die gerade ein Trauma wie z.B. einen Verkehrsunfall erlitten hatten, als auch an solchen, die schon länger an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Mit Hilfe eines Betablockers (Propranolol), der die Rezeptoren für das Stresshormon Adrenalin besetzt, kann der Angstpegel deutlich gesenkt werden und die emotionale Bewertung von Gedächtnisinhalten verändert. Dazu war aber bei den Langzeiterkrankten eine Reaktivierung der Erinnerung nötig. Das erinnert an die Technik der „EMDR“, mit der Traumata psychotherapeutisch bearbeitet werden.

Allerdings ist diese psychotherapeutische Methode erstens nicht für jeden geeignet, zweitens gehört dazu eine in Ruhe aufgebaute vertrauensvolle Beziehung, das „Heraufholen“ von belastenden Erinnerungen ist schließlich für die geistige Gesundheit eines Menschen nicht ungefährlich.

Außerdem sind eben die Erinnerungen nicht auf Wunsch verfügbar, sondern tauchen oft unvermittelt auf („flash-backs“), wenn Reize auf die betroffenen Personen einwirken, die mit diesen Erinnerungen unbewußt verbunden sind. Deshalb ist in diesem Fall eine medikamentöse Behandlung wohl kaum wirksamer als eine psychotherapeutische, auch wenn in den Studien Erfolge zu verzeichnen waren, aber die betrafen wohl eher Patienten bei denen das auslösende Trauma bekannt war. Beispielsweise eine U-Bahn-Fahrerin, die einen Selbstmörder überfahren hatte.

Eigentlich sollte ich ja froh sein, als Betroffene, wie auch einfach als Mitmensch, wenn sich die Forschung mit diesen Dingen beschäftigt. Außerdem ist hier noch nicht die Rede vom „Löschen“ der Erinnerungen, sondern von der Veränderung der emotionalen Bewertung. Das Gedächtnis lässt sich allerdings auch was Inhalte angeht, leicht manipulieren, auch dazu werden Forschungen beschrieben. Wenn man den Menschen aber Erinnerungen nimmt, egal welcher Art – dann nimmt man ihnen ja auch einen Teil ihrer Persönlichkeit – die Jahre, die sie damit verbracht haben, auf ihre Art mit dem Trauma umzugehen. Auch wenn ihr Leben in dieser Zeit schwer war – wer kann wissen, was übrig bleibt, wenn man ihnen dieses nimmt?

Aber so weit sind wir Gott sei Dank noch nicht. Was mich aber erschreckt ist die Tatsache, dass sich das amerikanische Militär sehr für diese Forschungen interessiert. Und zwar hat die Militärpsychiatrie größtes Interesse daran, die Soldaten nach traumatisierenden Ereignissen wieder einsatzfähig zu bekommen. Da bietet sich natürlich eine sofortige Behandlung mit dem Betablocker an, um die Bewertung des Ereignisses sofort in eine Richtung zu lenken, die der Soldat als nicht so schlimm empfindet. 6,7 Millionen Dollar investiert das Militär gerade in eine solche Forschung.

Es ist ja bekannt, dass US-Soldaten reichlich Medikamente und Drogen konsumieren, siehe z.B. hier und hier. Da wäre natürlich eine Methode, die sie, ohne sie zu betäuben, wieder einsatzfähig macht, für militärische Zwecke ideal. Das hieße aber, dass Menschen die angegriffen und verletzt wurden, aber auch getötet und vielleicht misshandelt haben, dahingehend beeinflusst werden, dass sie das alles ganz normal finden.. Und natürlich entsprechend weder Angst noch Schuld empfinden. Wir haben alle vor Augen, welche Kriegsverbrechen schon begangen wurden, nicht nur von der US-Army. Aber in den Ländern, die wissenschaftlich und technologisch weit entwickelt sind, werden diese Methoden natürlich als erstes eingesetzt.

Es gibt natürlich unter Wissenschaftlern eine Diskussion über die ethischen Aspekte solcher Manipulationen. Dass sich das Militär darum schert, glaube ich nicht. Zu schön, wenn man Menschen zu gewissenlosen Kampfmaschinen machen kann.

Mich gruselt es bei dieser Vorstellung. Und ich finde entsetzlich, dass sich eine medizinische Disziplin wie die Psychiatrie dazu benutzen lässt, auch wenn natürlich nur eine winzige Anzahl von Ärzten und Forschern mit diesem Ziel daran arbeitet.

Wer für solche Bilder verantwortlich ist, braucht dann keine Angst vor Alpträumen und Schuldgefühlen zu haben:

Bildquelle bei Urs1798

Friedens- und Demokratieplan bringt türkische Regierung in Bedrängnis – aktualisiert

Friedens- und Demokratieplan bringt türkische Regierung in Bedrängnis – aktualisiert

Der hier geschilderte Plan der türkischen Regierung unter Ministerpräsident Erdogan bringt die türkische Regierung ernsthaft in Bedrängnis.

Leider wird darüber in den deutschen Medien nicht berichtet, aber türkisches TV und Zeitungen haben kaum ein anderes Thema. Da bisher nicht klar gesagt wurde, was genau an Zugeständnissen gegenüber der kurdischen Minderheit gemacht werden soll, geschweige denn, das klar ist, ob es eine Amnestie für PKK-Terroristen geben soll, schlagen die Wellen der Spekulation hoch.

Die Nationalisten und das unter Erdogan weitgehend entmachtete Militär sehen sich seit langem mal wieder im Aufwind und haben Unterstützung in breiten Bevölkerungsschichten. In Umfragen hat die AKP drastische Verluste erlitten, würden Wahlen vor der Tür stehen, wäre ein Regierungswechsel klar.

Es wird Zeit, dass die Regierung sich klar äußert. Befürchtet wird z.B., dass Kurdisch Amtssprache in den kurdischen Gebieten werden könnte und dass dann die anderen Minderheiten, die Türkei ist schließlich ein Vielvölkerstaat, das Gleiche verlangen könnten. Ebenso wird nicht akzeptiert, dass dem inhaftierten ehemaligen PKK-Chef Öcalan ein Mitspracherecht durch einen „Friedensplan“ eingeräumt werden soll.

Außerdem wirft man Erdogan vor, in der Frage der Korruption weiterhin nicht konsequent zu sein, womöglich, weil seine Kinder profitiert haben. Das hat die AKP schon bei den Kommunalwahlen viele Stimmen gekostet.

Erstmalig ist diese Regierung ernsthaft in Bedrängnis. Womöglich, weil Erdogan zu Alleingängen neigt und nicht auf Berater hört. Schade, denn er hat viele Mißstände mutig angepackt.

30.8.09:

Hier gibt es deutschsprachige  Artikel zum Thema, u.a. dass eine Generalamnestie für PKKler nicht geplant ist.

Fundbüro: Laut Imam Chamenei waren Proteste nicht vom Ausland gesteuert

Fundbüro: Laut Imam Chamenei waren Proteste nicht vom Ausland gesteuert

Betonte auch seine Wertschätzung für die Arbeit der Bassidsch-Milizen: Irans geistlicher Führer Chamenei. Foto: dpa

TEHERAN afp | Das Ausland hat nach Ansicht von Irans oberstem geistlichen Führer, Ayatollah Ali Chamenei, die Proteste gegen die umstrittene Präsidentenwahl nicht unterstützt. Er werfe den Verantwortlichen der jüngsten Vorfälle nicht vor, Untergebene von Staaten wie den USA oder Großbritannien zu sein, erklärte Chamenei am Mittwoch nach Berichten des iranischen Staatsfernsehens. Bislang seien ihm dafür keine Beweise vorgelegt worden.

Nach dem Sieg von Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei dem Urnengang Mitte Juni waren im Iran tausende Menschen wegen mutmaßlichen Wahlbetrugs auf die Straße gegangen. Die Regierung warf daraufhin der Opposition vor, vom Ausland unterstützt worden zu sein. „Das Komplott der Opposition ist gescheitert“, las ein Moderator des Staatsfernsehens aus der Erklärung Chameneis. Die iranische Nation habe ihren Feinden „eine Ohrfeige“ verpasst, „aber sie haben die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben“.

Bei den Protesten waren mindestens 4000 Menschen festgenommen worden, etwa 300 von ihnen sitzen nach offiziellen Angaben noch im Gefängnis. 30 Menschen wurden nach Angaben Teherans getötet, die Opposition spricht von 69 Todesopfern.

Chamenei äußerte sich in der Erklärung auch zu einer möglichen Strafverfolgung der Regierungsmilizen, die teilweise mit großer Brutalität gegen die Demonstranten vorgegangen waren. Er schätze die Arbeit der Bassidsch-Milizen bei den Protesten, sagte Chamenei. Das bedeute aber nicht, dass „bestimmte Verbrechen“ nicht untersucht würden. Auch dürfe man die wegen der Proteste Angeklagten nicht aufgrund von Gerüchten und Vermutungen aburteilen. „Die Justiz kann Urteile ausschließlich auf der Basis von soliden Beweisen sprechen“, erklärte der geistliche Führer des Irans.

Etwa 140 Menschen müssen sich seit Anfang August wegen ihrer Teilnahme an den Protesten vor Gericht verantworten, unter ihnen auch die französische Universitätsdozentin Clotilde Reiss. Westliche Staaten haben die Verfahren als Schauprozesse kritisiert.

Der frühere iranische Präsident Mohammed Chatami bezeichnete die Geständnisse der Oppositionellen in den Massenprozessen am Mittwoch als „Lügen“. Die Aussagen der Angeklagten seien unwahr und deshalb „ungültig“. Die iranische Justiz wirft unter anderem auch Vertrauten Chatamis vor, „Drahtzieher“ der Proteste zu sein. Einige von ihnen räumten nach offiziellen Angaben vor Gericht ein, nach dem Urnengang aufgrund „falscher Analysen große Fehler“ begangen zu haben. Quelle: taz

Einflussnahme von außen gibt es trotzdem, wenn auch nicht an dieser Stelle