Archiv für den Monat April 2009

Islamfeindlichkeit und ihre Ursachen

Islamfeindlichkeit und ihre Ursachen

Islamfeindlichkeit, oder sogar Angst vor dem Islam (Islamophobie) begegnet uns im realen Leben auch – allerdings sind mir im wahren Leben noch niemals derartig üble Aussagen begegnet, wie das, was man im Internet, unter dem Schutz der Anonymität lesen kann. Oder auch im Schutz eines rechtsfreien Raumes, wenn die Internetseiten in Ländern gehostet werden, die dem deutschen Recht nicht unterliegen.

Natürlich gibt es auch hier angemessene Diskussionen in respektvollem Tonfall, aber auch viele Aussagen, die sicherlich Straftatbestände erfüllen.

Wenn es solche Meinungen gibt, werden sie auch in den Köpfen der Menschen auf der Straße sein. Nur dass es den meisten nicht so leicht fällt, anderen so etwas ins Gesicht zu sagen. Wie Vorurteile entstehen, habe ich bereits einmal beschrieben (s. Menschen sind kognitive Geizhälse), davon können wir uns alle nicht frei machen.

In 2007 hat die Universität Bielefeld eine Studie zum Thema Islamfeindlichkeit veröffentlicht. Prof. Wilhelm Heitmeyer untersucht seit längerem das Phänomen der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ und äußerte sich dazu in einem Interview mit dem WDR.

Zunächst einige Zahlen aus dieser Studie:

29% der deutschen Bevölkerung sind der Meinung, dass Muslimen die Zuwanderung untersagt werden sollte

39% fühlen sich durch die Anwesenheit von Muslimen wie Fremde im eigenen Land

Das sind Zahlen, die seit Jahren kontinuierlich angestiegen sind. Prof. Heitmeyer erläutert dazu, dass es kein objektives Kriterium zum Erfassen von Islamfeindlichkeit gibt, da sich diese mit Fremdenfeindlichkeit vermischt.

Als Ursachen sieht er mangelnde Differenzierung zwischen verschiedenen Strömungen des Islams und auch der Instrumentalisierung des Islams durch Terrorismus.

Außerdem beschreibt Prof.Heitmeyer eine „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ – die Tendenz andere Menschen abzuwerten, nicht auf Grund ihres individuellen Verhaltens, sondern ihrer Gruppenzugehörigkeit. Zu finden verständlicherweise häufig bei Menschen die selber soziale Probleme haben. Aber nicht ausschließlich, es finden sich solche Einstellungen auch bei Menschen, die eine diffuse Angst vor Untergang ihrer „abendländischen“ Werte haben. Er warnt davor, dass solche Tendenzen die Gewaltschwelle gegenüber anderen Menschen senken.

Als Gegenmaßnahme fordert Prof. Heitmeyer, eine bessere Differenzierung und Information über islamische Strömungen, aber auch den Mut zum Konflikt in einer multikulturellen Gesellschaft. Durch Wegschauen von den Problemen die zweifelsohne auftreten wurden generalisierende Bewertungen eher gefördert. Es müssen sowohl bessere Integrationsmöglichkeiten für zugewanderte Muslime geschaffen werden, als auch der Streit über das angemessene Verhalten geführt werden.

Ich denke, dass die Tendenz andere Menschen abzuwerten, eine sehr alte ist. Wie schon beim Thema „Vourteile“ beschrieben, ist es leichter, zu pauschalisieren als zu differenzieren und wenn man Gleichgesinnte findet, hat man auch noch das Gefühl einer Gruppenzugehörigkeit. Genauso ist die Neigung bekannt, „Sündenböcke“ zu benennen, wir kennen das von der Judenfeindlichkeit und jetzt sind eben die Muslime dran.

Dazu kommen Ängste, die dadurch geschürt werden, dass der Islam pauschal mit Terrorismus in Verbindung gebracht wird, auch wenn die Religion das verbietet und die meisten Terroranschläge nicht im islamischen Umfeld verübt werden (auch wenn es dann oft nicht so genannt wird). Murad Hoffmann hat das schon 2001 beschrieben. Artikel

Da das von Regierungen benutzt wurde, um Krieg zu rechtfertigen, hat es natürlich eine große Öffentlichkeit erhalten.

Es darf aber nicht vergessen werden, dass auch Muslime ihren Anteil an dem Entstehen einer solchen Stimmung haben. Auch sie haben Vorurteile, fühlen sich über „Ungläubige“ erhaben und lassen ihre Frustration über mangelnde Perspektiven und niedrige soziale Stellung an Unschuldigen aus. Wegschauen bei den Themen Jugendkriminalität und allgemein schlechten Benehmens, fördert das Verständnis nicht.

In dieser Hinsicht ist sowohl von den Moscheegemeinden wie auch von den Familien seit Jahrzehnten viel versäumt worden. Nur wenige muslimische Eltern erscheinen zu Kindergarten- oder Schulveranstaltungen oder engagieren sich als Eltensprecher. Die Kinder kommen oft ohne Deutschkenntnisse in die Schule und sind dann schon benachteiligt. Wenn in der Schulklasse dann Probleme auftreten, nicht nur durch Einwanderer muslimischen Glaubens, fördert das wiederum die Ausländerfeindlichkeit anderer Eltern.

Davon abgesehen kommt die islamische Bildung zu kurz – viele Jugendliche lernen nichts über ihren Glauben, außer was traditionell in der Familie gelebt wird und nicht immer dem Islam entspricht. Gute Vorbilder können aber nur die Menschen sein, die wissen wie sich ein Muslim zu verhalten hat. Wer pöbelt, prügelt und sich arrogant verhält, womöglich gar glaubt, dass man „Ungläubigen“ alles mögliche antun könne, der fördert die schlechte Meinung über Muslime.

Wir brauchen also islamische und allgemeine Bildung, keine Frage. Aber auch wenn wir als Muslime unseren Teil beitragen, zum besseren Verständnis: es wird immer Menschen geben, die sich nicht mit anderen Kulturen und Religionen auseinandersetzen wollen, oder mangels Verstand oder menschlichen Fähigkeiten nicht können. Wehren dürfen wir uns schon, gegen solche Erscheinungen, aber provozieren lassen sollten wir uns nicht – denn das ist ja nur das, was sie wollen, um anschließend wieder Haßargumente zu haben.

Erinnern wir uns lieber daran, wie gelassen Prophet Muhammed, s.a.s., auf Provokationen reagiert hat und vor allem daran, dass niemand seiner Abrechnung entgehen wird.

Mehr zur Studie von Prof. Heitmeyer findet man hier:

Blog von Laterne

Extra 3: Adolf Hitler über die NPD

Extra 3: Adolf Hitler über die NPD

Weil´s so schön war mit dem Sprachkurs für Nazis und wir ja außerdem Superwahljahr haben und uns schließlich entscheiden müssen, wen wir wählen wollen: hier die Meinung von „Adolf“ zu seinen Nachfolgern: