Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat von Israel gefordert, seine Blockade des Gaza-Streifens endlich zu lockern, um die Lebensbedingungen der Bewohner zu verbessern. Nach 2 Jahren Abriegelung seien die 1,5 Millionen Bewohner am Ende der Kräfte.
Mangel an Medikamenten und Materialien führt dazu, dass Kranke nicht richtig versorgt werden können, ebenso liegt der Wiederaufbau der zerstörten Häuser brach, mangels Baumaterial, so dass viele Menschen in Ruinen leben müssen. Inzwischen müssen viele ihr ganzes Hab und Gut verkaufen, um die nötigsten Lebensmittel zu beschaffen. Quelle
\“Neues Deutschland\“wundert sich über die Parteinahme des Roten Kreuzes:
Berlin (ots) – Israel habe fraglos das Recht, seine Bevölkerung zu schützen. Aber bedeute das für die Menschen in Gaza, dass sie nicht das Recht auf normales Leben haben? Es ist schon außergewöhnlich, wenn sich das internationale Rote Kreuz in einem Appell so für die leidende Bevölkerung im nach wie vor hermetisch abgeriegelten Gazastreifen einsetzt. Normalerweise äußert man sich nicht derart unverblümt zu Konflikten. Doch hier geht es um eine dramatische humanitäre Krise – und Israel bleibt bei der Blockade.
Aus dem SOS-Kinderdorf in Gaza berichten Ihsan Redwan und Kamil el Shami in ihrem blog:
Immer wieder gibt es diese Gerüchte: „Hast du schon gehört? Sie wollen die Grenzen endlich öffnen!“ Das klingt zu schön und nie wird es wahr: Die Grenzen sind zu, nach wie vor. Seit zwei Jahren dürfen wir schon nicht hinaus und niemand und nichts kommt hinein. Ich muss das immer mal wieder sagen, da ich manchmal Angst habe, dass die Welt es vergisst.
Das Leben ist kompliziert geworden in Gaza. Eine kleine Liste der täglichen Nöte:
Fatimah, 18 Jahre, wohnt im Jugendhaus der SOS-Kinderdörfer und denkt doch nur an Ägypten. Dort lebt ihr Verlobter, den sie so schnell wie möglich heiraten möchte – aber sie darf das Land nicht verlassen!
Dareen, das kleine Mädchen mit dem gebrochenen Bein, von dem ich letzte Woche erzählt habe, braucht eine spezielle Behandlung, zu der es regelmäßig gebracht werden muss. Gleiches gilt für Tamir, einen elfjährigen Jungen, ebenfalls mit einem Beinbruch. Da Tamir nicht in die Schule gehen kann, bemühen wir uns, einen Nachhilfe-Lehrer zu finden. Er soll den Anschluss nicht verlieren!
Ashraf will im Ausland studieren. Seit langem hat er seine Papiere zusammen, viele Male schon hat er sein Visum erneuert und viel Geld dafür ausgegeben. Bis heute wartet er.
Die größten Sorgen aber machen wir uns um Mr. Wael, den Leiter des SOS-Kinderdorfs Rafah. Er hatte eine Hirnblutung und liegt im Krankenhaus. Er müsste dringend operiert werden und wartet nun auf die Genehmigung, Gaza für die Operation verlassen zu dürfen. Hierzulande kann ihm nicht wirklich geholfen werden. Zwar tun die Ärzte und Krankenschwestern ihr Bestes, aber sie haben nicht annähernd die technische Ausstattung, das Wissen und die Kapazitäten, alle Patienten adäquat zu behandeln. Mehr als 300 Menschen sind in den letzten zwei Jahren gestorben, weil sie nur im Ausland entsprechend hätten versorgt werden können – aber nicht ausreisen durften.
Wir warten, machen, hoffen – die Tage sind lang. Bis wieder mal jemand hineinstürmt, aufgeregt, mit der altbekannten Neuigkeit: „Du glaubst es nicht: Sie wollen die Grenzen öffnen!“
5,2 Milliarden Dollar für Hilfsgüter wurden versprochen, von denen nur ein geringer Teil in den Gaza-Streifen gelangt, da Israel einen großen Teil Waren nicht durchlässt. Dazu gibt es wohl Auseinandersetzungen zwischen Hamas und Fatah über die Hilfsgelder – etwas, über das ich nichts Aktuelles herausfinden konnte, allerdings ist das auch in der Vergangenheit, also vor dem letzten Krieg anscheinend so gewesen. Es fehlen jedenfalls 60.000 Wohnungen in Gaza und der nächste Winter kommt unausweichlich. Da die Hamas weiterhin die gewählte Regierung des Gaza-Streifens stellt, frage ich mich, wie man da noch über die Verwendung der Gelder streiten kann.
Über die Lebensbedingungen in Gaza heute, hier ein Interview mit einer jungen Journalistin:
Hier erklärt das Rote Kreuz leicht verständlich die Bedingungen des Internationalen Völkerrechts
Wundern muss man sich ja nicht mehr darüber, dass Israel sich darum kein bisschen schert, schließlich war ja auch der letzte Krieg eine Bestrafungsaktion an der Zivilbevölkerung. Und da ist es ja aus deren Sicht sicher am besten, man hält die Bevölkerung damit beschäftigt, gerade so zu überleben, damit sie nicht wieder auf Widerstandsgedanken kommen.
Was mich allerdings trotzdem wundert ist, wie wenig die Situation noch in den Medien präsent ist. Wenn das Morden still vonstatten geht, ist die Berichterstattung eben nicht so spektakulär.
Bild von Urs1798
So wird der Haß niemals enden.
Ein kleines Beispiel für praktische Versöhnung hab ich neulich in einer Sendung für Gehörlose gesehen. Eine israelische Schule unterrichtet palästinensische und israelische Kinder gemeinsam. Leider hab ich die Sendung nicht online gefunden.
Aber auch hier wurde geschildert, wie schwer es durch die Apartheid-Mauer geworden ist, für die Kinder die Schule zu erreichen und dass sie oft den Schulbus versäumen, weil sie nicht durch die Grenzkontrolle kommen. Behinderte Kinder wohlgemerkt! Hier ein Bericht zur Sendung

