In einem Verfahren gegen einen jungen Guantanamo-Häftling redete eine US-Richterin, Ellen Segal Huvelle, Klartext. Die US-Regierungsanwälte hatten versucht in letzter Minute noch ein Zivilverfahren gegen Mohammad Dschawad, Bauernsohn aus Afghanistan, anzustrengen. Huvelle äußerte sich folgendermaßen:
„Dieses Gericht lässt sich nicht in letzter Minute den Teppich unter den Füßen wegziehen“
verteidigte sie die Souveränität der Judikative.
„Dieser Fall ist für mich ein Skandal“ herrschte sie die Regierungsanwälte an. “ Der Fall ist völlig durchlöchert. Und sie wissen das, die US-Regierung weiß, wie mies das ist“
Mohammad Dschawad sitzt seit 2003 in Guantanamo, wo er, wie ein Militärgericht bestätigt hat, geschlagen und mit Schlafentzug gequält wurde. Einen Selbstmordversuch 2003 hat er überlebt.
Afghanische Menschenrechtler sagen, Mohammad Dschawad sei bei seiner Festnahme erst 12 Jahre alt gewesen, das Pentagon will Knochenanalysen gemacht haben und sagt, er war damals 18 Jahre alt.
Nachdem jahrelang niemanden interessierte ob der Vorwurf gegen ihn – eine Handgranate auf eine US-Patrouille geworfen zu haben – stichhaltig ist, kam bereits 2008 ein Militärgericht zu der Erkenntnis, dass ihm nichts nachzuweisen sei. Das Geständnis sei nicht verwertbar, da von afghanischen Sicherheitskräften unter Folter erpresst. Trotzdem saß der junge Mann weiterhin ein, bis die Richterin jetzt verfügte, dass er frei zu lassen sei. In drei Wochen soll er nach Hause geflogen werden, bis dahin sitzt er unter immerhin erleichterten Bedingungen im Camp Iguana, einer Außenstation von Guantanamo.
Richterin Huvelle und ihre Kollegen haben bisher insgesamt 33 Guantanamo-Fälle unter die Lupe genommen. Davon hat der Staat 28 verloren, nur 5 Inhaftierungen waren rechtmäßig.
Quelle: Printausgabe der SZ vom 31.7.2009
Jetzt wundert einen ja gar nichts mehr, was der Bush-Regierung an Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen vorgeworfen werden kann. Dass allerdings auch die Regierung Obama vieles daransetzt, Guantanamo Häftlinge unter unsinnigen Vorwänden festzuhalten, sollte doch denen zu denken geben, die immer noch glauben, dass sich ernsthaft etwas ändern soll.
Und ganz besonders interessant ist es, zu beobachten wie die Regierung auf die Organe eines Rechtsstaates Einfluss nehmen will.
Nur noch am Rande einen „Erfolg“ des „Anti-Terror-Krieges“ und der „Aufbauhilfe“ in Afghanistan erwähnt:
Im Jahr 2001 betrug die Produktion von Opium in Afghanistan 900 Tonnen jährlich.
In 2007 waren es 7200 Tonnen.
Wahrlich, eine echte Aufbauleistung! Da wissen wir doch, welche Sicherheit unsere Soldaten am Hindukusch verteidigen: Den gesicherten Drogennachschub.
(Quelle der Zahlen: Sz-Forum „Dilemma Afghanistan“, Ulrich Tilgner am 29.7.2009)
seinen Vorsatz zur weiteren Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Islamischen Republik Iran. Das Gesetz, für das sich die Senatoren John McCain, Joseph Lieberman, Ted Kaufman, Lindsey Graham und Robert Casey stark gemacht hatten, regelt die „Finanzierung von Maßnahmen“ der iranischen Opposition „zur Bekämpfung der Bemühungen der iranischen Regierung, die Radio-, Satelliten- und auf dem Internet basierenden Übertragungen zu stören“.