Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen
Ich möchte über eine Reihe von Frauen berichten, die mutig für den Islam eingetreten sind. Die Erzählungen sind nicht in der Reihenfolge ihres geschichtlichen Auftretens, sondern so, wie es mich gerade beschäftigt. Wir können von diesen Frauen viel lernen über Gottvertrauen, Treue und Mut – und alle die glauben, dass der Islam den Frauen nur eine untergeordnete Stellung einräumt, sollen sehen, was Frauen geleistet haben und wie sie dafür verehrt werden.
Als erstes möchte ich von Zainab, a. (das a. ist eine Abkürzung für einen Segenswunsch an sie), erzählen, der Enkelin des Propheten Muhammed, s.(Segenswunsch), Tochter seiner Tochter Fatima, a. und ihres Ehemannes Ali, a., der der Cousin und Pflegesohn des Propheten war und in dessen Haushalt aufgewachsen war. Er war der 1. Imam der Shia. Ihr Name Zainab, bedeutet: Zier des Vaters.
Zainab,a., wurde im Jahr 6 nach der Auswanderung der Muslime nach Medina geboren. Sie hatte 2 Brüder, Hasan, a. und Hussein, a., die beide später Imame der Shia wurden und eine Schwester, Kulthum, a.
An ihrer Erziehung in den frühen Jahren nahm der Prophet, s., intensiv teil, wie an der aller seiner Enkelkinder. Leider verstarb er, als Zainab, a., erst sieben Jahre alt war. Sie musste miterleben, wie ihr Vater unter Druck gesetzt wurde und um seine Position als Nachfolger des Propheten, s., betrogen, sie sah mit an, wie ihre Mutter Fatima, a., sich den Unterdrückern entgegenstellte und schwer verletzt wurde, so dass der kleine Bruder von Zainab, a., Muhsin, a., zu früh geboren wurde und verstarb. Dann erlebte sie, wie ihre Mutter trotz ihrer Verletzungen in der Moschee die Stimme gegen die Ungerechtigkeit erhob. Bald danach ist auch Fatima, a., verstorben.
Zainab, a., war früh verantwortlich für ihre Geschwister und kümmerte sich auch um ihren Vater,um die Gemeinde, um Arme und Waisen. Ihr Vater sorgte intensiv für ihre Ausbildung, so dass sie später, als er endlich das Kalifenamt als 4. Kalif erhielt, als Lehrerin und Ratgeberin wirkte, auch weit über sein Ableben hinaus. Sie war im Quran, in den Überlieferungen und in Rechtsfragen kundig, man nannte sie auch “die Stellvertreterin des Imams”
Sie ähnelte in ihrer ruhigen Ausstrahlung ihrer Großmutter Chadidscha, a., in ihrer Bescheidenheit ihrer Mutter Fatima, a., sie war ausdrucksvoll wie ihr Vater Ali, a., geduldig wie ihr Bruder Hasan, a. und mutig wie ihr Bruder Hussain, a. -ihm fühlte sie sich besonders verbunden.
Zainab, a., heiratete ihren Cousin Abdullah ibn Dschafar und bekam mit ihm 5 Kinder, 4 Jungen und ein Mädchen.
Mit ihrem Mann hatte sie vereinbart, dass sie jederzeit mit ihrem Bruder Hussain,a., verreisen könnte, wenn sie es für notwendig erachten würde.
So schloss sie sich Imam Hussain, a., der nach seinem Vater und seinem Bruder das Imamat innehatte an, als dieser im Jahr 61 nach der Hidschra (Auswanderung) nach Kufa reisen wollte – die Bürger dort hatten ihn gerufen, damit er sie unterstützen sollte im Widerstand gegen den damaligen despotischen Kalifen Yazid. Er brach mit 72 Anhängern, darunter seine Söhne und Töchter, bis auf die Jüngste die krank war, auf Richtung Kufa.
Unterwegs erfuhren sie bei einer Rast in der Oase al-Thalabiya, dass die Bürger Kufas sie verraten hatten, als Yazid sie unter Druck setzte und den Boten Imam Hussains, a., sowie dessen Söhne ermorden ließ. Ohne die Unterstützung der Bürger war die Reise nach Kufa sinnlos, so dass sie umkehren wollten, Yazid ließ aber mit einer mehrere tausend Mann starken Armee ihnen den Weg und den Zugang zum Wasser versperren
Die große Tragödie von Ashura nahm ihren Lauf – in den nächsten Tagen starben fast alle Anhänger und Verwandten Imam Hussains, a., im Kampf mit der Überzahl von Truppen, sie alle litten Hunger und Durst, selbst der kleine Sohn von Imam Hussain, a., der erst wenige Monate alt war, wurde in den Armen seines Vaters erschossen, als dieser um Wasser für ihn bat. Imam Hussain, a., beugte sich nicht den Forderungen des Tyrannen, er wusste, wenn er sich ergeben würde und den Treueeid leisten, dann würde der Islam untergehen, Yazid wollte ihn demütigen, lächerlich machen und dadurch die Familie des Propheten, s., für alle Zeit diskreditieren. Als Imam Hussain, a., gefallen war, ließ der Heerführer ihn köpfen, um den Kopf Yazid zu überbringen.
Der nachfolgende Imam, Zain-ul-Abidin, a., war schwer erkrankt und konnte nicht kämpfen. So überlebte er das Massaker – die Feinde hatten das zuerst nicht bemerkt, später stellte sich Zainab, a., schützend vor ihn, wie sie überhaupt während der weiteren tragischen Ereignisse den Überlebenden immer wieder Mut zusprach und Trost spendete. Sie selber hatte einen ihrer Söhne und einen weiteren Sohn ihres Mannes verloren. Die Überlebenden wurde nach Kufa verschleppt, am Hof des dortigen Gouverneurs hielt Zainab,a., eine flammende Rede, die uns bis heute überliefert ist. Sie klagt die Leute von Kufa an, die Tränen vergossen, als sie die Gefangenen sahen – die aber durch ihren Verrat selber diese Tragödie gefördert hatten :
“Wehe Euch, Leute von Kufa! Weint ihr um unser Leid, die ihr doch mit angesehen habt, wie die wertvollsten unserer Brüder niedergemetzelt wurden? Weint ihr um unser Leid?
Eure Tränen nützen nichts. Sie rechtfertigen nicht eure Tatenlosigkeit, eure Tränen dienen nur euch selbst zu eurer Selbstrechtfertigung. Mögen die Tränen in euren Augen nie trocknen. Ihr gleicht den Frauen, die ihr Gespinst nach getaner Arbeit wieder in Strähnen auflösen.
Der Islam hat euch Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit gebracht, und ihr habt selbst diese Werte wieder aufgegeben. Ich sehe in euch nichts außer Doppelzüngigkeit, Eigennutz und Verrat. Aufrichtigkeit sehe ich in euch nicht. Ihr wollt damit euer Leben retten. Ihr seid die Gleichen, die beim Sieg der Feinde Freudentränen geweint haben. Und nun, wo ihr uns sehen könnt, da weint ihr noch einmal, – vergebens.
Ihr habt keine klare Linie, ihr gleicht einer Pflanze, die im Unrat gedeiht oder einem Stein, der ein Grab schmückt. Ihr seid ein totes Volk, seelenlos und brackig, – tot deswegen, weil ihr zu allem bereit seid, um euer Leben zu erhalten. Gottes Missfallen habt ihr euch zugezogen. Ihr ließet uns töten und wollt nun um uns weinen?! Es wäre angebrachter, dass ihr um euch selbst weintet. Denn diejenigen, die sich für Freiheit und Gerechtigkeit opfern, die in dieser Sache sterben, haben ein gutes Ende vor sich. Zu beweinen sind jene, die auf der anderen Seite stehen. Welch ein Vergehen habt ihr begangen.”
Die Gefangenen wurden weiter unter unsäglichen Strapazen nach Damaskus verschleppt, in Ketten, zu Fuss, ohne Rücksicht auf ihre erbärmliche Verfassung. In Damaskus im Kerker starb dann noch die kleine Sukaina, a., Tochter Imam Alis, a., in den Armen ihrer Tante.
Sie war noch keine Frau, aber ihre Geschichte ist es auch wert, erzählt zu werden, in scha Allah ein anderes Mal.
In Damaskus forderte Yazid den Tod von Imam Zain-ul-Abidin. Die Bürger wurden aber mißtrauisch – man hatte ihnen gesagt, ein Heer von Aufständischen sei gefangen genommen worden und als sie das traurige Häufchen der Überlebenden sahen, fingen sie an zu murren. Imam Zain-ul-Abidin, a., hielt eine Rede vor Yazid und erinnerte daran, dass sie die Familie des heiligen Propheten, s, waren – Yazid musste den Widerstand seines Volkes fürchten. In dieser Situation konnte er nicht nein sagen, als auch Zainab, a., Redeerlaubnis forderte – in der Umayyadenmoschee in Damaskus hielt sie eine weitere mutige Ansprache (hier in Auszügen):
„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Alles Lob gebührt Allah, Dem Herrn der Welten und Friede sei mit seinem Propheten (s.a.s). Allah spricht im Qur’an:
Böses war dann das Ende derer, die Böses taten, weil sie die Zeichen Allahs leugneten und sich darüber lustig machten. (Sure 30, Ar-Rum, Vers 10)
O Yazid! Du hast uns eingeschlossen und uns alle Wege abgeschnitten. Du hast uns mit Frauen und Kindern ohne Wasser in der Hitze der Wüste verdursten lassen. Du glaubst, dass du dadurch eine hohe Stellung bei Allah hast? Du fühlst dich als Sieger und freust dich darüber? Bleib am Boden und sei ruhig! Hast du vergessen, was Allah im Qur’an spricht:
Jene, die ungläubig sind, sollen ja nicht meinen, dass Wir ihnen Aufschub gewähren, sei gut für sie selbst. Wahrlich, Wir gewähren ihnen nur Aufschub, damit sie an Sündhaftigkeit zunehmen und ihnen wird erniedrigende Strafe zuteil. (Sure 3, Al-Imran, Vers 178)
O Yazid! Du hast die Familie des Propheten umgebracht und die Frauen von seiner Familie gefangengenommen und vor anderen zur Schau gestellt. Du hast ihnen keinen Respekt erwiesen, obwohl sie keinen Mann als Begleiter haben. Du bist stolz und glaubst einen großen Sieg erreicht zu haben.“
Hier wandte Zainab sich an Allah und sprach zu Ihm:
„O Allah! Du bist der Gerechte und Du siehst, wie sie ungerecht Blut vergießen. Richte Du Selbst über sie o Allah!“
Dann wandte sich Zainab (a) wieder Yazid zu:
„Bei Allah, du hast uns nicht besiegt. Durch diese Tat hast du in dein eigenes Fleisch geschnitten. Diejenigen, die dich jetzt umkreisen, werden wissen, was für ein Herrscher und Mensch du bist. Sie werden wissen, wie du der islamischen Umma geschadet hast. Wenn wir heute als Gefangene vor dir stehen und verurteilt werden, am Tage des Gerichts werden wir dich bei Allah anklagen.”
Alles Lob gebührt Allah, Dem Herrn der Welten. Ich bitte um Seine Barmherzigkeit für diejenigen, die als Zeugen gestorben sind und bitte um Seine Hilfe, dass wir auf ihrem Weg weitergehen. Er ist Der Verzeihende und Der einzige Beschützer.“
Yazid hatte keine andere Möglichkeit, als die Gefangenen freizulassen, wollte er nicht einen Aufstand der Bevölkerung riskieren. Er stellte ein Haus zur Verfügung, in dem die Gefangenen sich erholen konnten und die erste Trauerveranstaltung für die Gefallenen abhielten – eine Tradition die in der Shia bis heute gepflegt wird. Zainab, a., wurde dann in Ehren nach Medina zurückgeleitet, sie bestattete auf dem Weg mit Imam Zain-ul-Abidin den Kopf von Imam Hussain, a., in Kerbela.
Es ist nicht ganz geklärt, wie der kurze Rest ihres Lebens, 1-2 Jahre, weiter verlief, darüber gibt es verschiedene Versionen. Vermutlich wurde sie aber erneut nach Damaskus verschleppt, wo ihr Mausoleum auch steht – es gibt aber auch in Ägypten ein Mausoleum, in dem sie angeblich begraben sein soll. Es spricht aber mehr dafür, dass sie in Damaskus liegt.
Durch ihren Mut und ihre Hingabe an Allah und die Opferbereitschaft ihres Bruders Imam Hussain, a., wurde ein Wahlspruch der Shiiten geprägt: “Leben wie Zainab, sterben wie wie Imam Hussain”
Hier ein Video mit der Geschichte von Zainab, a., und Ali, a., wie sie zu Ashura-Trauerfeiern vorgetragen wird:

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